Bombenangriffe auf Köln und Rotterdam im Vergleich

Dargestellt unter besonderer Berücksichtigung ausgewählter lokaler Presse


Magisterarbeit, 2007
143 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

0. Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung
I.1. Fragestellung
I.2. Konzeption
I.3. Methodik
I.3. Forschungsstand

II. Bombenangriffe und Luftschutz
II.1. Entwicklung und Ausmaß der Bombenangriffe
II.1.1. Dargestellt für die Stadt Köln
II.1.1.1. Die Jahre 1940 und 1941
II.1.1.2. Das Jahr 1942
II.1.1.2.a. Der Angriff am 30./31. Mai 1942
II.1.1.3 Die Jahre 1943-1945
II.1.2. Dargestellt für die Stadt Rotterdam
II.1.2.1 Die Kriegstage vom 10. - 14. Mai 1940
II.1.2.2 Der Angriff am 14. Mai 1940
II.1.2.3 Die Jahre 1940 bis 1942
II.1.2.4 Die Jahre 1943 bis 1945
II.1.3. Vergleichende Aspekte der Bombenangriffe
II.2. Vorbereitende Maßnahmen der Städte
II.2.1. Dargestellt für die Stadt Köln
II.2.1.1. Selbstschutz
II.2.1.2. Alarme
II.2.1.3. Luftschutzräume und Bunker
II.2.1.4 Aktiver Luftschutz
II.2.2. Dargestellt für die Stadt Rotterdam
II.2.2.1. Luftschutz bis zum 14. Mai 1940
1.2.2.1.a. Organisation des Selbstschutzes
II.2.2.1.b. Schutzräume und Bunker
II.2.2.1.c. Aktiver Luftschutz
II.2.2.2. Luftschutzes nach dem 14. Mai 1940
II.2.3. Vergleichende Aspekte der vorbereitenden Maßnahmen

III. Die Bewältigung der Angriffsfolgen
III.1. Hilfsmaßnahmen
III.1.1. Dargestellt für die Stadt Köln
III.1.1.1. Rettungsmaßnahmen
III.1.1.1.a. Luftschutzpolizei
III.1.1.1.b. Sektionen der Luftschutzpolizei
III.1.1.1.c. Lerneffekt nach dem 31. Mai 1942
III.1.1.2. Sofortmaßnahmen
III.1.1.2.a. Maßnahmen der Kommune
III.1.1.2.b. Das Sozialamt für Fliegergeschädigte (SfF)
III.1.1.3. Maßnahmen der Partei
III.1.2. Dargestellt für die Stadt Rotterdam
III.1.2.1. Rettungsmaßnahmen
III.1.2.1.a. Der Einsatz von Polizei und Feuerwehr
III.1.2.1.b. Die medizinische Versorgung
III.1.2.2. Maßnahmen der Kommune
III.1.2.2.a. Erste Schritte
III.1.2.2.b. Güterversorgung
III.1.2.3. Lerneffekt nach dem 14. Mai 1940
III.1.3. Vergleichende Aspekte der Hilfsmaßnahmen
III.2. Evakuierung in Folge der Bombenangriffe
III.2.1. Dargestellt für die Stadt Köln
III.2.1.1. Vor dem 1.000-Bomber-Angriff
III.2.1.1.a. Kinderlandverschickung
III.2.1.2. Nach dem 1.000-Bomber-Angriff
III.2.2. Dargestellt für die Stadt Rotterdam
III.2.2.1. Nach dem 14. Mai 1940
III.2.2.1.a. „Centraal Evacuatie Bureau” (CEB)
III.2.2.2. Seit dem Jahr 1941
III.2.3. Vergleichende Aspekte der Evakuierungsmaßnahmen
III.3. Finanzielle Entschädigung und materielle Ersatzbeschaffung
III.3.1. Dargestellt für die Stadt Köln
III.3.1.1. Entschädigungen vor dem 31. Mai 1942
III.3.1.2. Entschädigungen nach dem 31. Mai 1942
III.3.1.3. Materieller Ersatz für Fliegergeschädigte
III.3.2. Dargestellt für die Stadt Rotterdam
III.3.2.1. Entwicklung der Entschädigungspraxis
III.3.2.2. Auszahlung der Entschädigungen
III.3.2.3. Finanzielle und materielle Unterstützung
III.3.2.3.a. Kommunale Initiative
III.3.2.3.b. Initiativen aus dem Wirtschaftsleben
III.3.3. Vergleichende Aspekte der finanziellen Entschädigungspraxis und der materiellen Ersatzbeschaffung

IV. Die Bombenangriffe in der lokalen Presseberichterstattung
IV.1. Rahmenbedingungen der Presseberichterstattung
IV.1.1. Presse als Mittel nationalsozialistischer Propaganda
IV.1.2. NS-Meinungsforschung als Abgleich der Propagandabemühungen
IV.1.3. Entwicklung der sukzessiven Presselenkung der deutschen Presse
IV.1.4. Presselenkung in den besetzten Niederlande
IV.1.5. Kriegsbedingungen für das Pressewesen
IV.2. Praxis der Luftkriegsberichterstattung in Köln und Rotterdam
IV.2.1. Luftschutzpropaganda
IV.2.2. Luftkriegspropaganda 1940
IV.2.2.1. Der Bombenangriff auf Rotterdam
IV.2.2.2. Die Luftschlacht um England
IV.2.3. Regionalisierung der Informationen 1941
IV.2.4. Totaler Luftkrieg - totale Propaganda 1942
IV.2.5. Wehrlosigkeit in der Luft und in den Redaktionen 1943
IV.3.Totengedenken an die Opfer Bombenkriegs
IV.3.1. Analyse für Köln aus dem Kölner Stadt-Anzeiger (KStA)
IV.3.1.1. In den Jahren 1940-1942
IV.3.1.2. Im Jahr 1943
IV.3.1.3. Todesanzeigen für Opfer des Bombenkrieges im KStA
IV.3.2. Analyse für Rotterdam aus dem Rotterdamsch Nieuwsblad (RN)
IV.3.2.1. In den Jahren 1940-1942
IV. 3.2.2. Im Jahr 1943
IV.3.2.3. Todesanzeigen für Opfer des Bombenkrieges im RN
IV.3.3. Vergleich des Umgangs mit dem Totengedenken

V. Schlussbetrachtung

VI. Bibliographie
VI.1. Quellenverzeichnis
VI.2. Literaturverzeichnis

VII. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Untersuchung werden die Bombenangriffe und die Bewältigung ihrer Folgen in Köln während des Zweiten Weltkrieges den Angriffen auf Rotterdam gegenübergestellt.

Mittels des transnationalen Vergleichs wird versucht die gesellschaftliche Reaktion auf die Bedrohung des Luftkrieges in der jeweiligen Stadt herauszuarbeiten. Ferner wird aufgezeigt, welche Differenz sich in der Bewältigung der Folgen der Bombenangriffe zwischen der nationalsozialistischen Kriegsgesellschaft in Köln und der von Deutschen besetzten Stadt Rotterdam ausdrückt. Die Errichtung einer nationalsozialistische Kriegsgesellschaft in Köln wird kontrastiert durch die Unmöglichkeit der Translation der nationalsozialistischen Ideologie in das zuvor von Deutschland zerbombte Rotterdam, das als von Deutschen besetzte Stadt Ziel alliierter Angriffe wurde. Neben den möglichen Unterschieden auf der Handlungsebene wird der propagandistische Umgang des Regimes in der Presseberichterstattung über die Bombenangriffe verglichen.

Vor diesem Hintergrund werden die Angriffe, die eine Zäsur der jeweiligen Stadtgeschichte darstellten, ins Zentrum der Betrachtung gerückt[1]: Der deutsche Angriff vom 14. Mai 1940 und der erste schwere Angriff auf Köln am 30./31. Mai 1942. Die Stadtbevölkerung war hier wie dort zunächst akuter Lebensbedrohung ausgesetzt und später zu Arrangements des alltäglichen Lebens in der vom Bombenkrieg geprägten Stadt gezwungen.

Von der hohen Aktualität des Luftkrieges zeugt die öffentliche Debatte anlässlich des 60. Jahrestages der alliierten Bombenangriffe gegen deutsche Städte in der deutschen Bevölkerung.[2] Die Publikation des populärwissenschaftlichen Buches „Der Brand“ von Jörg Friedrich im Jahr 2002 hatte zuvor bereits den Raum geöffnet für eine breite Diskussion um die deutsche Opferschaft im alliierten Luftkrieg gegen deutsche Städte.[3] Diese Debatte wird in den Niederlanden aufmerksam verfolgt.[4] Zugleich mehrten sich in Rotterdam Forderungen nach einer städtisch organisierten Gedenkfeierlichkeit zum 14. Mai anlässlich der Bombardierung der Stadt im Jahr 1940.[5] Im Jahr 2007 fand dieses Gedenken erstmals in großem Rahmen unter Mitwirkung der Bevölkerung statt. Anlässlich der Zeremonie wurde architektonisch die so genannte „Brandgrenze“, die Begrenzung der am 4. Mai 1940 niedergebrannten Stadtteile, artifiziell im modernen Stadtbild Rotterdams sichtbar gemacht.[6] Im Bewusstsein Rotterdams steht der Tag des deutschen Angriffs synonym für die Zerstörung zu Beginn des Krieges, während die Zeit der folgenden alliierten Bombenangriffe überschattet wurde durch die Installation der deutschen Besatzungsmacht. Im kollektiven Gedächtnis ist deren Einwirkung auf das gesellschaftliche Zusammenleben durch den verpflichteten Arbeitseinsatz von Rotterdamern in Deutschland und die Entbehrungen der Bevölkerung im Hungerwinter 1944 stärker verankert als die fortwährenden alliierten Bombenangriffe.[7] Unter der Prämisse, dass die Intention der kontinuierlichen Bombenangriffe auf Köln die Schwächung der Moral der deutschen Bevölkerung war, werden im Folgenden Bombenangriffe und ihre Folgen untersucht. Obgleich das „moral bombing“ sein primäres Ziel nicht erreichte, setzte das Bombardement Destruktions- und Kohäsionskräfte der „Volksgemeinschaft“ frei und wirft mithin die Frage nach dem Verhältnis von Stabilität und Integrationspotential der nationalsozialistischen Kriegsgesellschaft auf.[8] Der transnationale Vergleich stellt das nationalsozialistische Machtgefüge in der vom Bombenkrieg betroffenen Stadt Köln der gleichfalls betroffenen Stadt Rotterdam gegenüber, in der durch den vorangegangen deutschen Angriff eine anti-deutsche und anti-nationalsozialistische Haltung vorherrschte.[9] Dort verschärften die alliierten Angriffe während der Besatzung den Kontrast zwischen dem Selbstbild der Besatzer und dem Fremdbild durch die Besetzten.[10] Die Reaktion der nationalsozialistischen Gesellschaft in Form von Vorbereitung, Bewältigung und Propaganda in Bezug auf die Bombenbedrohung wird verglichen mit der Situation im nationalsozialistisch besetzten Rotterdam. Zuzüglich der militärhistorischen Perspektive soll demnach die Forderung von Dietmar Süß berücksichtigt werden, laut der die Beschäftigung mit Bombenangriffen „[...] unterschiedliche Ausprägungen, Beziehungsformen und Perzeption im Prozess der Grenzverschiebung zwischen „Front“ und „Heimat“ mit“ eineziehen sollte.[11]

I.1. Fragestellung

Grundlegendes Ziel der Arbeit ist ein Vergleich der Bombenangriffe auf Köln und Rotterdam vor dem Hintergrund der plötzlichen Zerstörung der Innenstädte durch Bombenangriffe im Mai 1940 auf Rotterdam und im Mai 1942 auf Köln. Die komparatistische Betrachtung der Geschichte von Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg kann „[...] zur Sonde des Gesellschaftsvergleichs werden, der Auskunft gibt über Stabilität und Krisenanfälligkeit politischer Systeme, über Formen von Gewalterfahrung, Ausgrenzungs- und Stressbewältigungsstrategien.“[12] Dem Vergleich liegt für Köln die totalitäre nationalsozialistische Gesellschaftsordnung zugrunde, die in Rotterdam durch die deutschen Besatzer gegen den Willen der Bevölkerung und im Angesicht der von ihnen herbeigeführten Zerstörung zu etablieren versucht wurde. Dabei sollen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der ersten Maßnahmen und weiterreichenden Ansätze als Reaktion auf die alliierten Bombenangriffe herausgearbeitet werden.

Die Alliierten intendierten bei den Angriffen auf Köln, die potentielle Anfälligkeit der nationalsozialistischen Gesellschaft durch das „moral bombing“ auszunutzen. Inwieweit gelang dies und welche Differenz zeigte sich in der Reaktion der Bevölkerung und der Autoritäten im besetzten Rotterdam auf diese Angriffe? Inwiefern gerieten die gründlichen Vorbereitungen in Deutschland auf kriegerische Angriffe zum Vorteil gegenüber der an der Neutralität festhaltenden Niederlanden? Wie beugte die nationalsozialistische Machtentfaltung destruktiven Auswirkungen der Bombenangriffe auf die Zivilbevölkerung vor? Auf welche Weise konnten die finanziellen und materiellen Bedürfnisse nach einem Bombenangriff befriedigt werden und wer trat hierfür in die Verantwortung? Abschließend wird hinterfragt, wie die nationalsozialistisch zensierte Presse angesichts der Bedrohung der Bevölkerung und des bestehenden Machtgefüges durch den Luftkrieg verfuhr, wie verändert sich der pressepolitische Umgang mit der Intensivierung des Bombenkrieges und in welchen Punkten unterschied sich die jeweilige lokale Berichterstattung über die Angriffe auf Köln und Rotterdam?

I.2. Konzeption

Der Vergleich der Bombenangriffe ist fokussiert auf die Angriffe auf Rotterdam am 14. Mai 1940 und auf Köln am 30./31. Mai 1942. Die bis zum damaligen Zeitpunkt unbekannte Größenordnung des Angriffs auf Köln vom 31. Mai 1942, dessen einschneidender Charakter und die darauf teilweise erfolgte Modernisierung des Hilfssystems lassen diesen Angriff in der Untersuchung eine zentrale Bedeutung einnehmen. Er erscheint demnach als Pendant zum Tag der Rotterdamer Zerstörung am 14. Mai 1940, ungeachtet der Tatsache, dass Köln in den verbleibenden Kriegsjahren größere Angriffe erleben sollte.

Dargestellt werden die Angriffe im jeweiligen Vergleich einzelner Parameter.[13] Diese wurden bestimmt, um möglichst konkrete Vergleichsmomente herauszuarbeiten, doch fällt die Gewichtung einzelner dargestellter Punkte für Rotterdam und Köln zuweilen unterschiedlich aus. Auf die Schnittmenge einzelner Aspekte wird an gegebener Stelle verwiesen. Die Bestimmung der zugrunde liegenden Gesichtspunkte bedingt, dass übrige Vergleichsmomente ausgeschlossen werden. Augenfällig wäre hier der Vergleich des modernen Wiederaufbaus der beiden zerstörten Städte, doch zum einen hätte dies thematisch von den ursächlichen Angriffen weggeführt, zum anderen liegt der Schwerpunkt der Arbeit dezidiert in den ersten Kriegsjahren. Die Zeit nach dem 29. Juni 1943 wird lediglich marginal behandelt.[14] Um eine Einordnung des Ausmaßes des Luftkriegs zu ermöglichen, wird zunächst die Entwicklung der Bombenangriffe auf Köln und Rotterdam vergleichend dargestellt. Im weiteren Verlauf werden vorbereitende Schutzmassnahmen dargelegt, bevor die Bewältigung der Folgen der Bombenangriffe im zentralen Kapitel vergleichend untersucht wird. Herangezogen werden hierzu als Parameter die unmittelbare Form des Katastrophenschutzes nach einem Bombenangriff, die akute Versorgung der Betroffenen und die Beseitigung der Trümmer sowie längerfristig die Evakuierungs- und Entschädigungspraxis. Abschließend soll durch einen Vergleich der Presseberichterstattung über die Bombenangriffe auf Köln und Rotterdam die pressepolitische Reaktion des nationalsozialistischen Systems auf die Bedrohung von Leben und Moral der Bevölkerung und damit einhergehend der Siegesgewissheit untersucht werden.

