Dada-Avantgardistische Medienkunstfigur Helge Schneider – Lebensform Dada
„Der Dadaismus, so wie ich es heute nach vielen Jahren sehe, war eine Revolte der von
vielen Seiten bedrängten Persönlichkeit. Es war der Aufstand gegen die drohende
Vermassung, Verdummung, Zerstörung.“
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Öffentliche Auftritte der Kunstfigur Helge Schneider in der Medienlandschaft sind
stets ein ‚Fest des Absurden’. Einen Roten Faden in der Summe seiner Aussagen
festzustellen scheint nahezu unmöglich und doch wirkt er nicht dümmlich oder gar
ungebildet. Vielmehr zeigt er dem Publikum einen Spiegel auf, dessen Reflektion
wiedergibt in wiefern es sich selbst zum Narren macht, wenn es sich selbst, seiner
Lebensform, geprägt von Prestige und sozialem Status, in ihrem gesellschaftlichen
Umgebung und dem damit verbunden Wirtschaftssystem, derart ernst nimmt und in
keiner Relation zu tatsächlichen Missständen des gesellschaftlichen Wandels stehen. So
formulierte Richard Huelsenbeck, einer der ersten bekannten Dadaisten zu Beginn des
20. Jahrhunderts, in seiner Autobiografie aus dem Jahre 1957, dass er sich persönlich
gezwungen fühlte, aus seinem existentialistisch geprägten Selbstverständnis heraus,
gegen eine drohende Vermassung, Verdummung, der technisierten aufkommenden
Informations- und Gesellschaft, zu rebellieren. So war und ist jene dadaistische
Avantgarde der Vergangenheit, aber auch die einer Figur des Helge Schneider, ein
Aufschrei, Rebellion sowie Versinnbildlichung eines unzufriedenstellendes
Zeitgeschehens von äußeren wirtschafts- und sozialpolitischen Veränderungen und
Lebensbedingung. Mit dem Resultat einer sich alles verweigernden nihilistischen
Einstellung, fernab eines sich immer mehr ausbildenden Mainstreams.
Literatur und Videomaterial u.a.:
Huelsenbeck, Richard: Mit Witz, Licht und Grütze. Auf den Spuren des Dadaismus.
Wiederauflage im Nautilus Verlag. Hamburg. 1992. Erstauflage im Limes Verlag.
Wiesbaden. 1957.
DCTP. Ten to Eleven. Helge Schneider als Abrissunternehmer Jean-Luc Borovsky au
dem filmischen Gesamtwerk Alexander Kluges. Erstausstrahlung: 02.10.2007. VOX.
In: Youtube, URL: http://www.youtube.com/watch?v=Cjf21Y19aUQ
Inhaltsverzeichnis
1. Dada-Avantgardistische Medienkunstfigur Helge Schneider – Lebensform Dada
2. Dada in der Post-Moderne
3. Eigenart als Befreiung zur selbstbestimmten Lebensform – Avantgarde als zwangsläufiges Resultat
4. Resümierenden Einordnung der zeitgenössischen (avantgardistischen) Kunstfigur Helge Schneiders
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die Kunstfigur Helge Schneider in eine dadaistisch geprägte Avantgarde-Tradition eingeordnet werden kann und wie er diese Geisteshaltung in der zeitgenössischen Medienlandschaft performativ umsetzt.
- Analyse der dadaistischen Geisteshaltung und deren Übertragbarkeit auf Helge Schneider.
- Untersuchung der Rolle von Kunst als Lebenspraxis in der Postmoderne.
- Reflexion über das Verhältnis von Humor, Absurdität und gesellschaftlicher Kritik.
- Betrachtung von Systemkritik und der "nihilistischen" Haltung in der Medienkultur.
- Die Rolle des Künstlers als "Einzelkämpfer" im Spannungsfeld zwischen Hoch- und Populärkultur.
Auszug aus dem Buch
Dada-Avantgardistische Medienkunstfigur Helge Schneider – Lebensform Dada
Öffentliche Auftritte der Kunstfigur Helge Schneider in der Medienlandschaft sind stets ein ‚Fest des Absurden’. Einen Roten Faden in der Summe seiner Aussagen festzustellen scheint nahezu unmöglich und doch wirkt er nicht dümmlich oder gar ungebildet. Vielmehr zeigt er dem Publikum einen Spiegel auf, dessen Reflektion wiedergibt in wiefern es sich selbst zum Narren macht, wenn es sich selbst, seiner Lebensform, geprägt von Prestige und sozialem Status, in ihrem gesellschaftlichen Umgebung und dem damit verbunden Wirtschaftssystem, derart ernst nimmt und in keiner Relation zu tatsächlichen Missständen des gesellschaftlichen Wandels stehen.
