Fakten und Folgen des Umbaus der Seelsorgestrukturen im Deutschen Sprachraum


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort

2 Einführung

3 Leitworte und Argumente
3.1 Leitworte
3.2 Argumente

4 Maßnahmen der Verantwortlichen und Kritik
4.1 Durchgeführte Maßnahmen
4.2 Konsequenzen

5 Mögliche Lösungen

6 Zwei Beispiele
6.1 Die Modelle im Bistum Eichstätt
6.2 Das Modell im Bistum Bozen-Brixen

7 Schlussbemerkung

8 Literaturverzeichnis

1 Vorwort

Seit einigen Jahren befindet sich die katholische Kirche in einer gewaltigen Umbruchsituation, die auf verschiedene Ursachen zurückzuführen ist. Bestehende Strukturen werden verändert, neue Ideen, wie sich Gemeinde zu verstehen hat, entstehen und oft zeigt sich, dass ein bloßes „Entstauben“ nicht mehr ausreicht. Diese Erwähnungen zeigen jedoch nur die äußerste Schicht der Veränderungen auf. In den meisten Diözesen gehen die Eingriffe noch viel weiter in die Tiefe, ja oft bis zum Fundament der Kirche selbst.

In dieser Arbeit möchte ich die Negativfakten und deren gravierende Folgen aufzeigen. Dies soll durch einen Blick auf die Veränderungen, Umwandlungen und Eingriffe im Allgemeinen geschehen, da sich die Vorgehensweise in den verschiedenen Teilkirchen oft sehr ähnelt. Als Grundlage der Betrachtung dient ein Vortrag des „Priesternetzwerkes Katholischer Priester“[1], der sich auf die Maßnahmen in den Bistümern Aachen und Fulda konzentriert.

Durch diese Arbeit soll kein „Generalschlag“ gegen alle Diözesen geschehen. In einigen von ihnen wird moderater und rechtlich stimmiger die Situation betrachtet und die Maßnahmen angewendet. In Punkt sechs werde ich auf zwei Beispiele – Bistum Eichstätt und Bozen-Brixen – eingehen um dadurch zu zeigen, dass man ohne die u. g. drastischen Einschnitte auskommen kann.

2 Einführung

Im Jahr 2006 statteten die deutschen Bischöfe dem Heiligen Vater ihren Adlimina Besuch ab. In seiner Ansprache ging Benedikt XVI. auch auf die Umstrukturierung der Seelsorge ein. Er sagt dazu:

„Kirchliche Institutionen, Pastoralpläne und andere rechtliche Strukturierungen sind bis zu einem gewissen Grad schlichtweg notwendig. Aber gelegentlich werden sie als das Wesentliche ausgegeben und verstellen so den Blick auf das wirklich Wesentliche. Sie werden jedoch nur dann ihrer eigentlichen Bedeutung gerecht, wenn sie am Maßstab der Glaubenswahrheit gemessen und danach ausgerichtet werden. Angesichts der augenblicklich abnehmenden Zahl der Priester, wie leider auch der (sonntäglichen) Gottesdienstbesucher, kommen in verschiedenen deutschsprachigen Diözesen Modelle der Um- und Neustrukturierung der Seelsorge zur Anwendung, bei denen das Bild des Pfarrers, das heißt des Priesters, der als Mann Gottes und der Kirche eine Pfarrge- meinde leitet, zu verschwimmen droht. [...] Vor allem werdet Ihr nur solchen struk- turellen Reformen Eure Zustimmung geben, die voll und ganz mit der Lehre der Kirche über das Priestertum und den rechtlichen Normen im Einklang stehen und bei deren Umsetzung die Anziehungskraft des Priesterberufs nicht gemindert wird.“[2]

Der Papst trifft die Situation mit klaren Worten auf den Punkt. Nach den o. g. Ausführungen ist nun zu fragen, ob die Bischöfe nur jenen Maßnahmen ihr „nihil obstat“ gaben, die mit der Lehre und dem Recht der allgemeinen Kirche in Einklang stehen.