Einleitend erfolgt die Darstellung chronologisch unter Einbezug allgemeiner Umschwünge des europäischen Kriegsverlaufes und der den Luftkrieg betreffenden Doktrinen.[15] Besondere Beachtung findet das Schadensausmaß in beiden Städten und die Intensivierung des alliierten Kriegseinsatzes. Unter Berücksichtigung der Darstellungen aus militärhistorischer Perspektive[16] und der regionalen Aufarbeitung des entstandenen Schadens[17] soll hiermit ein Bild entstehen, das die im Folgenden darzustellenden präventiven Schutzmaßnahmen als absolut unzureichend erkennen lässt. Zugleich wird durch die Darstellung des Ausmaßes an Zerstörung die Dringlichkeit von Hilfsmaßnahmen, Evakuierungen und Entschädigung verdeutlicht. Überdies wird somit die nichtlineare Entwicklung der Luftangriffe des Zweiten Weltkrieges aufgezeigt, da dem zunächst singulären Angriff auf Rotterdam bereits wenige Tage später alliierte Angriffe folgten. Diese richteten jedoch in Rotterdam bis zum Ende des Krieges keine Zerstörung in dieser Größenordnung an. Für Köln dient die folgende Deskription der Intensivierung der Angriffe beifolgend auch dazu, den Hintergrund der zunehmenden Evakuierungsbestrebungen zu beleuchten.

Die Darstellung der präventiven Luftschutzmaßnahmen erfolgt durch die Skizzierung des Aufbaus eines Luftschutzsystem im Deutschen Reich seit den 30er Jahren und der Verantwortung für dessen Funktionieren vor Ort in Köln. Hierbei wird die zeitgenössische

Zeitungsberichterstattung rekurriert, die in der Vorkriegszeit in den Niederlande unabhängig war und in Köln in Bezug auf den Luftschutz auch als Mitteilungsorgan des Polizeichefs fungierte.

Der zentrale Teil der Arbeit vergleicht die Bewältigung der Angriffsfolgen in Köln und Rotterdam miteinander, unter besonderer Berücksichtigung der Frage, welche Instanzen sich in den Städten um welche Ziele bemühten. Dem Vergleich der akuten Hilfsmaßnahmen nach dem Angriff folgen als weitere Parameter die Evakuierungsbestrebungen und die Entschädigungspraxis infolge der Wohnraumnot beziehungsweise Kriegszerstörung. Den Mittelteil abschließend wird der Frage nachgegangen, mit welchen Methoden und Initiativen es gelang, den materiellen Verlust alltäglicher Gebrauchsgegenstände zu kompensieren. Abschließend wird die Darstellung der Bedrohung der Stadt durch den Luftkrieg, die Luftangriffe selbst und die Bekämpfung der Folgen in der zensierten lokalen Presse beleuchtet. Vor diesem Hintergrund wird das System der pressepolitischen Anpassung als propagandistische Reaktion auf die Entwicklung des Luftkrieges anhand der jeweils auflagenstärksten lokalen Blätter außerhalb der Parteipresse untersucht. Die Berichterstattung des lokalen Kölner Stadt-Anzeigers (KStA)[18] über den Bombenkrieg wird dem Niederschlag des Luftkrieges über Rotterdam im lokalen Rotterdamsch Nieuwsblad (RN)[19] gegenübergestellt. Die allgemeinen Umschwünge dieser Methodik der Pressepolitik werden im KStA und dem RN zunächst exemplarisch untersucht. Hierfür werden vorab die nationalsozialistische Pressepolitik und die Rahmenbedingungen der Presse im und in Bezug auf den Krieg für Köln und die besetzten Niederlande dargestellt. Dieser Form der Darstellung liegen Untersuchungen der Pressepolitik zumeist aus der Publizistikwissenschaft zugrunde. Konkret werden Form, Entwicklung und Unterschiedlichkeit des Presseumgangs mit den Bombenangriffen nachgezeichnet am Beispiel des Totengedenkens an die Opfer der Angriffe.

I.3. Methodik

Die Darstellung der vorliegenden Arbeit beruht auf drei unterschiedlichen Herangehensweisen, die in sich originär beträchtliche Schnittmengen aufweisen. Zum einen findet die neuere regionale Forschung über Köln und Rotterdam im Bombenkrieg Berücksichtigung. Für alle weiterführenden Aspekte wird Literatur herangezogen, die die regionale Ausprägung einzelner Aspekte behandelt. Ergänzend werden in Einzelfällen Quellenmaterial und die Historiographie aus der zu behandelnden Zeit miteinbezogen. Genannt seien hier exemplarisch die Berichte des Luftschutzes, Berichte über kommunale Maßnahmen nach Ausbruch des Krieges in den Niederlanden und die Berichte des „United States Strategic Bombing Survey“ (USSBS). Die Berichte des örtlichen Luftschutzleiters an den Regierungspräsidenten wurden bereits in den 50er Jahren von Peter Simon zunächst unter dem Gesichtspunkt der Erstellung einer Fliegeropferkartei, später für eine Luftkriegsstatistik ausgewertet.[20] Berichte über kommunale Maßnahmen befinden sich im „Gemeente Archiv Rotterdam“ (GAR), wo sich die Bürokratie einzelner städtischer Ämter erhalten hat. Das USSBS untersuchte ab 1944 die Folgen amerikanischer Angriffe in Deutschland und entwickelte detailreiche Kenntnisse über Infrastruktur und Zerstörung während des Zweiten Weltkriegs. Die Darstellungsebene regionaler Zustände wird abgeglichen mit Untersuchungen des Luftkriegs algemein und einzelner Aspekte auf einer Makroebene. Drittens wird auf Mitteilungen und Darstellung einzelner Tatsachen und Ereignisse in der lokalen Presse verwiesen. Auch wenn die Presse seit Anfang 1933 der Lenkung im Rahmen der Propagandamaschinerie von Goebbels unterlag und Konflikte nicht mehr öffentlich ausgetragen wurden, lässt sich durch die systematische Auswertung der Presse im Sinne Matzeraths ein dichtes Datenraster gewinnen, das die wichtigsten Ereignisse enthält. Es bietet zudem Aufschluss über die Intentionen, die den Aktionen des Systems zugrunde lagen.[21] Insbesondere bezüglich des Luftschutzes teilte die Presse in Form von Mitteilungen und Aufrufen Informationen mit. In der abschließenden Untersuchung ausgewählter lokaler Presse wird der Intention des pressepolitischen Konzepts nachgegangen. Die Darstellung der zensierten Presse in der Praxis wird mit den von der Publizistikgeschichte herausgearbeiteten Lenkungsabsichten abgeglichen. Da sowohl eine Entwicklung als auch ein Vergleich zwischen der Darstellung der Bombenangriffe im RN und KStA stattfinden soll, wird eine Vielzahl von Artikel sporadisch herangezogen. Eine inhaltliche Untersuchung findet darüber hauptsächlich in der Analyse des letzten Teiles statt.

I.4. Forschungsstand

In jüngster Zeit erschienen über die Jahre des Zweiten Weltkriegs sowohl für Köln als auch für Rotterdam umfassende Überblicksdarstellungen. Im Jahr 2005 veröffentlichte der Historiker des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln, Martin Rüther, seine quellenreiche Darstellung über „Köln im Zweiten Weltkrieg. Alltag und Erfahrungen zwischen 1939 und 1945“.[22] Im Auftrag der Stadt Rotterdam erschien im Jahr 2006 die ähnlich ausführliche Analyse der Zeit von „Rotterdam in de Tweede Wereldoorlog“ des Rotterdamer Archivars J. L. van der Pauw.[23] In Rüthers Form der „Erlebnisgeschichte“ findet der Bombenkrieg Eingang sowohl über Auswahl und Auswertung unterschiedlichen Quellenmaterials, als auch über die innerhalb des Bandes herausgehoben erscheinende militärhistorische Exkurse von Gebhard Aders. Die Rotterdamer Publikation entwickelt ihre Darstellung primär aus der Zerstörung Rotterdams im Mai 1940, sodass der facettenreiche Verlauf des Krieges nahezu immer auf den originären deutschen Angriff zurückgeführt werden kann.

Die Entwicklung der lokalen Geschichtsschreibung der Zeit des Nationalsozialismus in einem spezifischeren Sinne datiert Matzerath für Köln erst Ende der 70er Jahre.[24] Der Bombenkrieg wurde zunächst als tradierte Überlieferung von Egodokumenten und zumeist nicht annotierter Erfahrungsberichte Gegenstand der Publikation.[25] Erst nachdem die „[...] NS-Geschichte in den 80er und 90er Jahren als unverzichtbarer Teil der kölnischen Geschichte sowohl im geschichtlichen Bewusstsein der Kölner wie als Teil der historischen Auseinandersetzungen verankert wurde“[26], ehöhte sich die Intensität wissenschaftlicher Forschung diesbezüglich. Das Desiderat der Erforschung der NS-Zeit aus sozialgeschichtlicher sowie sozialpolitischer Perspektive wurde zunächst von Martin Rüther in seiner Darstellung des 1.000-Bomber- Angriffs aufgearbeitet.[27] Schrittweise verschafften diesem Desiderat die Publikationsreihe des NS-Dokumentationszentrums[28], aber auch Dissertationsvorhaben etwa zur Versorgung der Kölner Zivilbevölkerung Abhilfe.[29]

Während die Erforschung der nationalsozialistischen Propaganda bereits seit den 60er Jahren betrieben wird und neuere Forschung systematisch und dezidiert einzelne Aspekte beleuchtet[30], bekräftigt Matzerath bereits 1999, dass die Untersuchung über die Zeitungswissenschaft in Köln in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert in Köln im Grunde 1933 abbreche und zur Presse lediglich erste Ansätze vorlägen.[31] Auch neuere Ansätze zur Geschichte der Zeitungen des Dumont-Verlags zeichnen die Geschichte der Kölnischen Zeitung (KöZ) bis 1933 nach.[32]

Grundlegendes Problem der Literatur ist die dürftige Quellenlage über Köln zur Zeit des Nationalsozialismus.[33] Die Auffassung eines völligen Überlieferungsverlustes, die noch 1971 vom damaligen Leiter des Kölner Stadtarchivs bekräftigt wurde[34], ist durch die schrittweise Erschließung von Aktenbeständen und Restüberlieferungen verworfen worden. Diese Form der Ersatzdokumentation betreibt in Köln die städtische Einrichtung des NS-

Dokumentationszentrums.[35]

Der Forschungsstand über Bombenangriffe auf Rotterdam war jahrzehntelang überlagert von der Schuldfrage am deutschen Bombenangriff vom 14. Mai 1940 und der militärischen Niederlage der niederländischen Armee. Seriöse Untersuchungen aus dem militärhistorischen Sektor von Amersfoort und Kamphuis[36] und Hasselton[37] haben in jüngster Zeit allerdings viele renitente Mythen widerlegen können.[38] In der Überblicksdarstellung van der Pauws gibt dieser einen Abriss über die Chronologie der diesbezüglich erschienenen Literatur seit den 50er Jahren aus niederländischer und deutscher Perspektive.[39] Zuvor hatte das Monumentalwerk „Het Koningrijk der Nederlanden in de Tweede Wereldoorlog“ in 14 Bänden von Louis de Jong, dem Direktor des “Nederlands Instituut voor Oorlogsdocumentatie” bereits Mitte der 70er Jahre die für den Bombenkrieg entscheidende Zeit so facettenreich behandelt, dass seine Leistung wohl auf einige Historiker erdrückend gewirkt haben mag.[40] Die Forschung hatte sich bereits früh dem alltäglichen Leben während des Zweiten Weltkrieges geöffnet. Zunächst geschah dies deskriptiv in Bezug auf die Hilfsmaßnahmen in Rotterdam durch Cocheret[41], in jüngster Zeit vermehrt analytisch etwa in Bezug auf die Essensversorgung während der Besatzungszeit durch Trienekens.[42] Zur Mediengeschichte während der Besatzung liegt der Schwerpunkt der Forschung mehr auf den Aktivitäten der clandestinen Presseerzeugnisse, die legale Presse ist marginal behandelt und das Zensursystem ist aus deutscher Hand erforscht worden.[43] Hingegen sind die Aktenbestände einzelner kommunaler Stellen in den Kollektionen des GAR erhalten.

Die transnationale vergleichende Erforschung des Luftkrieges abseits militärhistorischer Vergleiche fand bereits aus stadtgeschichtlicher Sicht Anfang der 90er Jahre statt. Neuere Forschung widmet sich insbesondere dem historischen Vergleich totalitärer und demokratischer Strukturen in Bezug auf Deutschland und England.[44]

II. Bombenangriffe und Luftschutz

11.1. Entwicklung und Ausmaß der Bombenangriffe

11.1.1. Dargestellt für die Stadt Köln

Mit Luftangriffen rechnete man in Köln schon unmittelbar nach Kriegsbeginn. Als Handels-, Verkehrs- und Wirtschaftszentrum, umgeben von kriegswichtiger Industrie mit dem Goldenbergwerk in Knapsack, dem Hydrierwerk in Wesseling, der Umschaltstation Brauweiler und den Werken der IG Farben in Dormagen und Leverkusen, stellte die Stadt mit ihren 768.000 Einwohnern ein lohnenswertes Ziel dar. Die Bevölkerung war seit dem Erlass des Luftschutzgesetztes vom 26. Juni 1935 auf einen Luftkrieg vorbereitet worden, und spätestens seit Kriegsbeginn 1939 wurden im Deutschen Reich umfangreiche Luftschutzmaßnahmen getroffen.[45]

Eine grundsätzlich nervöse Stimmung breitete sich aus, als bereits am 4. September 1939 der erste Fliegeralarm in Köln erfolgte. Diesen verursachte eine über Köln fliegende Staffel deutscher Flugzeuge, welche die Kölner Flak irrtümlich unter Beschuss nahm. Ferner setzte Alarm ein, als englische Flugzeuge nachts über dem Stadtgebiet Flugblätter abwarfen.[46] Hinsichtlich der deutschen Luftkriegsführung in Polen wurde zu dieser Zeit in den britischen Planungsstäben festgelegt, dass erste britische Bombereinsätze erst im Fall eines deutschen Angriffes auf Belgien und die Niederlande erfolgen sollten. Vorrangiges Ziel sollten dann das rheinisch-westfälische Industriegebiet und die Treibstoffindustrie sein.[47]

II.1.1.1. Die Jahre 1940 und 1941

Nach einem halben Jahr ohne Alarme und feindliche Flugzeuge über Köln setzte mit dem ersten tatsächlichen Bombenabwurf auf Köln am 12. Mai 1940 jener Zustand ein, der bis zum Ende des Krieges zur Normalität für Menschen und Stadt wurde.[48] Es folgten das erste Fliegeropfer in Worringen am 16. Mai 1940 und der erste innenstädtische Angriff am 18. Juni 1940.

