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Die Entwicklung der Gefechtsarten

Operatives Denken und Handeln in deutschen Streitkräften

Titel: Die Entwicklung der Gefechtsarten

Wissenschaftliche Studie , 2010 , 68 Seiten

Autor:in: Stefan Erminger (Autor:in)

Soziologie - Krieg und Frieden, Militär
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Truppenführung (TF) 1910 kannte den Begriff der Gefechtsart noch nicht. Es werden lediglich der Angriff und die Verteidigung in ihren Vor- und Nachteilen beschrieben. Dabei wird sowohl das Begriffspaar Angriff und Verteidigung als auch das Begriffspaar Offensive und Defensive verwandt. Es ist bemerkenswert, dass sich schon hier der Begriff des „Begegnungsgefechts” findet und die Besonderheiten dieser, wie man sie heute bezeichnen würde, besonderen Gefechtshandlung beschrieben werden.
Auch die TF 21 kannte den Begriff der Gefechtsart noch nicht. Inhaltlich lässt sich feststellen, dass dort Angriff, Verfolgung, Verteidigung, hinhaltendes Gefecht und Abbrechen des Gefechts im Rahmen der Gefechtshandlungen beschrieben wurden. Daneben gab es ein Kapitel „Gefechte unter besonderen Verhältnissen“, wobei dort das hinhaltende Gefecht nochmals genannt wurde, was darauf hindeutet, dass es sich dabei nicht um eine eigenständige Gefechtsart handelte, sondern um eine besondere Gefechtshandlung.

Die TF 33 nahm erstmals den Begriff der „Kampfart" auf und beschrieb den Angriff, die Verfolgung, die Abwehr mit ihren beiden Varianten Verteidigung und hinhaltender Widerstand, das Abbrechen des Gefechts und den Rückzug als Kampfarten.
Die TF 56 als erste Truppenführungsvorschrift der Bundeswehr übernahm den Begriff der „Kampfarten" Als „Kampfarten“ wurden dabei Angriff, Verfolgung, Abwehr (mit den Unterpunkten Verteidigung, hinhaltender Kampf und Verzögerungsgefecht) und Abbrechen des Gefechts verstanden. Zusätzlich gab es ein eigenes Kapitel „Gefechte unter besonderen Verhältnissen", in dem z. b. der Ortskampf genannt wird.
Erstmals handelte es sich nun bei der Verzögerung um eine der „Hauptkampfarten" und es wurden Sicherung, Aufklärung und Marsch erstmalig als „allgemeine Aufgaben" im Gefecht genannt und so aufgefasst. Die Tatsache, dass es in allen vorangegangenen Vorschriften Kapitel zur Thematik "Aufklärung, Sicherung und Marsch" gab, zeigt nur, dass schon damals die Wichtigkeit dieser Aufgaben erfasst wurde, aber die Begrifflichkeit als „Gefechtstätigkeit aller Truppen" ist neu.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Entwicklung der Gefechtsarten

I Verteidigung

Hochentwickelte Manöverkunst

Karree zur Rundumverteidigung

Napoleons Taktik

Erzherzog Karls Exerzierreglement

Scharnhorsts Infanterie-Reglement 1812

Neue Gedanken durch Carl von Clausewitz

Wieder Unterordnung der Verteidigung

Detaillierte Vorschriften für die Verteidigung

Angriff und Verteidigung noch nicht gleichwertig

Erstmals 1906: «Hinhaltendes Gefecht»

Tendenz zur Linie

»Stützpunkte«

Neue Vorschriften zum Stellungskrieg

Zusammenfassung der Entwicklung bim zum Ersten Weltkrieg

Abbrechen des Gefechts

Grundsätze der Verteidigung in der Bundeswehr

«Verteidigungsraum»

»Schlüsselgelände«

Fazit zur Verteidigung

II Verzögerung

Von der Gefechtshandlung zur selbständigen Gefechtsart

Zusammenfassung der Entwicklung bis zum Ersten Weltkrieg

Zwischen den Weltkriegen

Abwehr, Verteidigung und hinhaltender Widerstand im Zweiten Weltkrieg

Verzögerung in den Vorschriften der Bundeswehr

Schlussbetrachtung zur Verzögerung

III Angriff

Angriff in der frühen Neuzeit

Angriff im Zeitalter von König Friedrich II.

