Methodisch wird in dieser Arbeit so vorgegangen, dass zunächst zwei verschiedene moderne Definitionen von Rassismus dargestellt und diskutiert werden. Anschließend werden diese Definitionen auf Beispiele aus der (erstens) griechischen und (zweitens) römischen Literatur angewandt. Als Quellen der Untersuchung dienen hierbei vor allem Werke der antiken Ethnographie und Historiographie. Aufgrund der Vielzahl antiker Autoren, die sich in der Beschreibung von „Fremdvölkern“ betätigt haben, und aufgrund des engen Rahmens eines Essays wird die Auswahl der Autoren auf die bedeutendsten beschränkt und auch aus ihren Werken nur wenige Auszüge bearbeitet. So vertritt Aristoteles die griechische und Tacitus die lateinische Literatur. Was den großen Rest an ethnographischen Äußerungen betrifft, so wird dieser anhand von allgemeinen Erkenntnissen der Forschung in die Betrachtung einbezogen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Definitionen des Rassismus
Aristoteles und die Klimazonentheorie
Tacitus´ Ethnographie der Germanen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht, ob in der griechisch-römischen Antike rassistische Denkweisen existierten, wie diese im Vergleich zu modernen Rassismusdefinitionen zu bewerten sind und inwieweit antike Theorien als Vorläufer für spätere rassistische Ideologien fungierten.
- Analyse moderner Rassismusbegriffe (Geiss und Fredrickson)
- Untersuchung der aristotelischen Klimazonentheorie
- Dekonstruktion der ethnographischen Darstellung der Germanen bei Tacitus
- Diskussion von biologischer Determinierung und kultureller Hierarchisierung
- Verbindung zwischen antiker Ethnographie und neuzeitlichem Rassismus
Auszug aus dem Buch
Aristoteles und die Klimazonentheorie
Der griechische Philosoph Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) ist einer der bekanntesten Vertreter der in der (griechischen) Antike allgemein weit verbreiteten Klimazonentheorie. In seinem Werk „Politik“ führt er sie folgendermaßen aus:
„Die Völkerschaften nämlich, die in den kalten Gegenden Europas wohnen, sind zwar voll Mut, aber weniger mit Denkvermögen und Kunstfertigkeit begabt. Daher behaupten sie zwar leichter ihre Freiheit, aber sie sind zur Bildung staatlicher Gemeinwesen untüchtig und die Herrschaft über Nachbarvölker zu gewinnen unvermögend. Die Völker Asiens dagegen sind mit Denkvermögen und Kunstfertigkeit begabt, aber ohne Mut. Daher leben sie in Unterwürfigkeit und Sklaverei.“
Aristoteles führt darüber hinaus aus, dass die Hellenen, weil sie in einer gemäßigten Klimazone lebten, die guten Eigenschaften der anderen Völker in sich vereinen würden. Die Klimazonentheorie und Aristoteles gehen also davon aus, dass das Klima den Menschen in seinen Charaktereigenschaften beeinflusst, so dass eine Gruppe von Menschen, die in derselben „Klimazone“ lebt, zwangsläufig auch dieselben Charaktereigenschaften aufweisen muss. An anderer Stelle schreibt Aristoteles, dass auch das körperliche Erscheinungsbild der Einwirkung des Klimas unterliegt. So werden also sowohl das physische Erscheinungsbild als auch die psychische Konstitution klimatologisch erklärt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung umreißt die Fragestellung, ob der moderne Rassismusbegriff auf die Antike anwendbar ist und welche Rolle antike Autoren als Ideengeber für späteren Rassismus spielten.
Definitionen des Rassismus: Dieses Kapitel diskutiert die Rassismusdefinitionen von Imanuel Geiss und George M. Fredrickson, um einen theoretischen Rahmen für die Analyse antiker Quellen zu schaffen.
Aristoteles und die Klimazonentheorie: Hier wird untersucht, wie Aristoteles klimatische Bedingungen nutzt, um unterschiedliche intellektuelle und physische Fähigkeiten ganzer Völkergruppen zu erklären.
Tacitus´ Ethnographie der Germanen: Dieses Kapitel analysiert Tacitus' Darstellung der Germanen und zeigt auf, wie er biologische Abstammung und Klimaeinflüsse kombiniert, um ein Bild von Reinheit und Gefahr zu zeichnen.
Schlüsselwörter
Rassismus, Antike, Aristoteles, Tacitus, Klimazonentheorie, Ethnographie, Barbaren, Biologismus, Fremdvölker, Ideengeschichte, imperium Romanum, Diskriminierung, Xenophobie, Germanen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Vorkommen rassistischer Denkmuster in der griechisch-römischen Antike und deren Vergleichbarkeit mit modernen Rassismusdefinitionen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der antiken Ethnographie, der Historiographie sowie der Entwicklung von Theorien zur biologischen und klimatischen Bestimmung menschlicher Eigenschaften.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, ob die Antike rassistische Konzepte enthielt und ob diese als Vorläufer für den „wissenschaftlichen“ Rassismus der Neuzeit betrachtet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Der Autor nutzt zwei moderne Rassismusdefinitionen als theoretisches Raster, um sie kritisch auf antike Quellentexte, insbesondere von Aristoteles und Tacitus, anzuwenden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Klimazonentheorie des Aristoteles und die Germanen-Ethnographie des Tacitus unter dem Aspekt der Konstruktion von Differenz und Überlegenheit.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit maßgeblich?
Begriffe wie Rassismus, Klimazonentheorie, biologische Abstammung, Hierarchisierung, Xenophobie und antike Ethnographie stehen im Zentrum der Diskussion.
Wie definiert Aristoteles die Unterschiede zwischen den Völkern?
Aristoteles nutzt die geographische Lage, um psychische und physische Merkmale zu determinieren: Völker in kalten Zonen seien mutig, aber intellektuell unterlegen, während Völker in Asien zwar klug, aber unfrei seien.
Warum spielt Tacitus' „Germania“ eine besondere Rolle in dieser Untersuchung?
Die Schrift dient als Beispiel für eine Kombination aus Klimazonentheorie und biologistischer Abstammungslehre, wobei Tacitus die Germanen als „reines“ Volk stilisierte, um die römische Gesellschaft kritisch zu spiegeln.
- Arbeit zitieren
- Timo Castens (Autor:in), 2010, Rassismus in der griechisch-römischen Antike, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152726