Gegenstand der folgenden Untersuchung ist der Vergleich der beiden Erzählungen Robert Musils „Die Vollendung der Liebe“ und „Grigia“ .
Musil entwirft im Jahr 1911 das Szenario, in welchem Claudine, der Protagonistin in der „Vollendung der Liebe“, in Abwesenheit ihres Ehemannes ein Ehebruch die Vollendung der Liebe zu ihrem betrogenem Ehemann zu garantieren verspricht. 13 Jahre später fügt sich in Musils Novelle „Grigia“ der Protagonist Homo, fern von seiner Ehefrau, nach dem Ehebruch in das Schicksal eines einsam Sterbenden, weitab der Zivilisation. Die Vereinigung mit der wirklich Geliebten ist hier im Irdischen nicht möglich, und der Ehebruch öffnet so den Gedanken Homos, dass seine „Geliebte Grigia nur Teil einer Sendung war, die ihn mit seiner Geliebten in Ewigkeit weiter verknüpfte.“
Die einzeln konzipierten, jedoch gemeinsam verfassten Novellen werden aus ihrem zur Einheit gefassten Zusammenhang herausgehoben und in Beziehung zueinander gesetzt. Zentrale Fragestellung ist die Untersuchung der jeweilig intendierten Vereinigung nach einem Ehebruch. Hierzu wird Robert Musils Darstellung des Ehebruchs in „Die Vollendung der Liebe“ durch die weibliche Protagonistin und Ehebrecherin Claudine kontrastiert mit ihrem männlichen Gegenstück Homo in „Grigia“. Gegenstand der Untersuchung ist die Darstellung der bewussten Funktionalisierung eines Ehebruchs zur Überwindung einer Identitätskrise mittels einer Vereinigung.
Entwickelt wird der Vergleich im Folgenden einleitend anhand der ins Auge scheinender Parallelität in bezug auf Aufbau und Plot. Ferner werden stilistische Eigenarten hinsichtlich der Frage einer möglichen Weiterentwicklung erläutert. Im Weiteren wird das Augenmerk auf die Stilisierung der jeweiligen Anfangsszenen gelenkt, um aus diesen das dort dargestellte Bild der zu brechenden Ehe herauszuarbeiten. Nach der räumlichen Trennung der Ehepartner, wird im nächsten Abschnitt die Darstellung derer Konfrontation mit dem Trieb verglichen, bevor abschließend die von den jeweils ehebrechenden Partnern intendierte Vereinigung unter Berücksichtigung der Untreue in Zusammenhang gebracht wird. Im Allgemeinen wird hierbei jeweils von der Erzählung „Die Vollendung der Liebe“ ausgegangen, dann zu „Grigia“ übergeleitet, um Beide im Folgenden nebeneinander zu stellen. Sowohl in Bezug auf die Chronologie des Verfassens, als auch auf den komplexer verfassten inneren Kampf Claudines bietet sich diese Untersuchungsform von Parallelität und Weiterentwicklung an.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Parallelität und Weiterentwicklung
- Plot
- Stilkritik
- Die Darstellung der Eingangssituation bezüglich des jeweiligen ehelichen Verhältnisses
- ,,Die Vollendung der Liebe“
- ,,Grigia“
- Vergleichende Aspekte
- Die Konfrontation der Ehe mit dem Trieb
- ,,Die Vollendung der Liebe“
- ,,Grigia“
- Vergleichende Aspekte
- Ehebruch und Vereinigung in beiden Erzählungen
- Identitätskrise und Vereinigung
- Treue in der Untreue
- Schlussbemerkung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die beiden Erzählungen Robert Musils „Die Vollendung der Liebe“ und „Grigia“ und untersucht, wie Ehebruch in beiden Texten als Mittel zur Überwindung einer Identitätskrise und zur Vereinigung mit dem eigentlichen Partner dargestellt wird. Die Studie vergleicht die beiden Novellen und analysiert Parallelen und Unterschiede in ihrem Aufbau, ihrer Stilistik und ihrer Darstellung des Ehebruchs.
- Die Rolle des Ehebruchs als Katalysator für die Überwindung einer Identitätskrise
- Die Darstellung der Ehe und ihrer Konflikte in beiden Erzählungen
- Die Konfrontation der Protagonisten mit ihrem Trieb und dessen Auswirkungen
- Die Suche nach Vereinigung und die Bedeutung der Treue in der Untreue
- Die stilistischen Eigenheiten Musils und ihre Entwicklung in den beiden Novellen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die beiden Erzählungen „Die Vollendung der Liebe“ und „Grigia“ vor und erläutert die zentrale Fragestellung der Arbeit: die Analyse des Ehebruchs als Mittel zur Vereinigung. Das zweite Kapitel untersucht die Parallelität der beiden Erzählungen in Bezug auf Aufbau und Plot sowie stilistische Eigenheiten und mögliche Weiterentwicklungen in Musils Werk. Kapitel drei betrachtet die Darstellung der Ausgangssituation in beiden Erzählungen, wobei der Fokus auf den jeweiligen ehelichen Beziehungen und deren Brüchigkeit liegt. Kapitel vier widmet sich der Konfrontation der Protagonisten mit ihren Trieben und untersucht die Darstellung des Ehebruchs. Abschließend beleuchtet Kapitel fünf die Rolle des Ehebruchs als Weg zur Vereinigung und die Bedeutung der Treue in der Untreue.
Schlüsselwörter
Robert Musil, „Die Vollendung der Liebe“, „Grigia“, Ehebruch, Vereinigung, Identitätskrise, Treue, Untreue, Stilistik, Parallelität, Weiterentwicklung.
- Arbeit zitieren
- Philipp Erbslöh (Autor:in), 2006, Treue in der Untreue – Vergleichende Aspekte in Musils Erzählungen „Die Vollendung der Liebe“ und „Grigia“ , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152797