Seit Beginn des Westfeldzuges wurde Köln als ,Frontstadt aus der Luft“ etabliert und das Leben an der „Heimatfront“ im zunehmenden Maße von Angst, Schrecken, Verlust und Tod bestimmt.[49] Am 10. Mai 1940 gab Churchill dem Air Staff die Weisung, von nun an bei Nacht westlich des Rheins gelegene wichtige Straßen- und Bahnverbindungen zur Front zu bombardieren.[50]

Simon spricht von 40 Luftangriffen auf Köln im Jahr 1940 durch die Royal Air Force (RAF). Das britische Bomber Command gibt an, dass im Laufe dieses Jahres über 300 Bomber insgesamt 331 Tonnen Bomben auf Köln geworfen haben - eine Angabe die Gebhard Aders für überzogen hält.[51] Aders verweist weiterhin auf die geringe Trefferquote zu Beginn des Krieges der englischen Bomber, die dazu führte, dass einerseits von englischer Seite im Nachhinein getroffene Objekte zu a priori erkannten Zielen erklärt wurden, andererseits aber auch die Kölner Bevölkerung Mutmaßungen anstellte, warum solch irregeleiteten Bomben genau am jeweiligen Einschlags ort abgeworfn wurden.[52]

Auch wenn der öffentliche Personennahverkehr noch bis Oktober 1944 in der Stadt verkehrte, kam es bereits 1941 zu Behinderungen. Schon die Verdunkelung der Bahnen, wenn sich Flugzeuge Köln näherten, führte zu Problemen. Im November 1940 wurde sogar von mehreren Zusammenstößen auf den Rheinbrücken berichtet.[53]

Die bis September 1940 aufrechterhaltene Hoffnung, dass nach der Invasion in England die Bombenangriffe auf Deutschland aufhören würden, zerschlug sich durch das Ausbleiben jener propagierten Invasion[54], doch ging die Anzahl der Bombenangriffe auf Köln bis Ende Februar 1941 zurück. Die - im Vergleich zu den immensen Schäden späterer Angriffe - geringe Beeinträchtigung des öffentlichen Lebens zog große Aufmerksamkeit auf sich. So konnte nach dem Abwurf von sieben Sprengbomben in der Nacht vom 9. auf den 10. Januar 1941 ein vor dem Bahnhof liegender Blindgänger erst eine Woche später gesprengt werden und verursachte damit großen mittelbaren Schaden.[55] Den bis dato schwersten Bombenangriff erlebte Köln in der Nacht vom 28. Februar auf den 1. März 1941. Er forderte 20 Todesopfer, mehr als 150 Häuser wurden beschädigt. In Folge dessen mussten 900 Menschen ausquartiert werden. Als „flächendeckendes Stadtthema“ wurde durch den sichtbaren Schaden der Bevölkerung vor Augen geführt, dass die Pressenotiz die Ausmaße der Zerstörung sehr stark verharmlost hatte.[56]

Im Jahr 1941 war Köln mit insgesamt 60 Angriffen die am häufigsten angegriffene deutsche Stadt. Als das den englischen Flugplätzen nächstgelegene Großziel bot sich Köln sowohl als Haupt- als auch als Nebenziel an. So entschlossen sich etwa 26 von insgesamt 105 zu einem Angriff nach Mannheim gestartete Bomberbesatzungen am 13. Mai 1941 ob der erschwerten Navigation durch dichten Dunst über dem Boden, kurzerhand dazu Köln anzufliegen, da sie diese Route bereits kannten.[57]

Dezidierte Angriffsanweisungen für Köln in dieser Zeit lauteten bei zehn von 12 Angriffen „Cologne A“: der Neumarkt in der linksrheinischen Innenstadt. Die Angriffe sollten „also keineswegs nur die Rüstungsproduktion beeinträchtigen, ja, nicht einmal vorrangig die Arbeiterviertel rechts des Rheins, sondern waren von Beginn an als fire raising attacs auf das Stadtzentrum geplant.“[58] Potentieller gewerblicher und industrieller Schaden durch Brände, etwa bei Klöckner Humboldt-Deutz oder den Farbwerken Rasputin hatte keine nachhaltigen Folgen.[59]

Neue Anweisungen an das Bomber Command richteten sich nach dem Überfall auf die Sowjetunion entweder in mondhellen Nächten auf die Zerstörung der Verkehrsinfrastruktur deutscher Städte oder in dunklen Nächten auf das Zerbrechen der Bevölkerungsmoral durch allgemeine Angriffe. In beiden Ziellisten war die Priorität Kölns hoch eingestuft. Diese Angriffsserie begann mit dem Angriff in der Nacht vom 8./9. Juli 1941, dem mindestens 29 Menschen zum Opfer fielen.[60] Die Anzahl von 5.500 ausquartierten Personen war für die damaligen Verhältnisse immens hoch.[61]

Stetige Angriffe im Juli mündeten am 12. August 1941 in einen Tagesangriff auf das Elektrizitätswerk Fortuna. Die Erfahrung eines Angriffs bei Tageslicht ging einher mit der für das damalige Empfinden beunruhigenden Tatsache, dass, dem Angriff folgend, innerhalb von 24 Stunden dreimal Alarm gegeben wurde.[62] Dadurch, dass die Bomberverbände Köln auch passierten, wenn sie zu weiter östlich gelegenen Zielen flogen, beunruhigte und beeinträchtigte die hohe Frequenz der Alarme die Bevölkerung enorm. Der Kölner Oberbürgermeister berichtete bereits im Juni 1941 dem Regierungspräsidenten: Es darf nicht verschwiegen werden, daß die ständige Wiederholung, die Häufigkeit und sich steigernde Wucht der Feindwirkungen, die fast allnächtlichen Alarme immer höhere Ansprüche an die Nervenkraft und Leistungsfähigkeit der Kölner Bevölkerung stellen, die bisher wohl die meisten Fliegerangriffe erlebt hat.[63]

Demnach zehrten an den Nerven der Kölner Bevölkerung nicht allein die potentiellen Gefahren durch die Bombardements auf die Stadt, sondern auch die notwendigen deutschen Warn- und Abwehrbemühungen.[64]

II.1.1.2. Das Jahr 1942

Seit Beginn des Jahres war Arthur Harris als Chef des Bomber Commands angetreten, und unter seiner Leitung forcierte die RAF das so genannte „de-housing-Programm“.[65] Hierbei sollte eine möglichst hohe Anzahl von Flugzeugen gestaffelt Brandbomben, Sprengbomben und Luftminen auf deutsche Städte abwerfen. Die Gleichzeitigkeit von Bränden und Zerstörung würde die Rettungsarbeit langwierig verhindern. Mittels dieser Taktik würden Staat und Bevölkerung den Krieg wirtschaftlich und moralisch nicht länger verkraften können. Überdies boten sich die Großangriffe im Vergleich zu taktischen Einzelbombardements besser an, den englischen Luftmachtsanspruch deutlich zu machen.[66] Technisch entwickelte die RAF neue Methoden, die seit März den Piloten ein Radarleitverfahren zur Seite stellten.[67] Hiermit wurde zusehends die Navigation verbessert, die großflächigen Bombardements jedoch nicht aufgegeben.

Von Februar 1942 an steigerten sich demnach die erlebten Angriffe stetig in bis dato unbekanntem Ausmaße. Der Angriff des 13. März 1942 wurde in den Schatten gestellt von den Bombardements im Monat April, bevor der Großangriff vom 30./31. Mai 1942 die planmäßige Zerstörung der Stadt in eine ungekannte Dimension erhob. Doch schon der Stimmungsbericht des SD Ende April 1942 formulierte nach „nicht nur anhaltenden, sondern verstärkten feindlichen Luftangriffe[n] auf die deutschen Städte Rostock, Köln und Kiel“ die Befürchtung der Bevölkerung in luftgefährdeten Städten, „dass die feindlichen Luftangriffe in den kommenden Wochen und Monaten eine erhebliche Zunahme erfahren.“[68]

II.1.1.2.a. Der Angriff am 30./31. Mai 1942

Phantastisch erschien die Zahl von 1.046 Flugzeugen, die in der Nacht vom 30./31. Mai 1942 Köln in mehreren Wellen erreichten und innerhalb von 75 Minuten 540 Tonnen Spreng- und 925 Tonnen Brandbomben abwarfen.[69] Es gab 469 Tote und 5.027 Verletzte, zugleich wurden 59.0 Personen obdachlos.[70] 60 % der Bomben fielen in einem Radius von drei Kilometern auf ein Gebiet rund um den Neumarkt auf die Stadt.[71] Der Unglaube, dass die RAF zur Planung und Durchführung eines Angriffs in dieser Größenordnung im Stande sei, illustriert die vermeintliche Erfolgsmeldung der Flak, 37 Abschüsse englischer Maschinen verzeichnet zu haben. Gleiches galt für die spätere Schätzung von 110.000 abgeworfenen Brandbomben, während tatsächlich beinahe die fünffache Menge auf Köln geworfen worden war.[72]

Die Größe und Intensität jenes Angriffes ließ alle zuvor erarbeiteten Notfallpläne als Makulatur erscheinen, da man auf Schäden dieses Umfanges nicht eingestellt war - „[...] und nach allen zuvor gesammelten Erkenntnissen wohl auch nicht vorbereitet sein konnte.“[73] Sich einen Überblick über die Schäden zu verschaffen, war für die verantwortlichen Stellen in Köln sehr mühsam: Die Schadensaufstellung ließ auf sich warten, der Abschlussbericht von Gauleiter Joseph Grohe ist erst auf den 15. Juni 1942 datiert.[74] Martin Rüther konkludiert, dass „[...] rund 12.800 beschädigte Häuser gezählt [wurden], wodurch mehr als 13.000 Wohnungen als total und etwa 6.400 als schwer zerstört [gelten müssen], während 23.000 leichte Schäden aufweisen.“[75] 5,2 % der Wohngebäude wurden bei diesem Angriff zerstört.[76] Die städtische Infrastruktur war lahm gelegt, der öffentliche Nahverkehr fiel eine Woche lang aus, der Hauptbahnhof öffnete erst am 11. Juni 1942 wieder, während Güter- und Nahverkehr umgeleitet und so nah wie möglich an die Stadt herangeführt wurden.[77] Die Zerstörung von 267 Nahrungs- und Genussmittelgeschäfte sowie die Beschädigung von 587 weiteren Geschäften erschwerten die Versorgung der Bevölkerung.[78] Damit wurde durch diesen Großangriff ein Drittel der noch am 29. Juli 1941 gezählten 2.700 Geschäfte zerstört.[79] Der 1.000-Bomber-Angriff beeinträchtigte die Produktionszahlen der kriegswirtschaftlich wichtigen Rüstungsbetriebe kaum.[80] Das Ziel der Demoralisierung hingegen muss trotz der beträchtlichen Zerstörung als nicht erreicht gelten, da die Bevölkerung zumeist einen elementaren Selbsterhaltungstrieb entwickelte, der sie im Improvisieren im Kampf ums nackte Überleben zu Höchstleistungen motivierte.[81]

II.1.1.3 Die Jahre 1943-1945

Nachdem Köln im weiteren Verlauf des Jahres 1942 nicht weiter aus der Luft behelligt wurde[82], ebnete die in Casablanca im Januar 1943 festgesetzte gemeinsame alliierte Luftkriegspolitik, die „Combined Bomber Offensive“, den Weg zu neuerlichen Angriffen auf Köln.[83]

Die ersten amerikanischen Angriffe ließen jedoch in Köln noch auf sich warten. Am 26. Februar 1943 führte zunächst das englische Bomberkommando ein ähnliches Quantum an Sprengbomben mit wie bereits am 30. Mai 1942. Mangelnde Präzision ließen die Mehrheit der abgeworfenen Sprengkörper in westlich von Köln gelegenen Ortschaften einschlagen, doch wurden auch in Köln dabei 97 Personen getötet.[84] Zum dezidierten Angriffziel im so genannten „Battle of the Ruhr“ zwischen März und Juli 1943 wurde Köln erst im Juni ernannt.[85] Nach einem Angriff vom 16. Juni 1943 wurde im als „Peter und Paul- Angriff“ bezeichneten Schlag vom 28./29. Juni 1943 die Zerstörung und Opferzahl vom letzten Großangriff bei weitem übertroffen.

Fast 4.500 Menschen kamen ums Leben, mehr als 10.000 wurden verletzt, etwa 30.000 obdachlos. Rund 35.000 Wohnungen galten mit einem Schlag als vollkommen zerstört, weitere 18.000 als schwer und fast 50.000 als leicht beschädigt.[86]

Eine flächendeckende Zerstörung erreichten im Weiteren die Angriffe vom 4. und 9. Juli 1943 auf das rechtsrheinische Köln durch 653 Flugzeuge bzw. auf den Kölner Nordwesten mit Nippes und Ehrenfeld durch 288 Bomber.[87] Es starben über 1.1000 Menschen und die Zahl der Obdachlosen erhöhte sich um zehntausende. Innerhalb von drei Wochen verloren 45 % der städtischen Bevölkerung ihre Wohnung.[88]

Laut britischer Auswertung der Angriffseffizienz, galt die Wohn- und Verwaltungsstadt Köln im September 1943 durch Zerstörung entsprechender Gebäude in der Innenstadt zu 73 % als vernichtet. Demzufolge wurden lediglich sporadisch Angriffe auf Köln geflogen.[89] Am Ende des Jahres galten 90.000 Wohnungen nach offiziellen Erhebungen als total zerstört und 145.0 als „mehr oder weniger schwer beschädigt“, während lediglich 15.000 Wohnungen als gering beschädigt oder unversehrt eingestuft wurden.[90] Bereits Ende März 1943 hatte der für den städtischen Wohnungsbau zuständige Beigeordnete Heringhaus verlautbaren lassen, dass eine effiziente Wohnraumverteilung wichtiger als Wohnraumbeschaffung sei.[91] Angesichts solchen Schadenumfanges im Jahr 1943 gab es jedoch keinen Wohnraum mehr zu verteilen. Größeren Schaden verursachte im Jahr 1943 die Umstellung der alliierten Bomben. Zunächst waren die meisten Zerstörungen durch Brandbomben hervorgerufen worden. Später waren es Sprengbomben, die Kurzschlüsse und Brände verursachten, während Explosionen die Gebäude öffneten und das Feuer Nahrung finden ließen, um sich ungehindert ausbreiten zu können.[92] Die Mobilität der Bevölkerung war bereits in den vergangenen Jahren eingeschränkt gewesen. Um nun die vorrangige Beförderung der arbeitenden Bevölkerung zu gewährleisten, wurden im Dezember 1943 so genannte Z-Züge eingesetzt, die nur von berufstätigen Zeitkarteninhabern benutzt werden durften.[93] Insgesamt wurden im Jahr 1943 39 Angriffe auf Köln geflogen.

Im Jahr 1944 griff in zunehmendem Maße die United States Army Air Force (USAAF) ins Kriegsgeschehen über Köln ein. Sie beteiligt sich ab Ende September 1944 massiv und gezielt an Angriffen auf Köln.[94] Neu für die Kölner Bevölkerung war, dass die Angriffe der USAAF oftmals bei Tag geflogen wurden. Von den insgesamt 88 auf Köln geflogenen Angriffen waren im Jahr 1944 32 Tagesangriffe zu verzeichnen.[95]

Mit der Weisung aus gestattet, bei guter Sicht konkrete Ziele - im Oktober hauptsächlich die Kölner Verschiebebahnhöfe, die Fordwerke, den Holzgasgeneratorenhersteller Imbert in Ehrenfeld - anzusteuern, lautete bei schlechter Sicht das Ersatzziel zumeist „City Area“. Durch die Wetterlage bedingt, wurden statt Präzisionsangriffen nun auch von der US-

Luftwaffe Flächenbombardement ausgeführt.[96] Auch die Angriffe des britischen Bomberkommandos ließen nicht vom Zielanflug Köln ab. Noch am 31. Oktober 1944 fand das größte Flächenbombardement auf Köln statt, bei dem die Bombenlast zweieinhalb Mal so hoch wie am 31. Mai 1942 war.[97] Ab dem 5. Oktober 1944 war die Wasserversorgung sowohl für Privathaushalte als auch für die Feuerwehr unterbrochen. Ende Oktober setzte zudem die Elektrizitätsversorgung aus und es gab kein Gas mehr in der Stadt. Durch Verlust der Infrastruktur kam der wirtschaftliche Faktor Kölns zum Erliegen.[98] Auch durfte die Stadt keine ortsfremden Feuerwehren zur Unterstützung bei der Brandbekämpfung mehr hinzuziehen; auswärtige Kräfte sollten nicht unnütz in der ohnehin vollkommen zerstörten Stadt gebunden werden.[99]

Mit zunehmendem Näherrücken der Westfront geriet Köln als Angriffsziel ins Visier der Alliierten. Köln galt als Schlüsselposition für die Regelung des Verkehrs zur Unterbrechung der Nachschubwege für die deutschen Truppen. Ab Mitte des Jahres 1944 zogen Angriffe den Fernverkehr der Bahn in Mitleidenschaft. Infolgedessen fuhren die Züge nur noch nachts und gegen Ende des Jahres 1944 verkehrten Züge von und nach Köln sehr unregelmäßig. Die Zerstörung der Rheinübergänge brachte letztlich sowohl die Eisenbahn als auch die Schifffahrt zum Erliegen.

