Anti-Mobbing-Programme auf dem Prüfstand

Zum Berner Präventionsprogramm und dem No Blame Approach


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

28 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

I. Einleitung

II. Theoretische Einbettung des Mobbingbegriffs
II.I Definition Aggression
II.II Definition Gewalt
II.III Definition Mobbing

III. Zu den ausgewählten Antigewalt-Programmen
III.I Zum Berner Programm
III.I.I Definition des Berner Programms
III.I.II Zur Durchführung des Programms
III.I.III Zur Besonderheit des Programms
III.II Zum No Blame Approach
III.II.I Definition des No Blame Approach
III.II.II Zur Durchführung des Programms
III.II.III Zur Besonderheit des Programms

IV. Kritik an den ausgewählten Anti-Gewaltprogrammen

V. Literatur

I. Einleitung

Gewalt in der Schule beschäftigt schon seit längerer Zeit die Gesellschaft und dabei vor allem die Wissenschaft. Die Präsenz des Themas ist auf einem vorher nie da gewesenen Stand. Dies wird dann deutlich, wenn zum Beispiel kein Tag vergeht, ohne dass von einer Gewalttat in der Schule im Fernsehen berichtet wird. Dabei ist jedoch zu erwähnen, dass die Medien einen großen Einfluss auf das Denken und Wahrnehmen der Bevölkerung in Bezug auf diese Thematik ausüben. Im Laufe der Zeit fand eine Art der Sensibilisierung der Menschen für das Phänomen Gewalt in der Schule statt.

In den Fokus der Untersuchungen geraten vor allem die Ursachen und Bedingungen für die gewalttätigen Handlungen der Schüler. Bei genauerer Betrachtung fällt demnach des Öfteren auf, dass die Bereitschaft zum gewalttätigen Handeln oftmals schon vorher sichtbar aber nicht ernst genommen wurde. Somit wird die Möglichkeit zur Prävention verpasst. Physische Gewalt in der Schule, wie wir sie aus den Medien kennen, ist dadurch meistens die Folge von psychischer Gewalt. Demnach werden Kinder zuerst über längere Zeiträume hinweg belästigt, bevor es körperliche Auseinandersetzungen gibt. Eine besondere Form der psychischen Gewalt ist das Mobbing.

Diese Art der Gewalt findet hohen Anklang in der Schule. Auch ohne die nächste Stufe, die physische Gewalt, kann Mobbing schon alleine einen schweren Schaden beim Opfer hinterlassen. Diese Bedrohung wurde auch von der Wissenschaft erkannt und in Angriff genommen. Somit hieß es die Frage zu klären, wie man Mobbing beseitigen kann. Wie auch bei den meisten anderen Gewaltformen kann eine grundlegende Präventionsarbeit für eine nachhaltige Besserung der schulischen Situation unerlässlich sein. Das Problem wird grundlegend angegangen und es wird ein Rahmen geschaffen, der es auch zukünftig nicht erlaubt, dass Mobbing entsteht. Bei besonderen Fällen lohnt sich allerdings auch ein intervenierender Ansatz, der das Problem direkt und sofort angeht.

Diesbezüglich gibt es mehrere Ideen und Programme. Im weiteren Verlauf werden sowohl das Berner Programm (kurz Be-Prox) als auch der No Blame Approach einer genaueren Untersuchung und Kritik unterzogen. Demzufolge werden im Folgenden zuerst die theoretischen Begriffe, wie Aggression, Gewalt und Mobbing erläutert, bevor im Hauptteil die beiden Programme und Ansätze belichtet, untersucht und eingeordnet werden.

II. Theoretische Einbettung des Mobbingbegriffs

Wie bereits erwähnt, wird nun der Versuch unternommen, den Mobbingbegriff definierend in seinen thematischen Rahmen einzubetten. Diesbezüglich sind nähere Schilderungen und Definitionen der Begriffe Aggression, Gewalt und Mobbing unverzichtbar. Weiterführend werden Informationen, wie Ursachen, Merkmale und Folgen des Mobbings genannt.

II.I Definition Aggression

Der Begriff Aggression bezeichnet ein körperliches oder sprachliches Angriffsverhalten gegenüber Gegenständen oder anderen Lebewesen. In der Forschung existieren verschiedene Untersuchungen bezüglich der Motive und Gründe für aggressives Verhalten. Demnach existiert die Theorie, dass Aggression als ein angeborener Trieb jedes Menschen zu sehen ist, dabei allerdings mehr oder weniger stark vorhanden und ausgeprägt sein kann. Weiterführende Theorien deuten Aggressionen als Folge von negativen Erlebnissen. Dies könnte bekannte Frustrationen implizieren. Ebenfalls besteht die Idee, dass aggressive Menschen sich in ihrem Handeln gegenseitig ergänzen. Das bedeutet, dass ein Mensch umso aggressiver werde, je mehr Kontakt er mit anderen aggressiven Personen habe. Dem zugrunde liegt die Theorie, dass jeder von Vorbildern lernt, nach welchen Maßstäben er in bestimmten Situationen handelt. Diese Form der Sozialisierung ist auch als Lernen am Modell bekannt. Genauer auf die Psychologie bezogen, wird Aggression eher als affektbedingtes Angriffsverhalten, zum Teil auf einen angeborenen Aggressionstrieb, zum Teil auf Frustrationen oder auch auf milieubedingte Verhaltensprägungen verstanden. Somit sind Aggressionen spezifische, zielgerichtete Verhaltensweisen, welche im Kern das Ziel verfolgen, einem anderen Mitmenschen zu schaden.

II.II Definition Gewalt

Die Gewalt setzt sich aus der Aggression und einer körperlichen oder psychischen Macht zusammen. Dies bedeutet, dass Gewalt auftritt, wenn eine körperlich oder sozial schwächere Person von einer stärkeren bedroht oder negativ beeinflusst wird.

Der Brockhaus bezeichnet Gewalt als die Anwendung von physischen und psychischen Zwang gegenüber Menschen (Brockhaus 2006,Seite 676).

In der Forschung unterscheidet man zwischen verschiedenen Typen der Gewalt. So ist die physische Gewalt als Form der Gewalt gegen Menschen und Gegenstände zu verstehen. Dabei kann sie auf der einen Seite alleine auf der anderen in Gruppen durchgeführt werden. In jedem Fall richtet sie sich aber gegen Menschen oder andere Lebenswesen und Gegenstände.

Die Gewalt gegen sich wird auch Autoaggression genannt. Sie hat sich erst in den letzten Jahren stark herausgebildet. Im Mittelpunkt hierbei stehen die gewalttätigen Handlungen, welche man sich selbst oder seinem Körper zumutet (Bulimie, Drogenmissbrauch).

Die strukturelle Gewalt wird auch als Widerstand gegen strukturelle Gewalt bezeichnet und bezieht sich auf die Form der Gewalt, welche in einem sozialen System besteht. „Unter struktureller Gewalt versteht man in der Regel institutionelle und strukturelle Bedingungen, die die Entwicklungsmöglichkeiten des Einzelnen einschränken“ (Lipowski 2002,Seite10). Diese Art der Gewalt könnte zum Beispiel im Notendruck oder in der Schulpflicht zum Ausdruck kommen.

Für diese Untersuchung besonders entscheidend ist die Gruppe der psychischen Gewaltformen. Meistens sind es verbale Aggressionen, welche auf die psychische Gesundheit der Opfer abzielen.

II.III Definition Mobbing

„Bullying umfasst negative Handlungen, die wiederholt und über einen längeren Zeitraum von einem oder mehreren Schülern ausgeführt werden, wobei ein Ungleichgewicht in der Stärke zwischen Täter und Opfer zu Ungunsten des Opfers bestehen muss (Olweus 1996).“

Damit macht Olweus deutlich, dass Mobbing, was als Synonym für Bullying gesehen werden kann, vor allem den Aspekt der wiederholenden Schädigung in den Vordergrund stellt. Eine weitere wichtige Eigenschaft wird bei Hanewinkel und Knaack noch deutlicher: „Bullying richtet sich zudem als dauerhaftes Drangsalieren und Quälen wiederholt an einzelne, spezifische Opfer, die sich aufgrund ihrer Unterlegenheit nicht oder kaum zu Wehr setzen können (Hanewinkel & Knaack, 1997).“

Somit wird deutlich, dass Mobbing ein längerer Prozess ist, der stets auf einem Kräfteungleichgewicht beruht. Es ist immer ein Prozess von oben nach unten. Es ist eine dauerhafte und grundlegende Form aggressiven Verhaltens. Unter dem von Olweus erwähnten Begriff negative Handlung versteht man die Handlungen, welche mit Absicht verletzend wirken. Die Forschung unterscheidet zwei Formen des Mobbings. Dies sind zum einen das körperliche, wie schlagen, treten, kneifen und zum anderen das nicht-körperliche, wie das Reizen, Ärgern und Drohen.

Das Drangsalieren und die Erniedrigungen durch eine oder mehrere Personen finden, wie bereits erwähnt, über längere Zeit hinweg statt und die Ausführung der Gewalt kann sowohl einem als auch einer gesamten Gruppe obliegen.

Das erwähnte Kräfteungleichgewicht wird sowohl im kognitiven und körperlichen Bereich als auch im Altersunterschied sichtbar. Meist sind es physisch überlegene Schüler, welche gewalttätige Handlungen vollziehen. Die Täter des Mobbings handeln meist strategisch und zielgerichtet, indem sie sich ihre Opfer nach bestimmten Kriterien aussuchen. Dabei wird zum Beispiel eine eventuelle Andersartigkeit des Opfers als Anlass genommen. Sodann zeigt sich ein vielseitiges Bild der möglichen Gewaltausprägung. Neben den physischen und psychischen Angriffen treten auch strategische Maßnahmen, wie das systematische Ausschließen der Opfer aus der Gruppe oder eine schlechte Nachrede, auf.

Das Auftreten von Mobbing in der Schule veranschaulicht folgende Grafik. Diese ist auf die Opfer von schulischen Gewalttaten bezogen und unterscheidet zwischen Jungen und Mädchen. Prozentual wird die Verteilung von Fällen, in denen Mobbing aufgetreten ist, veranschaulicht (Stenke, Bergelt, Börner 1998,Seite. 94).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Klar zu erkennen ist, dass die Mobbingform des Hänselns am meisten genannt wird. Die Schüler leiden am häufigsten unter der psychischen Gewalt. Die physische Gewalt steht dabei eher im Hintergrund. Ebenfalls zu erwähnen ist, dass in der Verteilung kaum eine geschlechtspezifische Differenzierung vorhanden ist. Hänseleien und Beschimpfungen betreffen sowohl Jungen wie auch Mädchen.

Bezüglich der Folgen des Mobbings ist festzuhalten, dass neben den physischen Schädigungen, welche durch Körperverletzung auftreten, vor allem die psychischen Folgen prägend sind. Als Folge von Mobbing kann es bei dem Opfer zum Aufbau von Misstrauen und Selbstzweifeln kommen, Ängste könnten aufgebaut und gefestigt werden, das Selbstwertgefühl des Betroffenen könnte gestört werden und durch auftretende Depressivität könnten auch Suizidgedanken entstehen. In der Schule würden die Folgen besonders in Leistungs- und Denkblockaden sichtbar werden und ein Leistungsrückgang wäre unvermeidbar.

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Anti-Mobbing-Programme auf dem Prüfstand
Untertitel
Zum Berner Präventionsprogramm und dem No Blame Approach
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
28
Katalognummer
V152636
ISBN (eBook)
9783640651306
ISBN (Buch)
9783640651245
Dateigröße
1048 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
No Blame Approach, Berner Programm, Gewaltprävention, Antimobbing, No Blame, Schule, Gewalt
Arbeit zitieren
Christoph Staufenbiel (Autor), 2010, Anti-Mobbing-Programme auf dem Prüfstand , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152636

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