Zur Gesundheitssituation älterer Menschen

Ergebnisse der Epidemiologie und der Gesundheitsberichterstattung


Hausarbeit, 2004
38 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Epidemiologie
2.1 Ziele und Aufgaben der epidemiologischen Forschung
2.2 Die Anwendungsbereiche der Epidemiologie
2.2.1 Die deskriptive Epidemiologie
2.2.2 Die analytische Epidemiologie
2.2.3 Die experimentelle Epidemiologie
2.3 Zur Gesundheitsberichtserstattung

3 Stellenwert der Gesundheitälterer Menschen
3.1 Begriffsdefinition Alter
3.2 Altersspezifische Veränderungen
3.2.1 Biologisch-physiologisches Altern
3.2.2 Psychologisches Altern
3.2.3 Soziologisches Altern

4. Mortalität
4.1 Geschlechtsspezifisches Mortalitätsrisiko

5 Zusammenhang zwischen Alter und Morbidität
5.1 Merkmale des Gesundheits- und Krankheitsstatus im Alter
5.2 Gesellschaftliche Folgen

6 Zum Gesundheitsbewusstsein und -verhalten
6.1 Begriffliche Erklärung
6.2 Erklärungsansätze für Gesundheitsverhalten
6.2.1 Psychologische Erklärungsansätze
6.2.2 Soziologische Erklärungsansätze
6.2.3 Anthropologische Ansätze
6.3 Auswirkung gesundheitsrelevanten Verhaltens
6.3.1 Ernährung
6.3.2 Bewegung

7 Der Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit
7.1 Armut
7.2 Haben Arme eine schlechtere Gesundheit?
7.3 Auswirkung auf das Alter
7.4 Auswirkungen des Gesundheitsmodernisierungsgesetz

8 Zusammenfassung, Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abk ürzungsverzeichnis

1 Einführung

Die weltweite demographische Entwicklung zeigt, dass es zukünftig immer mehr alte und hochaltrige Menschen geben wird. Doch erst zögerlich scheint sich dieser Gedanke und die Einsicht in die damit verbunden Probleme durchzusetzen. Verschiedene Länder setzen sich mit dieser Problematik auf zum Teil sehr unterschiedliche Weise auseinander.

Diese Arbeit wird sich dieser Problematik nähern, indem sie den Gesundheitszustand alter Menschen in Deutschland näher betrachtet. Mit Hilfe epidemiologischer Daten und der Gesundheitsberichtserstattung wird der Ist- Zustand beleuchtet und die bestehenden Probleme aufgezeigt und benannt.

Die vorliegende Arbeit unterteilt sich in drei Teile: Der erste Teil befasst sich mit den Basisinstrumenten der Epidemiologie und der Gesundheitsberichtserstattung im allgemeinen. Der zweite Teil beschäftigt sich näher mit der Morbidität, Mortalität und dem Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit im Alter. Im dritten Teil werden schließlich mögliche Lösungswege aufgezeigt und ein Fazit mit Zukunftsausblicken gezogen.

2 Epidemiologie

Die World Health Organisation (WHO) definiert Epidemiologie folgendermaßen: „Die Epidemiologie befasst sich mit der Untersuchung der Verteilung von Krankheiten, physiologischen Variablen, und sozialen Krankheitsfolgen in menschlichen Bevölkerungsgruppen sowie mit den Faktoren, die diese Verteilung beeinflussen.“

Die Epidemiologie versucht, mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden, Risiko- faktoren für die Gesundheit des Einzelnen und der Bevölkerung zu identifizieren. Dadurch soll die Möglichkeit geschaffen werden, geeignete Präventions- maßnahmen zu entwickeln und durchzuführen. Auch sollen die Wirkungsweisen von Therapiemaßnahmen erforscht und deren Einfuß auf die Lebensqualität der Betroffenen analysiert werden. Obwohl sich die Epidemiologie eines naturwissen- schaftlichen-quantitativen Ansatzes bedient, kann man sie nicht mit Labor- experimenten vergleichen. Epidemiologie erhebt Daten nicht unter strengen Laborbedingungen, sondern bei Menschen in ihrer natürlichen Umgebung. Sie sind dabei einer Vielzahl von Einflüssen und verschieden Faktoren ausgesetzt. Zudem kommt die genetische Disposition beeinflussend hinzu. Daher ist es schwierig, einen zweifelsfreien kausalen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung (Ausbruch einer bestimmten Krankheit) zu erkennen.

Die moderne Epidemiologie zeichnet sich dadurch aus, dass sie um wissenschaftliche Ansätze aus anderen Gebieten bereichert und erweitert wurde. So wird sie bei HURRELMANN folgendermaßen definiert:

„Epidemiologie ist die Bearbeitung von Fragen aus dem Bereich der Medizin, der Gesundheitssystemforschung und der Gesundheitswissenschaften mit Methoden der empirischen Sozialforschung (HURRELMANN, K., LAASER, U., 1998, 232).“

Die Epidemiologie wird heute nicht länger ausschließlich von der medizinischen Profession genutzt, sondern es beschäftigen sich auch andere Disziplinen mit ihr . Sozialwissenschaftler, Pädagogen und Statistiker sehen sie aus ihrem spezifischen Blickwinkel heraus wie dies in Abbildung 1 veranschaulicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die fachlichen Einzeldisziplinen der Gesundheitswissenschaften Quelle: Hurrelmann / Lasser (Hrsg.), 1998, Seite 31

Anmerkung des Verfassers: korrekterweise m üssten die dargestellten Kreise in den Schnittflächen offen dargestellt werden, um die fehlenden Abgrenzungen zu verdeutlichen.

2.1 Ziele und Aufgaben der epidemiologischen Forschung

Auf Basis der oben genannten Definition „lassen sich die wichtigsten Ziele und Inhalte epidemiologischer Forschung wie folgt zusammenfassen:

- Identifikation von Risikofaktoren und Ursachen von Krankheiten (Krankheitsätiologie) bzw. Identifikation von gesundheitsförderlichen (salutogenen) Faktoren
- Erklärung von geographischen und regionalen Unterschieden und von zeitlichen Veränderungen in der Häufigkeit bestimmter Erkrankungen
- Beschreibung des natürlichen Verlaufes (Spontanverlaufes) von Erkrankungen
- Beurteilung der Wirksamkeit und der Effizienz von medikamentöser Therapie, Präventionsmaßnahmen und medizinischen, rehabilitativen und psychosozialen Versorgungsmaßnahmen (SCHWARTZ, F. W. u. a., 2003, 394).“

2.2 Die Anwendungsbereiche der Epidemiologie

Die Epidemiologie kann in drei Anwendungsbereiche geteilt werden, nämlich die deskriptive, analytische und experimentelle Epidemiologie.

2.2.1 Die deskriptive Epidemiologie

Die deskriptive Epidemiologie gibt Auskunft über Häufigkeit (z. B. von Erkrankungen) und kann durch Vergleiche verschiedener Bevölkerungsgruppen Indikationen auf besondere Risikogruppen geben. Um dieses Ziel zu erreichen, verwenden “deskriptive" Epidemiologen offizielle Statistiken und Querschnitt- studien.

Die Bevölkerung kann nach verschiedenen Kriterien, wie z. B. Alter, Geschlecht, Ort, Zeit, Herkunft, Beruf usw. eingeteilt werden. Diese Untergruppen können anschließend verglichen werden. Wichtig ist, dass sie außerhalb der gewählten Kriterien so ähnlich wie möglich sind.

Ziel der deskriptiven Studien ist die Prävalenz von Krankheiten und entsprechend die Risikogruppen zu erfassen. Anhand dieser Daten können Hypothesen über die Entstehung von Gesundheitsstörungen und /oder Risikofaktoren gebildet werden.

2.2.2 Die analytische Epidemiologie

Die analytische Epidemiologie ermöglicht die Feststellung von Risikofaktoren, wie auch die ersten Hinweise für Krankheitsursachen. Die Forschung nach Krankheits ursachen ist aber eine Aufgabe der experimentellen Studien.

Mit Hilfe der deskriptiven Epidemiologie werden Hypothesen über die Entstehung von Gesundheitsstörungen entwickelt. Diese Hypothesen werden mit der analytischen Epidemiologie überprüft und anschließend akzeptiert oder verworfen.

Zwei wichtigen Studienarten sind:

1. die Kohorten und
2. die Fall-Kontroll-Studien.

Bei den Kohortenstudien sind im Prinzip alle Probanden gesund. Einige sind aber einer vermuteten Krankheitsursache (oder einem Risikofaktor) ausgesetzt, während andere nicht exponiert sind. Wenn eine erhöhte Anzahl von Symptomen oder Krankheiten in späteren Messungen bei exponierten Personen auftritt, hat man wichtige Hinweise gewonnen, indem man einen Risikofaktor oder sogar eine Krankheitsursache entdeckt oder überprüft hat.

