Der zentrale Teil einer Stadt wird mit unterschiedlichen Begriffen bezeichnet. Gebräuchlich sind Umschreibungen wie Stadtkern, Stadtzentrum, Innenstadt, Central Business District (CBD) und eben City. Dabei ist der Citybegriff eher unglücklich gewählt, da City im Englischen drei verschiedene Bedeutungen annehmen kann. Zunächst bezeichnet man mit City eine Großstadt im Allgemeinen. Darüber hinaus kann der Begriff auch für eine historische Stadt mit Bischofssitz sowie für eine Stadt mit königlicher Urkunde stehen. Der deutsche Citybegriff leitete sich aus der Bürokonzentration der City of London bzw. der City of Westminster ab, deren Entwicklung im 18. Jahrhundert einsetzte und das wichtigste frühe Innovationszentrum darstellte. Die Entfaltung des Banken- und Versicherungswesens in Deutschland begann erst nach 1850 und insbesondere nach der Reichsgründung 1871 mit dem Schwerpunkt Berlin, wo sich alle wesentlichen Dienstleistungseinrichtungen anhäuften. Die Citybildung ist damit eng mit dem Funktionswandel des zentral gelegenen Stadtteils verknüpft, welcher durch Zunahme von Einzelhandels- sowie privaten und öffentlichen Dienstleistungseinrichtungen und durch die Abnahme oder Verdrängung der Wohnbevölkerung festzustellen ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition City
3 Funktionale Merkmale
4 Physiognomie
5 Cityfunktionen
6 Probleme innerstädtischer Zentren
7 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Gliederung, die Merkmale sowie die Funktionsbereiche und zentralen Probleme innerstädtischer Zentren aufzuzeigen, um den fortlaufenden städtebaulichen Wandel wissenschaftlich zu fundieren und zu erklären.
- Definition und Abgrenzung des City-Begriffs im stadtgeographischen Kontext
- Analyse der funktionalen Merkmale und der Bevölkerungsdichte (Citykrater)
- Untersuchung der physiognomischen Erscheinungsformen und baulichen Strukturen
- Darstellung der typischen Cityfunktionen, von Einzelhandel bis Verwaltung
- Erörterung der Problematiken wie Filialisierung, Trading down und Verödung
Auszug aus dem Buch
4 Physiognomie
Neben den funktionalen Merkmalen sind auch physiognomische Kennzeichen, die die äußere Erscheinung der City betreffen, für die Ausweisung eines Stadtzentrums ausschlaggebend. Durch das geringere Flächenangebot weist die City eine bauliche Kompaktheit und eine überdurchschnittliche Gebäudehöhe auf. Die vertikal ausgerichtete Struktur wird allerdings in Europa im Vergleich zu Amerika durch den Denkmalschutz begrenzt und Hochhäuser werden an den Cityrand oder sogar bis an die Stadtgrenzen zurückgewiesen. Die im Zentrum verbleibenden Hochhäuser weisen eine genau strukturierte Nutzungsform auf. Das Erdgeschoss steht in erster Linie gewerblichen Einrichtungen zur Verfügung und ist durch durchgehende Ladenfronten und eine hohe Schaufensterdichte gekennzeichnet. Die Wohnbevölkerung ist dagegen in den höher liegenden Geschossen, insbesondere in Dachgeschossen, angesiedelt, die über zurückversetzte Hauseingänge zu erreichen sind. Diese Wohnungen sind sehr attraktiv, allerdings auch ausgesprochen teuer und daher nur für einkommensstarke Bevölkerungsteile zu halten (vgl. FASSMANN 2004, S. 126f.). Ein weiteres typisches Merkmal der City sind Geschäftspassagen mit einer hohen Verglasung sowie Arkaden und Kolonnaden, die den Kunden auch bei schlechtem Wetter das Einkaufen ermöglichen und eine ansprechende Alternative zu den geschlossenen, stickigen Shoppingcentern am Stadtrand bilden. Die starke Ballung von Werbe- und Reklameflächen unterstreicht und festigt die Rolle der City als Einzelhandelszentrum, denn die potenziellen Kunden werden so gleich an Ort und Stelle umworben und inspiriert und können ohne große Umwege das gewünschte Angebot mit nach Hause nehmen. Aufgrund der bereits erwähnten Flächenknappheit in der City, kommt es zu einer Verdrängung des ruhenden Verkehrs, da die notwendigen Parkplätze zwar große Flächen einnehmen, aber keine nennenswerten Einnahmen bringen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in den Begriff der City, dessen historische Entwicklung und die Zielsetzung der Arbeit zur Untersuchung von Stadtstrukturen.
