Grundlagen und Herausforderungen von Entrepreneurship


Seminararbeit, 2002
18 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Grundlagen
1.1 Einleitung und Motivation
1.2 Historische Entwicklung des „Entrepreneur“-Begriffs
1.2.1 Ursprung des Begriffs „Entrepreneur“
1.2.2 Der Unternehmer als Träger von Unsicherheit
1.2.3 Der Unternehmer als Koordinator im Markt
1.2.4 Der Unternehmer als Innovator
1.2.5 Der Unternehmer als Entdecker
1.2.6 Synthese und Bewertung
1.3 Beweggrände für einen Unternehmer

2 Herausforderungen von Entrepreneurship
2.1 Wirtschaftliche Herausforderungen
2.2 Gesellschaftliche Herausforderungen

Literaturverzeichnis

1 Grundlagen

1.1 Einleitung und Motivation

Entrepreneurship, Gründungswelle, New Economy, Venture Capital. Begriffe, die der wirtschaftlich interessierte Leser während der Börsenhausse des Neuen Markts in den vergangenen Jahren in geradezu inflationärem Ausmaß zu hären bekam. Deutschland, so bekam man den Eindruck, erlebt den größten Griínderboom seit dem Deutschen Wirtschaftswunder unter Ludwig Erhard. Jede halbwegs größere Stadt veranstaltete Griindermessen, an den Hochschulen des Landes wurden Zentren fur Existenzgriín- der eingerichtet, der Nachrichtensender n-tv etablierte die „Wirtschaftswoche-Startup- Show“, bei der zwei Griindungsteams um die beste Geschäftsidee wetteifern und in den Wirtschaftsmagazinen wurde allwäochentlich ein neuer Jungunternehmer als Vertreter der neuen Selbstverständlichkeit der Selbständigkeit euphorisch bejubelt.

Der interessierte Beobachter musste sich zwangsläufig wundern, was sich da in sei­nem Land abspielte. Die Deutschen—ein Volk von Unternehmern und Existenzgriín- dern? Was war plotzlich aus der „Vollkasko-Mentalität“ in unserer Gesellschaft gewor­den, die jede Form von Eigeninitiative und Mut zum Risiko stets kritisch beäugt und das soziale Netz des Staates nicht nur engmaschig, sondern auch am liebsten so be­quem hätte, dass „soziale Hängematte“ der eigentlich treffendere Begriff ware? Ist es wirklich so einfach geworden, ein Unternehmen zu gruänden und kompetent zu fuähren? Braucht es dafur nicht mehr als eine vage Geschäftsidee, Grundkenntnisse in BWL, ein paar IT-Fachleute und willige Geldgeber? Das der Hausse folgende vielzitierte Platzen der Internet-Blase gab darauf in der Zwischenzeit eine eindrucksvolle und deutliche Antwort.

Diese Entwicklung gibt Anlass, einmal zu hinterfragen, was genau denn nun eigent­lich ein „Entrepreneur“ ist. Genügt es, den „Entrepreneur“ mit dem deutschen Wort Unternehmer“ zu uäbersetzen und ihn mit ebensolchem gleichzusetzen? Woher stammt der Begriff urspruänglich und welchen Bedeutungswandel hat er im Laufe der Jahre erfahren? Wie wurde die Rolle des Entrepreneurs von den verschiedensten Wirtschafts­theoretikern gesehen? Was bewegt einen Menschen dazu, ein eigenes Unternehmen zu gränden und welche Voraussetzungen sind dafär unabdingbar? Auf diese Fragen werde ich im ersten Teil meiner Arbeit, den Grundlagen, versuchen eine Antwort zu geben. Im zweiten Teil, den Herausforderungen, werde ich auf die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen eingehen, denen sich ein Entrepreneur gegenuäber- gestellt sieht.

1.2 Historische Entwicklung des ,,Entrepreneur“-Begriffs

1.2.1 Ursprung des Begriffs „Entrepreneur“

Das Wort „Entrepreneur“ stammt ursprünglich aus dem Französischen. Sein Ursprung reicht weit bis ins 14. Jahrhundert zurnck, die Bedeutung war am Anfang nicht ein­deutig. Die historische Entwicklung dieses Wortes wird sehr treffend mit „The most general and probably the earliest meaning of the word entrepre­neur is celui qui entreprend, which means an active person with initiative.

