Bloks „Gedichte über die Schöne Dame“


Hausarbeit (Hauptseminar), 2000
22 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung
1.1. Blok und Symbolismus
1.2. Symbol bei Blok
1.3. Vladimir Solovjevs Lehre von der göttlichen Weisheit

2. Bloks „Gedichte über die Schöne Dame“
2.1. These
2.2. Antithese

3. Schlussfolgerungen

4. Literaturhinweise

5. Literaturverzeichnis

1. Einführung

1.1. Blok und Symbolismus

Aleksandr Aleksandrovic Blok (1880-1921) war nach der Meinung vieler Kritiker der genialste und feinste Dichter unter allen Symbolisten.

Zwischen 1896 und 1906 wurde der Symbolismus zur vorherrschenden Strömung in der russischen Literatur. Vom Symbolismus spricht Dmitrij Merežkovskij bereits 1892 und weist in seinen Schriften auf solche Namen - Vertreter des westlichen "Symbolismus" - wie Flaubert, Maupassant, Baudelaire, Verlaine usw. Mit Merežkovskij beginnt in der russischen

Kritik dieser Zeitperiode die Umwertung aller Werte. Das findet sein Ausdruck in Merežkovskij's Aufsatzsammlung "O pričinach upadka i o novych tečenijach sovremennoj russkoj literatury" (1983). Der Symbolismus in Russland zeichnete sich vornehmlich als ästhetische und teilweise dekadente Strömung ab. Er stand im Zeichen mystischer Ahnungen und apokalyptischer Visionen.

In 1901 Jahr gibt es eine neue Art von Menschen zwischen den „Realisten“ und „Naturalisten“. Das sind die eingeweihten Leute, sie tragen in sich die neue Offenbarung und ahnen vor, dass „die Morgenröte“ den Beginn einer neuen Epoche im Leben der Menschen bedeutet. Am Anfang ist es nur eine seelische Bewegung der Einzelnen, aber es wird noch die historische und kosmische Größe einnehmen. Die Frühen Symbolisten sind Vorherseher und „Proroki“.

Russischer Symbolismus ist durch die nationale Eigenartigkeit gekennzeichnet. Zu den russischen Symbolisten gehören z. B. N. Minskij, D. S. Merežkovskij, Z. N. Gippius; V. J. Brusov; K. D. Balmont; F. Sologub; F. I. Annenskij; V. I. Ivanov, A. A. Blok; A. Belyj u. a. m. Sie beschäftigten sich mit dem Problem der Persönlichkeit in der Geschichte. Die innere Welt der Persönlichkeit ist für sie ein Mikrokosmos des allgemein tragischen Zustands der Welt. Die Symbolisten benutzten die Symbole öfter als die konkreten Bedeutungen. Dabei wird der Symbolismus als die Lebenskunst verstanden, die die Kunstgrenzen überwindet. Es ist ein Prozess der allgemeinen kulturellen Schöpfung, der dazu dient, den historischen Bruch zwischen den Menschen, dem Künstler und dem Volk zu überwinden.

In der von S. Djagilev geführten Kunstzeitschrift "Mir iskusstva" (1899 bis 1904) kamen die symbolistischen Dichter oft zu Wort. Die Symbolisten gründeten auch eine eigene Zeitschrift "Vesy" (1904-09), "Zolotoe Runo" (1906-09) und "Novyj put'" (190-04) (später "Voprosy žizni, 1905).

Mit der Dichtung A. Bloks erreicht der Symbolismus in Russland ihren Höhepunkt. "Blok stand in seinen jüngeren Jahren vor allem unter Einwirkung der russischen Romantik und Nachromantik (Žukovskij, Lermontov, Polonskij, Fet, Apuchtin), entscheidend wurde für ihn jedoch die Begegnung mit der Sophiologie Vladimir Solov'evs ...", so Johannes Holthusen. *1) 1902 trat Blok in Beziehung zu dem Kreis um Merežkovskij und Zinaida Gippius. 1903 nahm Blok auch Beziehungen zu Andrej Belyj auf.

In St. Petersburg versammelten sich die Symbolisten in den Jahren 1905-1910 meistens mittwochs bei dem Philologen und Dichter V'ačeslav Ivanov. "In Moskau trafen sich die Modernisten im Heim des Dichters Valerij Br'usov ... Die Dichter fühlten sich als Theurgen, sie glaubten im Besitz okkulten Wissens zu sein, dass sie im Wort in Erscheinung treten ließen, und sie verwandelten die Metapher zum Symbol", behauptet Vl. Orlov *2) Nach der Meinung von Alexandr Blok «...символист уже изначала – теург, то есть обладатель тайного знания, за которым стоит тайное действие ...» *3)

In seinem Buch „Nekropol“ schreibt Vl. Chodasevič folgendes: «Символисты не хотели отделять писателя от человека, литературную биографию от личной. Символизм не хотел быть только художественной школой, литературным течением. Все время он порывался стать жизнетворческим методом, и в том была его глубочайшая, быть может, невоплотимая правда ... Это был ряд попыток ... найти сплав жизни и творчества, своего рода филосовский камень искусства. Символизм упорно искал в своей среде гения, который сумел бы слить жизнь и творчество воедино. Мы знмаем теперь, что гений такой не явился, формула не была открыта.» *4)

1.2. Symbol bei Blok

Symbolische Kunst ist ein Versuch mit den Worten unsagbare auszudrücken. Als Basis für die Poetik des Symbolismus diente das Symbol, das wie ein konventionales Zeichen verstanden wurde. Es ist ein Hinweis auf irgendeine andere geheimnisvolle Existenz «мир иной» im Gegensatz zur objektiven Realität.