2 Definition City: Theoretische Bestimmung der City als Funktionsbegriff und Erläuterung von Abgrenzungskriterien wie Flächennutzung und Beschäftigtenstruktur.
3 Funktionale Merkmale: Analyse der Verkehrsintensität, Arbeitsplatzdichte und des Phänomens der geringen Wohndichte in der Innenstadt.
4 Physiognomie: Betrachtung der äußeren baulichen Erscheinung, von Gebäudehöhen über Geschäftspassagen bis hin zur Verkehrsführung.
5 Cityfunktionen: Detaillierte Darstellung der Funktionskomplexe Einzelhandel, private Dienstleistungen und gewerbliche Nutzungen.
6 Probleme innerstädtischer Zentren: Diskussion negativer Entwicklungen wie Filialisierung, Qualitätsverlust im Angebot und Erreichbarkeitsproblemen.
7 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Herausforderungen und Aufzeigen von Lösungsansätzen für eine nachhaltige Innenstadtentwicklung.
Schlüsselwörter
City, Innenstadt, Stadtentwicklung, Citybildung, Citykrater, Einzelhandel, Filialisierung, Trading down, Funktionswandel, Bodenpreise, Zentralität, Dienstleistungssektor, Gentrification, Stadtgeographie, Raumplanung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der zentralen Bereiche einer Stadt, der sogenannten City, und untersucht deren funktionale sowie physiognomische Charakteristika und aktuelle Herausforderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die räumliche Konzentration von Dienstleistungs- und Einzelhandelseinrichtungen, das Phänomen der Citybildung sowie die strukturellen Probleme moderner Innenstädte.
Welches Ziel verfolgt der Autor mit dieser Publikation?
Das primäre Ziel ist es, den fortlaufenden Wandel der Innenstädte verständlich zu machen und die komplexen Prozesse, die zu deren Strukturveränderung führen, aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es handelt sich um eine stadtgeographische Analyse, die Fachliteratur, demographische Daten, statistische Indizes (wie den CBD-Höhenindex) und anschauliche Fallbeispiele nutzt.
Welche Aspekte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil behandelt die funktionalen Merkmale, die äußere Gestalt der City, die spezifischen Funktionen wie Handel und Verwaltung sowie die drohende Verödung durch Filialisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Citybildung, Funktionswandel, Filialisierung, Citykrater und Gentrification definiert.
Was unterscheidet den Citykern vom Citymantel?
Der Citykern zeichnet sich durch eine besonders hohe Dichte an citytypischen Einrichtungen aus, während der Citymantel als ein sich anschließendes Ergänzungsgebiet fungiert.
Warum ist die Anwendung amerikanischer Abgrenzungsindizes in Europa problematisch?
In europäischen Städten verhindern unregelmäßige Blockstrukturen und die stärkere Berücksichtigung des Denkmalschutzes eine direkte Übertragung der für die USA entwickelten Indizes.
Wie beeinflusst der Prozess des „Trading down“ die Innenstädte?
Das „Trading down“ führt zu einem kontinuierlichen Qualitätsverlust des Angebots, bei dem traditionelle Fachgeschäfte durch Discounter und monotone Ketten verdrängt werden.
Welche Rolle spielt die Gentrification in diesem städtischen Kontext?
Gentrification beschreibt die Aufwertung innenstadtnaher Wohnviertel durch einkommensstarke Bevölkerungsgruppen, was einerseits zur Revitalisierung beiträgt, andererseits aber zur Verdrängung sozial schwächerer Schichten führt.
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- Anne Jahr (Author), 2006, Merkmale sowie Funktionsbereiche und Probleme innerstädtischer Zentren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152729