Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

„Industrielandschaft mit Einzelhändlern“ - Ein realistisches Fernsehspiel?

Zur Ästhetik Egon Monks

Titel: „Industrielandschaft mit Einzelhändlern“ - Ein realistisches Fernsehspiel?

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2010 , 34 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Sina Schmidt (Autor:in)

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Alles was im Fernsehen zu sehen ist, unterliegt immer einer Auswahl. Für sehenswert befundene Filme, Serien und Magazine werden in die besten Sendezeiten gelegt und beliebig oft wiederholt, oder stehen im Internet per livestream zur Verfügung. Anderes läuft nur einmal mitten in der Nacht und verschwindet dann in den Archiven. So sucht man auch fast vergeblich nach Werken des Filmregisseurs Egon Monk,dessen Fernsehproduktionen sich in den 70er und 80er Jahren großer Beliebtheit erfreuten. Bekannt wurde er vor allem durch seine Tätigkeit als Leiter der Fernsehspielabteilung des NDR in den Jahren 1960-68, sowie als Autor und Regisseur für den Hörfunk. Umso erstaunlicher scheint es, dass gerade sein filmisches OEuvre in Vergessenheit geraten ist. Das selbst gesteckte Ziel Monks war es, dass „Fernsehspiele versuchen [sollten], die Wirklichkeit, das heißt unsere Zeit, unsere Beziehungen zu anderen Menschen und unsere Ansichten darüber, wie wir leben oder leben sollten, kurz: uns selbst so zu zeigen, daß wir nachher besser über uns Bescheid wissen als vorher.“ Dass es sich hier um einen eindeutig aufklärerischen Ansatz handelt, ist offensichtlich.
Voraussetzung ist, dass die Welt, so wie sie ist, vom Einzelnen nicht verstanden werden kann und dass verborgene Kräfte wirken, die es aufzudecken gilt. Was es aufzudecken gilt und mit welchen Mitteln dies gelingen soll, bzw. wiedem Publikum ein Wissen über seine eigene aktuelle Welt vermittelt werden soll, wird hier nun durch eine nähere Untersuchung des 1970 ausgestrahlten Fernsehspiels "Industrielandschaft mit Einzelhändlern“ untersucht werden. Anhand dieses Filmes soll herausgefunden werden, mit welchen ästhetischen Mitteln Monk seinen didaktischen Ansatz umsetzt. Auch stellt sich die Frage, wie die Lebenswirklichkeit seines Publikums dargestellt wird, um die darin wirkenden Mechanismen vorzuführen, also die Frage ob und wenn ja, von welcher Art von Realismus in diesem Fernsehspiel gesprochen werden kann. Untrennbar damit verbunden ist eine Einbettung der Lebenswirklichkeit der späten 1960er Jahre in der BRD, die ja die Angriffsfläche für die Kritik des Regisseurs Egon Monk darstellt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hintergründe

3. Realismus

4. Formaler Aufbau

4. 1. Die Zeit

4. 1. 1. Zeit in der Montage

4. 1. 2. Vergangenheit vs. Gegenwart

4. 1. 3. Personifizierte Zeit – Möglichkeiten

4. 2. Der Raum

5. Der V-Effekt

5. 1. Die Sprache

5. 2. Die Kamera

5. 3. Der Ton

6. Die Evolution des Glaubens – die Metaphorik

7. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das 1970 ausgestrahlte Fernsehspiel „Industrielandschaft mit Einzelhändlern“ von Egon Monk. Dabei wird analysiert, mit welchen ästhetischen Mitteln der Regisseur seinen didaktischen Ansatz verfolgt, wie die Lebenswirklichkeit des damaligen Publikums dargestellt wird und inwiefern von einem spezifischen Realismusbegriff gesprochen werden kann.

  • Ästhetische Analyse des Fernsehspiels und dessen formaler Aufbau.
  • Untersuchung der Kategorien Zeit, Raum, Sprache und Ton als Verfremdungsmittel.
  • Analyse der verwendeten Metaphorik zur Kritik am ökonomischen System.
  • Einordnung des Werkes in den Kontext des epischen Theaters nach Brecht.

Auszug aus dem Buch

4. 1. Die Zeit

„Schuld ist die Zeit, weil sie so anders ist, ganz anders als die schönere frühere, schuld ist Moral, weil es sie nicht mehr gibt, schuld sind Hast und Hetzen.“32 spricht der Lebensmittelhändler zu seinen Bekannten in der Kneipe, als entschuldigende universelle Antwort auf die Misere aller Einzelhändler, die darin besteht, dass „nicht [mehr] der Markt [...] die Unternehmen [reguliert], sondern die Unternehmen [...] den Markt [regulieren]“33, wodurch kleine Händler sich nicht mehr mit ihren Geschäften behaupten könnten, sondern ihre Zeit vorbei sei.

Zeit wird im Sinne eines „tempus fugit“ als ewig dahin rasende, fortschreitende Macht gekennzeichnet, in deren Fluss man eben schwimmen muss oder untergeht. Doch wie wird diese Kategorie filmisch dargestellt?