Im „Sprachwörterbuch der Literatur“ von Gero von Wilpert findet man folgende Definition für „Symbol“: „Symbol (griech. symbolon - Wahrzeichen, Merkmal). In der Dichtung ein sinnlich gegebenes und fassbares, bildkräftiges Zeichen, das über sich selbst als Offenbarung veranschaulichend und verdeutlichend auf einen höheren, abstrakten Bereich verweist, im Gegensatz zur rationalen, willkürlich gesetzten Allegorie „Sinnbild“ von besonders eindringlicher Gefühlswirkung, künstlerischer Kraft und weitgespanntem Bezugskreis ...“ *5)

Im Äußeren offenbart es das Innere, im körperlichen das Geistige, im Sichtbaren das Unsichtbare. Das Bezeichnete (Signifikat) und das Bezeichnende (Signifikant) lassen sich – im Gegensatz zum willkürlich gesetzten Zeichen – nicht austauschen. Die Erscheinung des Symbols ist nicht etwas Zufälliges, sondern gehört letztlich zum Wesen der sich darstellenden Wirklichkeit.

Nach Goethe verwandelt die Symbolik die Erscheinung in Idee, die Idee in Bild, und so, dass die Idee immer unendlich wirksam und unerreichbar bleibt. Die symbolische Darstellung ist eigentlich die Natur der Poesie, sie spricht ein besonderes aus, ohne ans Allgemeine zu denken und darauf hinzuweisen. Symbolismus erhebt das Symbol zum bewussten Gestaltungsziel, als Ich Aussprache des geheimnisvollen Lebensgefühls und persönlichen Erlebens.

In den letzten Jahren gebraucht Blok oft die Symbole, die er in den jüngeren Jahren benutzt hat. Die Hauptentwicklung der Symbole besteht bei Blok nicht nur darin, die neuen Symbole zu finden, sondern auch über die alten Symbole nachzudenken. Deshalb benutzt Blok formal 1909 die gleiche Symbolik wie im Jahre 1899. Diese Tendenz – eher über das alte System der Symbole nachzudenken als das neue System zu erfinden – bestimmen die Poetik des reifen Bloks. Dabei verschwindet nicht die tiefe Verbindung mit den Traditionen der russischen Poesie des XIX. Jahrhunderts, sondern sie bekommt einen neuen Sinn und eine neue Funktion. Bloks Gedichte sind oft poetisch gesehen ganz bewusst auf die Tradition orientiert. Daher kommen in Bloks Poesie öfter die Epigraphen und Zitate aus der Bibel, Platon, Shakespeare, Heine, Žukovsij, Puškin, Lermontov, Nekrasov, Baudlair u. a. m.

1.3. Vladimir Solovjevs Lehre von der göttlichen Weisheit

Eine wichtige Periode in der Entwicklung Bloks fällt auf die Jahre, wenn er eine Verbindung zum Symbolismus bekommt. Das sind die Jahre, wenn seine „Gedichte über die Schöne Dame“ (1901-1902) entstehen. Diese Jahre sind dadurch gekennzeichnet, dass der Dichter sich in seine zukünftige Frau L. D. Mendeleeva verliebt sowie steht er auch unter dem Einfluss der mystischen Lyrik Vladimir Solovjevs. Diese beiden Ereignisse haben die innere Welt Bloks stark verändert.

Nach Vladimir Solovjevs Lehre wurden die Wege des russischen Symbolismus vorherbestimmt. Die mystische Grundlage seiner Philosophie ist die Lehre von der göttlichen Weisheit – Sophie. Seine Philosophie wird in den Büchern «Чтение о богочеловечестве», «Россия и вселенская церковь» und in dem Artikel «Идея человечества у Августа Канта» dargestellt. Die Sophie wurde von ihm als ideales Menschentum in Gott bestimmt.

Vladimir Solovjes Symbolismus ist mit dem Mythos verbunden. Man geht davon aus, dass es eine Weltseele und die mystische Liebe gibt. Durch diese Kräfte wird die Welt zu einer Einheit vereinigt. Der Weltgeist bildete vorher mit der Weltseele eine Einheit. Nachdem der Weltgeist aber die materielle Welt geschaffen hatte, trennte er sich von der Weltseele – der Sophie. Die Weltseele „fiel“ in die materielle Welt der Vielfältigkeit und verlor gleichzeitig ihre Oberhand über sie. Die Weltseele wird zur Gefangenen des Chaos. Die letzte Phase der Entstehung der Welt ist die zweite endgültige Vereinigung zwischen Gott und der Weltseele. Es ist ein Sieg der Liebe und der Einheit über das Chaos.

Die Weltseele trennte sich von Gott, indem sie ihre herrschende Rolle zwischen den Schöpfungen verloren hatte. Dadurch ist die Einheit des Universums zersplittert worden. Alles Lebendige ist sterblich geworden, nicht freiwillig, sondern wegen der Weltseele. Aber das Böse und der Tod können nicht das Ewige der gefallenen Menschenwelt berühren – die göttliche Weisheit Sophie. Sie bewahrt das Universum und das Menschentum vor dem endgültigen Untergang. Sie ist ein Engel, der die Welt und das Lebendige mit seinen Flügeln bedeckt und mit den Kräften der Unterwelt kämpft, um die Weltseele zu besitzen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Bloks „Gedichte über die Schöne Dame“
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Seminar für Slavistik)
Veranstaltung
„Russische Literatur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“
Note
1
Autor
Jahr
2000
Seiten
22
Katalognummer
V153065
ISBN (eBook)
9783640651412
ISBN (Buch)
9783640827138
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Blok, Gedichte, Schöne Dame
Arbeit zitieren
Magister art. Larissa van Schayck (Autor), 2000, Bloks „Gedichte über die Schöne Dame“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153065

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Bloks „Gedichte über die Schöne Dame“


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden