Ästhetik des Erhabenen Bei Pseudo-Longin und Christine Pries

Ein Vergleich


Seminararbeit, 2008

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ästhetische Konzeption des Erhabenen bei Pseudo-Longin
2.1 Rhetorische Theorie des Erhabenen bei Pseudo Longin
2.2 Differenzierung des „hypsous“-Begriffes bei Pseudo-Longin

3. Konzeption des Erhabenen bei Pries

4. Gegenüberstellung von Pseudo Longin und Pries

5.Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Was ist denn nun das Erhabene?“

„Ich bemühe mich zwar zu

verstehen was es ist, weiß es aber nicht.“[1]

Das Erhabene, ein Begriff der bereits seit der Antike durch die Theorien der Wissenschaften geistert und der sich seit dem ersten rhetorischen Werk „Perí hýpsous“[2] den Versuchen einer Definition beharrlich entzieht, trat in der jüngsten Theoriegeschichte der Philosophie durch den französischen Philosoph Jean-François Lyotard, wieder ins Rampenlicht.

Dabei bringt Lyotard, „einer der Hauptverfechter der Postmoderne“ (Pries, 1989, S. 2), das Erhabene als eine ästhetische Kategorie mit der Avantgarde in Verbindung.[3]

Im deutschsprachigen Raum folgen dem Franzosen allen voran der Ästhetiker und Kulturphilosoph Wolfgang Welsch und dessen Schülerin Christine Pries.

Letztere, die neben ihrer Promotion über den Begriff des Erhabenen bei Kant[4] einen Sammelband zum Erhabenen[5], in dem neben Welsch und Lyotard selbst noch andere Theoretiker zu Wort kommen, herausgegeben hat, beschäftigt das Erhabene speziell als komplexer, paradoxer Begriff, dessen verschieden „Aspekte und Implikationen“[6] ergründet werden müssen.

Diese Komplexität des Erhabenen kommt durch die vielfältige Aufladung und Erweiterung in seiner Begriffsgeschichte, von der antiken Rhetoriktheorie, über die Ästhetik-Theorien der Renaissance und des Humanismus bis hin zur kantschen Systematisierung, und die eben so vielfältige Abschwächung und Eindämmung, z.B. in Hegels und Adornos' Ästhetik Theorien, zustande.[7]

Gegenstand dieser Arbeit sollen daher sowohl die Veränderungen, als auch die Konstanten des Erhabenen-Begriffes seit dem rhetorik-theoretischen Ursprungs bei Pseudo-Longin sein.

Dabei werde ich zu Beginn die theoretische pseudo-longin’sche Abhandlung darstellen und dessen Begriff des Erhabenen abbilden, um in einem zweiten Teil die Begrifflichkeit bei Christine Pries im Kontext der Postmoderne zu veranschaulichen. Im dritten Teil schließlich werde ich die beiden Ansätze miteinander konfrontieren, um dadurch die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Begriffsentwicklung des Erhaben aufzuzeigen.

2. Ästhetische Konzeption des Erhabenen bei Pseudo-Longin

2.1 Rhetorische Theorie des Erhabenen bei Pseudo Longin

Die Begrifflichkeit vom Erhabenen begleitet die Rhetorik bereits seit ihren Anfängen.

So nennt schon Platon die Kunst der Redenschreiber „hoch, großartig“[8] (Platon: Euthydemos, S. 289 E), in Homers Odyssee wird Telemachos als „Sprecher erhabener Worte“ (Homer:Odyssee, S. 1,385) bezeichnet und in Ciceros Orator philosophus[9] findet der Redner im erhabenen Stil seine Größe. Damit ist jeweils eine Vorstellung des Erhabenen verbunden, die auf göttlichen Einfluss[10] hindeutet oder zumindest den Charakter und das Wesen des Sprechers in das Konzept mit einbezieht. Dem gegenüber findet der Kunstbegriff des hypsous bei Caecilius als rein stilistische Kategorie Verwendung.[11]

Die erste umfassende Betrachtung des Erhabenen findet sich erst in dem Werk „Perí hypsous“, das lange Zeit fälschlicherweise Longinos, Dionysios oder Dionysios Longinos zugeschrieben wurde und dessen Abfassung zwischen 30 v. Chr. und 1/2 Jh. n. Chr. datiert wird. Genau Daten zu Verfasser und Abfassung blieben jedoch, auf Grund der nur in Fragmenten erhalten Schrift, bisher ungeklärt.

Inhaltlich befasst sich Pseudo-Longin in seiner lehrbuchartigen Schrift mit dem Erhabenen als Stilkategorie und der Frage nach dessen Erlernbarkeit.

Auslöser dieser Frage scheint ein Werk von Caecilius zum Erhabenen zu sein, an dem die Auslassung der Frage nach der Lehrbarkeit des Erhabenen kritisiert wird.[12]

Dabei stellt Pseudo-Longin das Erhabene, als den „schlagartig die Macht des Redners[13] “ offenbarenden Moment und als höchste „Vollendung und Gipfel sprachlicher Gestaltung“[14] dar. Zentral sieht er dabei fünf Quellen des Erhabenen. Diese wären erstens erhabene Gedanken, zweitens starker Pathos, drittens Figuren des Gedankens und des Ausdrucks, viertens edle Wortwahl und geschmückte Diktion und fünftens würdevolle Wort- und Satzfügung.

Diese fünf Quellen wiederum lassen sich aufteilen, in ars und natura, wobei die ersten beiden als Naturanlage festgesetzt, die letzteren drei als Kunstmittel erlernbar sind.[15]

Im weiteren Verlauf der Schrift geht er dazu über diese Quellen der Reihe nach einzeln darzustellen und auszuführen, wobei er, anhand von Beispielen antiker Autoren, wie Homer, Platon, Horaz u.a., nach dem Mimesis-Prinzip, versucht die Erlernbarkeit des Erhabenen hervorzuheben. Dem voraus schickt er eine Betrachtung der „Fehler in der gedanklichen Darstellung des Erhabenen“[16] und ihrer Ursachen, um abschließend die „Fehler in der sprachlichen Darstellung des Erhabenen“[17] zu analysieren.

In einer Schlussbetrachtung widmet er sich der Frage nach den Gründen des Mangels an „erhabene[n] und überragende[n] Geistern“[18] in seiner Zeit. Dies geschieht in einem, vermutlich fiktiven, Dialog mit einem befreundeten Philosophen. Die Gründe werden in der gewandelten Staatsform oder der gewandelten Moral gesucht, wobei der namenlose Philosoph die Position des Kritikers der gewandelten Staatsform einnimmt und Pseudo-Longin dem gegenüber den Verfall der Moral anprangert.[19] [20]

Auffällig ist, dass die Schrift den Begriff des Erhabenen in umfassender Weise gebraucht, sich der Autor aber, mit einem kurzen Hinweis auf die Vorbildung des potentiellen Lesers[21], einer expliziten Definition entzieht.[22]

Abschließend weißt Pseudo-Longin auf eine Folgeschrift hin, die zu schreiben er bereits früher im Text ankündigte und die von den Leidenschaften handeln soll.

Von dieser Schrift ist nichts erhalten.

[...]


[1] Frei nach Jean-François Lyotard

[2] Pseudo-Longinos: Vom Erhabenen. Griech-dt. hg. Von R. Brandt(komm. Übers.) (1966)

[3] Vgl. Pries (1989) S.2

[4] Pries, C. : Übergänge ohne Brücken. Kants Erhabenes zwischen Kritik und Metaphysik. Akademie Verlag Berlin 1996

[5] Pries, C. (Hrsg.). (1989). Das Erhabene - Zwischen Grenzerfahrung und Größenwahn. München: Acta humaniora.

[6] Ebd. S.12

[7] Vgl. Ueding (1992)

[8] Ausdrücke die neben „erhaben“ als dt. Übersetzung des griechischen „hypsous“ gebraucht werden.

[9] Modell des vollendeten Redners in Ciceros „Orator“

[10] Wie man ihn zum Bsp. in Platons „Phaidros“ (245 A-B)

[11] Vgl. Longinos: Vom Erhabenen Nachwort S.141

[12] Vgl. Longinos: Vom Erhabenen 1,1

[13] Vgl. Longinos: Vom Erhabenen 1,3

[14] Vgl. Longinos: Vom Erhabenen 1,3

[15] Vgl. Longinos: Vom Erhabenen 8

[16] Longinos: Vom Erhabenen Nachwort S. 145

[17] Longinos: Vom Erhabenen Nachwort S. 148

[18] Longinos: Vom Erhabenen 44,1

[19] Longinos: Vom Erhabenen 44,

[20] Eventuell stellt diese Passage eine versteckte Kritik an der autoritären Staatsmacht dar, die aus Gründen der Vorsicht dem Philosophen in den Mund gelegt wird.

[21] siehe Longinos: Vom Erhabenen 1, 3

[22] Ein Faktum, dem im Vergleich mit dem postmodernen Begriff des Erhabenen später in dieser Arbeit noch Aufmerksamkeit gezollt werden wird.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Ästhetik des Erhabenen Bei Pseudo-Longin und Christine Pries
Untertitel
Ein Vergleich
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Neuphilologisches Institut)
Veranstaltung
Vom Erhabenen
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V152705
ISBN (eBook)
9783640647514
ISBN (Buch)
9783640647620
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erhabenen, Pseudo-Longin, Christine, Pries, Vergleich
Arbeit zitieren
Stefan Kraft (Autor), 2008, Ästhetik des Erhabenen Bei Pseudo-Longin und Christine Pries , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152705

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