Staudämme in Laos

Fluch oder Segen?


Hausarbeit, 2008
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Abriss der sozialen und wirtschaftlichen Geschichte und die rezente Situation.

2 Akteure und beteiligte Parteien
2.1 Regierung Lao PDR
2.2 Bevölkerung
2.3 Investoren
2.4 ADB. Weltbank & NGOs

3 Konkrete Beispiele von Staudammproiekten
3.1 Staudamm Nam Leuk Staudamm
3.2 Theun-HinbounStaudamm

4 Schlussteil

5 Anhang (Karten. Schaubilder und Statistiken)

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Demokratische Volksrepublik Laos oder Lao People's Democratic Republic, kurz Lao PDR, wird in der Liste der förderfähigen Länder und Gebiete (DAC), der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), geführt und gilt offiziell als „Least Developed Country“ (LDC, deutsch: am wenigsten entwickelte Länder) (UNO, http://www.un.org/special-rep/ohrlls/ldc/list.htm.01.03.2008) .

Um die wirtschaftliche Entwicklung des Landes voranzutreiben ist für die Regierung der Aufbau einer exportorientierten Industrialisierung oberste Priorität. Vor allem wurde beschlossen den Energieexport exzessiv voranzutreiben und zufördern (KRAAS 1997: 364).

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage nach den positiven und negativen Auswirkungen, sowie dem Nutzen der zahlreichen Staudammprojekte, welche die praktische Ausführung der eingeschlagenen, oben genannten Wirtschaftspolitik sind. Schwerpunkte setzt diese Arbeit im Bereich der beteiligten Akteure und den konkreten Staudammprojekten.

Um Ihnen als Leser dieser Hausarbeit ein gewisses Verständnis für diese Politik des Landes Laos zu vermitteln werde ich zunächst einen Abriss der wirtschaftlichen, sozialen Geschichte und daraufhin folgend eine Bestandsaufnahme der wirtschaftlichen Situation skizzieren.

Im Anschluss werde ich die beteiligten Akteure und Parteien und deren Interessen und Motivation thematisieren. Vor allem kommt es mir dabei darauf an deren Rolle im gesamt Zusammenhang zu durchleuchten.

Daraufhin möchte ich an zwei konkreten Beispielen die Auswirkungen und den Nutzen von Staudämmen in Laos präsentieren. Bewusst habe ich mich hierbei für zwei bereits abgeschlossene Projekte entschieden.

Zur Auswahl und Verwendung meiner Quellen möchte ich erwähnen, dass es leider kaum Literatur zu diesem aktuellen Thema gibt und ich mich hauptsächlich auf seriöse Quellen von NGOs und Regierungsorganisationen aus dem Internet berufe. Des Weiteren sind die verwendeten Quellen der NGOs meist sehr einseitig, kritisch geschrieben.

Karten, Statistiken oder Schaubilder, auf welche ich im Verlauf meiner Arbeit verweisen werde, sind im Anhang unter Punkt 5 zu finden.

1.1 Abriss der sozialen und wirtschaftlichen Geschichte und die rezente Situation

Die Demokratische Volksrepublik Laos, wie bereits oben erwähnt, gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und gilt somit als „Least Developed Country“.

Laos hat ca. 5,8 Mio. Einwohner (2004) und ist ein Zentralstaat mit 16 Provinzen und der Präfektur Vientiane, welche zugleich die Hauptstadt ist. Regierungspartei ist die kommunistische Laotische Revolutionäre Volkspartei (LRVP), welche keine Opposition neben sich zulässt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 2,9 Mrd USD (2005) und das BIP pro Kopf beträgt nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) ca. 491 USD (2005) (Auswärtiges Amt, http://www.auswaertiges- amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/01-Laender/Laos.html. 01.03.2008).

Noch immer sind ca. 80% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig und die Meisten davon in Subsistenzwirtschaft. Diese wird heutzutage allerdings immer stärker von der industriellen Landwirtschaft verdrängt.

Bis zum Jahr 1988 war die Wirtschaft stark abhängig von Finanzhilfen der Sowjetunion und als diese zusammenbrach resultierte dies in enorme Versorgungsengpässe (KRAAS 1997: 364, 365).

Im Jahr 1989 führte Laos die „New Economic Mechanisims“ ein und begann einen strukturellen Transformationsprozess, mit dem man die marktwirtschaftliche Öffnung des Landes anstrebte. Man erhoffte sich dadurch ausländische Investoren anzulocken. Bereits 1989 erreichte Laos ein Wirtschaftswachstum von 13,8 %, 1990/91 waren es zwischen 4 und 6,6 % (KRAAS 1997: 365). Heute liegt die BIP-Wachstumsrate bei 7 % (2005). Seit beginn der Reformen wird das Land von den internationalen Geberländern mit ca. 300-400 Mio. USD pro Jahr unterstützt (Auswärtiges Amt, http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Laos/Wirtschaft.html.

