Diese Arbeit betrachtet wohlfahrtsstaatliche Politik aus feministischer Perspektive und befasst sich dabei besonders mit pfadabhängigen Geschlechterarrangements als Ergebnis individueller und gesellschaftlicher Verhandlungsprozesse und deren sozialpolitischer Förderung und Institutionalisierung im Zusammenspiel von Markt, Staat und Familie.
Dazu werden zunächst verschiedene Ansätze zur Typologisierung von Wohlfahrtsstaaten dargestellt und unter Bezugnahme auf die feministische Wohlfahrtsstaatsdebatte bewertet, wobei die bekannte Typologie der Wohlfahrtsregime nach Esping-Andersen sowie das Ernährermodell nach Lewis und Ostner Berücksichtigung finden.
Danach wird mit einem Blick auf historische und kulturelle Besonderheiten in die Prinzipien des bundesrepublikanischen Wohlfahrtsstaates eingeführt, wobei der Schwerpunkt auf der Lohnarbeits- und Ehezentrierung liegt.
Im darauf folgenden Abschnitt geht zunächst ein Exkurs auf die Prinzipien für eine komplexe Geschlechtergleichheit nach Fraser und deren Anwendung auf bestehende feministische Modelle ein. Im Anschluss daran werden verschiedene Positionen zur feministischen Wohlfahrtsstaatsdebatte sowie deren Forderungen zur Bekämpfung geschlechterhierarchischer Strukturen und zur Erreichung egalitärer Geschlechterverhältnisse in allen Bereichen der Gesellschaft dargestellt.
Im letzten Abschnitt geht es um mögliche Zukünfte der Geschlechterverhältnisse, wobei sowohl empirisch belegte Tendenzen dargestellt als auch Utopien entworfen werden. Schließlich werden die vorangegangenen Kapitel und der Stand der feministischen Wohlfahrtsstaatsforschung zusammengefasst und abschließend bewertet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Theorie des Wohlfahrtsstaates
2.1 Typologie nach G. Esping – Andersen
2.2 Feministische Perspektive
2.3 Typologie nach J. Lewis/ I. Ostner
3. Prinzipien des deutschen Wohlfahrtsstaats
4. Gleichstellungspolitische Ansätze und feministische Positionen in der Wohlfahrtsstaatsdebatte
Exkurs: Prinzipien der Geschlechtergleichheit nach Fraser
5. Zukunft der Geschlechterverhältnisse
6. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert wohlfahrtsstaatliche Politik aus einer feministischen Perspektive, wobei sie insbesondere die strukturelle Benachteiligung von Frauen durch pfadabhängige Geschlechterarrangements und die institutionalisierte Rollenverteilung in Markt, Staat und Familie untersucht.
- Kritische Auseinandersetzung mit Wohlfahrtsstaatstypologien (Esping-Andersen, Lewis/Ostner)
- Historische und kulturelle Prinzipien des deutschen Wohlfahrtsstaates
- Feministische Gleichstellungsansätze und die Rolle des Gender-Mainstreamings
- Modell der komplexen Geschlechtergleichheit nach Nancy Fraser
- Zukunftsszenarien für Geschlechterverhältnisse im Kontext des Familienberichts
Auszug aus dem Buch
Exkurs: Prinzipien der Geschlechtergleichheit nach Fraser
Nancy Frasers Modell der komplexen Geschlechtergleichheit beinhaltet sieben normative geschlechterpolitische Prinzipien, deren Erfüllung die Gleichheit der Geschlechter in modernen postindustriellen Gesellschaften gewährleisten würde. Ausgangspunkt ihrer Idee ist die Ermöglichung einer Kombination von Erwerbstätigkeit und Betreuungsarbeit für Männer und Frauen.
Um ein solches wohlfahrtsstaatliches Arrangement zu erreichen, sei das wichtigste Ziel des Wohlfahrtsstaates die Bekämpfung von Armut. Gleich darauf folgt die Bekämpfung der Ausbeutung, wobei Fraser sich „sowohl auf familiäre als auch auf arbeitsmarktbezogene und staatliche Ausbeutung“ bezieht (Auth 2002, S. 48). Zur Beseitigung dieser Ausbeutung fordert sie einen Rechtsanspruch auf alternative Einkommensquellen.
