Diese Arbeit beschäftigt sich mit den künstlerischen Arbeiten von Schizophrenen und versucht diese zu deuten, sowie auf Ähnlichkeiten hin zu untersuchen.
Zu Beginn soll das Störungsbild sowie Erklärungsansätze dargestellt werden, um alle Aspekte und Symptome der Schizophrenie einbeziehen zu können.
Im weiteren Verlauf wird auf die Kunst von Schizophrenen und den literarischen Hintergrund eingegangen. Es soll gezeigt werden, dass dieses Thema immer mehr an Bedeutung gewonnen hat, dass viele Bilder von Schizophrenen Gemeinsamkeiten und ähnliche stilistische Elemente besitzen und das sie viel über
das innere Erleben und Empfinden von Betroffenen aussagen können.
An zwei Beispielen von Schizophrenen soll nicht nur der Krankheitsverlauf, sondern auch die künstlerische Entwicklung und die Bedeutung ihrer Bilder dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Schizophrenie
2.1 Symptome
2.1.1 Formale Denkstörungen
2.1.2 Wahrnehmungsstörungen (Wahn)
2.1.3 Ich-Störungen
2.2 Erklärungsansätze
3. Schizophrenie und Kunst
3.1 Leo Navratil
3.2 Stilelemente
4. (Künstlerische) Biografien
4.1. Alexander
4.2. Heinrich
5. Ausstellung
6. Schizophrenie und Dichtkunst
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht künstlerische Arbeiten von an Schizophrenie erkrankten Menschen, um deren Bedeutung für das innere Erleben der Betroffenen zu deuten und stilistische Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse des Krankheitsbildes, der Interpretation bildnerischer und dichterischer Ausdrucksformen sowie der Rolle solcher Werke in der öffentlichen Wahrnehmung.
- Klinische Grundlagen und Symptomatik der Schizophrenie
- Stilistische Merkmale künstlerischer Werke von Schizophrenen
- Fallstudien zur künstlerischen Entwicklung von Betroffenen
- Rezeption psychotischer Kunst in Ausstellungen
- Zusammenhang zwischen Schizophrenie und dichterischer Produktion
Auszug aus dem Buch
3.2 Stilelemente
Ein sehr häufiges Merkmal ist die Vermischung von Profil- und Frontalansicht. Das bedeutet, dass der Betroffene bei der Zeichnung eines menschlichen Gesichtes die Vorder- und Seitensicht verbindet. So ist nicht selten zu beobachten, dass die abgebildeten Personen mehrere Augen, Nasen oder Ohren haben.
Man nimmt an, dass dieses gemischte Profil „auf einer Diskrepanz zwischen Wollen und Können, formalen und emotionalen, introversiven und extratensiven Tendenzen, Distanzierungsstreben und abnormen Kontaktbedürfnis (...)“ beruht. (Navratil 1965, 68) Das bedeutet auch, dass die Grenzen zwischen dem eigenen Ich und der Außenwelt nicht mehr deutlich sind. „Das gemischte Profil ist eines der eindrucksvollsten Symbole schizophrener Gespaltenheit.“ (Navratil 1965, 68)
Weiter weisen viele Schizophrene eine Neigung zum geometrischen Zeichnen auf. Hierbei werden auch „unebene“ plastische Dinge in geometrischen und oft rechteckigen Symbolen dargestellt werden. Diese Gestaltung kann als eine Entseelung der Welt gedeutet werden, vor allem wenn in dem Betroffenen eine irrationale und beängstigende Welt vorherrscht. Ein Schizophrener formulierte seinen Drang zum geometrischen Zeichnen wie folgt: „Ich stelle mir alle realen anschaulichen Formen gerne in geometrischer Stilisierung, als Dreieck, als Viereck und Kreis, vor. Alles in ein Schema bringen, der realen Wirklichkeit entkleiden!“ (Navratil 1965, 70)
Dieses geometrische Gestalten ist Ergebnis einer elementaren Ordnungstendenz.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die künstlerischen Werke Schizophrener zu untersuchen und deren Bedeutung für das Verständnis der psychischen Störung darzulegen.
2. Schizophrenie: Dieses Kapitel erläutert das Störungsbild, klassifiziert Symptome wie Denkstörungen, Wahn und Ich-Störungen und diskutiert verschiedene Erklärungsansätze.
3. Schizophrenie und Kunst: Der Fokus liegt hier auf dem historischen Kontext der "Irrenkunst" sowie auf den Erkenntnissen von Hans Prinzhorn und Leo Navratil hinsichtlich stilistischer Elemente.
4. (Künstlerische) Biografien: Anhand der Fallbeispiele Alexander und Heinrich wird die individuelle künstlerische Entwicklung im Kontext ihrer jeweiligen Krankheitsgeschichte analysiert.
5. Ausstellung: Dieses Kapitel thematisiert die Hamburger Ausstellung „Wahnsinn sammeln“ und erörtert die öffentliche Wahrnehmung von Outsider Art.
6. Schizophrenie und Dichtkunst: Es wird untersucht, wie sich die Schizophrenie in sprachlichen Ausdrucksformen, Reimen und Metaphern manifestiert und welche Parallelen zur Dichtkunst bestehen.
7. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass das künstlerische Schaffen Patienten hilft, ihr Erleben zu illustrieren und der Öffentlichkeit ein besseres Verständnis für die Krankheit ermöglicht.
Schlüsselwörter
Schizophrenie, Bildnerei der Geisteskranken, Leo Navratil, Hans Prinzhorn, Outsider Art, Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Denkstörungen, künstlerische Biografien, symbolische Gestaltung, Dichtkunst, Wahnsinn sammeln, psychotische Störungen, gestalterische Deformation, psychotherapeutische Kunst
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der psychiatrischen Erkrankung Schizophrenie und den künstlerischen Ausdrucksformen (Bildnerei und Dichtkunst) der Betroffenen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den zentralen Themen gehören die klinische Symptomatik der Schizophrenie, die Analyse spezifischer stilistischer Merkmale in Zeichnungen, Fallstudien sowie die kunsthistorische und gesellschaftliche Rezeption dieser Werke.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, durch die Deutung künstlerischer Werke aufzuzeigen, wie Betroffene ihr inneres Erleben verarbeiten und welche Ähnlichkeiten oder Gemeinsamkeiten in ihrer gestalterischen Ausdrucksweise bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich primär auf eine Literaturanalyse sowie die Auswertung psychiatrischer Studien von Experten wie Hans Prinzhorn und Leo Navratil.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine medizinische Einführung, die Beschreibung typischer Stilelemente in der Kunst von Schizophrenen, die biographische Analyse zweier Patienten sowie eine Untersuchung über die Dichtkunst und die Ausstellungspraxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Schizophrenie, Bildnerei, Outsider Art, Wahnvorstellungen, Symbolik sowie das Werk von Leo Navratil.
Was bedeutet das "gemischte Profil" in Zeichnungen Schizophrener?
Es bezeichnet die gleichzeitige Darstellung von Profil- und Frontalansicht in einem Gesicht, was als Symbol für die innere Gespaltenheit und die Diskrepanz zwischen Wollen und Können interpretiert wird.
Warum neigen viele Patienten zum geometrischen Zeichnen?
Dies wird als Ergebnis einer "elementaren Ordnungstendenz" gedeutet, die dem Betroffenen helfen soll, die als beängstigend oder chaotisch wahrgenommene Realität in ein festes Schema zu bringen.
Welche Bedeutung hat das Auge in den betrachteten Kunstwerken?
Das Auge wird oft entweder besonders präzise gezeichnet oder vernachlässigt, was häufig mit dem jeweiligen emotionalen Zustand (z.B. depressive Phase vs. manische Stimmung) des Patienten korreliert.
- Arbeit zitieren
- Christiane Senftleben (Autor:in), 2007, Kreativ? Schizophrenie und Kunst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153001