Merkmale sowie Funktionsbereiche und Probleme innerstädtischer Zentren


Seminararbeit, 2006

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition City

3 Funktionale Merkmale

4 Physiognomie

5 Cityfunktionen

6 Probleme innerstädtischer Zentren

7 Fazit

Literatur

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Der zentrale Teil einer Stadt wird mit unterschiedlichen Begriffen bezeichnet. Gebräuchlich sind Umschreibungen wie Stadtkern, Stadtzentrum, Innenstadt, Central Business District (CBD) und eben City. Dabei ist der Citybegriff eher unglücklich gewählt, da City im Englischen drei verschiedene Bedeutungen annehmen kann. Zunächst bezeichnet man mit City eine Großstadt im Allgemeinen. Darüber hinaus kann der Begriff auch für eine historische Stadt mit Bischofssitz sowie für eine Stadt mit königlicher Urkunde stehen. Der deutsche Citybegriff leitete sich aus der Bürokonzentration der City of London bzw. der City of Westminster ab, deren Entwicklung im 18. Jahrhundert einsetzte und das wichtigste frühe Innovationszentrum darstellte. Die Entfaltung des Banken- und Versicherungswesens in Deutschland begann erst nach 1850 und insbesondere nach der Reichsgründung 1871 mit dem Schwerpunkt Berlin, wo sich alle wesentlichen Dienstleistungseinrichtungen anhäuften. Die Citybildung ist damit eng mit dem Funktionswandel des zentral gelegenen Stadtteils verknüpft, welcher durch Zunahme von Einzelhandels- sowie privaten und öffentlichen Dienstleistungseinrichtungen und durch die Abnahme oder Verdrängung der Wohnbevölkerung festzustellen ist.

Ziel dieser schriftlichen Arbeit mit dem Thema „Die City“ ist es also nun, die Gliederung und Merkmale sowie die Funktionsbereiche und Probleme innerstädtischer Zentren aufzuzeigen, um so den fortlaufenden Wandel verstehen und erklären zu können. Dabei wird in einem ersten Schritt eine Definition der City vorgestellt. Anschließend sollen zunächst die funktionalen, dann die physiognomischen Merkmale erläutert werden, die eine City kennzeichnen und ihr ihr charakteristisches Aussehen verleihen. In Kapitel 4 werden die spezifischen Cityfunktionen genannt, die durch ihre Gliederung und Verteilung in der City bestimmte funktionale Viertel entstehen lassen, was am Beispiel Frankfurts zusätzlich konkretisiert werden soll. Im Anschluss daran wird sich mit den heutigen Schwierigkeiten und Prozessen der innerstädtischen Zentren beschäftigt. Abschließend soll das Thema mit einem Fazit noch einmal aufgegriffen und zusammengefasst und mögliche Lösungsansätze für die Probleme der Innenstädte demonstriert werden.

2 Definition City

City, oder englisch city centre oder downtown, ist in erster Linie ein Funktionsbegriff. Er bezeichnet den „zentralst gelegene(n) Teilraum (zentraler Standortraum) einer größeren Stadt (meist Großstadt) mit einer räumlichen Konzentration hochrangiger zentraler Funktionen des tertiären und quartären Sektors, […]“ (HEINEBERG 2001, S. 162). Bei HOFMEISTER (1993, S. 162) wird hierzu MEINEL zitiert, wo die City als „ein zentral in der