Das Zusammenspiel der alliierten Luftkriegsflotten lässt sich an der Zerstörung des Verschiebebahnhofs Gremberg veranschaulichen: Schon am 15. und 17. Oktober 1944 wurde der Bahnhof durch die 8. US-Luftflotte bombardiert, am 23. Dezember 1944 und wiederum am 28. Januar 1945 wurde er Ziel der RAF. Nach verschiedenen Präzisionsangriffen trafen abschließend am 2. März 1945 innerhalb von nur 17 Minuten acht Prozent aller während des gesamten Krieges auf Köln abgeworfenen Bomben die Innenstadt Kölns.

Die Bevölkerung hatte spätestens im Jahr 1944 nicht nur mit der Wirkung der Bombenangriffe zu kämpfen. Mittelbarer Schaden zeigte sich teilweise erst Tage oder Wochen nach einem Angriff. Im Februar 1944 machte die Presse darauf aufmerksam, dass durch einsturzgefährdete Häuser das Passieren mancher Straßen mit Lebensgefahr verbunden sei. Beauftragte Fachleute hätten zwar erkennbar gefährdete Gebäude festgestellt, aber weder Personal noch Material reichten aus, um die notwendigen Abbrucharbeiten vorzunehmen.[100]

Auch lässt sich aufgrund der Steigerung des Angriffs- und Schadens ausmaßes die daraus resultierende tatsächliche Zerstörung nicht schlicht summieren - insbesondere die wiederholte Zerstörung bereits wieder aufgebauter Materie schmerzte die Bevölkerung. Die Zügigkeit diesen Schäden zu begegnen, veränderte sich in dem Maße, in dem die Stadt Köln nicht länger auf Ressourcen und Unterstützung aus weniger betroffenen Gebieten zurückgreifen konnte. Sobald auch der Rest des Reiches vom Bombenkrieg betroffen wurde, fielen solidarische Maßnahmen für Köln weg. Die Bewältigung der Folgen gestaltete sich in zunehmendem Maße schwieriger.[101]

Insgesamt erlebte Köln 262 Luftangriffe.[102] Ulla Hohn konstatiert für Köln in ihrer Schadensbilanz deutscher Städte im Luftkrieg eine 44 %ige Wohnungszerstörung der Gesamtstadt.[103] Die Innenstadtzerstörung belief sich auf 93 %.[104]

II.1.2. Dargestellt für die Stadt Rotterdam

Die Bedrohung Rotterdams ist vor dem Hintergrund des deutschen Angriffplanes aus geostrategischer Perspektive zu betrachten. Die Grenznähe der deutschen Industriezentren ließ in Erwartung einer starken Bedrohung aus der Luft die Kampfhandlung von Beginn an offensiv ins Nachbarland tragen.[105] Der Luftwaffengeneralstab erhob schon 1938 die Forderung nach Erweiterung des potentiellen Operationsgebietes nach Westen durch Hereinnahme Belgiens und der Niederlande.[106]

II.1.2.1. Die Kriegstage vom 10. - 14. Mai 1940

Die strategische Bedeutung der Stadt Rotterdam basierte auf den Maasbrücken, die für die Truppentransporte innerhalb der „Festung Holland“ eine Rolle spielten. Ferner stellte der seit 1939 in Hand des Kriegsministeriums befindliche Flugplatz Waalhaven am südlichen Maasufer ein potentielles Ziel dar.[107] Die Seehäfen erlangten durch ihre Werften, Zugverbindungen, Ölraffinerien und Tankanlagen Bedeutung.

Die niederländische Regierung hatte schon am 24. August 1939 in einer vorbereitenden Mobilisierung 50.000 Reservisten zu den Waffen gerufen, vier Tage später wurde die vollständige Mobilisierung bekannt gegeben. In Folge des Einmarsches der Deutschen in Dänemark und in Norwegen am 9. April rief die Regierung am 13. bzw. 19. April den Ausnahmezustand aus.[108] Für Rotterdam bedeutete dies, dass ein großer Teil der bürgerlichen Macht in die Hand des Stadtkommandanten Oberst Scharroo als militärischem Befehlshaber gelegt wurde.[109] Die Stärke der in Rotterdam im Mai 1940 stationierten Truppen betrug 7.150 Soldaten, von denen jedoch lediglich knapp 1.100 Mann für Kampfhandlungen ausgebildet waren.[110] J.L. van der Pauw bewertet, dass

Rotterdam [...], so wie sie es ihrer wichtigen militärisch-strategischen Position verpflichtet war, tatsächlich eine verteidigte Stadt [war]. Aber die Qualität der Verteidigung blieb hinter der Quantität weit zurück.[111]

Die potentielle Bedrohung der Stadt Rotterdam durch deutsche Luftlandungstruppen wurde in den Verteidigungsplänen nicht bedacht, und so bestand die Überraschung nicht im Ausbrechen des Krieges - der schon monatelang eine reale Bedrohung dargestellt hatte - sondern in der Tatsache, dass „[...] Rotterdam in diesem Krieg von der ersten Stunde an Frontstadt sein würde.“[112]

Die ersten deutschen Bomben fielen am 10. Mai 1940 auf den Flughafen Waalhaven, der im Südwesten der bebauten Gebiete Rotterdam-Süds lag. Nachdem die Deutschen den Flughafen unter ihre Kontrolle gebracht hatten, wurde er im Laufe des Tages noch vier Mal Ziel niederländischer und englischer Luftangriffe.[113] Die Bevölkerung des Noordereilands (ca. 13.0 Personen) wurde durch fehlgeleitete Bomben der RAF bedroht, die eigentlich die Maasbrücken hätten treffen sollen, wo sich die feindlichen Truppen gegenüber standen.[114] Nach dem Versuch der holländischen Luftwaffe, vormittags die Maasbrücke zu bombardieren, richtete die deutsche Luftwaffe nachmittags ihre Bombardements gegen innerstädtische Ziele.[115] Bei geplanten Angriffen auf die Kaserne der Polizeitruppen auf der Westersingel wurden nachts erste Wohnhäuser getroffen, wobei 40 Menschen starben.[116] Als „Ausgießen des Heiligen Geistes“ wurde in Rotterdam zynisch das deutsche Bombardement am Pfingstsonntag zur Mittagszeit bezeichnet. Die Kirchen waren vorsichtshalber geschlossen geblieben, Menschen sollten sich so wenig wie möglich auf den Straßen zeigen. Diese Maßnahme ist nicht ausschließlich als Schutz vor Luftangriffen zu verstehen, sondern als Reaktion auf die irrationale Furcht vor den Aktivitäten einer so genannten „Fünften Kolonne“.[117] Vor Gerüchten über diese warnte das RN die Bevölkerung am ersten Kriegstag explizit.[118]

Durch weitere Bombardierungen der RAF des Flughafens Waalhaven und durch Brände, die spezielle Sabotagetruppen am Pfingstmontag an den Ölraffinerien entflammt hatten[119], war die Bevölkerung von Anbeginn der Kampfhandlung fortwährend einer Bedrohung ausgesetzt. Obwohl viele Menschen Angst hatten, ihre Wohnungen zurückzulassen, flüchteten einige aus dem Stadtzentrum Rotterdams, andere suchten ab dem 11. Mai 1940 Schutz im noch nicht fertig gestellten Maastunnel, der jedoch über keinerlei sanitäre Anlagen verfügte. Die Polizei musste verschiedene Maßnahmen ergreifen, um Herr der chaotischen Lage zu werden.[120] In den Maitagen vom 10. bis zum 14. Mai 1940 wurde Rotterdam 20 Mal aus der Luft angegriffen.[121]

II.1.2.2. Der Angriff am 14. Mai 1940

Generalkommissar Schmidt bekam übereinstimmend mit den Anweisungen des Führers von seinem direkten Vorgesetzten, dem Kommandanten der 18. Armee General von Küchler den Befehl: „Widerstand in Rotterdam ist mit allen Mitteln zu brechen, nötigenfalls ist Vernichtung der Stadt anzudrohen und durchzuführen“[122] Ziel von Schmidt war es, durch eine Bombardierung der Stadt die Kapitulation dieser zu erreichen und zugleich den darauf folgenden Durchmarsch der Fußtruppen zur endgültigen Einnahme der Festung Holland nicht zu behindern. Er erstellte den Plan für ein präzises taktisches Bombardement.[123] Ausgeführt durch Stukas und gerichtet auf den nördlichen Maasbrückenkopf, sollte es durch Artilleriebeschuss eingeleitet und durch einen Schützenangriff um 15.30 Uhr abgerundet werden.[124]

Statt des derart geplanten Angriffs führte die Luftwaffe auf Befehl des Oberbefehlshabers der Luftwaffe Generalfeldmarschall Göring und des Luftwaffenoffiziers Generalleutnant Student im Folgenden ein Flächenbombardement aus, das als Machtdemonstration die Stadt Rotterdam zur Kapitulation zu zwingen hatte.[125] Unzulängliches Quellenmaterial lässt es nicht zu, die Frage zu beurteilen, inwieweit die Luftwaffe das von Schmidt geplante Angriffsszenario in Erwägung gezogen hat. Von der Pauw bewertet, dass die eingeschlagene Taktik aus militärisch-strategischer Sicht - im Sinne der „Kriegsräson“[126] - effektiv gewesen ist, die Kapitulation jedoch auch auf anderem Wege unausweichlich gewesen wäre.[127] Während das Geschwader von 90 schweren Heinkelbombern zwischen 12 Uhr und 12.20 Uhr von drei Flugplätzen bei Bremen aufstieg, führte Schmidt in Rotterdam vor Ort noch Übergabeverhandlungen, deren Verlauf er jedoch den bereits gestarteten Bomberpiloten nicht mehr übermitteln konnte.[128] Lediglich durch das Abschießen roter Leuchtkugeln konnte ein Teil der sich Rotterdam nähernden Formation zum Abdrehen bewegt werden. Ohne von Flakabwehrgeschützen behelligt zu werden, erreichten die Bomber Rotterdam und warfen innerhalb von zehn bis 15 Minuten 97 Tonnen Sprengbomben ab.

Die Stadt wurde, fokussiert auf den innerstädtischen Bereich, auf einer Oberfläche von 258 ha verwüstet. 850 Menschen verloren ihr Leben. In 252 Straßen wurden alle Gebäude vernichtet, in weiteren 141 wurde die Bebauung teilweise zerstört. 25.479 Wohnungen waren betroffen, ca. 79.600 Menschen verloren ihre Wohnungen, beinahe 13 % der ehemaligen Stadtbevölkerung.[129] Die Anzahl der betroffenen, gewerblich genutzten Gebäude betrug 31 Warenhäuser und 2.320 kleinere Läden, 31 Fabriken, 675 Lagerhäuser und 1.437 Büros.

Weiterhin waren 69 Schulen, 13 Krankenhauseinrichtungen und 24 Kirchen zerstört. Das öffentliche Leben kam in Folge der Zerstörung von 12 Kinos, zwei Theatern, zwei Museen und 517 Cafes und Restaurants zum Erliegen.[130] Polizeikommissar Roszbach, dessen offizielle Mitteilung im RN abgedruckt wurde, fand deutliche Worte: Praktisch gesagt, besteht die Innenstadt von Rotterdam nicht länger. Wenn man einen Zirkel um den Oostplein zöge [...] ist alles innerhalb des Zirkels, mit Ausnahme von ganz wenigen Häusern oder Blöcken, vollständig zerstört und oder dem Erdboden gleichgemacht.[131]

Die Hilfsmaßnahmen wurden erschwert, da beträchtlicher Schaden an Transportwegen und hoher Verlust an Material zu verzeichnen war.[132] Ferner konnte von zentraler Leitung der Hilfsmaßnahmen keine Rede sein.[133]

Der Einsatz der Feuerwehr für Erhalt und Rettung der innenstädtischen Bausubstanz wurde nicht nur erschwert durch die Anzahl der Brandherde, sondern zusätzlich durch die Beschädigung der Wasserversorgung. Dies bedeutete, dass auch die Bürger keine Möglichkeit besaßen, kleinere Brände an ihren Häusern selbstständig zu löschen. Derart machtlos entschlossen sich viele notgedrungen ihre Häuser zu verlassen. Selbst als im Osten der Stadt nach drei Stunden die Wasserversorgung wieder hergestellt worden war, konnte die Feuerwehr aus diesem Grunde nicht länger mit der Unterstützung der Bürger rechnen. Im Zentrum und Norden der Stadt musste das Wasser aus Grachten und Kanälen gepumpt werden. Die hierzu benötigte Anzahl an Schläuchen stand aber nicht zur Verfügung, da das zentrale Lager der Feuerwehr zuvor in Flammen aufgegangen war. Seit dem 10. Mai fortwährend im Einsatz, wurden die Städtische und Freiwillige Feuerwehr Rotterdams ab dem 14. Mai 1940 durch Feuerwehrmannschaften aus Süd- und Nordholland unterstützt. In Gemeinschaftsarbeit mit einzelnen Betriebsfeuerwehren gelang es am 15. Mai 1940 einen Kordon um die brennenden Teile der Stadt zu legen. Einzelne Brandherde innerhalb dieses Ringes loderten dennoch Tage und Wochen weiter.

II.1.2.3. Die Jahre 1940 bis 1942

Im Kontext der Bombardierungen strategischer Ziele im deutschen Reich und in den durch Deutschland besetzten Gebieten wurde Rotterdam bis zum Ende der deutschen Besatzung noch 128 weitere Male von den Alliierten angegriffen.[134] Bereits am 16. Mai 1940 wurde in einer Pressemitteilung daran erinnert, dass die Niederlande auch nach der Kapitulation wieder bei Einbruch der Dunkelheit ihre Wohnungen verdunkeln müssten.[135] Durch die Presse wurde verkündet, dass Schutzgräben gleichfalls nicht abgetragen oder zweckentfremdet werden durften, da sie „noch von großem Nutzen für die Zukunft sein könnten.“[136]

Die propagandistische Ausbeutung der alliierten Angriffe auf Rotterdam, um die niederländische Bevölkerung auf die deutsche Seite zu ziehen, fiel nicht auf fruchtbaren Boden, doch angesichts der fortwährenden Bedrohung durch die alliierten Flugzeuge hatte die Rotterdamer Bevölkerung es schwer, die Sympathie für die Bundesgenossen zu bewahren.