Drehbuch und Film bzw. der Erzähler begleiten den typisierten Protagonisten, einen Drogisten, seine Frau, die ebenfalls keinen Namen hat und im Buch lediglich mit „Frau“ überschrieben ist, sowie ihren Sohn über ein Jahr durch Hamburg. Um auch hierbei eine gewisse Typenhaftigkeit zu wahren, wird nie eine Jahreszahl gezeigt und der Verlauf der Zeit durch prophetische Sätze wie „Es war Frühling als der Drogist seine Angestellte entlassen mußte [...]“, „Mitte Juli schloß auch der Lebensmittelhändler sein Geschäft“34 , „Im Herbst spürte er die katastrophalen Folgen des katastrophalen Sommers“ oder „Anfang Februar war bereits ein Drittel des geliehenen Geldes verbraucht“. Es gibt keine exakten Zeitangaben und nur selten den Verweis auf einen konkreten Monat, die Handlung könnte sich also quasi immer zutragen und erhält so eine gewisse Allgemeingültigkeit.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Darstellung der Relevanz des Fernsehens als Massenmedium und Einführung in das Werk Egon Monks sowie die Forschungsfrage.

2. Hintergründe: Erörterung der Entstehung des Genres Fernsehspiel und der aufklärerischen Kunstauffassung Egon Monks im Kontext des epischen Theaters.

3. Realismus: Analyse des Realismusbegriffs bei Monk und dessen Abgrenzung zu einer bloßen Abbildung der Wirklichkeit zugunsten der Aufdeckung verborgener gesellschaftlicher Prozesse.

4. Formaler Aufbau: Beschreibung der filmischen Struktur sowie der Kategorien Zeit und Raum als zentrale Elemente der Narration.

5. Der V-Effekt: Untersuchung der angewandten Verfremdungsmittel in Sprache, Kamera und Ton, die das Publikum zur kritischen Distanz auffordern sollen.

6. Die Evolution des Glaubens – die Metaphorik: Analyse der im Film verwendeten Jagdmetaphorik und der Motivik von Schuld, Ethos und Religion.

7. Zusammenfassung: Abschlussbetrachtung der ästhetischen und inhaltlichen Mittel, mit denen Monk das ökonomische System kritisiert.

Schlüsselwörter

Egon Monk, Industrielandschaft mit Einzelhändlern, Fernsehspiel, Realismus, Episches Theater, Brecht, Medienanalyse, Gesellschaftskritik, Zeitlichkeit, Raumwahrnehmung, Verfremdungseffekt, Konsumgesellschaft, Wirtschaftssystem.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Fernsehspiel „Industrielandschaft mit Einzelhändlern“ von Egon Monk unter ästhetischen und gesellschaftskritischen Gesichtspunkten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Darstellung von Wirtschaftswandel, das Scheitern des Mittelstandes, die Rolle des Fernsehens als Massenmedium und die ästhetische Gestaltung von Authentizität.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Es soll untersucht werden, mit welchen Mitteln Monk seinen didaktischen Ansatz umsetzt und ob bzw. von welcher Art von Realismus in diesem Fernsehspiel gesprochen werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine filmästhetische Analyse, die technische Aspekte wie Montage, Kameraführung und Sprache in Bezug zu soziologischen und ökonomischen Theorien setzt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert den formalen Aufbau des Films, insbesondere die filmische Gestaltung von Zeit und Raum sowie den Einsatz von Verfremdungseffekten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Realismus, Verfremdungseffekt, Medienkritik, Konsumgesellschaft und das epische Theater.

Welche Rolle spielt die Metaphorik in Monks Film?

Monk nutzt insbesondere Jagdmetaphorik, um das rücksichtslose Marktgeschehen der 1960er/70er Jahre zu kritisieren und die Position des Einzelnen als "Opfer" oder "Jäger" darzustellen.

Warum endet das Werk für den Drogisten tragisch?

Das Scheitern ist eine Konsequenz aus dem Festhalten an alten Werten und einem Moralverständnis, das in der modernen, ökonomisch determinierten Industrielandschaft nicht mehr greift.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten  - nach oben

Details

Titel
„Industrielandschaft mit Einzelhändlern“ - Ein realistisches Fernsehspiel?
Untertitel
Zur Ästhetik Egon Monks
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Medienwissenschaft)
Veranstaltung
„Fernsehen und Literatur in den sechziger Jahren. Das Werk Egon Monks“
Note
1,3
Autor
Sina Schmidt (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
34
Katalognummer
V152493
ISBN (eBook)
9783640645701
ISBN (Buch)
9783640645596
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Egon Monk Neuer deutscher Film 1970 Fernsehspiel Filmgeschichte Fernsehgeschichte Horst Tappert Film BRD Realismus Filmästhetik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sina Schmidt (Autor:in), 2010, „Industrielandschaft mit Einzelhändlern“ - Ein realistisches Fernsehspiel?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152493
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  34  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum