Armut, Arbeitslosigkeit und atypische Beschäftigungsverhältnisse mit besonderer Gewichtung auf working poor

Arbeit Kurs Sozialpolitk


Seminararbeit, 2006
13 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Vorwort

2.) Alte Armut - neue Armut

3.) Vom Fordismus zum Neoliberalsimus

4.) Soziale Tatsache: Arme ärmer, Reiche reicher
4.1) Kurzer Ein- und Überblick

5.) Methoden der Armutserfassung
5.1.) Das Ausmaß der Armut

6.) Derzeitige Systeme der sozialen Sicherung

7.) Deregulierung, Abbau sozialer Rechte seit den frühen 80ern und die Auswirkungen

8.) Schlusswort/ Nachbemerkung

9.) Literaturnachweis

1.) Vorwort

Dieses Kurzpaper beschäftigt sich mit Ursachen und Auswirkungen der neuen Armut, welche sich Jahr zu Jahr verschärft. Mein Ziel im Rahmen dieser Arbeit ist es nicht, nur deskriptiv Statistiken anzuführen, um das Ausmaß der Armut zu verdeutlichen, sondern mein Augenmerk liegt, wahrscheinlich durch meine Eigenschaft als Soziologiestudentin, auf der Erklärung der hintergründigen Ursachen für Armut. In meiner Arbeit wird ausschließlich Armut in Deutschland und Österreich thematisiert; ich habe mich darauf begrenzt, weil eine Arbeit, welche internationale Daten und Unterschiede berücksichtigen würde, das vorgegebene Ausmaß sprengen würde. Ich will jedoch anmerken, dass, trotz dem großen und stets wachsenden Ausmaß der Armut in den einst durch starke Sozialstaaten gekennzeichneten westlichen Industrieländen, die dort anzutreffende Armut nicht vergleichbar ist mit jener viel entsetzlicheren, dramatischeren und totaleren Armut, wie sie in Russland, Asien und Afrika existiert. Auch wenn in Mitteleuropa der lange verschwundene Hunger wieder einsetzt und immer mehr Menschen sich in Suppenküchen ernähren müssen, ist die Situation in anderen Ländern doch noch viel schlimmer. Die Armut verschärft sich aufgrund des Siegeszugs des Neoliberalismus national und international, durch diese weltweite Barbarisierung leben heute so viele Menschen in auswegslosem Elend wir noch nie zuvor. Die Dunkelziffer der Armut ist hoch, viele schämen sich einfach, dass sie dem von den Medien vermittelten Betäubungsideal vom konsumierenden Menschen nicht entsprechen können; sind nicht über ihre sozialen Rechte informiert, oder haben schlichtweg Angst vor demütigenden Behördengängen. (Adamy/Steffen 1998, S. 83)

2.) Alte Armut - neue Armut

Früher, im Fordismus waren Armut und Arbeitslosigkeit kalkulierbar und vorhersehbar. Durch eine gute Ausbildung abgesichert, wurde man wahrscheinlich nie davon betroffen. Im Rahmen des postfordistischen Umstrukturierungsprozesses entsteht nach Beck eine Risikogesellschaft, in welcher alle sozialen Sicherheiten zugunsten freier Lebensgestaltungsmöglichkeiten verschwunden sind. Das bedeutet, dass alle, auch qualifizierte sozialen Gruppen ihrer einst statusbedingten Existenzsicherheit beraubt werden (Beispiel: zunehmende AkademikerInnen-arbeitslosigkeit). (Beck 2004, S. 52) Armut trifft heutzutage längst nicht mehr nur Randgruppen, welche im kapitalistischen System weder als Produzenten noch als Konsumenten wesentlich verwertet werden können, sondern reicht zunehmend bis in die Mittelschicht hinein, welche zunehmend verarmt.

Besonders armutsgefährdet sind heute MigrantInnen, Arbeitslose, Kinderreiche und alte Menschen. (Hradil 2001,S. 252f.)

3.) Vom Fordismus zum Neoliberalsimus

Die Produktionsweise, welche in der Zeitspanne von der Nachkriegszeit bis Mitte der 70er Jahre vorherrschte, wird Fordismus genannt. Fordismus beruht auf Massenkonsum und setzt somit starke soziale Sicherungssysteme voraus. Mit dem Fordismus gingen also der Aufbau stabiler Sozialsaaten und ebenfalls die keynsianische Wirtschaftstheorie, welche durch staatliche Investitionen in zyklisch bedingten Konjunkturkrisen Vollbeschäftigung und Preisstabilität sichert, einher (Diettrich 1999, S. 120) Mitte der 70er Jahre setzte die postfordistische Umstrukturierung hin zu Neoliberalismus ein: Demontage des Feindes Sozialstaat, Erosion des Normalarbeitsverhältnisses, Deregulierung auf allen Ebenen; Privatisierung von Grundrechten und Dienstleistungen, Ökonomisierung bisher geschützter Bereiche, sukzessiver Abbau sozialer Grundrechte. Der ideologische Überbau des sozialdarwinistischen Neoliberalismus ist das fehlende Mitleid mit den Armen und die Überzeugungen, dass Geiz geil ist und sozialstaatliche Leistungen die individuelle Freiheit und Leistungsbereitschaft des Einzelnen untergraben. Soziale Gerechtigkeit ist im Neoliberalismus zum gesellschaftlich akzeptierten Schimpfwort geworden. Jeder soll für sich selbst kämpfen und die Schwachen sollen eben auf der Strecke bleiben. Im Zeitalter der Dominanz des Neoliberalismus ist die Gesellschaft also entsolidarisiert und alles Handeln unterliegt der Maxime der Gewinnmaximierung. Im Neoliberalismus werden die Reichen immer reicher und die immer größer werdende Schar der Armen immer ärmer.