So formulierte Richard Huelsenbeck, einer der ersten bekannten Dadaisten zu Beginn des 20. Jahrhunderts, in seiner Autobiografie aus dem Jahre 1957, dass er sich persönlich gezwungen fühlte, aus seinem existentialistisch geprägten Selbstverständnis heraus, gegen eine drohende Vermassung, Verdummung, der technisierten aufkommenden Informations- und Gesellschaft, zu rebellieren. So war und ist jene dadaistische Avantgarde der Vergangenheit, aber auch die einer Figur des Helge Schneider, ein Aufschrei, Rebellion sowie Versinnbildlichung eines unzufriedenstellendes Zeitgeschehens von äußeren wirtschafts- und sozialpolitischen Veränderungen und Lebensbedingung.
Mit dem Resultat einer sich alles verweigernden nihilistischen Einstellung, fernab eines sich immer mehr ausbildenden Mainstreams. Lebensbejahung findet schon zu Zeiten des Jahrhundertwechsels des 19. und 20. Jahrhunderts zu großen Teilen nur noch ‚spektakulär’ in passiver Teilhabe an Events statt. Eine nihilistische Nicht-Teilnahme wird regelmäßig durch Ausgrenzung sanktioniert und zwar so lange bis jene nihilistische Außenseitergruppe „entdeckt“, als Vorreiterideengebern gefeiert, vom System absorbiert, und von den selben Menschen/Gruppen/Vereinigungen, die sie zuvor noch ausgrenzten, in den Mittelpunkt geschoben werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Dada-Avantgardistische Medienkunstfigur Helge Schneider – Lebensform Dada: Dieses Kapitel führt in die dadaistische Grundhaltung ein und setzt die Kunstfigur Helge Schneider in Bezug zu historischen Dadaisten wie Richard Huelsenbeck.
Dada in der Post-Moderne: Hier wird der avantgardistische Einfluss in künstlerischen und politischen Dimensionen der Gegenwart beleuchtet, wobei der Wandel der Zeit durch Globalisierung und technologische Beschleunigung im Fokus steht.
Eigenart als Befreiung zur selbstbestimmten Lebensform – Avantgarde als zwangsläufiges Resultat: Dieser Abschnitt erörtert die Unmöglichkeit einer präzisen Definition von Dada und beschreibt Schneiders Strategie, sich durch den Zufall und eine hohe Frustrationstoleranz auszuzeichnen.
Resümierenden Einordnung der zeitgenössischen (avantgardistischen) Kunstfigur Helge Schneiders: Das abschließende Kapitel fasst die zweigleisige Rolle Schneiders als Privatperson und Performance-Künstler zusammen und ordnet sein Schaffen in den Kontext von Peter Bürgers Avantgarde-Theorie ein.
Schlüsselwörter
Helge Schneider, Dadaismus, Avantgarde, Medienkunst, Lebenspraxis, Postmoderne, Systemkritik, Absurdität, Performance, Nihilismus, Gesellschaftskritik, Selbstbestimmung, Populärkultur, Subkultur, Richard Huelsenbeck
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die Kunstfigur Helge Schneider als zeitgenössischer Vertreter einer dadaistischen Geisteshaltung verstanden werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen Dadaismus, Avantgarde-Theorie, Medienkulturwissenschaft sowie die Analyse von gesellschaftlichen Machtstrukturen und deren Reflexion in der Kunst.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu zeigen, wie Schneider den "dadaistischen" Protest und die dadaistische Absurdität in seine aktuelle mediale Praxis integriert, um Missstände aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kulturwissenschaftliche Analyse, gestützt auf die Theorie der Avantgarde nach Peter Bürger und historische Bezüge zum Dadaismus, ergänzt durch die Auswertung filmischer Beispiele.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Behandelt werden die historische Einordnung des Dadaismus, die Rolle des Künstlers in der Postmoderne, der Umgang mit dem "Absurden" sowie die Strategie Schneiders, als Einzelkämpfer zwischen Hoch- und Populärkultur zu agieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Dadaismus, Avantgarde, Mediale Präsenz, Lebenspraxis und Systemkritik definiert.
Inwiefern spielt der "Abrissunternehmer Jean-Luc Borovsky" für die Analyse eine Rolle?
Die Rolle dient als konkretes Beispiel für eine fiktive Figur, durch die Schneider in einem Interview mit Alexander Kluge das absurde und destruktive Verhalten im Wirtschaftssystem performativ vorführt.
Warum wird Schneider als "Einzelkämpfer" bezeichnet?
Er wird so bezeichnet, weil er weder der Hoch- noch der Populärkultur eindeutig zugeordnet werden kann, sondern außen vor steht und von dort aus sowohl die Mechanismen der Gesellschaft als auch die der Unterhaltungsindustrie reflektiert.
- Arbeit zitieren
- Tim-André Elstner (Autor:in), 2010, Versuch einer Einordnung der Kunstfigur Helge Schneider in eine ‚dada-avantgardistische’ Geisteshaltung , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152945