Frauen auf Pilgerreisen im Mittelalter


Seminararbeit, 2010
17 Seiten, Note: 2,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Das Frauenbild des Mittelalters
1. Das untergeordnete Geschlecht

III. Die Pilgerreise
1. Motive zum Antritt einer Pilgerreise
2. Voraussetzungen um eine Pilgerreise antreten zu können
3. Pilgertracht
4. Reisegruppe/Verlauf und Gefahren der Pilgerreise

IV. Exkurs: Mittelalterliche Mystik in Fallbeispielen
1. Birgitta von Schweden_
2. Margery Kempe

V. Fazit/Schluss

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Eine beinahe unendlich große Bandbreite an Literatur existiert zum Thema Pilgerreisen und Pilgerreisegruppen. Unzählige mehr über die Kreuzzüge. Auch viele Quellen sind zu diesem Thema zu finden. Leider stehen in der Literatur und den Quellen häufig die Männer im Vordergrund, über Frauen erfährt man recht wenig, sie werden zu meist nur beiläufig erwähnt. Und in Quellen finden sie oftmals nur Erwähnung als die Frau an der Seite eines besonderen Mannes[1]. Sabine Geldsetzer zeigt in ihrem Buch „Frauen auf Kreuzzügen“ auf, das für dieses Phänomen aber auf die an Konventionen gebundene Objektivität historiographischer Schreiber des Mittelalters daran Schuld sein könnten, das Frauen in Quellen so selten auftauchen.[2]

Aufbauend auf der Aussage von Frau Geldsetzer, währe der Hauptgrund einfach benannt. Die Frau, dass schwache Geschlecht, hatte im Mittelalter nicht viele Rechte und war dementsprechend eingeschränkt in ihrer Handlungsfreiheit. Und ohne Rechte, mussten sich Frauen im Hintergrund aufhalten, weshalb also über sie berichten.

Genau diesen schwarzen Fleck in der Geschichte des Mittelalters soll die vorliegende Arbeit zu beleuchten helfen.

Ich möchte mich in meiner Arbeit „Frauen auf Pilgerreisen im Mittelalter“, damit beschäftigen, zu belegen, dass es Frauen trotz ihrer geringen Rechte im Mittelalter gab und infolge dessen, aufzeigen, wie eine solche Pilgerreise stattgefunden haben kann. Um sich diesem Thema zu nähern, werde ich dem Hauptthema die Darstellung des mittelalterlichen Frauenbildes voranstellen, da es die Grundlage, für die weitere Arbeit darstellt. Das aufgezeigte Frauenbild soll helfen, die Situation der Frauen im Mittelalter nachzuvollziehen und zu verstehen.

Nach der Darstellung des Frauenbildes im Mittelalter, werde ich auf die Motive eingehen, die eine Frau veranlassten, eine solche, dem Körper nicht gerade zuträgliche, Reise anzutreten. Ebenfalls mussten vor Reiseantritt Pflichten erfüllt und Vorkehrungen getroffen werden, diese sollen unter Punkt II. 2. aufgezeigt werden. Für die Reise, war die Pilgertracht sehr wichtig, sie soll im nächsten Punkt erklärt werden. Ebenfalls werde ich darauf eingehen, mit wem eine Frau oder mehrere Frauen reisten, welche Gefahren es für sie auf Pilgerreise gab und werde den Gesichtspunkt der Askese genauer beleuchten. Zum Abschluss des Kapitels sollen noch einige wichtige Pilgerziele genannt werden und welche Attraktionen sie so besonders machten.

In einem Exkurs über Mittelalterliche Mystik, soll zuerst der Begriff Mystik in Bezug auf das Mittelalter erklärt werden und dann auf die Fallbeispiele der Birgitta von Schweden und der Margery Kempe übertragen werden.

II. Das Frauenbild des Mittelalters

Um in das Thema „Frauen auf Pilgerreisen im Mittelalter“ einzuführen, soll an dieser Stelle das Frauenbild des Mittelalters skizziert werden. Die Darstellung des Frauenbildes im Mittelalter soll dem Thema einen Rahmen und nötiges Hintergrundwissen liefern.

1. Das untergeordnete Geschlecht

Das Frauenbild des Mittelalters wurde im besonderen Maße von der Bibelübersetzung Hieronymus’ beeinflusst, darauf verweisen auch Peter Dinzelbacher[3] und Andrea Rottloff[4]. Diese Übersetzung unterstützte die Auffassung des Mittelalters, der gottgegebenen Herrschaft des Mannes über die Frau. Diese gottgegebene Herrschaft speist sich aus der Interpretation zweier prägnanter Bibelstellen des Alten Testamentes:

„21Da ließ Gott der HERR einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er schlief ein. Und er nahm seiner Rippen eine und schloß die Stätte zu mit Fleisch.

22 Und Gott der HERR baute ein Weib aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm.

23 Da sprach der Mensch: Das ist doch Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männin heißen, darum dass sie vom Manne genommen ist.“[5]

1. Mose 2,21-23

Die zitierte Bibelstelle beschreibt die Schöpfung des Weibes Eva, welche Gott aus der Rippe Adams schuf. Adam bezeichnet Eva gegen Ende des Zitates nicht als Weib, sonder als „Männin“[6], also als vom Mann abstammende Frau. Mit dieser Aussage, deutet Adam an, dass Eva ohne ihn nicht existieren würde. Er ordnet sie als ihm unterwürfig ein.