01.03.2008) .

Maßgeblich beteiligt am Wachstum sind zum Einen die intensive Land- und Forstwirtschaft und zum Anderen die Stromgewinnung aus Wasserkraftwerken. Die gewonnene Elektrizität wird zum Großteil exportiert, da unter Anderem kein flächendeckendes Stromnetz vorhanden ist und nur etwa 20% der Bevölkerung Zugang zum Elektrizitätsnetz haben. Der Energieverbrauch pro Kopf gehört somit zu den niedrigsten in Asien. Der Energiebedarf im Inland wird Schätzungen zufolge zu 90% durch Brennholz gedeckt (KRAAS 1997: 366).

Obwohl ca. 80% der öffentlichen Investitionen (1986-1990) in den Straßenbau gingen, befindet sich die Infrastruktur in einem katastrophalen Zustand. Ein Großteil der wenigen Straßen sind während der Regenzeit nicht befahrbar und das trotz der Tatsache, dass 90% des Güterverkehrs und 95% des Personenverkehrs auf Straßen verkehrt. Daher kann man sagen, dass der wirtschaftliche Erfolg eng an den Ausbau der Infrastruktur gekoppelt ist (KRAAS 1997: 365).

2 Akteure und beteiligte Parteien

Im diesem Abschnitt möchte ich die verschiedenen Akteure vorstellen, welche im Zusammenhang mit der hydroelektrischen Stromerzeugung in Laos von Bedeutung sind. Ferner möchte ich darstellen, welche Interessen diese Parteien haben und auf welche Weise sie versuchen diese durchzusetzen. Des Weiteren möchte ich auch aufzeigen in welcher Beziehung diese Akteure zueinander stehen.

2.1 Regierung Lao PDR

Die Regierung der Demokratischen Volksrepublik Laos ist der Meinung, dass die Zukunft Laos’ in der hydroelektrischen Stromgewinnung und vor allem im Export von Elektrizität liegt.

Ein Beispiel dafür ist die Tatsache, dass man sich bereits Mitte der 90er Jahre das Ziel „the battery of Southeast Asia“ zu werden setzte. Während dieser Zeit erlebte die Branche einen regelrechten Boom. Es wurden Verträge zwischen der laotischen Regierung und privaten thailändischen Bauunternehmern für den Bau von 23 Staudammprojekten unterzeichnet (IMHOF 2005: 33). Im Jahr 1991 exportierte Laos 562 Mio. Kilowattstunden allein nach Thailand, was mit 21 Mio. USD bereits einem Drittel des gesamten Exportwertes entsprach. 1994 stiegen die Stromexporte auf 800 Gigawattstunden, wobei 70% nach Thailand gingen. Nachdem allerdings 1997 in Thailand die Asienkrise begann war die Abnahme nicht mehr gewährleistet und zahlreiche Investoren zogen sich zurück (KRAAS 1997: 366).

Dieses Beispiel macht deutlich wie stark man sich in die Abhängigkeit anderer Staaten begibt, wenn man sich ausschließlich auf die Förderung von Energieexport konzentriert. Mit dieser Politik macht sich Laos weitgehend von ausländischen Investitionen,

Krediten, und Abnehmern abhängig. Die Tatsache, dass bereits über 50% der Bruttoinlandsinvestitionen, Auslandsinvestitionen sind, bestätigt dies zudem (KRAAS 1997: 367).

Doch nun nachdem die Krise überwunden ist und der Energiebedarf wieder steigt, ist Laos’ Regierung dabei diesen Fehler zu wiederholen. So kündigte die „Electricity Generating Authority of Thailand“ (EGAT) 2006 an, einen Vertrag über sechs Wasserkraftwerke (Nam Ngum 2, Nam Ngum 3, Nam Ngiep 1, Nam Theun 1, Xe Pian- Xe Namnoy und die Erweiterung von Theun-Hinboun) zu unterzeichen. Des Weiteren wurden Verträge mit Vietnam über ein Wasserkraftwerk (Xe Kaman) und mit China über zwei Wasserkraftwerke (Nam Ngum 5, Nam Ou 8) unterzeichnet (IMHOF 2005: 33, 34). Zur Veranschaulichung möchte ich auf die Karte im Anhang verweisen.