Insbesondere für die Bewohner der Noordereilanden war es unbegreiflich, dass nur elf Tage nach dem Bombardement wiederum Luftangriffe eine Bedrohung für Häuser und Menschen darstellten. Nach dem ersten Todesfall am 26. Mai 1940 flüchteten viele Bewohner in den Süden Rotterdams. Den Angstzustand der Bevölkerung illustriert eine Bekanntmachung des Bürgermeisters am folgenden Tag im RN, in der er zur Besonnenheit aufrief und beteuerte, bei ersten Anzeichen von neuerlicher Gefahr die Bevölkerung zu warnen:

[...] Es ist doch verständlich, dass es partout unmöglich ist, bereits zuvor zu wissen, wo Gefahr droht. Durch Flucht aus seiner Wohnung, entsteht die Möglichkeit, an einem anderen Ort in ernste Gefahr zu geraten. [.][137]

Die alliierten Bombardements fanden im Gegensatz zu den deutschen Angriffen im Mai 1940 in dieser Phase zumeist nachts statt. Rotterdam galt nicht nur als konkretes Angriffsziel, sondern bot sich auch als Ausweichziel an, wenn das primäre Ziel nicht angegriffen werden konnte. Am 4. September 1941 etwa hätte Essen angegriffen werden sollen, aber aufgrund schlechten Wetters nahmen die Piloten der RAF von diesem Plan Abstand und bombardierten auf dem Rückflug aus dem Ruhrgebiet das Hafengebiet Rotterdams. Aus der Höhe von 11.0 Metern konnte von Präzision keine Rede sein, demzufolge schlugen die Bomben in einem Wohngebiet im Westen Rotterdams ein. 23 Tote und 67 Verwundete waren zu beklagen. Die Ungenauigkeit der Bombardierungen wird offenkundig angesichts eines Angriffs am 3. Oktober 1941, bei dem Schiffswerften, die Infrastruktur des Hafens und Lagerhallen für Munition hätten bombardiert werden sollen: Über die ganze Stadt verteilt wurden dabei Wohngebiete getroffen. Insgesamt starben 130 Menschen durch den Abwurf von 51,8 Tonnen Bomben und zuzüglich 3.660 Brandbomben.[138] Besonders der Süden Rotterdams, in den noch im Mai 1940 Menschen aus dem Norden zugezogen waren, war stark betroffen.

Der vom RN postulierte Vorwurf „Die Maasstadt als Versuchskaninchen“ erklärte die hohen Verluste der Zivilbevölkerung mit der Tatsache, dass unerfahrene Piloten der RAF auf vermeintlich leicht zu ortende Ziele wie Rotterdam angesetzt würden.[139] Auch wenn der Artikel von der Propaganda diktiert wirkt, wurde diese Praxis von der RAF angewendet: Geringer Flugabstand, leichte Navigation durch entsprechende Wasserspiegelungen, weniger Flak als bei deutschen Zielen ließen Städte an der niederländischen Küste als gute „freshmen’s targets“ erscheinen.[140]

Inwieweit die Rotterdamer auch nach dem Bombenangriff vom September 1941 weiterhin Angriffe zu erwarten hatten, wurde im Herbst 1941 oftmals diskutiert. Einer grundsätzlich patriotischen Zuversicht wirkten pessimistische Radioberichte englischer Sender und von Radio Oranje entgegen. Die Warnung, dass Rotterdam ein wichtiges strategisches Ziel bleiben würde, war mit dem Rat verbunden, zumindest Wohngebiete in Hafennähe zu verlassen.[141] Im Herbst 1941 formte die niederländische Regierung in London eine so genannte „Bombardierungskommission“, die vom englischen Luftfahrtsministerium erwartete, vor größeren Luftangriffen zuvor gewarnt zu werden. Trotz englischer Zustimmung zeigte sich im Jahr 1943, dass diese Absprache praktisch nicht umgesetzt wurde.[142] Ein Exodus aus den betroffenen Gebieten wurde von den deutschen Autoritäten untersagt. Doch auch von Seiten des Luftschutzes war man nicht an einer Evakuierung bestimmter Stadtteile interessiert. Argumentiert wurde damit, dass die aus hoher Höhe ausgeführten Angriffe der RAF keinerlei Zielgenauigkeit aufwiesen, und die Ereignisse vom 14. Mai 1940 gezeigt hätten, dass bevölkerungsarme Stadtteile keinerlei Möglichkeit zur Nachbarschaftshilfe beim Löschen von Bränden böten.[143]

Bei einem weiteren englischen Angriff vom 28. Januar 1942 wurden wiederum sowohl militärische Ziele von den insgesamt 45 Tonnen Sprengbomben getroffen, als auch Wohngebiete im Süden und Westen Rotterdams. Insgesamt wurden 71 Tote und 55 Verletzte gezählt. Es starben im Jahr 1942 bei zehn weiteren Bombenangriffen fünf weitere Menschen.[144]

II.1.2.4. Die Jahre 1943 bis 1945

Der Angriff vom Januar 1942 sollte einer der letzten nächtlich ausgeführten Angriffe auf Rotterdam gewesen sein, da die RAF nach Evaluation des Kollateralschadens unter der Zivilbevölkerung die neue Strategie vorsah, lediglich tagsüber Ziele in der direkten Umgebung von Wohngebieten anzuvisieren. Diese Angriffe fanden ab Mitte August 1943 mit Unterstützung der USAAF statt. Auswirkungen auf den Luftkrieg über Rotterdam sollten maßgeblich die Richtlinien von Casablanca vom 21. Januar 1943 haben. Im Kampf gegen die deutschen U-Boote, die Flugzeugindustrie, den Transportsektor und die Ölraffinerien nahmen die Bombenangriffe auf Nordwesteuropa im Januar 1943 erheblich in Anzahl und Stärke zu. In Rotterdam rückte die Werft Wilton-Fijenoord ins Visier der Piloten, da hier sowohl Kriegsschiffe und Öltanker repariert als auch spezielle Torpedoabschussrohre hergestellt wurden. Nach mehrmaliger Bombardierung durch die RAF in den zurückliegenden Jahren, begann im März 1943 eine Angriffswelle durch die 8. USAAF und die RAF. Am 4. März starben zehn Menschen und es entstand großer materieller Schaden. Am 28. und 29. März führten massive Zerstörungen zu erheblichen Produktionsausfällen und ein großer Teil der Werftarbeiter sollte sich infolge dessen beim deutschen Arbeitsbüro melden, um die in Rotterdam freiwerdenden personellen Kapazitäten im Rahmen des Arbeitseinsatzes für Deutschland zu nutzen. Ab dem 29. März wurde auf der Werft nicht gearbeitet.[145]

Für den 31. März 1943 war ein Angriff der 8. USAAF von sechs Bombergruppen mit insgesamt 102 Flugzeugen und 278 Tonnen Bomben geplant. Aufgrund schlechter Sichtbedingungen führten lediglich zwei der sechs Bombergruppen den Angriff durch, die restlichen erachteten es für unmöglich, bei entsprechender Bewölkung zielgenau zu bombardieren. Ein Teil der Bomben schlug im Hafengebiet ein und richtete dort ersichtlichen Schaden an. Doch aufgrund der spontanen Änderung des Zieles musste die zweite Formation - mit dem ursprünglich konkreten Ziel der Werft Wilton-Feijnoord in Schiedam - per Hand die Bombenrichtung korrigieren und infolge einer Fehlkalkulation des Windes wurden ca. 70 Sprengbomben über der Wohngegend Bospolder-Tussendijken abgeworfen.[146] 401 Menschen kamen bei diesem Angriff um. Das Ausmaß an Zerstörung wurde vergrößert durch ein sich entwickelndes Feuer, sodass schlussendlich im Westen Rotterdams 18 ha Fläche zerstört wurden. Auf 10 ha bebautem Gebiet waren 3.200 Wohnungen total oder größtenteils zerstört und weitere 1.400 durch Beschädigungen unbewohnbar. 16.500 Menschen wurden obdachlos. Insbesondere der Mittelstand war in dieser Gegend vertreten und damit betroffen: 190 Läden und 89 kleine und mittelgroße Betriebe wurden zerstört.[147] An den Feuerlöscharbeiten beteiligte sich neben den Feuerwehren aus Delft, Den Haag, Leiden, Voorburg, Gouda und Utrecht nach dem 31. März 1943 erstmals auch das durch die Deutschen errichtete Feuerschutzpolizeiregiment Niederlande.[148] Um Plünderungen vorzubeugen wurden außerdem 600 Polizisten und Mitarbeiter von Ordnungsdiensten eingesetzt.

Mit der am 4. April 1943 tatsächlich angeführten Bombardierung der Wilton-Feijnoord Werft in Rotterdam stoppte bis auf weiteres die Bombardierung Rotterdams. Durch Verschiebung der Zerstörungspriorität vom Transportsektor und U-Bootkrieg hin zu Angriffen auf die Flugzeugindustrie einerseits[149] und durch den Rückgang des Transportes wichtiger Grundstoffe über Rotterdam andererseits, wurden im Jahr 1943 lediglich vier Angriffe auf Rotterdam geflogen.

Zu diesem Zeitpunkt war die Infrastruktur des Hafens bereits durch vorangegangene Bombenangriffe in Mitleidenschaft gezogen.[150] Unabhängig von der Zerstörung einzelner Fabriken und Werften wurden 34 % der Kaimauer vernichtet, die Passieren und Anlegen beinahe unmöglich machten. Hauptsächlich am linken Ufer der Maas waren diese Zerstörungen zu lokalisieren. Auch der Schaden an 30 % des Lagerraums und der -hallen war groß. Ferner wurden 1,2 Millionen ccm an Aufnahmekapazitäten für minerale- und pflanzliche Öle zerstört. Hiervon wurden jedoch lediglich 0,05 ccm bei Luftangriffen zerstört, der weitaus größere Teil wurde im September 1944 von deutscher Seite in Brand gesetzt.

Der nächste innerstädtische Angriff erfolgte am 29. November 1944. Besonders erwähnenswert an diesem Angriff war, dass über Kontakte des Widerstandes zur Exilregierung die RAF von der niederländischen Regierung aufgefordert wurde, die Außenstelle Rotterdam des Sicherheitsdienstes SD) zu bombardieren. Dies geschah aus Furcht des Rotterdeammer Widerstandes vor weiteren Arrestierungen von Mitgliedern durch den deutschen Sicherheitsdienst. Wie auch schon bei selbiger Aktion in Amsterdam, führte der Angriff von insgesamt 33 Flugzeugen zu 61 zivilen Toten, während das eigentliche Ziel die Zerstörung des Archivs des SD nicht erreicht wurde.[151]

Eine letzte Bedrohung aus der Luft stellte für die Be völkerung Rotterdams das Überfliegen der deutschen V1-Raketen dar. Am 18. März 1945 stürzte eine Rakete, die wohl auf Antwerpen gezielt hatte, in Blijdorp nieder. Die Zerstörung von 34 Wohnungen, ein großer Glasschaden und der Tod von 42 Menschenwaren die Folge dieses Unglücks.[152]

II.1.3. Vergleichende Aspekte der Bombenangriffe

Sowohl Rotterdam als auch Köln erlebten von Mai 1940 an feindliches Bombardement. Die folgenden vier Jahre wurde Köln 262 und Rotterdam 148 Mal das Ziel von Luftangriffen. Rotterdam sah sich seit der ersten Stunde des Westfeldzuges unverhofft der Bedrohung durch die deutschen Luftlandetruppen ausgesetzt und wurde innerhalb der nächsten vier Kampftage sowohl von der deutschen Luftwaffe als auch von der, um die Vorherrschaft an den Maasbrücken kämpfenden, niederländischen und englischen Luftmacht getroffen. Zeitgleich flog die RAF erste Angriffe auf Köln, deren geringe Schäden in den nächsten Wochen eine Form touristischer Bedeutung entfalten sollte. In Rotterdam bot einerseits die Intensität der Kriegshandlungen keine Möglichkeit, den begonnenen Bombenkrieg zu realisieren, andererseits war dieser bereits vier Tage später nach einem deutschen Großangriff vorerst wieder beendet und ein Großteil der Innenstadt zerstört worden.

Die langwierige Animation der Kölner Bevölkerung zum Luftschutz hatte diese auf einen Luftkrieg vorbereitet, dessen Ausmaß von der Bevölkerung jedoch erst zwei Jahre später erfasst wurden. In Rotterdam war diese Erfahrung bereits am 14. Mai 1940 vorweggenommen worden. Das finale deutsche Flächenbombardement zwang die Stadt zur Kapitulation und zerstörte die Innenstadt durch darauf folgende Brände großflächig. Intensität und Ausmaß der Zerstörung ähnelten dem Angriff auf Köln vom 31. Mai 1942, als die RAF den ersten 1.000- Bomber-Angriff flog. Auch die Intention der Luftwaffe und der RAF lassen sich in Beziehung setzen: Der deutschen Luftwaffe war daran gelegen ihre Stärke zu demonstrieren, und sich, entgegen anders lautender Vorplanungen, nicht auf Präzisionsangriffe zur Erreichung der Kapitulation Rotterdams zu verlassen. Auch die RAF versuchte durch die magische Zahl von

1.0 zugleich angreifender Flugzeuge ein Zeichen der Stärke zu setzen, das sowohl zur Demoralisierung der deutschen Bevölkerung beizutragen hatte, als auch den politischen Anspruch des Bomber Commands unterstrich, dass nur mit ihm dieser Krieg zu gewinnen sei. Der 1.000-Bomber-Angriff und der Rotterdamer Angriff sollten damit auch nach dem Krieg der Inbegriff des Bombenkriegs bleiben, da ihr Ausmaß zum jeweiligen Zeitpunkt die Vorstellung der Bevölkerung weit übertraf, obwohl Köln im März selben Jahres bereits die Intensivierung des Luftkrieges zu spüren bekommen hatte.

Die Angriffe auf Köln richteten sich zumeist auf innerstädtisches Gebiet und lediglich in Einzelfällen wurde die industrielle Infrastruktur ins Visier genommen. Auf Rotterdam hingegen wurden bereits Ende Mai 1940 weitere Luftangriffe geflogen, die jedoch lediglich in Unglücksfällen Kollateralschäden verursachte. Das Ziel stellte zumeis t der Hafen dar, doch durch unpräzise Angriffe sollten zwei Bombardierungen im Oktober 1941 und März 1943 hohe Opferzahlen hervorrufen. Aus der Masse der Angriffe auf Köln sind hierzu vergleichsweise die Angriffsserien vom 29. Juni 1943 und Oktober 1944 heranzuziehen, die jeweils große Verluste unter der Bevölkerung verursachten und eine massive Wohnraumszerstörung im links- wie rechtsrheinischen Köln zur Folge hatten. Auch wenn das Ziel der Demoralisierung in Köln nicht gelungen war, setzte der Bombenkrieg das alltägliche Leben außer Kraft. Warnalarme, Luftschutzräume und das Bewusstsein der Unzulänglichkeit dieses Schutzes standen in keinem Verhältnis zur zunehmenden Vernichtungskraft der Angriffe.

Für Rotterdam ist es schwierig, das Erleben des Bombenkriegs von dem der Besatzung zu trennen. Dies äußerte sich besonders dann, wenn die Stadt von alliierten Angriffen heimgesucht wurde, da zwischen den intendierten taktischen Zielen der Piloten und dem tatsächlich hervorgerufenem Schaden differenziert werden musste. Die Schäden in Wohngebieten blieben Ausnahmen, doch diese Erfahrung ließ die Angst vor dem Hintergrund der großen Anzahl von Fliegeralarmen für Rotterdam gegenwärtig bleiben Das Potential eines möglichen Angriffs war den Rotterdamern seit dem 14. Mai 1940 bewusst; in der Innenstadt sollten des Weiteren einzelne Wohngebiete zerstört werden. Der Hafen hingegen war vornehmlich durch deutsche Sabotage, die Schiffsindustrie zumeist durch alliierte Bombardierungen lahm gelegt worden.