The word originates in the verb entreprendre, which has a meaning similar to ,getting things done‘. Up unto the sixteenth century entrepreneur meant:

(1) grasp, take hold of (saisir), (2) surprise, discover (surprendre)“[1] beschrieben. Im 15. Jahrhundert entwickelte sich die Bedeutung des Begriffs weiter und wurde verwendet, um Leute zu bezeichnen, die Risiken eingingen, insbesondere wöhrend eines Krieges. Im 16. Jahrhundert bezeichnete „Entrepreneur“ a large scale businessman who contracted to supply, having taken upon himself the responsibilities to combine the factors of production at his own expense and risk.“1

Dieser Begriff wurde zum ersten Mal von dem Iren Richard Cantillon (1680-1734) in seinem Werk „Essai sur la nature du commerce en general“ (entstanden 1730-1734)

„Entrepreneurship is defined as self-employment of any sort. Entrepreneurs buy at certain prices in the present and sell at uncertain prices in the future.

The entrepreneur is a bearer of uncertainty.“2

und dem Franzosen Jean-Baptiste Say (1767-1832)

The entrepreneur is the agent who unites all means of production and who finds in the value of the products ... the reestablishment of the entire capital he employs, and the value of the wages, the interest, and rent which he pays, as well as profits belonging to himself.“[2]

im Zusammenhang mit der ökonomischen Theorie verwendet. Cantillon legt also be­sonderes Augenmerk auf die (Einkommens-)Unsicherheit, mit der der Unternehmer umzugehen hat, wöhrend Say hingegen die Hauptfunktion des Unternehmers in der Koordination der anderen Produktionsfaktoren sieht. Diese unterschiedliche Betonung der Unternehmerfunktion wurde in der folgenden Zeit von verschiedenen Wirtschafts­wissenschaftlern aufgegriffen, weiterentwickelt oder um neue Theorien erweitert. Die vier wichtigsten Betrachtungsweisen sollen im Folgenden genauer beschrieben werden.

1.2.2 Der Unternehmer als Träger von Unsicherheit

Wie bereits oben erwöhnt, gehen die Wurzeln dieser Richtung auf Cantillon zuruck. Wöhrend aber Cantillon ganz allgemein vom Unternehmer als „bearer of uncertainty“, also als „Träger von Unsicherheit“ spricht, und damit in erster Linie Preisunsicher­heit meint, geht der Wirtschaftstheoretiker Frank Hyneman Knight (1885-1972) einen Schritt weiter. Knight, der als Vertreter der sog. „Chicagoer Schule“ gilt, zu der übri­gens auch der renommierte US-Okonom und Nobelpreiströger Milton Friedman (geb. 1912) gezaöhlt wird, verfeinert diese Unsicherheit in seinem ersten Buch Risk, Un­certainty and Profit“ (1921) dahin gehend, dass er zwischen Risiko und Unsicherheit differenziert. Unter Unsicherheit versteht Knight, die Wahrscheinlichkeit eines Ereig­nisses nicht zu kennen. Es gibt also keine Möglichkeit, das Eintreten eines unsicheren Ereignisses quantitativ erfassbar zu machen. Risiko hingegen bedeutet för Knight, die Eintrittswahrscheinlichkeit eines bestimmten Ereignisses zu kennen. Dadurch, dass die Wahrscheinlichkeit bekannt und somit quantifizierbar ist, kann sie ver- bzw. abgesichert werden.

Die Umwandlung von Unsicherheit eines Marktteilnehmers in kalkuliertes Risiko ist gerade heute die alleinige Existenzgrundlage der Versicherungsunternehmen, die sich för diese Leistung mit (Risiko-)Prämien entlohnen lassen. Doch auch an den Termin- mörkten, wo sich z.B. viele Höndler mit Terminkontrakten auf bestimmte Rohstoffe wie Weizen, Soja oder Rohöl absichern, wird die Verwandlung von Unsicherheit in Risiko deutlich.

Der Profit, den ein Unternehmer nach Abzug all seiner Kosten erhölt (auch Resi­dualeinkommen genannt) ist för Knight die Kompensation för das Treffen der individu­ellen Produktions- und Handelsentscheidungen verbunden mit dem Tragen der daraus resultierenden Unsicherheit.[3]

1.2.3 Der Unternehmer als Koordinator im Markt

Während im vorhergehenden Abschnitt die zentrale Rolle des Unternehmers die Über­nahme von Unsicherheit war, soll nun besonderes Augenmerk auf die Koordinations­funktion des Unternehmers gelegt werden. Bei der Darstellung dieser Funktion soll vorwiegend auf die Arbeiten des Ökonomen Mark Cassou[4] (geb. 1945) eingegangen werden, da Casson nach Ripsas „das wohl größte Potential besitzt, den Unternehmer in die Lehrbuchökonomie zu integrieren.“[5]

Casson umschreibt in seiner Definition den Unternehmer als einen Marktteilnehmer, „who specializes in taking judgmental decisions about the coordination of scarce resources.“[6]