Großstadt befindlicher Wirtschaftsraum, in dem der überwiegende Teil der verbauten Fläche mit Gebäuden bestanden ist, deren Nutzfläche zum größten Teil kommerziellen und administrativen Zwecken dient“, beschrieben. Durch ihre räumliche Gliederung entstehen bestimmte funktionale Viertel wie beispielsweise Bankenviertel, Regierungsviertel, Hauptgeschäftsstraßen (s. Kapitel 4). Häufig ist die City zwischen der Altstadt und dem Bahnhofsviertel zu finden. Allgemein werden Citykern und Citymantel unterschieden, wobei mit Citykern der innere Teil der City bezeichnet wird, der eine große Dichte an citytypischen Einrichtungen aufweist und in der Literatur auch als Wirtschaftscity geführt wird. Der Citymantel ist das übrige Gebiet, das sich an den Kern anschließt und auch als Ergänzungsgebiet in der Literatur geführt wird. Die Abgrenzung der City zur Stadt erfolgt über bestimmte Kriterien wie Flächennutzung, Beschäftigtenstruktur, Bodenpreisniveau oder Verkehrsintensität. Teilweise findet auch eine spezialisiertere Abgrenzung vom Hauptgeschäftszentrum statt, die durch Merkmale wie eine hohe Passantendichte und das Vorhandensein von Fußgängerzonen gekennzeichnet ist. In amerikanischen Städten erfolgt die Abgrenzung des Hauptgeschäftsbereichs durch den so genannten CBD-Intensitäts- und den CBD-Höhenindex. Diese Indices wurden von Raymond E. Murphy und James E. Vance entwickelt und haben quadratische Baublöcke als kleinste räumlich-statistische Bezugseinheit. Der CBD-Höhenindex gibt das Verhältnis der typisch genutzten Geschossflächen in einem Baublock zur Gebäudegrundfläche an. Der CBD-Intensitätsindex ist hingegen der Prozentanteil aller CBD-typisch genutzten Geschossflächen in einem Baublock zur Gesamtgeschossfläche. Liegen Höhenindex über 1 und Intensitätsindex über 50%, handelt es sich um einen Hauptgeschäftsbereich (vgl. Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: CBD-Höhen- und Intensitätsindex nach Murphy und Vance (HEINEBERG 2001, S. 164)

Allerdings ist die Übertragung des CBD-Intensitäts- und des CBD-Höhenindex auf europäischen Städte eher problematisch, da in Europa eher eine unregelmäßige Blockaufteilung und eine unterschiedliche Nutzung der Blöcke vorherrscht. In Deutschland wird die Anwendung zusätzlich durch die geringe Zahl der notwendigen Wolkenkratzern, wie sie für die USA typisch sind, erschwert.

3 Funktionale Merkmale

Jeder, der in eine Stadt kommt, wird sofort eine erhöhte Verkehrsintensität und ein erhöhtes Verkehrsaufkommen bemerken, was insbesondere zu den Verkehrsspitzenzeiten morgens, wenn die arbeitende Bevölkerung aus dem Umland in die Stadt zu ihren Arbeitsplätzen fährt, und abends nach Feierabend, wenn die Menschen wieder nach Hause strömen festzustellen ist.

Des Weiteren ist in der City eine hohe Arbeitsplatzdichte (vgl. Abb. 2) zu verzeichnen, wobei Arbeitsplätze im tertiären und quartären Sektor stark überwiegen. Der quartäre Sektor stellt den vierten Wirtschaftsbereich dar und umfasst Dienstleistungen, die eine höhere Ausbildung bzw. Schulung erfordern. Hierzu zählen Einrichtungen der Regierung, private Dienstleitungen wie Ärzte und Rechtsanwälte sowie öffentliche Dienste wie Banken und Börsen. Infolge dieser Ansiedlung von Dienstleistungseinrichtungen kam es zu einer Abwanderung bzw. zu einer Verdrängung der Wohnbevölkerung, woraus eine geringe Wohndichte in der City, dem so genannten Citykrater (vgl. HEINEBERG) oder Bevölkerungskrater (vgl. HOFMEISTER), entstanden ist (vgl. Abb. 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Beschäftigten- und Bevölkerungsdichte in Hannover (ZEHNER 2001, S. 26)

Deutlich zu sehen ist hier zunächst im linken Profil die hohe Arbeitsplatzdichte in der Innenstadt, die sich zur Peripherie hin um ein Zwölftel verringert. Das rechte Profil dagegen lässt die als Citykrater bezeichnete, trichterartige Vertiefung klar erkennen, wo der Anteil der Wohnbevölkerung im Vergleich zum Cityrand nur halb so groß ist. Wie bereits

angesprochen, resultieren beide Entwicklungen aus der Trennung von Wohn- und Arbeitsstätten, bedingt durch

Ein weiteres Kennzeichen der City sind die extrem hohen Mieten und Bodenpreise, die ebenfalls mit zunehmender Entfernung zum Zentrum abnehmen, was in Abbildung 3 plausibel veranschaulicht wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Bodenpreise und Bauklassen einer kontinentaleuropäischen Großstadt (HOFMEISTER 1993, S. 145)