II.2. Vorbereitende Maßnahmen der Städte

II.2.1. Dargestellt für die Stadt Köln

Luftschutzmaßnahmen im Deutschen Reich oblagen der Weisung des Reichsministers der Luftfahrt und Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Hermann Göring. Dieser bediente sich zur lokalen Ausführung der regionalen polizeilichen Dienststellen.[153] Für die Leitung der Luftschutzmaßnahmen in Köln war damit von Juli 1935 bis 1945 Polizeipräsident Walter Hoevel verantwortlich.[154] Direkt unterstellt war dieser in Fragen des Luftschutzes dem Befehlshaber der Ordnungspolizei Münster (BdO).[155] Es bestanden Absprachen mit dem Reichsluftschutzbund (RLB), den städtischen Dienststellen und den entsprechenden Untergliederungen der NSDAP. Ausgeführt wurde die Arbeit der Luftschutzmaßnahmen durch Ordnungs- und Schutzpolizei, dem Sicherheits- und Hilfsdienst (SHD) und der Feuerschutzpolizei.[156]

[...]


[1] Die Bedeutung der Jahre 1940-1945 für die Stadtgeschichte Rotterdams und das Interesse an dieser Phase wird bei Betrachtung der im Namen der Stadt publizierten dreibändigen Stadtgeschichte ersichtlich. Der erste Band behandelt die Stadtgeschichte bis 1813 (van der Schoor, Arie: Stad in aanwas. Geschiedenis van Rotterdam tot 1813, Zwolle 1999), der zweite das 19. und 20. Jahrhundert (van de Laar, Paul: Stad van formaat. Geschiedenis van Rotterdam in de negentiende en twintigste eeuw, Zwolle 2000) und als ebenso dicker Band wurde vom Archivar des Städtischen Archiv Rotterdam, J.L. Van der Pauw, die wenigen Jahre der Stadtgeschichte von 1940 bis 1945 analysiert (Van der Pauw, J.L.: Rotterdam in de Tweede Wereldoorlog, Amsterdam 2006 [VAN DER PAUW, Rotterdam]).

[2] Exemplarisch sei auf die Ausstrahlung des Fernsehfilms „Dresden“ am 5. und 6.3.2006 verwiesen. Regisseur der ZDF-Produktion war Roland-Suso Richter.

[3] Friedrich, Jörg: Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940-1945, Berlin/München 2002. Zur Kritik an Friedrich vgl.: Kettenacker, Lothar (Hg.): Ein Volk von Opfern? Die neue Debatte um den Bombenkrieg 1940-1945, Berlin 2003; Blank, Ralf: Jörg Friedrich; Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg. Eine kritische Auseinandersetzung. In: Militärgeschichtliche Zeitschrift 63 (2004), S. 175-186.

[4] DASSEN, Patrick/ NIJHUIS, Ton/ THIJS, Krijn (Hg.): Duitsers als slachtoffers. Het einde van een taboe? Amsterdam 2007. Vgl. in diesem Band in Bezug auf den Luftkrieg insbesonders: DASSEN, Patrick & THIJS, Krijn: Slachtoffers in het land van de daders. Een inleiding, S. 13-58; DASSEN, Patrick: Bommen op Duitsland in de 'totale oorlog'. De historische achtergronden en het debat, S. 107-148.

[5] Rotterdams Dagblad, 13.5.2005: Waarom zouden wij herdenken?

[6] Zu dieser Initiative vgl.: http://www.rotterdam.nl/Rotterdam/Internet/Collegesites/burgemeesteropstelten/Brandgrens.pdf (Stand 1.8.2007)

[7] Symptomatisch der Buchtitel “Het vergeten bombardement” über das alliierte Bombardement auf Rotterdam am 31.3.1943 (WAGENAAR, Aad (Hg.): Het vergeten bombardement. Rotterdam/ Tussendijken, 31 maart 1943, Rotterdam 1993 [WAGENAAR, Vergeten Bombardemet]).

[8] SÜß, Dietmar: Einleitung, in: Dietmar SÜß (Hg.): Deutschland im Luftkrieg, München 2007. S. 9-11, hier: S. 9.

[9] Während der gesamten Besatzungszeit blieb auch die niederländische nationalsozialistische Partei (NSB) eine kleine Minderheit in Rotterdam. Vgl.: VAN DER PAUW, Rotterdam, S. 218; DE JONG, Louis: Het Koningrijk der Nederlande in de Tweede Wereldoorlog, Bd. 4, 's-Gravenhage 1970-1976 [DE JONG, Bd. 4], S. 232.

[10] Vgl. zur Konstruktion und Transportierung des nationalsozialistischen Selbstbildes KUNDRUS, Birthe: Totale Unterhaltung? Die kulturelle Kriegsführung 1939 bis 1945 in Film, Rundfunk und Theater, in: Jörg ECHTERNKAMP (Hg.): Die deutsche Kriegsgesellschaft 1939 bis 1945, Bd. 9.1., München 2004, S. 93-158, hier insb.: S. 121-135.

[11] 1 SÜß, Dietmar: Einleitung, in: Dietmar SÜß (Hg.): Deutschland im Luftkrieg, München 2007, S. 9-11 [SÜß, Einleitung], hier: S. 9.

[12] Vgl. auch etwa das internationale Kolloquium „Etre en guerre - Erfahrungen und Erinnerungen. Der Zweite Weltkrieg in Europa“ im Frühjahr 2006 des DHI Paris und des Militärgeschichtlichen Forschungsamts Potsdam in Zusammnarbeit mit den DHIs London, Moskau, Rom und Warschau sowie dem Institut d'Historie du Temp Present Paris. SÜß, Einleitung: S. 10f.

[13] Es wurde sich bei der Bestimmung der zu untersuchenden Parameter orientiert an MATTHIAS, Katja: Der Bombenkrieg in Köln von 1940 bis 1945. In: Geschichte in Köln 45 (1999), S. 71-96 [MATTHIAS, Bombenkrieg]. Vgl. auch: MATTHIAS, Katja: Der Bombenkrieg in Köln 1940-1945, Magisterarbeit Universität Köln 1997 [MATTHIAS, Bombenkrieg MA].

[14] Am 29. Juni 1943 fand der so genante „Peter-und-Paul-Angriff" auf Köln statt. Zunehmend wurden Auflösungstendenzen in der Gesellschaft sichtbar. Vgl. hierzu: RUSINEK, Bernd-A.: Gesellschaft in der Katastrophe. Terror, Illegalität, Widerstand. Köln 1944/45, Essen 1989. Analog war in Rotterdam das Leben seit 1943 davon geprägt, dass Verluste der deutschen Wehrmacht eine neue Zukunftsaussicht generierten, das Leben zugleich jedoch durch zunehmende Repressalien seitens der Besatzer und dem Hungerwinter 1944/45 gekennzeichnet wurde. Vgl. OOSTHOEK, A.: De Rotterdamse Arbeidsinzet 1940-1945, Rotterdam 1994; VAN DER PAUW, J.L.: Guerilla in Rotterdam. De paramilitaire verzetsgroepen 1940-1945, 's Gravenhage 1995; VAN DOMMELEN, P.A.: Hongerwinter en bevrijding, Rotterdam 1982.

[15] Herangezogen wird für die allgemeine militärhistorische Betrachtung die einschlägige Forschung von und Olaf GROEHLERund Horst BOOG. Vgl. etwa: GROEHLER, Bombenkrieg gegen Deutschland, Berlin 1990 [Groehler, Bombenkrieg]; BOOG, Horst: Der angloamerikanische Luftkrieg über Europa und die deutsche Luftverteidigung, in: BOOG, Horst e.a.: Das deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 6, Stuttgart 1990, S. 429-568 [BOOG, Luftkrieg].

[16] Für Köln insb.: ADERS, Gebhard: Beiträge von Gebhard ADERS, in: RÜTHER, Martin: Köln im Zweiten Weltkrieg. Alltag und Erfahrungen zwischen 1939 und 1945. Darstellungen - Bilder - Quellen. Mit Beiträgen von Gebhard, Köln 2005, s.v. „ADERS“ [ADERS, N.N., in: RÜTHER, Alltag]; Für Rotterdam, BOOG, Horst: Die Operationen der Luftwaffe gegen die Niederlande vom 10. bis 15. Mai 1940, in: Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hg.): Ideen und Strategien 1940: ausgewählte Operationen und deren militärgeschichtliche Aufarbeitung,Mittler 1990, S. 137-158 [BOOG, Operationen]; AMERSFOORT, H./ SCHULTEN, J. W.M.: Duel der generaals. Vijf oorlogsdagen op strategisch niveau, in: AMERSFOORT, H./ KAMPHUIS, P.H. (Hg.): Mei 1940. De strijd op Nederlands grondgebied, Den Haag2 2005, S. 117-149.

[17] Exemplarisch sind hier die beiden Überblicksdarstellungen für Köln und Rotterdam zu nennen, die jeweils in jüngster Zeit die zur Verfügung stehenden Quellen gründlich ausgewertet und miteinbezogen haben: RÜTHER, Alltag und VAN DER PAUW, Rotterdam.

[18] Der KStA erschien zunöchst als Anhängsel der renommierten liberalen Kölnischen Zeitung (KöZ) aus dem Verlagshaus Dumont. Anfang der 30er Jahre hatte er bereits eine Auflage von 120.000 Exemplaren, 1940 sollen es 180.000 gewesen sein und seit Machtübernahme der Nationalsozialisten war der KStA stetigem Druck des Westdeutschen Beobachters (WB) ausgesetzt. Vgl. zur Geschichte von Blatt uind Verlag: WEINHOLD, Kurt: Die Geschichte eines Zeitungshauses 1620-1970, Köln 1969; OELZE, Dieter: Das Feuilleton der Kölnischen Zeitung im Dritten Reich, Frankfurt a.M. e.a. 1990; HESSEL, Thomas: Vom Stresemann-Blatt zum Fürsprecher Hitlers. Die Kölnische Zeitung in der Weimarer Republik. In: Geschichte in Köln 52 (2005), S. 183-206.

[19] Mit einer Auflage von 102.148 Exemplaren (1939) bzw. 90.000 (Jahresende 1940) war das RN dreifach so groß wie die übrigen Rotterdamer Tageszeitungen. Insbesondere der Kleinanzeigenmarkt band die Leser an das liberale RN. Zur Geschichte des nicht länger existierenden Blattes vgl. SCHEFFER, H. J.: In vorm gegoten. Het Rotterdamsch Nieuwsblad in de negentiende eeuw, 's Gravenhage 1981; VAN DER VELDEN, Andre: Een Rotterdams dagbladpaleis. De grootstedelijke illusies van het Rotterdamsch Nieuwsblad, 1927-1940, in: Tijdschrift voor Mediageschiednis 2. Jg. (2001), S. 90-109.

[20] Trotz teilweise formelhaftem Aufbau unterscheiden sich die Berichte in Länge und Aussagekraft, doch berichten sie zumeist über Zeitpunkt und Länge der Luftwarnungen, Angriffsziel und -stärke, sowie die Flakaktivitäten und das Ausmaß der Schäden. Vgl. SIMON, Peter: Die Kölner Fliegeropferkartei, in: Statistische Mitteilungen der Stadt Köln, 6. Jg. (Heft 2), Köln 1950, S. 79-89; IDEM, Peter: Köln im Luftkrieg 1939-1945. Statistische Mitteilungen der Stadt Köln, 9. Jg. (1954) 2, Köln 1954 [SIMON, Luftkrieg]. Peter SIMON war Abteilungsleiter des Statistischen Amtes der Stadt Köln; HAStK, Bestand 100. Überdies ist das Hauptstaatsarchiv Düsseldorf im Besitz des vollständigen Archivs. Im HAStK fehlen einzelne Unterlagen zu den Angriffen.

[21] MATZERATH, Horst: Kann man die Geschichte Kölns im Nationalsozialismus schreiben? In: Baibara BECKER- JÄKLI/ Werner JUNG/ Martin RÜTHER (Hg.): Nationalsozialismus und Regionalgeschichte. Festschrift für Horst Matzerath, S. 319-341 (erstmals erschienen in: Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins 70 (1999), S. 189­216) [MATZERATH, Geschichte], S. 333.

[22] Rüther, Alltag.

[23] VAN der Pauw, Rotterdam.

[24] Vgl. allgemein zu Genese und Problematik der Kölner Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte: MATZERATH, Geschichte, S. 324. Als Überblick zugleich: MÖLICH, Georg: Köln und der Nationalsozialismus als Thema der lokalen Geschichtsschreibung, in: Horst MATZERATH'' Barbara BECKER-JÄKLI/ Harald BUHLAN (Hg.): Versteckte Vergangenheit. Über den Umgang mit der NS-Zeit in Köln, Köln 1994, S. 267 -276.

[25] Für Köln seien hier exemplarisch genannt, FISCHER, Josef: Köln '39-'45. Der Leidensweg einer Stadt. Miterlebt von Josef FISCHER, Köln 1970 [FISCHER, Köln]; PETTENBERG, Heinz: Starke Verbände im Anflug au Köln. Eine Kriegschronik in Tagebuchnotizen 1939-1945, Köln 1985. Bezüglich einzelner Aspekte erweist sich auch die Darstellung von Heinrich Lankenau als wertvoll, der bis 1942 Befehlshaber der Ordnungspolizei mit Sitz in Münster gewesen war, LANKENAU, Heinrich (Hg.): Polizei im Einsatz während des Krieges 1939-1945 in Rheinland-Westfalen, Bremen 1957 [LANKENAU, Polizei]. Der Funktion und Zeitgenossenschaft schuldig, bleiben zumeist Aspekte, die ein schlechtes Licht auf die Arbeit der Polizei werfen könnten, ausgeblendet.

[26] IBID., S. 325.

[27] NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln in Verbindung mit dem Verein EL-DE-Haus (Hg.): Köln, 31. Mai 1942: Der 1000-Bomber-Angriff. Bearbeitet von Martin RÜTHER, Köln 1992 [NS- DOKUMENTATIONSZENTRUM, Köln, 31. Mai 1942]. Vorbereitung leistete hier Beers Darstellung des Kriegsalltags an der Heimatfront für Münster: BEER, Wilfried: Kriegsalltag an der Heimatfront. Alliierter Luftkrieg und deutsche Gegenmaßnahmen zur Abwehr und Schadensbegrenzung. Dargestellt für den Raum Münster, Bremen 1990 [BEER, Kriegsalltag].

[28] Für die vorliegende Arbeit relevant waren etwa aus der Schriftenreihe des NS-Dokumentationszentrums, FINGS, Karola: Messelager Köln. Ein KZ-Außenlager im Zentrum der Stadt, Köln 1996 [FINGS, Messelager]; RÜTHER, Martin (Hg.): „Zu Hause könnten sie es nicht schöner haben!“ - Kinderlandverschickung aus Köln und Umgebung 1941-1945, Köln 2000 [Rüther, Kinderlandverschickung].

[29] WIGGEN-JUX, Gabriele: Die Versorgung der Kölner Zivilbevölkerung mit Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen im Zweiten Weltkrieg, Diss. Universität Köln 1998 [WIGGEN-JUX, Versorgung].

[30] Vgl. etwa: FREI, Norbert (mit Johannes SCHMITZ): Journalismus im Dritten Reich, München3 1999 [FREI, Journalismus]; BOHSE, Jörg, Inszenierte Kriegsbegeisterung und ohnmächtiger Friedenswille. Meinungslenkung und Propaganda im Nationalsozialismus, Stuttgart 1988 [BOHSE, Kriegsbegeisterung].

[31] Matzerath, Geschichte, S. 329. Er verweist auf: KLOSE, Hans: Die Zeitungswissenschaften in Köln. Ein Beitrag zur Professionalisierung der deutschen Zeitungswissenschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, München e.a. 1989

[32] HESSEL, Thomas: Vom Stresemann-Blatt zum Fürsprecher Hitlers. Die Kölnische Zeitung in der Weimarer Republik. In: Geschichte in Köln 52 (2005), S. 183-206.

