Politische Parteien haben in Deutschland genau definierte Aufgaben und Funktionen. Sie kommen diesen Funktion allerdings faktisch nicht mehr nach und verlieren die Verbindung zu den Wählern.
Ohne Verbindung zu den Menschen und faktisch unkontrolliert von diesen sind Politiker und ihre Parteien aber auch größtenteils nicht mehr an den Interessen bzw. an dem Wohl des Volkes interessiert. Vielmehr treten eigene Interessen an Macht, Geld und Ämtern in den Vordergrund, die dargestellten Aufgaben werden kaum mehr wahrgenommen, sie geraten insbesondere zwischen
den Wahlkämpfen ins Hintertreffen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die verfassungsrechtliche Rolle der Parteien
2.1. Aufgaben und Funktionen gemäß Grundgesetz
2.2. Das Parteiengesetz als rechtliche Norm
3. Kritische Analyse der parteiinternen Strukturen
3.1. Delegiertensystem und Filterfunktionen
3.2. Politische Bildung als Parteiaufgabe
4. Parteiendemokratie und das Problem der Repräsentation
5. Fazit: Notwendigkeit direktdemokratischer Ansätze
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Diskrepanz zwischen dem verfassungsrechtlichen Anspruch an politische Parteien in Deutschland und ihrer tatsächlichen Rolle in der gelebten Parteiendemokratie, mit besonderem Fokus auf mangelnde Partizipationsmöglichkeiten und die Entfremdung zwischen Bürgern und politischen Entscheidungsträgern.
- Verfassungsrechtliche Grundlagen und Aufgaben politischer Parteien
- Funktionsweise innerparteilicher Strukturen und Delegiertensysteme
- Kritik an der parteiinternen Willensbildung und politischen Bildung
- Das Spannungsfeld zwischen Parteienmacht und Bürgerbeteiligung
- Perspektiven für eine Stärkung der direkten Demokratie
Auszug aus dem Buch
Die verfassungsrechtliche Rolle der Parteien
Im Art. 21, Abs.1 des Grundgesetzes sind die Aufgaben der Parteien wie folgt definiert: „Die Parteien wirken an der Bildung des politischen Willens des Volkes mit. Ihre Gründung ist frei. Ihre innere Ordnung muss demokratischen Grundsätzen entsprechen. Sie müssen über die Herkunft und Verwendung ihrer Mittel sowie über ihr Vermögen öffentlich Rechenschaft geben.“
Es geht laut GG also um Willensbildung in der Gesellschaft und um innerparteiliche Demokratie, auf letzteren Anspruch wird im späteren Verlauf noch näher eingegangen.
Zielt eine Partei auf Beseitigung oder Beeinträchtigung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung ab, so ist sie nach Art. 21 Abs. 2 GG verfassungswidrig und kann vom Bundesverfassungsgericht verboten werden. Wichtig ist jedoch, dass hierüber gemäß Art. 21 Abs. 2 GG nur das Bundesverfassungsgericht zu entscheiden hat, eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz ist also nicht mit einem Verbot zu verwechseln. Erst durch ein entsprechendes Urteil verliert eine solche Partei dann auch ihren Status, mit allen daraus resultierenden Konsequenzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Parteien im Wettbewerb um staatliche Macht und erste kritische Reflexion ihrer Rolle im gesellschaftlichen Kontext.
2. Die verfassungsrechtliche Rolle der Parteien: Erläuterung der verfassungsrechtlichen Pflichten sowie der historischen Entstehung des Parteiengesetzes von 1967.
3. Kritische Analyse der parteiinternen Strukturen: Untersuchung der internen Machtverhältnisse, insbesondere des Delegiertensystems, und die kritische Hinterfragung der parteiinternen Bildungsarbeit.
4. Parteiendemokratie und das Problem der Repräsentation: Erörterung der Entfremdung zwischen gewählten Vertretern und der Wählerschaft bei gleichzeitig fehlenden direktdemokratischen Korrekturmechanismen.
5. Fazit: Notwendigkeit direktdemokratischer Ansätze: Zusammenfassendes Plädoyer für eine notwendige Reform des Systems und die Stärkung direktdemokratischer Elemente zur Rückgewinnung von Bürgervertrauen.
Schlüsselwörter
Parteiensystem, Grundgesetz, Willensbildung, Parteiendemokratie, Delegiertensystem, Politische Bildung, Parteienverdrossenheit, Direkte Demokratie, Parlamentarismus, Repräsentation, Bürgerbeteiligung, Verfassungsordnung, Mitgliederzahlen, Machtverhältnisse, Reformbedarf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch das bundesdeutsche Parteiensystem und hinterfragt, inwiefern politische Parteien ihren verfassungsrechtlichen Aufgaben gerecht werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die rechtliche Stellung der Parteien, deren innerparteiliche Demokratie, der Prozess der politischen Willensbildung sowie die Auswirkungen des aktuellen Systems auf die Demokratiequalität.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die Parteiendemokratie in der Praxis oft an ihren eigenen Ansprüchen scheitert, da die Macht nicht effektiv vom Volk ausgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die primär auf der Auswertung juristischer Texte (Grundgesetz, Parteiengesetz) und der Auseinandersetzung mit politikwissenschaftlicher Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen, den strukturellen Defiziten innerhalb von Parteien und der Problematik der parteiinternen Machtkonzentration.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Parteien, Willensbildung, Delegiertensystem, Repräsentationskrise und direkte Demokratie zusammenfassen.
Warum wird die politische Bildung durch Parteien kritisch gesehen?
Da das Parteiengesetz diese Aufgabe vorschreibt, ohne sie jedoch präzise zu definieren, können Parteien diese Aufgabe vernachlässigen oder einseitig auslegen, was die Neutralität in Frage stellt.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Delegiertensystems?
Das Delegiertensystem wird als „Filterfunktion“ betrachtet, die den Großteil der Basis von der aktiven Willensbildung innerhalb der Partei ausschließt.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Lage der Demokratie?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die heutige Form der Parteiendemokratie die Macht des Volkes faktisch einschränkt und daher durch Instrumente direkter Demokratie ergänzt werden muss.
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- Florian Paul (Author), 2009, Das bundesdeutsche Parteiensystem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152573