Das Verständnis des Naturbegriffs im Wandel der Geschichte

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Wissenschaftlicher Aufsatz, 2009

28 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

Der Naturbegriff

Vorwort

Das magisch mystische Naturverständnis

Antikes Naturverständnis

Der Begriff der Natur

Die Ilias und die Odyssee von Homer

Der Naturbegriff und sein Verständnis in Anlehnung an Kant

Der Naturbegriff in Anlehnung an Nietzsche

Bilanz

Quellenangabe

Der Naturbegriff

Das Verständnis des Naturbegriffs im Wandel der Geschichte. Unter Einbezug großer Philosophen die dem einverleibten triebhaften Naturempfinden einen Namen gaben und bis heute gültige Erkenntnisse hervorbrachten.

Vorwort

Naturerklärungen durch mythische Bilder bildeten den Anfang des menschlichen Naturverständnisses. Völlig beeindruckt von ihrer geheimnisvollen Größe und ihrem rätselhaften Wirken stand der Mensch der Natur gegenüber. Als Urheber der Naturvorgänge wurden von den Menschen Götter und Geister in Betracht gezogen.

Bis Heute finden wir mythische Bilder in religiösen Kulten und in den Bräuchen der Volksfrömmigkeit. In der freien Natur erlebte der Mensch der Frühzeit die Macht des Unheimlichen und sah sich ihr ohnmächtig ausgesetzt.

Tiere, Wälder, reißende Flüsse, das Meer und lebensbedrohliche Naturkatastrophen flößten ihm Furcht und Schrecken ein.

Er fühlte sich abhängig und bedroht. Hinter den erfahrbaren Erscheinungen glaubte er göttliche Mächte am Werk. Mit Opfern, Beschwörungen und anderen rituellen Handlungen suchte er die Dämonen der Natur zu beschwichtigen und auf diese Weise sein Leben sicherer zu machen. Die Natur konnte ihm aber auch ganz anders begegnen und ihm ein freundliches Antlitz zeigen. Überall in den Wäldern, Bergen und Schluchten, Quellen und Gewässern empfing der Mensch den Eindruck eines anmutigen, üppigen Lebens .Der gottgleichen Macht der Natur gegenüber empfand der Mensch aber in jedem Fall, unabhängig davon ob er sie fürchtete oder als freundliche Macht erlebte, seine eigene Unterlegenheit.

Nach Bicht (1993) geht es demnach nicht um die Geschichte eines Begriffs der Natur sondern um die Stellung des Menschen in der Natur und zur Natur. Diese Meinung zu teilen könnte nicht schwer sein wenn man sich vor Augen hält das sich diese Stellung in den Worten wiederspiegelt die wir gebrauchen um den Begriff der Natur zu verstehen.

Haben die Menschen sich, tausende Jahre vor Christus , voller Vertrauen in einer primitiven Art und Weise auf emotionaler und triebhafter Ebene in das Naturbild eingefügt, was sich ihnen offenbarte, so wurden in der Antike durch bedeutsame Philosophen und Wissenschaftler die Vertrauensfrage erstmals öffentlich gestellt und diskutiert. Hier taucht zum ersten Mal der Begriff Physis auf. Der Dichter Homer verfasst ca. 700 v. Chr. literarische Beschreibungen über Naturphänomene in dichterischen Gesängen namens Ilias und Odyssee.

Die Natur und das was darunter zu verstehen ist, werden zum Gegenstand der Philosophie und Wissenschaft.

Die Theorien verquirlen sich bis heute mit mystischen Ansätzen und nicht zuletzt mit dem hohen Einfluss des Christentums. So lange wie es Menschen gibt und geben wird, wird geforscht. In der Zeit der ersten Menschen und der Antike wurde die Natur nach Ihrem Wesen erforscht. Heute versucht man mehr sich dieses Wesen im Alltag zu Nütze zu machen, in dem man natürliche Funktionen nachahmt. Flugzeuge fliegen nach demselben Prinzip wie Vögel, Tauchanzüge die der Haut eines Fisches ähneln sollen Schwimmer noch schneller durchs Wasser geleiten.

Dennoch sind solche Erfindungen, ebenso wie Parkanlagen oder Vorgärten und Blumenkästen keine Natur im Sinne einer aus sich seienden Physis der Natur, sie bieten lediglich Illusionen. Schauen wir uns Ureinwohner jahrtausender alter Stämme und Kulturen an, können wir ein Stück erahnen wie weit wir uns Unserer Natur entfremdet haben.

