„Die Republik Schwarzenberg“ aus der Sicht von Zeitzeugen und verschiedenen Interessengruppen und die kritische Auseinandersetzung mit diesen Sichtweisen


Seminararbeit, 2006

19 Seiten, Note: 2,4


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die vier Versionen der Schwarzenberg- Legende
2.1 Die SED- Version
2.2. Die Heym – Version
2.3 Die Freie Republik – Version
2.4 Die PDS- Version

3. Meinungen von Zeitzeugen- deren Erinnerungen
3.1 Zeitzeuge Urban
3.2 Zeitzeugin Gründel
3.3 Zeitzeuge Kadow
3.4 Zeitzeuge Kern
3.5 Zeitzeugin Meyer

4. heutige Faszination der Thematik unter Einbeziehung der damaligen Ereignisse

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

„Schwarzenberg, Hauptstadt der „Freien Republik Schwarzenberg“ feiert sein Bestehen“ könnte die Überschrift in der Presse lauten, hätte das unbesetzte Gebiet um Schwarzenberg seine Unabhängigkeit behalten. Vielleicht gäbe es heute ein Steuerparadies im Erzgebirge, doch dem ist leider nicht so. Der Bezirk wurde am 11. Mai 1945 besatzungsfrei und blieb es bis zum 25. Juni 1945, während der Rest von Deutschland von Truppen der Siegermächte besetzt wurde. Danach wurde er Bestandteil der sowjetischen Besatzungszone. Diese Zeit soll im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen.

Im Folgenden wird die Untersuchung des Themas aus der Perspektive verschiedener Interessengruppen dargestellt und kritisch bewertet. Schwerpunkt der Auseinandersetzung soll der Zusammenhang des Themas mit den jeweiligen Personen oder Personengruppen sein, sowie mit welcher Motivation das Geschehen für sich in Anspruch genommen wird und warum diese Sichtweisen zustande kommen. Die Argumentation stützt sich auf die tatsächlichen Ereignisse, um so die Instrumentalisierung der geschichtlichen Ereignisse für die Interessen der einzelnen Gruppen aufzudecken. Im Weiteren kommen die Erlebnisse von Zeitzeugen zur Sprache und es soll gelingen die Ereignisse auch aus der Sicht der einfachen Bevölkerung darzustellen, um zu verdeutlichen wie hoffnungslos die Situation der eingeschlossenen Bevölkerung war. Auch die Aktualität und das Besondere der Geschehnisse sollen zur Sprache kommen.

2. Die 4 Versionen der Schwarzenberg- Legende

Das Thema des unbesetzten Gebietes fasziniert und beeinflusst verschiedenste Interessengruppen. Die einzelnen Absichten und damit verbundenen Ziele sind so verschieden wie ihre Verfasser. Vielfach ist das Interesse vorhanden, Geschichte im eigenen Sinne umzudeuten oder so auszulegen wie es den selbstbestimmten Vorstellungen entspricht.

2.1 Die SED- Version

Die Geschichtsschreibung der DDR betrachtete das Geschehen im Erzgebirge nicht mit ausgeprägtem Interesse. Das Thema findet Erwähnung nur in vereinzelten Publikationen und in historischen Sachbüchern.[1] Ein weiterer Grund kann der Uranbergbau im Gebiet gewesen sein, der nicht in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt werden sollte.[2] Es war Ziel einiger kommunistischer Kräfte anhand der Entwicklung in Schwarzenberg zu beweisen, dass die kommunistische Revolution nicht ein von den Russen übernommenes und kopiertes Geschehen war, sondern vielmehr ein eigenständiges und demokratisches Handeln der Arbeiter und Bauern bei der Übernahme der Macht und in der anschließenden Verwaltungstätigkeit. Allerdings wurden die geschaffenen Strukturen wie die Aktionsausschüsse, Gremien und Vereinigungen aufgelöst und in die vorgegeben politischen Strukturen, der von Moskau instrumentalisierten Gruppe um Ulbrich, eingegliedert. In der von Werner Groß veröffentlichten Diplomarbeit von 1961 „Die ersten Schritte“ verweist er auf das ausgesprochen gute Verhältnis zwischen der einrückenden russischen Armee und den Schwarzenberger Kommunisten hin.[3] Dies entspricht nicht ganz der Wahrheit. Einige der Bürger die Verantwortung übernommen hatten, waren erleichtert die Macht abzugeben und die zu lösenden Aufgaben mit der neuen Besatzungsmacht teilen zu können.[4] Die meisten Teile der Bevölkerung hofften auf eine Besetzung durch die amerikanische Armee und Pfarrer Beyer aus Beierfeld wandte sich in einem Schreiben mit der Bitte um Besetzung des Gebietes an die Amerikaner[5]. Hier wird deutlich wie sehr die SED bemüht war das Verhältnis zur Sowjetunion in einem positiven Licht darzustellen. Jegliche Darstellung die daran zweifelte war nicht erwünscht.

Vor allem von Seiten der Bevölkerung befürchtete man Übergriffe der russischen Soldaten. Das einfache Volk hatte Angst vor den strikten Methoden Stalins und deren Befürchtungen verstärkten sich mit Hinblick auf die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung des Landes, anbetrachts der russischen wirtschaftlichen Situation. Selbst Mitglieder der Antifa -Ausschüsse zeigten sich über den Einmarsch der Russen nicht sonderlich erfreut. Die neuen Herren wurden von der Mehrheit als Eroberer, von einer Minderheit als Befreier angesehen.

Werner Groß beschreibt unter anderem die Machtübernahme, die Zerschlagung der faschistischen Strukturen und Vertreibung der Nazis aus allen Ämtern, sowie die Neubildung von Polizeieinheiten aus bewussten Arbeitern. In der Realität blieben in 9 der 42 Gemeinden die Ämter der Bürgermeister bestehen, in 33 Gemeinden wurden die Posten durch die Aktionsausschüsse neu besetzt.[6]

Die Aktionsausschüsse bestanden allerdings nicht immer nur aus Kommunisten sondern auch liberale und bürgerliche Kräfte gestalteten den Umbruch mit. Nach Einmarsch der Russen verloren die meisten der Bürger, die nicht der kommunistischen Partei angehörten ihren Einfluss. Wer sich nicht mit den neuen Richtlinien identifizierte wurde aus Entscheidungspositionen entfernt. Ziel von Groß war die KPD als bestimmende Macht in den Vordergrund zu stellen. Die bestimmende Kraft in den Aktionen war vor allem der Wille zum Überleben und Pragmatismus.[7]