[33] Insbesondere das Fehlen der Kernüberlieferung in Form der Akten des Oberbürgermeister und der Beigeordneten stellt Probleme dar. KLEINERTZ, Everhard: Hausgemachte Probleme? Die städtischen Behörden in Köln und die Aktenüberlieferung der NS -Zeit, in: Horst MATZERATH/ Barbara BECKER-JÄKLI/ Harald BUHLAN (Hg.): Versteckte Vergangenheit. Über den Umgang mit der NS-Zeit in Köln, Köln 1994, S. 277-306.

[34] Vgl. Matzerath, Geschichte, S. 330.

[35] 1988 war das NS-Dokumentationszentruma als Abteilung des Historischen Archivs der Stadt Köln gegründet worden und arbeitet seit 1997 selbstständig.

[36] AMERSFOORT, H./ KAMPHUIS, P.H. (Hg.): Mei 1940. De strijd op Nederlands grondgebied, Den Haag2 2005 [AMERSFOORT / KAMPHUIS, Strijd].

[37] HASSELTON, P.W.M.: Het bombardement van Rotterdam. 14 mei 1940. Amsterdam 1999 [HASSELTON, Bombardement].

[38] Noch 1990 erschien jedoch der Versuch, die militärische Niederlage der niederländischen Armee mit dem falschen Spiel eben jener Fünften Kolonne zu erklären: ELFFERICH, L.: Rotterdam werd verraden. Abcoude 1990.

[39] Selektiv seien hier strukturierend die wichtigsten genannt: JACOBSEN, H. A.: Der deutsche Luftangriff auf Rotterdam (14. Mai 1940). Versuch einer Klärung. In: Wehrwissenschaftliche Rundschau. Zeitschrift für die Europäische Sicherheit 8 (1958), S. 257-284; DE JONG, Louis: Het Koningrijk der Nederlande in de Tweede Wereldoorlog, Bd. 3-7, 's-Gravenhage 1970-1976 [DE JONG, Bd.]; WAGENAAR: Rotterdam mei '40. De slag, de bommen, de brand, Utrecht2 1990 (ursprünglich: 1970) [WAGENAAR, Mei '40]; AMERSFOORT/ KAMPHUIS, Strijd, HASSELTON, Bombardement (1999).

[40] DE JONG, Bd. 3-7.

[41] COCHERET, Ch. A.: Helpende handen. Geschiedenis van de Stichting Centrale Voorziening te Rotterdam, Rotterdam 1951 [ COCHERET, Rotterdam].

[42] TRIENEKENS, G. M. T., Voedsel en honger in oorlogstijd 1940-1945. Misleiding, mythe en werkelijkheid, Utrecht 1995 [TRIENEKENS, Voedsel].

[43] VOS, Rene: Niet voor publicatie. De legale Nederlandse pers tijdens de Duitse bezetting, Voorburg 1988 ; HOFFMANN, Gabriele: NS-Propaganda in den Niederlanden. Organisation und Lenkung der Publizistik unter deutscher Besatzung 1940-1945. München e.a. 1972.

[44] HILLER, Marlene P./ JÄCKEL, Eberhard/ ROHWER Jürgen (Hg.): Städte im Zweiten Weltkrieg : ein internationaler Vergleich, Essen 1991; LEMKE, Bernd: Luftschutz in Großbritannien und Deutschland 1923 bis 1939. Zivile Kriegsvorbereitungen als Ausdruck der staats- und gesellschaftspolitischen Grundlagen von Demokratie und Diktatur. München 2004. Vgl. auch die vergleichende Erforschung erinnerungskultureller Entwicklung und Konjunktur des Bombenkriegs durch das Institut für Zeitgeschichte München.

[45] Vgl. hierzu das entsprechende Kapitel der vorliegenden Untersuchungen.

[46] KIRCHNER, Klaus: Kriegsflugblätter. Eine Waffe, die jeden traf, in: Rechtsrheinisches Köln, Bd. 26. Köln 2000; ADERS, Britische Luftkriegsplanungen bis 1939, in: RÜTHER: Alltag und Erfahrungen, S. 41f.; IDEM, Alliierte Kriegsflugblätter, in: RÜTHER: Alltag und Erfahrungen, S. 42f.

[47] BOOG, Horst: Der angloamerikanische Luftkrieg über Europa und die deutsche Luftverteidigung, in: Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 6. Stuttgart 1990 [BOOG, Luftkrieg]; WEBSTER, Charles/ FRANKLAND, Noble: The Strategic Air Offensive against Germany 1939-1945, Bd. 1, London 1961, S. 97f.; ADERS, Britische Luftkriegsplanungen bis 1939, in: RÜTHER, Alltag, S. 41f.

[48] Vgl.: HAStK, Best. 100, Nr. 2, Bl. 382/1f.

[49] Die Begrifflichkeit „Heimatfront“ war keine Wirtschöpfung aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, sodern wurde bereits im deutschen und englischen Sprachgebrauch als Synonym für das Hinterland benutzt. Vgl. BLANK, Kriegsalltag, S. 357.

[50] ADERS, Britische Luftkriegsplanungen bis 1939, in: RÜTHER, Alltag, S. 71.

[51] IBID., S. 72.

[52] Etwa am 13.05.1940, als nach unmöglicher Ortung des Verteilerkreises im Süden Kölns, Bomben im südlichen Kölner Stadtgebiet ausgeklinkt wurden und die Kölner Polizeidirektion daraufhin vermutete, dass eine Polizeikaserne und ein Proviantdepot im Hafen hätte getroffen werden sollen. Vgl.: IBIDEM, S. 71.

[53] HAStK, ZS Kriegschronik, Nr. 107, Bl. 1.

[54] Vgl. zur Luftoffensive gegen England BALKE, Ulf: Der Luftkrieg in Europa. Die operativen Einsätze des Kampfgeschwaders 2 im Zweiten Weltkrieg, Bd. 2, Koblenz 1989, S. 102-104: RÜTHER, Alltag, insbesondere S. 74-77; ferner: ADERS, Britische Luftkriegsplanungen bis 1939, in: RÜTHER, Alltag, S. 72.

[55] HAStK, ZS Kriegschronik, Nr. 10, Bl. 38f.

[56] RÜTHER, Alltag, S. 93. in Berufung auf Konsul von Weiss. In seiner Einschätzung der Stimmung der Bevölkerung konstatierte Joseph Goebbels am 9. März 1941 in seinem Tagebuch, die Einwohner jener Städte, die wie Köln von „harten Luftangriffen“ getroffen wären, seien „etwas deprimiert“ IDEM, S. 93 (Eintrag vom 9.3.1941).

[57] ADERS, 1941, in: RÜTHER, Alltag, S. 116.

[58] IBID., S. 117.

[59] Kriegschronik, Nr. 110 und Nr. 111. Vgl. auch: SIMON, Luftkrieg, S. 92-94.

[60] Rüther, Alltag, S. 114.

[61] SIMON, Luftkrieg, S. 94.

[62] Rüther, Alltag, S. 114.

[63] MATTHIAS, Bombenkrieg, S. 73. Sie zitiert aus: HAStK, ZS Kriegschronik, Nr. 111, Bl. 124.

[64] RÜTHER, Alltag, S. 96. Zu den Aktivitäten der deutschen Abwehr vgl.: ADERS, Gebhard: Die Kölner Flugabwehr im Zweiten Weltkrieg und ihre Schülersoldaten, in: Rechtsrheinisches Köln, Bd. 19-21, Köln 1993­1995; BOOG, Horst: Der angloamerikanische Luftkrieg über Europa und die deutsche Luftverteidigung, in: Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hg.), Das deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 6, Stuttgart 1990.

[65] ADERS, Gebhard: Bombenkrieg. Strategien der Zerstörung 1939-1945, Köln 2004, S. 34; HASTINGS, Max: Bomber Command, London 1979, S. 133f. Der Strategiewechsel der RAF ist u.a. auf sorgsame Auswertung der durch die Deutsche Luftwaffe in englischen Städten hervorgerufenen Schäden zurückzuführen.

[66] GROEHLER, Bombenkrieg, S. 16ff., S. 27.

[67] TAYLOR, Eric: 1.000 Bomber auf Köln. Operation Millenium 1942. Düsseldorf2 1979. S. 173. Dieses Navigationssystem erreichte wegen seiner beschränkten Reichweite nicht alle deutschen Städte.

[68] Zit. nach: RÜTHER, Alltag, S. 167 (Zitat vom 30.4.1942). Noch am 30.05. stufte der Generalstaatsanwalt in seinem Bericht - wohl zum letzten Male - die Stimmung der Kölner als „befriedigend“ ein (IBID., S. 167).

[69] ADERS, Hintergründe und Ablauf, in: NS-DOKUMENTATIONSZENTRUM, Köln, 31. Mai 1942, S. 9-54 [ADERS, Hintergründe], hier: S. 52; ADERS, Der „1.000-Bomber-Angriff‘, in: RÜTHER, Alltag, S. 171; Groehler, Bombenkrieg, S. 60-78. ADERS gibt die Anzahl der tatsächlich Köln erreichenden Flugzeuge mit 898 an, während GROEHLER abweichend 940 Flugzeuge angibt (GROEHLER, Bombenkrieg, S. 76).

[70] Vgl. zur Darstellung des Angriffs: GROEHLER, Bombenkrieg; RÜTHER, Reaktionen; BARKER, Ralph: The Thousand Plan. The Story of the first Thousand Bomber Raid on Cologne, London 1965. Zum militärischen Aspekt der Operation Millenium vgl.: ADERS, Auf dem Weg zum „1.000-Bomber-Angriff ‘ (Winter/Frühjahr 1941/1942), in: RÜTHER, Alltag, S. 169; IDEM, Der „1.000-Bomber-Angriff‘, in: RÜTHER, Alltag, S. 171f. Die Zahlen bzgl. der Obdachlosigkeit bergen in dieser kurzen Überblicksdarstellung der Ereignisse insofern Schwierigkeiten, da eine Person durchaus mehrmals obdachlos werden kann und in Statistiken mehrmals auftauchen kann. Die Zahl derer, die im Laufe des Krieges obdachlos wurden, lassen sich somit nicht summieren.

[71] ADERS, Hintergründe, S. 52.

[72] Die Abschüsse der Flak wurden zumeist höher angegeben, als sie tatsächlich ausgefallen sind, um eine entsprechende Propagandawirkung zu erzielen. Jedoch fielen auch die Zahlen aus englischer Quelle über die tatsächlich Köln bombardierenden Flugzeuge zu hoch aus, da nicht alle Ausfallfaktoren beachtet wurden und eine quantitative Übertreibung für positiv erachtet wurde. IDEM, Der „1.000-Bomber-Angriff‘, in: RÜTHER, Alltag, S. 171.

[73] RÜTHER, Alltag, S. 168. Vgl. für Zahlen, IDEM, Reaktionen, S. 57ff.

[74] Abgedruckt in NS-DOKUMENTATIONSZENTRUM, Köln, 31. Mai 1942, S. 198.

[75] Tf 5 RüTHER, Alltag, S. 168. Vgl. für die Zahlen, IDEM, Reaktionen, S. 57ff.

[76] MATTHIAS, Bombenkrieg, S. 76.

[77] GROEHLER, Bombenkrieg, S. 67.

[78] HAStK, ZS Kriegschronik, Nr. 111, Bl. 25ff. Auch bei MATTHIAS, Bombenkrieg, S. 77.

[79] HAStK, ZS Kriegschronik, Nr. 111, Bl. 126. Katja MATTHIAS verweist ferner auf die Schließung etlicher Geschäfte bereits im September 1939, als Folge der Einberufungen zur Wehrmacht (MATTHIAS, Bombenkrieg, S. 77).

[80] GROEHLER, Bombenkrieg, S. 67. Als Beispiele für die Kurzfristigkeit industrieller Schäden kann die Land- und Seekabelwerke AG Nippes herangezogen werden, die im Frühjahr 1942 70 % ihrer Werkanlagen verlor, jedoch lediglich für vier Wochen Produktionsausfall zu melden hatte. Auch die Gummiwarenfabrik Franz Clouth aus Nippes hatte nach ähnlichem Verlust lediglich eine Beeinträchtigung von 80 % über ein Jahr zu verzeichnen.Vgl. hierzu: SIMON, Luftkrieg, S. 94f.

[81] RÜTHER, Alltag, S. 167. RÜTHER verweist auf: WENDT, Bernd Jürgen: Deutschland 1933-1945. Das „Dritte Reich“. Handbuch zur Geschichte, Hannover 1995, S. 644f.

[82] Quantitativ war die Anzahl von 20 Luftangriffen im Jahr 1942 rückläufig, doch war die Wirkung dieser verheerender.

[83] Vgl. zur Casablanca-Konferenz WEBSTER, Charles/ FRANKLAND, Noble: The Strategic Air Offensive against Germany 1939-1945, Bd. 4, London 1961, S. 273-283.

[84] ADERS, Der Weg zur „Schlacht um die Ruhr“: Winter 1942/43, in: RÜTHER, Alltag, S. 252; Vgl. auch: FISCHER, Köln, S. 24.

[85] Vgl. zum Battle of the Ruhr: BLANK, Ralf/ SOLLBACH, Gerhard E.: Das Revier im Visier. „Heimatfront“ und Bombenkrieg im Ruhrgebiet 1939-1945, Hagen 2005; ADERS, Die Sommerkatastrophe 1943: „Battle of the Ruhr“, in: RÜTHER, Alltag, S. 280f.; MIDDLEBROOK, Martin/ EVERITT, Chris: The Bomber Command War Diaries, Harmondsworth 1985.

[86] RÜTHER, Alltag, S. 282f., mit Verweis auf: SIMON, Luftkrieg, S. 100.

[87] ADERS, Gebhard: Der Luftangriff der Royal Air Force am 4. Juli 1943 und die deutschen Abwehrmaßnahmen, in: Rechtsrheinisches Köln, Bd. 9/10, Köln 1983/84; FISCHER, Köln, S. 24.

[88] MATTHIAS, Bombenkrieg, S. 76; SIMON, Luftkrieg, S. 89 und UNITED STATES STRATEGIC BOMBING SURVEY, Cologne Field Report, January 1947 (1. Aufl. 20.7.1945) [ÜSSBS, Cologne Field Report], S. H-1. Problematisch sind die Zahlen zur Obdachlosigkeit in Bezug auf die Wohnraumzerstörung insofern, dass oftmals die Zerstörung von Wohnraum derer, die Köln vorher flüchtend verlassen haben, in dieser Statistik nicht auftaucht.

[89] Ob zweifelhafter Parameter in der Erhebung dieser prozentualen Angaben, betrachtet Gebhard ADERS diese Zahlen mit Skepsis, vgl. ADERS, Britische Auswertungen im Sommer 1943, in: RÜTHER, Alltag, S. 287.

[90] Rüther, Alltag, S. 296.

[91] WB 25.03.1943, S. 2.

[92] ADERS: 1942/1943: Neue Bombentypen, in: RÜTHER, Alltag, S. 253-255; ADERS: Die frühen Bombentypen, in: RÜTHER, Alltag, S. 115f.; ÜSSBS, Cologne Field Report, S. 14.

[93] HAStK, ZS Kriegschronik, Nr. 11, Bl. 6.

[94] Vgl hierzu: DAVIS, Richard G.: Carl A. Spaatz and the Air War in Europe, Washington/ London 1992; BILLSTEIN, Reinhold & ILLNER Eberhard: „You are now in Cologne. Compliments.“ Köln 1945 in den Augen der Sieger, Köln 1995, insbesondere S. 27ff.; Zur 8. US-Luftflotte vgl.: FREEMAN, Roger A.: The Mighty Eight War Diary, London/ New York 1981.

[95] Die Quantität der Angriffe setzt sich sowohl aus der Anzahl der Angriffe der RAF als auch der USAAF zusammen.

[96] Köln und Umgebung waren das häufigste Ziel des britischen Bomber Commands und der 8. US-Luftflotte in dieser Zeit. Die 8. US-Luftflotte flog im Oktober 12 Luftangriffe auf Köln, wobei lediglich zwei nachts stattfanden.