Angriff zwischen Französischer Revolution und Freiheitskriegen

Angriff im Zeitalter des Deutschen Bundes

Angriff nach den Einigungskriegen

Angriff im Ersten Weltkrieg

Übergang zur Reichswehr – Ära Seeckt

Die Evolution der Kraftfahrtruppe – Truppenführung 1933

Guderian – führen von vorn

Die Wende ´42 – vom Angriff zur Abwehr

Kriegsende – Aufbau der Bundeswehr

Massenvernichtungswaffen und Asymmetrie

Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit analysiert die historische Entwicklung der taktischen Gefechtsarten – Angriff, Verteidigung und Verzögerung – in den deutschen Streitkräften von der frühen Neuzeit bis in das 21. Jahrhundert, wobei der Fokus auf dem operativen Denken und Handeln in den jeweiligen Truppenführungsvorschriften liegt.

  • Evolution der Angriffstaktik von der Linien- zur Panzertaktik
  • Wandel der Verteidigungskonzepte und ihre Einbettung in die operative Führung
  • Rolle des hinhaltenden Gefechts und der Verzögerung als selbständige Gefechtsarten
  • Einfluss von Technologie, Mechanisierung und atomarer Bedrohung auf die Taktik
  • Bedeutung der Führungsphilosophie und des soldatischen Selbstverständnisses

Auszug aus dem Buch

Die Entwicklung der Gefechtsarten

Die TF 1910 kannte den Begriff der Gefechtsart noch nicht. Es werden lediglich der Angriff und die Verteidigung in ihren Vor- und Nachteilen beschrieben. Dabei wird sowohl das Begriffspaar Angriff und Verteidigung als auch das Begriffspaar Offensive und Defensive verwandt. Es ist bemerkenswert, dass sich schon hier der Begriff des „Begegnungsgefechts” findet und die Besonderheiten dieser, wie man sie heute bezeichnen würde, besonderen Gefechtshandlung beschrieben werden.

Auch die TF 21 kannte den Begriff der Gefechtsart noch nicht. Inhaltlich lässt sich feststellen, dass dort Angriff, Verfolgung, Verteidigung, hinhaltendes Gefecht und Abbrechen des Gefechts im Rahmen der Gefechtshandlungen beschrieben wurden. Daneben gab es ein Kapitel „Gefechte unter besonderen Verhältnissen“, wobei dort das hinhaltende Gefecht nochmals genannt wurde, was darauf hindeutet, dass es sich dabei nicht um eine eigenständige Gefechtsart handelte, sondern um eine besondere Gefechtshandlung.

Die TF 33 nahm erstmals den Begriff der „Kampfart" auf und beschrieb den Angriff, die Verfolgung, die Abwehr mit ihren beiden Varianten Verteidigung und hinhaltender Widerstand, das Abbrechen des Gefechts und den Rückzug als Kampfarten.

Die TF 56 als erste Truppenführungsvorschrift der Bundeswehr übernahm den Begriff der „Kampfarten" Als „Kampfarten“ wurden dabei Angriff, Verfolgung, Abwehr (mit den Unterpunkten Verteidigung, hinhaltender Kampf und Verzögerungsgefecht) und Abbrechen des Gefechts verstanden. Zusätzlich gab es ein eigenes Kapitel „Gefechte unter besonderen Verhältnissen", in dem z. b. der Ortskampf genannt wird.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Verteidigung: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Wandel der Verteidigung von der starren Linientaktik über die Clausewitzsche Auffassung eines beweglichen Kampfes bis hin zu modernen Verteidigungskonzepten in der Bundeswehr nach.

II. Verzögerung: Hier wird der Prozess beschrieben, wie das hinhaltende Gefecht von einer bloßen Gefechtshandlung zur eigenständigen Gefechtsart in den Vorschriften der Bundeswehr aufstieg.