Klar ersichtlich ist das Kern-Rand-Gefälle der Bodenpreise, die in der inneren City ihr Maximum erreichen, danach zunächst schlagartig fallen und dann zu den Außenbezirken und Vororten hin zwar langsamer, aber weiter kontinuierlich abnehmen. Auffällig ist auch, dass Wohngebiete, die eine gewisse Entfernung zum Stadtkern aufweisen, in niedrigeren Preisstufen liegen, wodurch eine Kategorisierung in höher und geringer bewertete Wohnlagen ermöglicht wird.

Durch die bereits erwähnte starke Konzentration von Dienstleitungs- und Einzelhandelseinrichtungen und Funktionen höchster Stufe wie zum Beispiel Banken oder Fachärzte in der Stadtmitte, ist dort die intensivste Nutzung sowie ein hohes gewerbliches Nutzungsniveau bezogen auf die Zahl der Etagen und auf die Flächeneinheit festzustellen. Besonders charakteristisch für die City ist das Überwiegen der Tag- gegenüber der Nachtbevölkerung, was Abbildung 4 grafisch veranschaulicht.

Zweifellos ist zu erkennen, dass sich die Bevölkerung am Tag, während der Öffnungszeiten der Einzelhandelsgeschäfte und Bürogebäude, überwiegend in der Innenstadt aufhält. In den Abendstunden werden diese Verhältnisse zunächst durch Theater- oder Kinobesucher sowie Restaurant- ausgeglichen, bevor dann in der Nacht die Dichte der Bevölkerung in der City fast gänzlich abnimmt und sich vermehrt in den Außenbereichen des Stadtkerns ballt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Tag- und Nachtbevölkerung in der City (HEINEBERG 2001, S. 162)

4 Physiognomie

Neben den funktionalen Merkmalen sind auch physiognomische Kennzeichen, die die äußere Erscheinung der City betreffen, für die Ausweisung eines Stadtzentrums ausschlaggebend. Durch das geringere Flächenangebot weist die City eine bauliche Kompaktheit und eine überdurchschnittliche Gebäudehöhe auf. Die vertikal ausgerichtete Struktur wird allerdings in Europa im Vergleich zu Amerika durch den Denkmalschutz begrenzt und Hochhäuser werden an den Cityrand oder sogar bis an die Stadtgrenzen zurückgewiesen. Die im Zentrum verbleibenden Hochhäuser weisen eine genau strukturierte Nutzungsform auf. Das Erdgeschoss steht in erster Linie gewerblichen Einrichtungen zur Verfügung und ist durch durchgehende Ladenfronten und eine hohe Schaufensterdichte gekennzeichnet. Die Wohnbevölkerung ist dagegen in den höher liegenden Geschossen, insbesondere in Dachgeschossen, angesiedelt, die über zurückversetzte Hauseingänge zu erreichen sind. Diese Wohnungen sind sehr attraktiv, allerdings auch ausgesprochen teuer und daher nur für einkommensstarke Bevölkerungsteile zu halten (vgl. FASSMANN 2004, S. 126f.). Ein weiteres typisches Merkmal der City sind Geschäftspassagen mit einer hohen Verglasung sowie Arkaden und Kolonnaden, die den Kunden auch bei schlechtem Wetter das Einkaufen ermöglichen und eine ansprechende Alternative zu den geschlossenen, stickigen Shoppingcentern am Stadtrand bilden. Die starke Ballung von Werbe- und Reklameflächen unterstreicht und festigt die Rolle der City als Einzelhandelszentrum, denn die potenziellen Kunden werden so gleich an Ort und Stelle umworben und inspiriert und können ohne große Umwege das gewünschte Angebot mit nach Hause nehmen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Merkmale sowie Funktionsbereiche und Probleme innerstädtischer Zentren
Hochschule
Universität Trier
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V152729
ISBN (eBook)
9783640648207
ISBN (Buch)
9783640647927
Dateigröße
2226 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stadtgeographie, Die City, Geographie
Arbeit zitieren
Anne Jahr (Autor:in), 2006, Merkmale sowie Funktionsbereiche und Probleme innerstädtischer Zentren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152729

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