Bei den Fall-Kohorten-Studien sind bereits zwei vergleichbare Gruppen vorhanden: Eine Gruppe ist nur von Fällen zusammengesetzt, d.h. von Probanden, die eine bestimmte Erkrankung haben; In der anderen Gruppe sind alle Probanden gesund. Man untersucht, ob signifikante Unterschiede hinsichtlich ausgewählter Variablen zwischen diesen beiden Gruppen bestehen. Risikofaktoren können als Krankheitsursache interpretiert werden, wenn die Kriterien zur Beurteilung der Kausalität erfüllt sind.

2.2.3 Die experimentelle Epidemiologie

Die experimentelle Epidemiologie befasst sich mit randomisierten klinischen Studien, bevölkerungsbezogenen Interventionsstudien, wie auch mit der Evaluation und Qualitätssicherung ärztlicher Leistungen.

Typisch für die randomisierten klinischen Studien sind:

-das Studienkollektiv, d. h. eine kleine Gruppe, die per Zufallszuteilung von einer Bevölkerungsgruppe ausgewählt wurde,
-eine Studiengruppe mit, und eine ohne Intervention,
-wie auch den Vergleich der Ergebnisse (zwischen den zwei Gruppen).

Die großen Unterschiede bei der bevölkerungsbezogenen Intervention ist, dass diese letzte an die ganze Bevölkerung gerichtet ist und, dass die Zuordnung zur Interventions- oder Kontrollgruppe aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Gemeinde, einer Stadt, einem Betrieb usw. erfolgt.[1]

2.3 Zur Gesundheitsberichtserstattung

Die Gesundheitsberichtserstattung (GBE) dient zur Analyse der gesundheitlichen Versorgung und ihrer wirtschaftlichen Auswirkungen. Die Ergebnisse können in die Zukunft projiziert und mit Zielsetzungen abgeglichen werden. Dadurch kann erkannt werden, ob sich Maßnahmen im Gesundheitswesen (z.B. im Bereich der Prävention) voraussichtlich positiv oder negativ entwickeln werden.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) definiert die Gesundheitsberichtserstattung folgendermaßen:

„Sie berichtet über wichtige Aspekte der Gesundheit und des Gesundheitswesens. Damit bildet sie eine datenbasierte Grundlage für politische Entscheidungen. Darüber hinaus dient die GBE der Erfolgskontrolle durchgeführter Maßnahmen und trägt zur Entwicklung und Evaluierung von Gesundheitszielen bei. (ROBERT- KOCH-INSTITUT (Hrsg.), Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 10, 2002, 3)“

Die Aufgabe der GBE für Deutschland liegt in der gemeinsamen Verantwortung des RKI und des Statistischen Bundesamtes (StBA).

Die inhaltliche Verantwortung liegt hierbei bei dem RKI, während das StBA für die Pflege des Informationssystems der GBE (IS-GBE) verantwortlich ist. Auch werden von der IS-GBE die Daten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Um das Auftreten von Krankheiten und deren Letalität beurteilen und gegebenenfalls Gesundheitsvorsorge betreiben zu können, müssen populationsbezogene Krankheitsregister eingesetzt werden.

Seit 1976 betreibt beispielsweise das Saarland ein weltweit anerkanntes epidemiologisches Krebsregister. In der Homepage des RKI findet man auch Angaben über Infektionskrankheiten im Sinne der Infektions-Epidemiologie. Eine hilfreiche Datenquelle über die Krebsmortalität und deren räumliche und zeitliche Verbreitung findet sich im sogenannten Krebsatlas der Bundesrepublik Deutschland. Vom Bundesministerium für Bildung und Forschung wurde die GBE des Bundes in das Internet gestellt. Auf der Homepage findet man quantitative Angaben aus unterschiedlichen Bereichen des Gesundheitswesens. [2]

Die Schwerpunkte der GBE liegen hierbei auf:

- Rahmenbedingungen des Gesundheitswesens
- Gesundheitliche Lage
- Gesundheitsverhalten und Gesundheitsgefährdung
- Krankheiten
- Ressourcen der Gesundheitsversorgung
- Leistung und Inanspruchnahme des Gesundheitswesens
- Ausgaben, Kosten uns Finanzierung des Gesundheitswesens

In Abbildung 2 sind die Zusammenhänge nochmals illustrativ abgebildet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Rahmenbedingungen des Gesundheitswesens Quelle: Robert-Koch-Institut, Heft 10/2002

Es lässt sich somit feststellen, dass unter der GBE die systematische Darstellung und Analyse des Gesundheitszustandes, der Gesundheitsgefährdung und der Gesundheitsversorgung, der Bevölkerung verstanden wird.

Aus diesem Grund werden Daten über den Gesundheitszustand der Bevölkerung / Bevölkerungsgruppen und dessen Veränderung im zeitlichen Ablauf gesammelt. Dadurch können Veränderungen erkannt werden und bei Handlungsbedarf rechtzeitig die nötigen Schritte eingeleitet werden.

Um diese Daten korrekt erheben zu können, ist die GBE auf die Epidemiologie angewiesen. Durch ihre Methoden werden die Verteilung von Krankheiten und Risikogruppen in der Bevölkerung deutlich. Im Rahmen politischer Programmen sind so Steuerungsmöglichkeiten gegeben.

Ziel all dieser Bemühungen ist, den allgemeinen Gesundheitszustand mit der Verteilung des Morbiditäts- und Mortalitätsrisikos festzustellen, zu beobachten und ihn langfristig zu verbessern.

3 Stellenwert der Gesundheit älterer Menschen

Immer noch wird Alter mit Krankheit, Einschränkungen und Verlust von Fähigkeiten gleich gesetzt. Nur langsam setzt ein Umdenkprozess dahingehend ein, dass Alter neben Verlusten auch Potentiale und sogar mögliche Gewinne erkennen lässt. Alter ist nicht immer mit Krankheit, Leid und Pflegebedürftigkeit verbunden. Dies zu wissen und zu berücksichtigen ist - besonders im Hinblick auf die demographische Entwicklung in Deutschland - wichtig, da der Anteil der alten und hochbetagten Menschen auch in den folgenden Jahren weiter ansteigen wird. Durch den gleichzeitig stattfindenden Geburtenrückgang (Douple-aging-process) nimmt nicht nur die Zahl der Älteren zu, sondern auch deren Anteil an der Gesamtbevölkerung.

Gesamtgesellschaftlich findet zur Zeit sogar ein dreifaches Altern statt: Es findet eine Zunahme der Älteren einerseits in absoluten wie auch in relativen Zahlen (d.h. im Verhältnis zur Anzahl der Jüngeren) andererseits statt. Darüber hinaus steigt aufgrund des medizinisch-technischen Fortschritts auch die Anzahl der Hochbetagten und Langlebigen.

Dies hat gravierende Auswirkungen auf das Solidarsysteme in seiner heutigen Form. Aber nicht nur auf diesem , sondern in allen gesellschaftlichen Bereichen stehen große Veränderungen an (z. B. in Wirtschaft, Politik, Freizeit, Kultur und Bildung). Obwohl die Anzahl der Sozialhilfeempfänger unter den Älteren den geringsten Teil aller Altersgruppen aufweist (vergl. RKI, Heft 10/2002, 10), so fallen doch mit zunehmendem Alter immer höher Kosten im medizinischen Bereich und in der pflegerischen Versorgung nach SGB XI an, die immer weniger Junge aufzubringen haben.

[...]


[1] entnommen aus: PADLINA, OLIVER, Public Health, 10/2000 Online im Internet: http://www.ticino.com/usr/opadlina/new/ph/epi-ges.htm [stand Oktober 2000]

[2] entnommen aus: FELDMANN, UWE: Einführung in epidemiologische Methoden. 06/10/2000. Online im Internet: http://www.uniklinik-saarland.de/med_fak/imbei/docs/epidemievonuf.html [stand 06.06.2000]

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Zur Gesundheitssituation älterer Menschen
Untertitel
Ergebnisse der Epidemiologie und der Gesundheitsberichterstattung
Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Veranstaltung
Studiengang Pflegemanagement
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
38
Katalognummer
V153076
ISBN (eBook)
9783640650064
ISBN (Buch)
9783640649624
Dateigröße
653 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesundheitswissenschaft, ältere Menschen, Alter, Epidemilogie, Pflegemanagement
Arbeit zitieren
Michaela Funck (Autor), 2004, Zur Gesundheitssituation älterer Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153076

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