Man beachte die Tatsache, dass alle Staudammprojekte in Laos mehrheitlich in staatlichem Besitz sind und ein Großteil der Gewinne ausschließlich in die Staatskasse fließen. Dies ist grundsätzlich kein negativer Aspekt, wenn man jedoch berücksichtigt, dass es in Laos weder unabhängige Kontrollmechanismen oder Behörden, noch eine unabhängige, eigenständige Judikative mit Kontrollfunktion gibt, dann lässt sich erahnen, dass diese Projekte ohne Rücksicht auf Verluste von der Regierung vorangetrieben werden und dies aus reinem Eigeninteresse.

Einer der wenigen Vorteile, welchen die Bevölkerung aus den Energieexporten erhält ist die Subventionierung der Inlandsstrompreise durch Exportgewinne. Wenn man nun aber beachtet, wie oben bereits erwähnt, dass nur ca. 20% der Bevölkerung Zugang zum Stromnetz haben, so wirkt dieser Aspekt nahezu lächerlich.

Im Juni 2005 verabschiedete die Regierung eine neue Gesetzesrichtlinie über Nachhaltigkeit in Bezug auf den hydroelektrischen Sektor in Laos (National Policy on Environmental and Social Sustainability of the Hydropower Sector in Lao PDR). Dieses Gesetz wurde verabschiedet, weil es eine Vorraussetzung für die Unterstützung des Nam Theun 2 Projektes durch die Weltbank war. Mit diesem Gesetz verpflichtet sich die Regierung unter Anderem, vor jedem neuen Staudammprojekt eine unabhängige Analyse in Bezug auf Auswirkungen für die Umwelt und Verhinderung irreparabler Schäden durchzuführen. Ferner wird eine vollständige Entschädigung für alle Bürger gewährleistet, die durch das Projekt benachteiligt werden. Des Weitern sollen alle relevanten Informationen und Dokumente die jenes Projekt betreffen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Letztlich soll dieses Gesetz auch nachträglich für alle Staudammprojekte rückwirkend bis 1990 gelten. Auch wenn dieses Gesetz einen enormen Fortschritt darstellt ist es und bleibt es wohl in Zukunft auch eher theoretisch, da es wie oben bereits erwähnt keinerlei unabhängigen Kontrollorgane in Laos gibt (IMHOFF 2007: 35).

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass die Regierung offensichtlich ihre Pflicht missachtet, die Bevölkerung einzubinden. Konkret bedeutet dies Konsultationen mit der Gesellschaft über die geplanten Projekte und angemessene Entschädigung.

2.2 Bevölkerung

In einem Land, indem 80% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig sind, die Meisten davon auch noch in Substistenzwirtschaft, und somit von Süßwasser abhängig sind, ist die Frage nach der Rolle der Bevölkerung offensichtlich.

„Laos is a land traversed by a thousand rivers teeming with life: people fishing, gardening and washing their clothes; children swimming, laughing and playing; and water buffalo wading through the mud.” (IMHOF 2007: A River of the Heart)

Sie sind die Verlierer, die Leidtragenden in einem Land ohne Rechte für den Einzelnen. Zehntausende haben nicht genug Lebensmittel oder sauberes Wasser zutrinken und wenn doch, dann „water quality is said to be poor and quantity insufficient“ (International Rivers Network, http://internationalrivers.org/files/DamsTnLaos.pdf-

01.03.2008) . Meistens wird keine Entschädigung geleistet und wenn doch, dann ist sie ungenügend und sporadisch. Es gibt zahlreiche Fälle in denen den Menschen zwar neues Land zugeteilt wurde, allerdings war dieses Land wesentlich kleiner und unfruchtbar. Dies bestätigen Berichte der ADB, welche feststellen, dass „the land planted to rice does not provide rice sufficiency and the rice rations promised by the government have not been received in the ammount promised“ (International Rivers Network , http://internationalrivers.org/files/DamsTnLaos.pdf. 01.03.2008). Ganze Familien die seit Generationen in der Fischerei tätig waren beklagen sich über einen Rückgang der Fischpopulationen von bis zu 90%. Besonders alarmierend ist dies wenn man beachtet, dass die Meisten Subsistenzwirtschaft betreiben.

Der Großteil der Bevölkerung profitiert in keiner Weise von den zahlreichen Projekten, andererseits haben sie auch kein Druckmittel um auf sich aufmerksam zumachen. Diese Situation könnte in einer humanitären Katastrophe enden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Staudämme in Laos
Untertitel
Fluch oder Segen?
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Institut für Orient- und Asienwissenschaften)
Veranstaltung
Gesellschaft und Kultur in Südostasien
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
20
Katalognummer
V152944
ISBN (eBook)
9783640949564
ISBN (Buch)
9783640949731
Dateigröße
721 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Laos, Staudamm, Wasserkraft, Südostasien
Arbeit zitieren
Julian Yusof (Autor), 2008, Staudämme in Laos, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152944

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