Um diese Frage näher zu umschreiben, soll im Folgenden ein kurzer Überblick über Leitworte, die von Pastoralarbeitskreisen entwickelt wurden, gegeben und danach die Argumente für eine Umstrukturierung der Seelsorge aufgezeigt werden.

3 Leitworte und Argumente

3.1 Leitworte

Prozesse und Aufgaben verlangen in der heutigen Zeit nach sog. Leitmotiven. Im Grunde geben sie eine Kurzzusammenfassung dessen, was getan werden möchte und worin das Ziel besteht. Bei den Folgenden kommt jedoch der Eindruck zustande, „dass es sich im Grunde um die Umsetzung lang gehegter und längst überfälliger Veränderungen handelt.“[3]

So wählt z. B. das Erzbistum Berlin den Slogan „Sanieren-Konzentrieren-Profilieren“, das Bistum Fulda möchte sich „um der Menschen willen gemeinsam auf die Suche nach Gott“ begeben, das Bistum Erfurt will „das Kleid anpassen“ und das Bistum Hildesheim geht sogar so weit, dass es „auf neue Art Kirche sein“ will.

Ich denke, dass aus diesen vier Beispielen deutlich wird, dass es sich nicht um wirklich dringende Notmaßnahmen für das Weiterbestehen der Kirche handelt. Auf der Grundlage dieser Leitworte soll nun nach den vorgebrachten Argumenten gefragt werden, die dieses Vorgehen legitimieren sollen.

3.2 Argumente

Die Hauptgründe lassen sich im Grunde in drei Hauptsträngen zusammenfassen: Priestermangel, Finanzknappheit und gesellschaftlicher Wandel. Auf den ersten Blick scheinen sie stichhaltig zu sein. Bei genauerem Hinsehen kann jedoch eine Mehrdeutigkeit festgestellt werden.

a) Priestermangel

Es ist zu fragen, ob ein gravierender Priestermangel in der Kirche vorherrscht, wenn die Gläubigenzahl zurückgeht, Priester oft nicht in Gemeinden erwünscht sind und diese auch nicht mehr täglich zelebrieren. Es scheint, dass man im bestehenden Priestermangel „ein willkommenes Alibi“[4] für die anstehenden Reformen gefunden hat. Jedoch lassen sich zahlreiche Beispiele finden, dass „die Verknappung der Priester künstlich (Casetti) und der Priestermangel selbst verschuldet und hausgemacht (May)“[5] sind. So wird berichtet, dass in einer Pfarrei über das Jahr verteilt etliche priesterlose Sonntagsgottesdienste geplant sind und, wenn sich ein „junger Priester bereit erklärt, an diesen Tagen die Eucharistie zu feiern, das Angebot abgelehnt wird.“[6] Ein gravierenderes Beispiel lässt die ganze Tiefe des Problems sichtbar werden:

„Ein Ruhestandsgeistlicher muss im Wohnzimmer zelebrieren, weil die Gemeinderefe- rentin folgende Auffassung vertritt: Wenn er in der Pfarrkirche die Hl. Messe hielte, entstünde bei den Leuten der Eindruck, es gäbe keinen Priestermangel. Dann entfiele ihre Legitimation für die Feier von Wortgottesdiensten.“[7]

Aus diesen Anmerkungen lässt sich ohne große Schwierigkeit ersehen, dass man das Argument des gravierenden Priestermangels nicht als Legitimation für die Neustrukturierung der Seelsorge akzeptieren kann.[8]

b) Finanzknappheit

In der schlechten finanziellen Situation wird ein weiteres Argument für die nötigen Umbaumaßnahmen gesehen, die auf den starken Rückgang der Kirchensteuereinnahmen zurückgeführt wird. Auch hier lassen sich Gegenargumente anführen, die die vorgebrachte Argumentation ins Wanken bringen wenn man bedenkt, dass „Kirchensteuergelder in riskante Geldanlagen investiert, warnende Stimmen von Finanzexperten überhört wurden [und] große Geldsummen für aufgeblähte Verwaltungsapparate, aufwendige Werbeaktionen oder Milieustudien verwendet“[9] werden. Gerade die Kirche in Deutschland sollte diese Finanzabhängigkeit überdenken, da die Kirchensteuereinnahmen in den nächsten Jahren erheblich zurückgehen werden und es in anderen Ländern der Erde auch ohne diese staatliche Finanzhilfe geht.[10]