Die immer größere Zahl derjenigen, die im Kampf vom Konkurrenz und Ellbogentechnik unterliegen, werden für ihre die Gesellschaft etwas kostende Arbeitslosigkeit verantwortlich gemacht und stehen von vornherein gesellschaftlich unter Generalverdacht, Sozialschmarotzer zu sein und das soziale Sicherungssystem auf Kosten der Tüchtigen zu missbrauchen. (Adamy/Steffen 1998, S. 25)

4.) Soziale Tatsache: Arme ärmer, Reiche reicher

4.1) Kurzer Ein- und Überblick

Durch die neoliberale Deregulierung des Arbeitsmarktes setzte in den 70ern erneut Massenarbeitslosigkeit ein, was die Zahl der Sozialhilfeempfänger in Deutschland explodieren ließ: Bei gleichzeitigem Abbau sozialer Leistungen stieg die Anzahl der Sozialhilfeempfänger von Tiefstand 510 Tausend im Jahr 1969 auf 2,51 Millionen im Jahr 1997. (Geißler 2002, S. 247f.) Soziale Ungleichheit verschärft sich im Neoliberalismus, der Wohlstand ist in der Risikogesellschaft prekär. Es verfügen “5% der privaten Haushalte über mehr als ein Drittel des gesamten privaten Vermögens“, während auf die “untere Hälfte der Gesellschaft nut knapp 10% aller privaten Vermögenswerte“ entfallen. (Adamy/Steffen 1998, S. 4) Während das Steuersystem die Reichen noch reicher macht, indem im Rahmen der neoliberalen Umstrukturierung hohe Einkommen und Unternehmen mit großer Wertschöpfung immer weniger und schließlich gar nicht mehr besteuert wurden und Sozialtransfers beinahe verschwunden sind, wurde ein Niedriglohnsektor etabliert, dessen Ausmaß erschreckend und zutiefst empörend ist: 300 Tausend VollzeitarbeiterInnen in Deutschland sind “working poor“, das heißt, sie sind trotz Arbeit arm und verdienen unter Arbeitslosengeld-2-Niveau. Sie müssen vom Staat alimentiert werden, da ihr Einkommen zum Leben nicht ausreicht: 21% der Löhne in Deutschland sind Niedriglöhne (unter 5 Euro/Stunde), der niedrigste bekannte Stundenlohn liegt in Deutschland bei 3,50 Euro die Stunde. (labournet 22.11) Das heißt, 40 Stunden Arbeit werden monatlich mit 560 Euro entlohnt, mit diesem Lohn ist aber kein menschenwürdiges Leben führbar! Dieser Lohn würde sogar unter der 40%-Schranke des Medianeinkommens einer Bevölkerung liegen, welche als strenge Armut bezeichnet wird, obwohl die von allen EU-Mitgliedsländern ratifizierte Sozialcharta vorgibt, dass kein Land einen Lohn zahlen soll, welcher unter 68% des nationalen Medianeinkommens liegt. (Adamy/Steffen 1998, S. 111)

Jedoch nur 20% jener, welche trotz Vollerwerbstätigkeit Anspruch auf Soziahilfe hätten, fordern diese aus Scham oder Angst vor Repressalien und Schikanen von Seiten des Amtes, wie verpflichtender Rückgriff auf Erspartes oder Offenlegungspflicht, auch ab. Das zeugt von der hohen Dunkelziffer der versteckten Armut. (Adamy/Steffen 1998, S. 1)

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Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Armut, Arbeitslosigkeit und atypische Beschäftigungsverhältnisse mit besonderer Gewichtung auf working poor
Untertitel
Arbeit Kurs Sozialpolitk
Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz
Note
1
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V153035
ISBN (eBook)
9783640648856
ISBN (Buch)
9783640648894
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Sozialpolitik, Armut, working poor, Arbeitslosigkeit, Neoliberalismus;, Prekär, Prekariat, atypische Beschäftigungsverhältnisse
Arbeit zitieren
Katharina Bergmaier (Autor), 2006, Armut, Arbeitslosigkeit und atypische Beschäftigungsverhältnisse mit besonderer Gewichtung auf working poor, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153035

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