Die folgenden drei Prinzipien betreffen sozialpolitische Umverteilung. Zunächst müssten etwa gleiche Einkommen die Diskrepanz zwischen männlichen und weiblichen Verdiensten verringern und die Frauen von ihrer doppelten Arbeitsbelastung durch Erwerbs- und Betreuungsarbeit befreit werden, um „die weibliche Zeit-Armut zu verringern und Freizeit gleichmäßiger zu verteilen“ (ebd.). Schließlich müsste ein Zustand gleicher Achtung hergestellt werden, in dem Arbeit und Persönlichkeit der Frauen anerkannt und respektiert sowie soziale Regelungen die Verunglimpfung und Verdinglichung von Frauen verhindern würden (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die feministische Analyse wohlfahrtsstaatlicher Politik ein und umreißt die Struktur der Untersuchung, von theoretischen Grundlagen bis hin zu Zukunftsszenarien.
2. Zur Theorie des Wohlfahrtsstaates: In diesem Kapitel werden klassische Wohlfahrtsregime sowie feministische Kritikpunkte und erweiterte Typologien wie das Ernährermodell diskutiert.
3. Prinzipien des deutschen Wohlfahrtsstaats: Die Analyse konzentriert sich hier auf die historische Verankerung der Lohnarbeits- und Ehezentrierung im deutschen Sozialstaat und deren Auswirkungen auf die Geschlechterhierarchie.
4. Gleichstellungspolitische Ansätze und feministische Positionen in der Wohlfahrtsstaatsdebatte: Hier werden verschiedene Varianten der Gleichstellungspolitik, inklusive des Gender-Mainstreamings und des Exkurses zu Nancy Fraser, kritisch beleuchtet.
5. Zukunft der Geschlechterverhältnisse: Dieses Kapitel präsentiert sechs Szenarien zur Entwicklung der Geschlechterrollen unter Berücksichtigung von Familienbericht-Kommentaren und empirischen Tendenzen.
6. Zusammenfassung und Fazit: Das Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bewertet die Bedeutung der Genderforschung für zukünftige sozialpolitische Diskussionen.
Schlüsselwörter
Wohlfahrtsstaat, Feministische Perspektive, Geschlechterverhältnis, Ernährermodell, Sozialpolitik, Gender-Mainstreaming, Nancy Fraser, Geschlechtergleichheit, Arbeitsmarkt, Familienarbeit, Wohlfahrtsregime, Bundesrepublik Deutschland, Gleichstellungspolitik, Sozialversicherung, Sorgearbeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht wohlfahrtsstaatliche Politik unter einem feministischen Blickwinkel und analysiert, wie politische Strukturen die Geschlechterrollen beeinflussen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf Wohlfahrtsstaatstypologien, dem deutschen Sozialsystem, gleichstellungspolitischen Modellen und der Zukunft der Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die strukturelle Benachteiligung von Frauen innerhalb wohlfahrtsstaatlicher Institutionen aufzuzeigen und Ansätze für egalitäre Geschlechterverhältnisse zu diskutieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-kritische Analyse sowie eine vergleichende Literaturdiskussion bestehender Wohlfahrtsstaatsmodelle.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil befasst sich mit der Kritik an Esping-Andersen, den Besonderheiten des deutschen "Ernährermodells" sowie den normativen Prinzipien nach Nancy Fraser.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Geschlechterarrangements, Sozialpolitik, Entkommodifizierung, Ernährernorm und die institutionelle Aufrechterhaltung der Geschlechterungleichheit.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des deutschen Staates?
Der deutsche Staat wird als historisch geprägt durch Lohnarbeits- und Ehezentrierung beschrieben, was zu einer strukturellen Benachteiligung von Frauen führt.
Welche Szenarien für die Zukunft werden im Familienbericht aufgezeigt?
Es werden verschiedene Entwicklungspfade skizziert, die von einer weiteren Polarisierung bis hin zu unterschiedlichen Formen der Geschlechteregalität oder -komplementarität reichen.
Was bedeutet das "starke Ernährermodell" für Frauen?
Es impliziert eine diskontinuierliche Erwerbsbiografie und eine Abhängigkeit der Frau vom Sozialstatus des Partners, was staatliche Betreuungsangebote oft entbehrlich erscheinen lässt.
- Quote paper
- Nadja Belobrow (Author), 2010, Wohlfahrtsstaatspolitik aus feministischer Perspektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152818