c) gesellschaftlicher Wandel

Der gesellschaftliche Wandel ist eine allgemeine Tatsache, die sich nicht allein in der Kirche feststellen lässt. Ob sich daraus zwingende innerkirchliche Neuordnungen ergeben, ist nicht eindeutig begründet. In diesem Punkt sollten sich die Planer der neuen Pastoral an das Wort des hl. Paulus, das er an die Gemeinde von Rom richtet, erinnern: „Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist.“[11] Jedoch muss hier die Frage nach dem Fehlen bzw. dem Rückgang der Gläubigen in den Blick genommen werden. Der Priestermangel in der Zusammenschau mit dem Rückgang der Kirchenbesucher lässt sich feststellen. Jedoch muss hierbei bedacht werden, dass, wenn die Gläubigenzahl abnimmt, die zuständigen Priester nicht im gleichen Zeitraum abnehmen und es so proportional mehr Seelsorger für die zu betreuenden Pfarreien gibt. Um diesen Punkt muss die Pastoral besorgt sein. Sie sollte ihre Arbeit dahingehend verstärken, dass den Pfarrangehörigen wieder mehr bewusst wird, dass sie der lebendige Grundstock einer Pfarrei sind und aus ihrer Mitte die neuen Priester hervorgehen werden.

Nach Betrachten dieser drei Hauptargumente wird deutlich, dass sich daraus keine zwingend notwendigen Umstrukturierungen ergeben, wie sie sich in vielen Bistümern des deutschen Sprachraums feststellen lassen. Wenn nun diese Gründe für eine Neuordnung nicht beweiskräftig sind, muss nach anderen, sicheren Ursachen gesucht werden. Die Fragen, die in diesem Zusammenhang gestellt werden könnten, können in folgender Weise formuliert werden: „will man eine andere neue Kirche, eine andere Form der Gemeindeleitung und Seelsorge, den Pfarrer als Hirten und Leiter der Gemeinde abschaffen?“[12]

[...]


[1] Rodheudt u.a.: Vortrag des Sprechergremiums des Netzwerks katholischer Priester, 21. Internationale Theologische Sommerakademie, Glaubenskrise und Seelsorge: Zum Umbau der Seelsorgsstrukturen im deutschen Sprachraum – Fakten und Folgen, (i. F. Umbau).

[2] Benedikt XVI.: http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/speeches/2006/november/documents/hf_ben-xvi_spe_20061118_ad-limina-germany-ii_ge.html (Stand: 03.06.2010).

[3] Umbau, S. 2.

[4] Ebd. S. 3.

[5] Ebd. Ferner: May, Priestermangel, in: Theologisches – Katholische Monatsschrift, 39. Jhg., 2009 (3+4).

[6] Ebd.

[7] Ebd.

[8] Vgl. hierzu: http://www.mathematik.uni-ulm.de/sai/mayer/johannes_mayer_html/klartext_ priestermangel.html.

[9] Umbau, S. 4.

[10] Hierbei sollte auch die derzeitige Praxis des „actus formalis“ überdacht werden, der sich nicht mit der allgemein rechtlichen Norm der Weltkirche begründen lässt.

[11] Röm 12,2.

[12] Umbau, S. 4.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Fakten und Folgen des Umbaus der Seelsorgestrukturen im Deutschen Sprachraum
Hochschule
Philosophisch-Theologische Hochschule Brixen
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
23
Katalognummer
V152505
ISBN (eBook)
9783640646531
ISBN (Buch)
9783640646197
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fakten, Folgen, Umbaus, Seelsorgestrukturen, Deutschen, Sprachraum
Arbeit zitieren
Martin Baier (Autor), 2010, Fakten und Folgen des Umbaus der Seelsorgestrukturen im Deutschen Sprachraum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152505

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