Vielleicht begann diese Entfremdung mit der Sesshaftigkeit und dem Ackerbau, wo das Nutzen von Pflanzen durch die Beobachtung entstand das Beeren und Getreide nachwächst wenn man es einmal gepflückt oder geerntet hat.

Um das herauszufinden muss man allerdings eine gewisse Zeit an einem Ort verbringen. Das Ende der Eiszeit brachte eine Reihe klimatischer Veränderungen mit sich. Die Art der Nahrungsbeschaffung änderte sich da viele Urzeittiere, wie etwa das Mammut ausstarben.

Die Menschen wurden sesshaft und setzten sich gezwungener Maßen intensiver mit ihrer Umwelt auseinander.

Sie beobachteten das was sie Umgab erstmals genauer über einen längeren Zeitraum, bis sie das Prinzip des immer wieder neu Werdens verstanden haben.

Platon prägte einst den Begriff der Erkenntnis. Die Erkenntnis beinhaltet Verstehen und Durchschauen. Das Wissen um eine Sache.

Die ersten Erkenntnisse der Menschheit sind das Durchschauen und verstehen der Natur, die sie in einer für uns fast unvorstellbaren Fülle umgab.

Die Naturwissenschaft ist eine der ersten großen Wissenschaften die bis heute genügend Forschungsmaterial liefert.

Aufgrund ihrer Erkenntnis und das Verständnis um die Sache begannen die Menschen sich aus ihr heraus zu arbeiten, in dem sie Selbstvertrauen sich selbst gegenüber bildeten und das blinde Vertrauen in die Natur verloren.

Sie vertrauten auf das was sie sich durch gezieltes Eingreifen von der Natur nahmen und nicht mehr auf das was sie ihnen von sich aus gab.

Diese prozesshafte Form der Entfremdung ist mehr als nur eine Gegenüberstellung des Menschen zur Natur.

Der Mensch stellt sich ihr im Laufe seiner Geschichte quasi direkt über.

So deutlich wie es die Bibel in ihrer Schöpfungsgeschichte ausdrückt … und mache Dir die Erde Untertan.

Heute suchen wir Zufluchtsorte in der heilen Welt der Natur, wo alles immer wieder neu wird.

Wir erfreuen uns an den ersten Sonnenstrahlen im Frühling genauso wie an dem ersten Schnee im Winter.

Wir geben uns diesen Naturgewalten hin und fühlen eine gewisse Vertrautheit und Geborgenheit, wenn wir uns in ihr aufhalten. Nicht zuletzt aber vertrauen wir dem Wetterbericht, der Sturm und Lawinenwarnung, den Gezeiten Ebbe und Flut und dem Bergführer der sich auskennt. Im Folgenden gehe ich auf die ersten großen Philosophen ein die die Naturwissenschaft bis in die moderne Welt hinein geprägt haben.

Zum Verständnis des Naturbegriffs, Naturbildern und deren Erkenntnissen gab es im weltgeschichtlichen Verlauf viele Deutungen.

Doch betrachtet man all diese wissenschaftlichen, literarischen, mythischen und epischen Naturbilder in ihrem Kern, verfügen alle über die einzig und alleinige Physis, nämlich dem Grundsatz das die Natur als das Gewachsene und von Selbst aus sich heraus gewordene Seiende ist mit dem Ziel der Vollendung um dann wieder zu vergehen um den Kreislauf von neuem zu beginnen.

Das magisch mystische Naturverständnis

Die meisten Forscher sind gegenwärtig der Überzeugung, dass unsere Spezies vor ungefähr 200.000 bis 250.000 Jahren ihren Ursprung in Afrika hatte.

Der moderne Homo sapiens hat als einziger die 7 Millionen Jahre währenden und vielgestaltigen Evolutionen der Hominiden überlebt.

Zur Zeit des mystischen Bildes und Verständnisses der Natur, zweihundert tausend Jahre vor Christus, ging es weniger um das Verstehen als mehr um das ü berstehen in der Natur.

Das blinde annehmen der Umwelt ohne sie zu hinterfragen, da es für damalige Zeiten nicht begreifbar gewesen wäre wie wir es Heute oder auch schon in der Antike begriffen haben, macht es zum Mythos, also zum geheimnisvollen.

Wobei man es Heute wissenschaftlich betrachtet nicht als mystisch oder geheimnisvoll deuten würde sondern eher lediglich als unerforscht.

Nach Gloy (1996) wurde Natur eher auf kognitiver ebene empfunden und erlebt als verstanden. Das aufnehmen der Umwelt gestaltet sich weder durch kognitive Auffassung dessen was geschieht sondern eher durch einen völlig einverleibten Lebensvollzug.