Mit „specializes“ bezeichnet Casson hierbei die Konzentration auf das Entscheiden. Der Entscheider — der Entrepreneur — kann dabei Selbstöndiger oder Angestellter sein, ist aber ausnahmslos immer eine Einzelperson und niemals ein Team. Als vorwie­gende Handlungsgrundlage der Unternehmerperson nimmt Casson in seiner Theorie Profitmaximierung an. Unter „judgemental decisions“ versteht Casson Entscheidun­gen, die von verschiedenen Personen mit gleichen Zielen in vergleichbaren Situationen unterschiedlich getroffen werden. Als Grund hierfur werden Informationsassymetrien gesehen, Casson beschreibt dies so:

Basically a judgemental decision is one where some relevant item of infor­mation has not diffused to everyone. Those who have the information would therefore decide one way and those without it would decide another way.“[7]

Der entscheidende Begriff und Kernpunkt in Cassons Theorie ist jedoch „coordination“, wie auch schon Say auf diesen Punkt besonderen Wert legte. Es bietet sich deshalb an, den Begriff der Koordination naöher zu erlöautern.

Der schottische Moralphilosoph Adam Smith (1723-1790), der allgemein als der Be- griinder der Volkswirtschaftslehre gesehen wird, föhrte in seinem beruhmtesten Werk „The Wealth of Nations“ (1776) das Konzept von der „unsichtbaren Hand“ ein, die die Mörkte ganz automatisch alleine durch Angebot und Nachfrage regle. Dieses Konzept, so Casson, ist aber nicht in der Lage, zu erklaren, warum manche Marktteilnehmer

Güter nicht für den eigenen Konsum, sondern nur für den Wiederverkauf erwerben. Begründet werden kann dies durch die Tatsache, dass Anbieter und Nachfrage sich gegenseitig nicht kennen bzw. sich misstrauen und eine dritte Partei diese Transakti­onsprobleme beheben kann.

„Fur Casson ist es der Unternehmer, der durch seine Tätigkeit im Markt die Ressourcenallokation beeinflußt (koordiniert) und dadurch seine Rol­le im Wirtschaftsprozeß definiert. (...) Das Koordinationsproblem besteht darin, individuelle Praäferenzen von Marktteilnehmern mit den vorhande­nen Ressourcen, den Gegebenheiten der Natur und dem Stand der Technik zu kombinieren, d.h. das Problem kann sich auf die Wahl einer Produkti­onstechnologie, die Organisation arbeitsteiliger Produkte oder aber auf den Warenaustausch beziehen.“[8]

Wenn die Koordinationstätigkeit des Unternehmers dazu fährt, dass die Ressourcen einer effizienteren Nutzung zugefuhrt werden und somit einen Wertgewinn erfahren, stellt letzterer den unternehmerischen Profit dar. Wenn der Unternehmer jedoch falsche Annahmen uber die Ressourcen macht, verliert er sein eingesetztes Kapital. Fär einen Unternehmer am Markt sind seine zusätzlichen, besseren Informationen — also sein Informationsvorsprung gegenuber anderen — sein eigentliches Kapital:

In order to protect his superior judgement he has to keep apart the people between whom he is intermediating. He also has to ensure that he does not weaken his bargaining position by giving away too much information in the course of negotiating with each party.“[9]

Die beschriebene Mittlerfunkton nennt Casson „market making function“. Jeder Makler oder Bärsenhändler ist ein typischer Vertreter dieses Unternehmerbildes.

1.2.4 Der Unternehmer als Innovator

Bei dieser Uberschrift fällt einem zwangslaufig der Name Joseph A. Schumpeter (1883— 1950) ein, wird doch dieser als der Vertreter schlechthin dieser Sichtweise auf die Un­ternehmerrolle angesehen.

Das Revolutionäre an Schumpeters Theorie ist, dass er im Gegensatz zu vielen an­deren Oä konomen klar zwischen dem Kapitalgeber und dem Unternehmer unterscheidet.

[...]


[1] Elkjær, J0rgen R. (1991), S. 805

[2] http://www.staff.fh-vorarlberg.ac.at/pj/KFE.htm, [Stand Mai 2002]

[3] vgl. Ripsas, Sven (1997), S. 14

[4] Homepage von Mark Casson: http://www.rdg.ac.uk/gcib/staff/casson.htm

[5] Ripsas, Sven (1997), S. 16

[6] Casson, Mark (1982), S. 23

[7] Casson, Mark (1982), S. 328

[8] Ripsas, Sven (1997), S. 20

[9] Casson, Mark (1982), S. 66

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Grundlagen und Herausforderungen von Entrepreneurship
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Interfakultatives Institut für Entrepreneurship)
Veranstaltung
Seminar Entrepreneurship
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
18
Katalognummer
V15305
ISBN (eBook)
9783638204569
ISBN (Buch)
9783640386321
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grundlagen, Herausforderungen, Entrepreneurship, Seminar
Arbeit zitieren
Thomas Vocke (Autor), 2002, Grundlagen und Herausforderungen von Entrepreneurship, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15305

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