Die folgende Bibelstelle ist nach Hieronymus der Beleg für die Schwäche der Frau.[7] Sie handelt von der Verführung Evas durch die Schlange und der Strafe Gottes für dieses Vergehen:

„4 Da Sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet mitnichten des Todes sterben;

5 sonder Gott weiß, dass, welches Tages ihr davon esset, so werden eure Augen aufgetan, und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.

„6 Und das Weib schaute an, dass von dem Baum gut zu essen wäre […], weil er klug machte; und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann auch davon, und er aß.“[8]

1. Mose 3,4-6

Eva erhält für das Essen des Apfels und die Verführung ihres Mannes die Strafe, dass sie bei der Geburt zukünftiger Kinder starke Schmerzen aushalten müsse.[9] Aber damit nicht genug, er straft sie auch mit der Herrschaft ihres Mannes:

„16 […]; und dein Verlangen soll nach deinem Manne sein, und er soll dein Herr sein.“[10]

1. Mose 3,16

Da das Mittelalter als hochgradig gläubiges Zeitalter gilt, scheinen sich Bibel und Lebensalltag in vielen Dingen, vor allem in Bezug auf die Stellung der Frau in der Gesellschaft, recht nah zu kommen. Auch Dinzelbacher sieht die schwache Stellung der Frau vor allem als Konsequenz der Bibellehre:

„Sicherlich waren die unendlichen Abqualifizierungen des ‚schwachen’ Geschlechts primär Konsequenzen der entsprechenden alttestamentalichen […] Vorgaben, […].“[11]

Dennoch muss eine Unterscheidung zwischen Körper und Seele gemacht werden, wie sie auch im Mittelalter schon stattfand. Zwar wurde das menschliche Wesen Frau als dem Mann gegenüber untergeordnetes Geschlecht verstanden, ihre Seelen hatten aber eine einheitliche Stellung. Die Seele der Frau war der des Mannes vor Gott gleichgestellt.[12] Diesen Trend der Unterscheidung zwischen Körper und Seele geht Peter Dinzelbacher in seinem Buch „Körper und Frömmigkeit in der Mittelalterlichen Mentalitätsgeschichte“ nach. Nach Dinzelbacher hatte der starke Antagonismus zwischen Köper und Seele eine antike Vorstellung zur Grundlage, welche den Körper als das Gefängnis der Seele ansah.[13] Der Körper stellt dabei eine zu überwindende Hürde da, um die Seele nach dem Tod in den Himmel zu Gott aufsteigen, und nicht in die Hölle oder das Fegefeuer hinabsteigen zu lassen.[14]

Um diesen Antagonismus zwischen Körper und Seele zu fördern, nutzte man schon im Mittelalter die Askese. Man quälte den Körper, welcher von Sünden belastet war, so glaubte man, um die Seele zu reinigen.

„Nur der verwundete und geschwächte Körper war ein guter Körper, denn er machte den Menschen christförmig (Imitatio), bereitete die Befreiung der Seele aus ihrem Gefängnis vor, erlaubte, schon im Leben für eigene und fremde Sünde Genugtuung zu leisten.“[15]

[...]


[1] Vgl. Geldsetzer, Sabine: Frauen auf Kreuzzügen. 1096-1291, Darmstadt 2003. S. 9 ff

[2] Vgl. ebd. S. 10

[3] Vgl. Dinzelbacher, Peter: Europa im Hochmittelalter 1050-1250. Eine Kultur- und

Mentalitätsgeschichte, Darmstadt 2003. S. 135

[4] Vgl. Rottloff, Andrea: Stärker als Männer und tapferer als Ritter. Pilgerinnen in der Spätantike und

Mittelalter, Mainz 2007. S. 89

[5] DIE BIBEL oder die ganze HEILIGE SCHRIFT des Alten und Neuen Testaments. Nach der deutschen

Übersetzung Martin Luthers, Wollerau 32003.

[6] Ebd. DIE BIBEL

[7] Vgl. Rottloff, Andrea: Stärker als Männer und tapferer als Ritter. Pilgerinnen in der Spätantike und

Mittelalter, Mainz 2007. S. 89

[8] Ebd. DIE BIBEL

[9] Ebd. DIE BIBEL

[10] Ebd. DIE BIBEL

[11] Dinzelbacher, Peter: Europa im Hochmittelalter 1050-1250. Eine Kultur- und Mentalitätsgeschichte,

Darmstadt 2003. S. 135

[12] Vgl. Rottloff, Andrea: Stärker als Männer und tapferer als Ritter. Pilgerinnen in der Spätantike und

Mittelalter, Mainz 2007. S. 87

[13] Vgl. Dinzelbacher, Peter: Körper und Frömmigkeit in der Mittelalterlichen Mentalitätsgeschichte,

Paderborn 2007. S. 11

[14] Vgl. Dinzelbacher, Peter: Körper und Frömmigkeit in der Mittelalterlichen Mentalitätsgeschichte,

Paderborn 2007. S. 14 ff

[15] Dinzelbacher, Peter: Körper und Frömmigkeit in der Mittelalterlichen Mentalitätsgeschichte,

Paderborn 2007. S. 11

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Frauen auf Pilgerreisen im Mittelalter
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften)
Note
2,5
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V152916
ISBN (eBook)
9783640648351
ISBN (Buch)
9783640647910
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauen, Pilgerreisen, Mittelalter
Arbeit zitieren
Janine Jung (Autor), 2010, Frauen auf Pilgerreisen im Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152916

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