Hier wird eher von einem Naturgespür gesprochen, welches auf triebhafte, emotionale Gefühle und Affekte sowie auf Wünsche und Begierde der Menschen basiert. Die Gesamtheit des Naturbegriffs zu dieser Zeit ist weder das bloße Denken noch das bloße Anschauen sondern vielmehr das ganzheitlich, seelisch einverleibte Empfinden gegenüber seiner Umwelt.

Die Menschen lebten nach ihren Instinkten, Ängsten und Trieben. Sie verständigten sich mit Lauten, Zeichen oder Bilder.

Bilder in denen sie verarbeiteten was sie um sich herum beobachtet haben. Was sie als schön empfunden haben oder was ihnen Angst gemacht hat.

Sie lebten von dem was die Natur ihnen bot. Waren die natürlichen Ressourcen verbraucht, zogen sie weiter. Sie vertrauten darauf nach ein bis zwei Tagesmärschen wieder auf fruchtbares Land zu stoßen, ohne es zu hinterfragen. Sie hinterfragen nicht, da sie die Erfahrung machten immer wieder Neues fruchtbares Land anzutreffen. Geschah dies nicht, versuchten sie ihre Umwelt durch magische Riten milde zu stimmen.

Diese Formen der heidnischen Naturmagie lassen keine Wünsche offen.

Waren es zur Zeit der ersten Menschen mehr der Mond, die Sonne und der Regen die von Stammes Schamanen besänftigt wurden, kamen später Rituale hinzu die Glück herbeirufen , Kindersegen versprechen, Unheil abwehren, von Sünden Reinigen oder Dank sagen sollten. Was heute Aberglaube für uns ist war für die Menschen Alltag und Glaube.

Eine Einstellung zu sich und der Umwelt wie sie heute nicht mehr nachvollziehbar ist.

Diese „Veranschaulichung der Natur“ findet sich auch in der griechischen Antike wieder, wo Erkenntnisse verschiedener Fragestellungen erstmals anschaulich gemacht wurden, als die Menschen sich von ihrer Passivität lösten und begannen das was sie umgab zu hinterfragen. Hinterfragt haben sie sicherlich vorher schon.

Aber nun machten sie sich auf Antworten zu finden. Grundsteinlegung war sicherlich die Sesshaftigkeit aufgrund einer klimatischen Veränderung. Die damals gefundenen Antworten sind Basis unserer heutigen Naturwissenschaft. Die philosophische Frage nach dem Wesen des Seienden der aus sich selbst entstehenden Natur ist das magisch mystische Element was sich bis heute durch die Naturwissenschaft zieht.

Antikes Naturverständnis

Die Vermischung des magischen - mystischen mit dem naturwissenschaftlichen Naturbild und seinem bis heute innewohnenden gleichen Wesenszugs unter Einbezug der griechischen Philosophen und Denker Sokrates, Aristoteles und Platon.

Der Begriff der Antike wird abgeleitet vom lateinischen antiquus was alt oder auch altertümlich meint.

Sie beschreibt die Ära des Altertums im Mittelmeerraum von 1200 v. bis ca. 600 n. Chr. .

Mit dem altertümlichen Zeitalter im frühen 8. Jahrhundert v. Chr. nahm das was wir heute als die Antike bezeichnen ihren eigentlichen Anfang.

Nach den Griechen wurden die Römer zu den zweiten Trägern und Vermittlern der antiken Kultur. Je weiter sie als Eroberer in die Länder der Levante vordrangen, desto stärker ließen sie sich von deren Kultur beeinflussen.

Literatur, Philosophie, Kunst, Architektur und Alltagskultur der Griechen wurden von den Römern dann auch im westlichen Mittelmeerraum verbreitet und weit darüber hinaus bis zum Rhein und zu den britischen Inseln.

Man könnte meinen dass die griechischen Denker ihr Leben lang schlaflose Nächte hatten weil sie stets auf der Suche nach einer Antwort irgendeiner Frage waren.

Der Wortschatz über den wir heute verfügen ist gleichzusetzen mit der Fülle der Wörter die den Griechen zur Verfügung standen, was einzigartig für diese Zeit gewesen ist.

In dieser Zeit, etwa im vierten Jahrhundert vor Christus findet, durch Platon und Aristoteles, eine wahre Revolution des neuen Denkens statt. Das Denken erhält keine Botschaft mehr von Musen oder Göttern, es wird gewissermaßen auf sich selbst zurückgeworfen.

Von sich aus und auf sich gestellt muss der Philosoph von nun ab seinen Fragen Antwort geben.

