Wer hat die Macht?

Eine Analyse der Macht- und Egalitätsverhältnisse in Wildbeutergemeinschaften


Seminararbeit, 2006

12 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung in die Thematik
1.1 Einleitung
1.2 Definition von Macht
1.3 Definition von Egalität
1.4 Definition der politischen Akteure

2 Egalität
2.1 Theoretische und analytische Grundvoraussetzungen für Egalität
2.2 Gleichwertigkeit von Jagen und Sammeln
2.3 Fallbeispiele der Mbuti und Hadza

3 Geschlechterbeziehungen
3.1 Uni- und heterosexuelle Beziehungen
3.2 Landbesitz und Tausch
3.3 Riten und Geschlechterrollen

4 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einführung in die Thematik

1.1 Einführung

Die Lebensart der Jäger und Sammler ist vom Aussterben bedroht. Lebten sie früher einmal autark und unangetastet von der Aussenwelt, veränderten sich in den letzten Jahrzehnten ihre Lebensumstände markant. Ein Wettstreit um Land, Ressourcen und Macht begann. Regenwälder wurden zu Holzplantagen, Steppen zu Naturschutzgebieten. Im Verlaufe dieser Arbeit möchte ich die ursprünglichen Machtverhältnisse aufzeigen, die die Lebensweise der Wildbeuter für Jahrhunderte dominierten. Daraus kann vielleicht auch ersichtlich werden, was für tief greifende Konsequenzen Fremdeinflüsse auf die Lebensweise von Wildbeutern haben.

Die Informationen dieser Arbeit beziehen sich grösstenteils auf die Publikationen von Woodburn (1982) und Luig (1990), die die Macht- und Lebensverhältnisse von afrikanischen Wildbeutergemeinschaften – den San, Mbuti und Hadza – in den 1960er, 70er und 80er Jahren beschreiben. Um genauer auf die politische Struktur der zu beschreibenden Gesellschaften eingehen zu können, müssen zuerst ein paar Begrifflichkeiten genauer geklärt werden.

1.2 Definition von Macht

Was ist Macht? Nach Helbling:

Macht ist die Fähigkeit einer Person oder Gruppe, eine andere Person oder Gruppe zum Gehorsam zu veranlassen, oder umgekehrt die Eigenschaft, nicht nachgeben zu müssen. Dies ist die allgemeinste Definition von Macht, die man als unterschiedliche Durchsetzungskraft von Akteuren in Entscheidungsprozessen oder bei Konflikten auffassen kann. Ausschlaggebend in Machtbeziehungen ist die unterschiedliche strukturelle Verteilung von Mitteln und Möglichkeiten, mit Hilfe derer die einen Akteure die anderen zu etwas veranlassen können, was sie nicht aus eigenem Antrieb täten. Der allgemeine Machtbegriff lässt sich in verschiedene Machttypen untergliedern, nämlich in Einfluss, Autorität und Herrschaft [...] (Helbling 2004:2).

Die beiden Sozialpsychologen French/Raven (1960) unterscheiden zudem verschiedene Basen, auf die sich Machthaber stützen. Dies sind zum einen Macht durch Legitimität, durch Identifikation und durch Wissen, andererseits durch Zwang und Belohnung. Des Weiteren kann zwischen Machtfunktionen unterschieden werden; der Handlungs-, Mobilisierung-, Entscheidungs-, Verfügungs- und der Definitionsmacht.

In wie fern die Beschriebenen Formen von Macht bei den Wildbeutern von Relevanz sind, werden wir im Verlauf der Arbeit genauer sehen.

1.3 Definition von Egalität

Was ist Egalität? Luig (1990) beschreibt die verschiedenen Definitionen von Egalität: Früher galten klassenlose Gesellschaften, die keinen Führer besitzen und nur minimale ökonomische Differenzen aufweisen, als egalitär. Sie erwähnt Woodburn (1982:431-51), der Egalität als Fehlen von Abhängigkeiten zwischen Individuen oder Gruppen erklärt und als die Unmöglichkeit Reichtum anzuhäufen.

Mir scheint auch diese Definition noch zu wenig ausdifferenziert, da wir meines Erachtens bei Gleichheit nicht nur in sozialen, politischen und wirtschaftlichen Bereichen unterscheiden müssen, sondern auch in Kategorien wie Religion, Recht (bei Rechtsstreitigkeiten im Falle von Rechtspluralismus) oder im Kontext von gesellschaftlichen Traditionen, die eine gewisse Anschauung vertreten, die schwierig zu hinterfragen ist, und somit Potential für Ungerechtigkeiten besitzen.

1.4 Definition der politischen Akteure

Wer sind die politischen Akteure? In unserem Falle ist das die ganze Wildbeutergruppe, die sich aus mehreren Familien zusammensetzt. Darin unterscheiden wir zwischen Männern und Frauen und Alten und Jungen (Helbling 2004). Zwar besitzen alle Gruppen auch Führer, so genannte Headmen, die sich durch Grosszügigkeit, hartes Arbeiten und ihre Redegewandtheit auszeichnen, die aber vielmehr die Rolle eines Moderators innehaben, der die Gruppe koordiniert und gegen Aussen vertritt, als patriarchale Macht über die anderen auszuüben.

Wie aber sind die Machtverhältnisse in Wildbeutergemeinschaften im Detail verteilt und wie kommt Gleichheit, falls vorhanden, zustande? Wie steht es um die Beziehungen zwischen Männern und Frauen und Jungen und Alten? Um diese Fragen beantworten zu können, möchte ich als nächstes theoretische und analytische Grundvoraussetzungen beschreiben und diese anhand von Beispielen in den drei Wildbeutergemeinschaften verdeutlichen.

2 Egalität

2.1 Theoretische und analytische Grundvoraussetzungen für Egalität

Was sind allgemeine Merkmale und Vorraussetzungen, die sich für Gleichheit bei Wildbeutern formulieren lassen? Nach Luig (1990) sind Voraussetzungen für Egalität zum einen die grösst mögliche Adaption an die umgebende Umwelt und der individuelle, direkte Zugang zu Ressourcen. Weil keine langfristige Akkumulation nötig ist, ist die Entstehung von gegenseitigen Abhängigkeiten kleiner. Dieses Phänomen äussert sich zudem darin, dass Männer sowie Frauen bei ihrer Jagd- respektive Sammeltätigkeit gleich vor Ort ihren Hunger stillen. Die sozialen Organisation von Gemeinschaften, die ein immediate-return system [1] betreiben, setzt sich aus kleinen, flexiblen Gruppen mit fluktuierenden Mitgliedern zusammen. Der einzelne Akteur wählt selber aus, mit wem er jagen, sammeln und tauschen möchte. So kommt eine Unabhängigkeit in der Selbstversorgung der Individuen zu Stande, in dem fast keine gegenseitigen Verpflichtungen existieren. Woodburn (1982) klammert bei seinem System jedoch verwandtschaftliche Verpflichtungen aus, die, wie wir später sehen werden, sehr wohl zum Tausch zwingen können.

[...]


[1] People obtain a direct and immediate return from their labour. They go out hunting or gathering and eat the food obtained the same day or casually over the days that follow. Food is neither elaborately processed nor stored. They use relatively simple, portable, utilitarian, easily acquired, replaceable tools and weapons made with real skill but not involving a great deal of labour (Woodburn 1982: 432).

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Details

Titel
Wer hat die Macht?
Untertitel
Eine Analyse der Macht- und Egalitätsverhältnisse in Wildbeutergemeinschaften
Hochschule
Universität Zürich
Autor
Jahr
2006
Seiten
12
Katalognummer
V152697
ISBN (eBook)
9783640649280
ISBN (Buch)
9783640649013
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Macht, Eine, Analyse, Macht-, Egalitätsverhältnisse, Wildbeutergemeinschaften
Arbeit zitieren
Simon Meier (Autor:in), 2006, Wer hat die Macht?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152697

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