Für die SED war die Tatsache den Faschismus nicht aus eigener Macht besiegt zu haben ein Makel. Aus diesem Grund war man bemüht in die Region Schwarzenberg eine eigenständige Revolution zu projizieren. Weiterhin möchte ich anmerken, dass Groß zur Erstellung seiner Materialien tendenziös auf Kommunisten zurückgriff, die an der Machtübernahme beteiligt waren[8]. Dies verfälscht die Befragungsergebnisse. Er schilderte unter anderem die Absetzung des Bürgermeisters Rietzsch unter dem Vorwurf, er habe eine Bürgerwehr gebildet, zur Aufrechterhaltung der faschistischen Ordnung.[9] Dem Geschehen lagen allerdings eher private Gründe zugrunde. Der Bürgermeister und sein Gegner Krause standen früher gemeinsam auf der schwarzen Liste der NSDAP. Krause nutzte den Wandel der politischen Verhältnisse um sich seines Widersachers zu entledigen. Die Absetzung erfolgte letztendlich ohne detaillierte Begründung. Die von Rietzsch eingesetzte Hilfspolizei sollte Plünderungen verhindern und wurde rechtzeitig durch ihn ins Leben gerufen.[10] Man warf ihm vor Mitglieder der Truppe wären ehemalige NSDAP-Mitglieder gewesen. Dieselben Personen wurden von seinem Nachfolger im Amt bestätigt. Am 1.Juni 1945 wurden sieben von neun der städtischen Polizeiober- und Hauptwachmeister übernommen. Sie alle waren ehemalige Mitglieder der NSDAP. Auch für den immer wieder zitierten Aufbau einer bewaffneten Arbeiterwehr liegen keine schriftlichen Beweise vor. Antidemokratischen Charakter tragen die Personalentscheidungen, die Bürgermeister Irmisch, der Nachfolger von Rietzsch im Bezug auf die Stadtverwaltung fällte. Er entschied diese Fragen allein. Durch diese Beispiele wird deutlich, dass die SED verübte Ungerechtigkeiten gern vertuschte und die Mitglieder der Aktionsausschüsse zuweilen zu Helden stilisierte. Zum Zwecke der Machtsicherung wurden die frei gewordenen Stellen mit Personen aus den eigenen Reihen besetzt. Dies macht wiederum deutlich, dass die Kommunisten zur Machterhaltung größten Eifer an den Tag legten.[11] Legitimiert mit neuer Macht kam es auch zu einer Reihe politisch motivierter Übergriffe durch den Bezirksausschuss und durch die Polizei unter Paul Korb. Man beschränkte sich nicht nur auf die Aufspürung von Lebensmittelvorräten und Gebrauchsgütern aus NS- Besitz, sondern beschlagnahmte auch Privateigentum von Flüchtlingen. Nachweise über die eingezogenen Güter wurden selten geführt. Die Prämisse gegen Nazis vorzugehen rechtfertigte die Wahl der Mittel. Auch über Verhaftungen, deren Umstände, Gründe und Dauer wurden keine Unterlagen geführt. Diese Umstände und Tatsachen lassen das Wirken einiger Mitglieder der Aktionsausschüsse in einem ungünstigen Licht erscheinen. Über diese Vorgänge wird von der SED treuen Quellen nichts berichtet. In der Geschichtsschreibung der DDR wurden gern zu eigenen Gunsten die vorhandenen Fakten geändert. Umstände und Handlungen die Kommunisten in irgendeiner Weise diskreditieren könnten, wurden nicht erwähnt oder mit geringer Aufmerksamkeit bedacht.[12] Bis heute wird behauptet man habe nur berüchtigte Nazis inhaftiert, allerdings wurde erst später bekannt, dass sich unter den Verhafteten sehr viele Unschuldige, vor allem Jugendliche die unter dem Verdacht der Werwolftätigkeit standen befanden. Anstatt dem Unrecht und der Willkür ein Ende zu setzen, wurde weiter Ungerechtigkeit ausgeführt. Vor allem in Schwarzenberg ist die Aktenlage äußerst dürftig. Viele der bei Werner Groß beschriebenen Dinge sind nicht nachweisbar oder belegbar. Meiner Meinung nach ist die unkorrekte Aktenlage nicht nur den äußeren Umständen der Nachkriegszeit geschuldet.[13]

Das strikte Vorgehen gegenüber den Nazis war letztendlich auch eine Flucht nach vorn. Die Gefahr bestand als Hochverräter hingerichtet zu werden. Aus diesem Grund ging man mit aller Härte gegen die alten Strukturen vor, um die eigene Position zu sichern. Dies war letzten Endes ein Machtkampf.

[...]


[1] Vgl. Lobeck (2004), S.24

[2] Vgl. Cerny (1997), S.136

[3] Vgl. Lobeck (2004), S.24ff

[4] Vgl. Cerny (1997), S.54

[5] Vgl. Cerny (1997), S.55

[6] Vgl. Lobeck (2004), S.44

[7] Vgl. Lobeck (2004), S.24ff

[8] Vgl. Lobeck (2004), S.24

[9] Vgl. Lobeck (2004), S.26

[10] Vgl. Lobeck (2004), S.52

[11] Vgl. Lobeck (2004), S.46ff

[12] Vgl. Lobeck (2004), S.46ff

[13]. Vgl. Lobeck (2004), S.49ff

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
„Die Republik Schwarzenberg“ aus der Sicht von Zeitzeugen und verschiedenen Interessengruppen und die kritische Auseinandersetzung mit diesen Sichtweisen
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Institut für Europäische Geschichte)
Veranstaltung
sächsisch - böhmische Regionalgeschichte
Note
2,4
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V152842
ISBN (eBook)
9783640646777
ISBN (Buch)
9783640646258
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Republik, Schwarzenberg“, Sicht, Zeitzeugen, Interessengruppen, Auseinandersetzung, Sichtweisen
Arbeit zitieren
Markus Winter (Autor), 2006, „Die Republik Schwarzenberg“ aus der Sicht von Zeitzeugen und verschiedenen Interessengruppen und die kritische Auseinandersetzung mit diesen Sichtweisen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152842

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