Weltbetrachtung und Welterklärung werden ab dieser Zeit für Philosophen zu einem wesentlichen Lebenssinn.

Die Zeit davor wird deswegen auch Vorsokratie genannt.

Die Vorsokratie beinhaltet den Themenwechsel von der Abkehr der Natur als das Seiende zur Hinwendung der Probleme des menschlichen Zusammenlebens. Diese Probleme waren durch Politik, Ethik und Rhetorik gekennzeichnet.

Zudem wird der Mythos dem logisch sachlichen Denken gegenübergestellt.

Die daran beteiligten Philosophen und Denker werden demnach die Vorsokratiker genannt.

Bekannte Vorsokratiker waren zum Beispiel Thales von Milet (624-524 v. Chr.) für den das Wasser das Element ist , aus dem alles entkeimt. Sein Schüler Anaximander (611-546 v. Chr.) beschreibt das „Urprinzip der Gegensätze“ aus dem alles entsteht.

Anaximenes (585-523 v. Chr.), glaubt in der Luft den Ursprung aller Dinge gefunden zu haben.

Für Pythagoras (570-500 v. Chr.) ist die Zahl die Ursache der Ordnung und somit das herrschende Prinzip im Kosmos.

Sokrates lebte 469 bis 399 v.Chr. in Athen.

Im Alter von 72 Jahren, wurde er aufgrund von angeblich verderblichen Einflusses auf die Jugend und Missachtung der griechischen Götter zum Tode verurteilt.

Mit Sokrates beginnt eine Ära wo reflektives denken in den Vordergrund gesetzt wird. Er fragt öffentlich, was denn das genau sei von dem wir die ganze Zeit unreflektiert reden, nämlich die Natur als solche.

Da Sokrates selbst nichts Schriftliches hinterlassen hat, ist sein Bild in der Philosophiegeschichte wesentlich von seinem Schüler Platon bestätigt, der die Methode und die Gehalte der sokratischen Lehre nach seinem Verständnis in Dialogform aufgezeichnet und damit überliefert hat. Dazu entwickelte er jedoch seine eigenen Lehren, sodass heute sokratische und platonische Anteile dieses philosophischen Gebäudes, wie es in den platonischen Dialogen vorliegt, schwer zu trennen sind.

Platon, Schüler des Sokrates lebte von 427 347 v. Chr. in Athen.

Durch seine Allgemeingültigkeit seiner Denkfähigkeiten und den Einfallsreichtum als Denker und Schriftsteller wurde er zu einer der bekanntesten und einflussreichsten Persönlichkeiten der Philosophiegeschichte.

Platon hat einen, für die heutige Wissenschaft kaum mehr weg zu denkenden Begriff geprägt, nämlich die Erkenntnis. Die Grundsatzfrage zu diesem Begriff ist die Frage nach dem Was. Was meinen wir genau wenn wir dieses oder jenes erzählen?

Also auch was meinen wir wenn wir von Eigenarten von Tieren und Pflanzen und dem Menschen sprechen?

Die Erkenntnis definiert sich, nach Platon einzig daraus, woher und woraus sie stammt. Also das Wissen welches wir durch die Erkenntnis erlangt haben. Heute würden wir es in etwa den „AHA-Effekt“ nennen.

Schäfer und Ströker (1993) bestreiten das die Naturphilosophie Platons eine Fortführung des Naturthemas, im Sinne der Vorsokratiker ist.

Sie sagen das die Naturauffassung Platons aus dem Perspektivwechsel hervorgeht um das Thema Naturverständnis in einen praktisch-politischen Kontext einzuführen. Die Physis als das Seiende des Seienden steht nicht, wie bei den Vorsokratikern in einem mehr oder weniger abstrakten Vordergrund, sondern sie steht in einer Beziehung zur Politeia, die Lehre vom idealen Staat.

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Das Verständnis des Naturbegriffs im Wandel der Geschichte
Untertitel
Natur-Objekt oder Partner ?
Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf
Veranstaltung
Gesellschaftliche Strukturen und Entwicklungen
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
28
Katalognummer
V152971
ISBN (eBook)
9783640650019
ISBN (Buch)
9783640649747
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Während meines ganzen Studiums hat mich keine Arbeit geistig so bereichert wie diese...
Schlagworte
Der Naturbegriff im Verlauf der Geschichte, unter Einbezug von Bicht, Kant, Aristoteles, die Illias und die Odyssee, und andere bedeutende Philosophen
Arbeit zitieren
Sabine Watzlawek (Autor), 2009, Das Verständnis des Naturbegriffs im Wandel der Geschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152971

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