III. Angriff: Dieses Kapitel analysiert die Entwicklung der Angriffstaktik, den zunehmenden Stellenwert von Feuer und Bewegung sowie den Einfluss der Panzertruppe und der motorisierten Führung auf das operative Geschehen.

Schlüsselwörter

Truppenführung, Gefechtsarten, Angriff, Verteidigung, Verzögerung, Taktik, operative Führung, Bundeswehr, Gefechtshandlung, Kampfart, Militärgeschichte, Mechanisierung, Panzer, Feuer und Bewegung, Clausewitz

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die historische Evolution und die theoretische Entwicklung der taktischen Grundoperationen der deutschen Streitkräfte über mehrere Jahrhunderte hinweg.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Mittelpunkt stehen die Wandlungen der Begriffe Angriff, Verteidigung und Verzögerung sowie deren theoretische Fundierung in den verschiedenen deutschen Dienstvorschriften.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Entwicklungslinien des operativen Denkens in Deutschland aufzuzeigen und zu verstehen, wie sich militärische Konzepte an technische und politische Gegebenheiten anpassten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert primär auf einer systematischen Auswertung historischer Truppenführungsvorschriften, Leitfäden und begleitender militärwissenschaftlicher Publikationen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil ist in drei große Abschnitte gegliedert, die jeweils detailliert die Entwicklung der Verteidigung, der Verzögerung und des Angriffs als Gefechtsarten analysieren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe umfassen Truppenführung, Gefechtsarten, Angriff, Verteidigung, Verzögerung, Taktik, Mechanisierung und die Entwicklung des operativen Denkens.

Wie unterscheidet sich die Auffassung von "Verzögerung" historisch?

Historisch wandelte sich die Verzögerung von einer taktischen Notlösung oder bloßen Gefechtshandlung zu einer eigenständigen, hochkomplexen Gefechtsart, die eine aktive Führung erfordert.

Welchen Einfluss hatte Clausewitz auf die Gefechtsarten?

Clausewitz betonte die Bedeutung der Verteidigung als stärkere Kriegsform und forderte eine bewegliche Kampfführung, was die späteren deutschen Konzepte einer aktiven Abwehr maßgeblich beeinflusste.

Was bedeutete die Einführung der Panzerwaffe für den Angriff?

Die Einführung der Panzerwaffe erforderte ein grundlegend neues taktisches Verständnis, bei dem Bewegung, Geschwindigkeit und die konzentrierte Kraftanstrengung in der Tiefe des gegnerischen Raumes entscheidend wurden.

Wie veränderte die atomare Bedrohung die Taktik?

Die atomare Bedrohung erzwang eine Auflockerung der Truppen, um Verwundbarkeit zu reduzieren, während gleichzeitig neue Konzepte zur Zusammenfassung der Feuerkraft und Bewegung in der Tiefe entwickelt wurden.

Ende der Leseprobe aus 68 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Entwicklung der Gefechtsarten
Untertitel
Operatives Denken und Handeln in deutschen Streitkräften
Autor
Stefan Erminger (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
68
Katalognummer
V152766
ISBN (eBook)
9783640650217
ISBN (Buch)
9783640650613
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gefechtsarten Operationsarten Operation Taktik Truppenführung Angriff Verteidigung Verzögerung Gefecht Bundeswehr Reichswehr Scharnhorst Seeckt Moltke Clausewitz Operatives Denken Streitkräfte Napoleon Manöver Krieg Erzherzog Karl Friedrich der Große Hinhaltendes Gefecht Abwehr Stellungskrieg Erster Weltkrieg Zweiter Weltkrieg Verteidigungsraum Stützpunkt Schlüsselgelände Gefechtshandlung Widerstand Französische Revolution Freiheitskriege Einigungskriege Deutscher Bund Nukelarwaffen Atomwaffen Truppenführer Guderian Manstein Barbarossa Wende 1942 Stalingrad Kraftfahrtruppe Panzer Kriegsende Massenvernichtungswaffen Asymmetrie Heeresdienstvorschrift
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Arbeit zitieren
Stefan Erminger (Autor:in), 2010, Die Entwicklung der Gefechtsarten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152766
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Leseprobe aus  68  Seiten
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