[97] WIDDIG, Sascha: Die Zerstörung Mühlheims am 28. Oktober 1944, in: Rechtsrheinisches Köln, Bd. 22, Köln 1996.

[98] USSBS, Cologne Field Report, S. 11. Vgl. auch: MATTHIAS, Bombenkrieg, S. 75.

[99] USSBS, Cologne Field Report, S. H-7.

[100] HAStK, ZS Kriegschronik, Nr. 13, Bl. 12.

[101] Matthias, Bombenkrieg, S. 80.

[102] IBID., S. 75.

[103] HOHN, Uta: Deutsche Städte im Luftkrieg - Eine Schadensbilanz auf der Basis der Wohnungstotalzerstörungen. In: Erdkunde 44 (1990) 4, S. 268-281 [HOHN, Schadensbilanz], hier: S. 279. Zur Problematik der Schadenserfassung vgl. weiterhin S. 273-275. Hohn unterscheidet die Schadenserfassung während des Krieges von den Erhebungen nach Kriegsende, und kommt zum Schluss, „daß die in den fünfziger Jahren veröffentlichten Zahlen die objektiveren, da weniger zweckgebundenen waren.“ (HOHN, Schadensbilanz, S. 274).

[104] HOHN, Schadensbilanz, S. 279.

[105] Vgl. BOOG, Horst: Die Operationen der Luftwaffe gegen die Niederlande vom 10. bis 15. Mai 1940, in: Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hg.): Ideen und Strategien 1940: ausgewählte Operationen und deren militärgeschichtliche Aufarbeitung. Mittler 1990, S. 137-158 [BOOG, Operationen], hier: S. 137. Vgl. zur militärischen Planung des Westfeldzuges: DE JONG, Bd. 2, S. 315-360. Zum tatsächlichen Kriegsverlauf vgl. AMERSFOORT, H./ SCHULTEN, J. W. M.: Duel der generaals. Vijf oorlogsdagen op strategisch niveau, in: AMERSFOORT/ KAMPHUIS, Strijd, S. 117-149.

[106] BOOG, Horst: Die deutsche Luftwaffenführung. Führungsprobleme - Spitzengliederung - Generalstabsausbildung. Stuttgart 1982 [BOOG, Luftwaffenführung], S. 129. BOOG verweist diesbezüglich auf die Genese des Operationsplanes für den Westfeldzug, die erkennen lässt, dass „der holländische Kriegsschauplatz nur ein - wenn auch notweniger- Nebenkriegsschauplatz sein sollte.“ (BOOG, Luftwaffenführung, S. 138.)

[107] Zur Schlüsselposition Rotterdams im deutschen Angriffsplan vgl.: JACOBSEN, Luftangriff , S. 263ff.; AMERSFOORT/ KAMPHUIS, Strijd, S. 107-113, S. 117-120; KORTHALS ALTES, A.: Luchtgevaar. Luchtaanvallen op Nederland 1940-1945. Amsterdam2 1984 [KORTHALS ALTES, Luchtgevaar], insb. S. 32.

[108] Erst wurde innerhalb eines Streifens entlang der Grenzen der Ausnahmezustand ausgerufen, am 19. April 1940 wurde das restliche Land einbezogen.

[109] AMERSFOORT/ KAMPHUIS, Strijd, S. 66-69; DE JONG, Bd, 2, S. 193-197, S. 269-277.

[110] Die Truppenstärke setzte sich aus 250 Offizieren, 1.150 Unteroffizieren und 5.750 Obergefreiten und Mannschaften zusammen. Zum Kampf ausgebildet waren davon 32 Offiziere und 1100 Unteroffiziere und Mannschaftsteile.

[111] VAN DER PAUW, Rotterdam, S. 39.

[112] IBID., S. 89.

[113] MALLAN, Als de dag, S. 157. Nach deutscher Inbesitznahme des Flughafens wurde dieser unmittelbar von Piloten der RAF ins Visier genommen.

[114] Zu den Kriegshandlungen an den Brückenköpfen vgl., van den Doel, H.W.: Geen brug te ver. De strijd om de Moerdijkbruggen, Dordrecht en Rotterdam, in: AMERSFOORT/ KAMPHUIS, STRIJD, S. 163-298.

[115] GAR, NSA 5657, Rappot Scharroo 1940, S. 14; auch VAN DER PAUW, Rotterdam, S. 745.

[116] GAR, Politiearchief 3304; WAGENAAR, Mei '40, S. 143. Noch am 10. Mai 1980 erscheint in der Zeitung Het Vrije Volk ein Artikel mit dem Titel: „De eerste bommen op een woonwijk“ (Die ersten Bomben auf eine Wohngegend). Das eigentliche Angriffsziel war damals noch nicht geklärt.

[117] Zum Begriff und Mythos der „Fünften Kolonne“ vgl. ausführlich: DE JONG, Louis: De Duitse Vijfde Colonne in de Tweede Wereldoorlog, Amsterdam2 1977 (Neuausgabe seiner Doktorarbeit aus dem Jahr 1953). DE JONG stellt die These auf, dass Gerüchte über und die Panik vor den Aktivitäten einer deutschen Fünften Kolonne auf einem Fantasieprodukt beruhten. Noch 1990 erschien jedoch der Versuch, die militärische Niederlage der niederländischen Armee mit dem falschen Spiel eben jener Fünften Kolonne zu erklären: ELFFERICH, L.: Rotterdam werd verraden. Abcoude 1990.

[118] RN, 10.5.1942: Volkomen rust in Rotterdam. Vastberadenheid en kalmte kenmerkten de stemming der bevolking. Het gerucht werd gemeden. (Totale Ruhe in R[.]. Entschlossenheit und Gelassenheit charakterisieren die Stimmung der Bevölkerung. Gerüchte wurden vermieden). Es wurde betont, wie wichtig es sei, Gerüchten keinen Glauben zu schenken: Neuigkeiten gäbe es lediglich von offizieller Seite. Andere Neuigkeiten gäbe es nicht

[119] VAN DER PAUW, Rotterdam, S. 73.

[120] IBID., S. 108. U.a. wurden Toiletten aus Tonnen improvisiert und eine Tunnelbewachung eingerichtet.

[121] Vgl. IBID., Rotterdam, Anhang 1: Luchtanvallen op Rotterdam tijdens de Meioorlog (10-14 mei 1940), S.

845.

[122] Zit. nach: VAN DER PAUW, Rotterdam, S. 74.

[123] Am Morgen des 14. Mai 1940 wurde der Anfallsplan festgesetzt, und sah einen Bombenangriff für 13.20h niederländischer Zeit (deutsche Zeit: 15.00h) vor. Nach der Kapitulation wurden die Uhren in Rotterdam auf deutsche Zeit umgestellt.

[124] VAN DER PAUW, Rotterdam, S. 75.

[125] 12 5 5 BOOG, Operationen, S. 56.

[126] VAN DER PAUW, Rotterdam, S. 98.

[127] Vgl. hierzu: IBID., S. 97-100.

[128] Nach Befehl Görings sollte Rotterdam an diesem Abend in Negation der Kapitulation ein zweites Mal bombardiert werden, doch konnte Schmidt zumindest diesen Angriff verhindern. Vgl. WAGENAAR, Mei '40, S. 242ff.

[129] VAN DER PAUW, Rotterdam, S. 85 und IBID., Anhang 4: Oorlogsschade te Rotterdam. Drie voorbeelden [Kriegsschäden in Rotterdam. Drei Beispiele], S. 854f. VAN DER PAUWs Angaben basieren vornehmlich auf Berichte der unmittelbaren Nachkriegszeit, in der in Rotterdam der begonnene Wiederaufbau evaluiert wurde. Untereinander weisen seine Quellen Unterschiede auf, sodass die Angaben als Quintessenz seiner abschließenden Untersuchung gelten müssen.

[130] Vgl. VAN der PAUW, Rotterdam, S. 854f.; BOERMAN/ZEEGERS. Bevolkingsverschuivingen: COCHERET, Helpende Handen und das diesbezüglich maßgebende Archivstück GAR, WO-II 18: Pet, J.C.L.B.: De wederopbouw van Rotterdam (Juni 1945).

[131] RN, 16.5.1940: Mededeling van den politiecommissaris.

[132] RN, 18.5.1940: Grootschepsch opruimwerk. Vele duizenden aan den slag. De verkeerswegen in de binnenstad weer berijdbaar [Aufwendige Aufräumarbeiten. Tausende sind am Werk. Die Straßen der Innenstadt sind wieder befahrbar].

[133] VAN DER PAUW, Rotterdam, S. 751.

[134] 4 VAN DER PAUW, Rotterdam, Anhang 2: Luchtanvallen op Rotterdam na 14 mei 1940, S. 846.

[135] RN, 16.5.1940: Heel Nederland moet weer verduisterd zijn. [Überall in den Niederlanden muss wieder verdunkelt werden]. Der Befehl des niederländischen Militärs wurde noch am Abend der Kapitulation von den deutschen Besatzern ausdrücklich wiederholt.

[136] RN, 24.5.1940: De Schuilgangen en loopgraven. Aan de burgers van Rotterdam. [Die Schützengräben und Laufgänge. An die Bürger von Rotterdam].

[137] RN, 27.5.1940: Bekendmaking. Bewaar uw kalmte [Ankündigung. Ruhe bewahren!]!

[138] Den 106 toten Rotterdamern sind noch 24 Deutsche hinzuzurechnen, die bei einem Bombentreffer auf Gebäude, in denen die Kriegsmarine untergebracht war, getötet wurden. Vgl. auch: DE JONG, Bd. 4, S. 738.

[139] RN, 6.10.1941: De Maasstad als proefkonijn.

[140] KORTHALS ALTES, Luchtgevaar, S. 91. Später wurde dieser Vorwurf auch speziell den Einheiten der USAAF gemacht. Einer der ersten - vermeintlich ungefährlichen - Einsätze der USAAF am 21. August 1943 wurde jedoch durch deutsche Jagdflieger über der Hoek van Holland abgewehrt.

[141] Vgl. hierzu den Beitrag von Radio Oranje am 9.10.1941, dargestellt in der vorliegenden Arbeit im Kapitel „Evakuierung“.

[142] In Relation der Opferzahlen verzeichnete das Jahr 1943 mit Abstand die meisten Tote: 401 Tote bei lediglich vier Angriffen. Vgl. WAGENAAR, Vergeten Bombardement, S. 14ff.

[143] Vgl. den Briefwechsel von Bürgermeister Oud mit dem Leiter des Luftdienstes C.A. Muller vom 10. Oktober 1941 (abgedruckt bei VAN DER PAUW, Rotterdam, Kapitel 6, Fußnote 42, S. 762).

[144] Angaben über Tote und Verletzte aus GAR, Politiearchief 3304, 3365. Vgl. VAN DER PAUW, Rotterdam, S. 763. Eine Übersicht bietet außerdem: VAN DER PAUW, Rotterdam, Anlage 2: Luchtanvallen op Rotterdam na 14 mei 1940, S. 846.

[145] Vgl. hierzu: WAGENAAR, Aad: Het vergeten bombardement - Bospolder/ Tussendijken 31 maart 1943, Rotterdam 2003 (Spezialausgabe von “Ons Rotterdam) [WAGENAAR, 2003], S.11ff; KORTHALS ALTES, Luchtgevaar, S. 127-129. Über die Angriffe auf die Werften wurde nicht in den Zeitungen berichtet.

[146] Vgl. zur Diskussion über die Gründe für dieses Unglück VAN DER PAUW, Rotterdam, S. 380f. Es halten sich standhaft - etwa noch bei WAGENAAR, 2003 - Theorien, dass die Piloten aus verkehrter topographischen Wahrnehmung den verkehrten Hafenkomplex anvisiert hätten bzw. dass die Fordfabrik auf dem Marconiplein das eigentliche Ziel dargestellt hätte, will dort - entgegen der historischen Wirklichkeit - schon im Frühjahr 1943 V-Waffen hergestellt worden seien. Vgl. zu entsprechender Diskussion auch: KORTHALS ALTES, Luchtgevaar, S. 160ff.; MALLAN: De fatale misrekening [Die fatale fehlerhafte Berechnung]. In: Mars et Historia, Jg. 27 (1993) Nr. 3. VAN DER PAUW kommt in seiner Untersuchung zu dem Ergebnis, dass bei Korrektur der fehlerhaften Windberechnung, 1000m Abdrift bei WSW-Wind, das eigentliche Abwurfziel die Elektrizitätswerke an der Gallileistraat sein (Rotterdam, S. 380f.).

[147] VAN TRAA, C.: Rotterdam. De geschiedenis van tien jaar wederopbouw. 1955, S. 257; WAGENAAR, Mei '40, S. 25; VAN DER PAUW, Rotterdam, S. 381. Die Zahlen der Autoren basieren vornehmlich auf dem Bericht von J. C. L. B. Pet: De wederopbouw van Rotterdam, vom Juni 1945 (GAR, Politiearchief 3304).

[148] Vgl. zu den Feuerlöscharbeiten den Bericht der Feuerwehr der Löscharbeiten vom 31. März 1943 „1943 - Verslag bestrijding bombardement Rotterdam 31 maart“ auf dem Internetauftritt des „Nationaal Bandweer Documentatie Centrums“: http://www.nbdc.nl/cms/show/id=648923 (Stand: 1.8.2007).

[149] In den Niederlanden wurden in Folge dessen beispielsweise ab Juli 1943 die Amsterdamer Fokkerfabriken bombardiert.

[150] HASPER, J.: Rotterdam. Tweeendertig jaar met de tijd mee, Rotterdam 1973; VAN DER PAUW, Rotterdam, Anhang 4: Oorlogschade te Rotterdam - Drie voorbeelden. Schade aan de infrastructuur van de Rotterdamse havens, S. 855f. Vgl. hieraus auch folgende Zahlenangaben.

[151] VAN DER PAUW, Rotterdam, S. 651ff.

[152] KLEMANN, H. A. M.: Nederland 1938-1948. Economie en samenleving in jaren van oorlog en bezetting, Amsterdam 2002, S. 465.

[153] LANKENAU, Polizei, S. 34. Zur Funktion der Polizei in Luftschutzfragen vgl. LEMKE, Bernd: Luftschutz in Großbritannien und Deutschland 1923 bis 1939. Zivile Kriegsvorbereitungen als Ausdruck der staats- und gesellschaftspolitischen Grundlagen von Demokratie und Diktatur, München 2004, S. 321ff.

[154] ROMEYK, Horst: Die leitenden staatlichen und kommunalen Verwaltungsbeamten der Rheinprovinz 1816­1945, Düsseldorf 1994.

[155] Zusammengearbeitet wurde mit dem Befehlshaber der Ordnungspolizei und den Dienststellen des Luftgaus, beispielsweise dem Kommandeur der Flak und der Luftschutzwarnzentrale. Zu diesem Komplex LANKENAU, Polizei, S. 9 und BEER, Kriegsalltag, S. 64.

[156] LANKENAU, Polizei, S. 175; Lankenau verweist darauf, dass die Polizei seit Beginn des Kriegs durch Einberufungen dezimiert gewesen war.

Ende der Leseprobe aus 143 Seiten

Details

Titel
Bombenangriffe auf Köln und Rotterdam im Vergleich
Untertitel
Dargestellt unter besonderer Berücksichtigung ausgewählter lokaler Presse
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Historisches Seminar)
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
143
Katalognummer
V152793
ISBN (eBook)
9783640650897
ISBN (Buch)
9783640651177
Dateigröße
944 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bombenangriffe, Köln, Rotterdam, Vergleich, Dargestellt, Berücksichtigung, Presse
Arbeit zitieren
Philipp Erbslöh (Autor), 2007, Bombenangriffe auf Köln und Rotterdam im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152793

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