Der vorliegende Essay beschäftigt sich mit dem Einfluss der Vereinigten Staaten auf den europäischen Einigungsprozess nach Ende des Zweiten Weltkrieges ("Hegemony by Integration"), der europäischen Integration zugrunde liegenden Konzepten sowie mit den Rollen Frankreichs und des Vereinigten Königreiches im Europa der Nachkriegszeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Amerikanische Deutschlandpolitik und europäische Integration
2. Die unterschiedlichen Strategien der französischen und britischen Europapolitik
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die US-amerikanische Europapolitik in der unmittelbaren Nachkriegszeit von 1945 bis 1957 sowie die damit korrespondierenden Ansätze und strategischen Positionen ihrer wichtigsten Verbündeten, Großbritannien und Frankreich, im Kontext der europäischen Einigungsbestrebungen.
- Rolle der amerikanischen Deutschlandpolitik für die europäische wirtschaftliche Integration
- Bedeutung des Marshallplans als Instrument der US-Europapolitik
- Französische sicherheitspolitische Interessen und der Schuman-Plan
- Britische Skepsis gegenüber supranationalen Modellen und das Konzept der „Drei Kreise“
- Wirtschaftliche und politische Reintegration Westdeutschlands
Auszug aus dem Buch
Amerikanische Deutschlandpolitik und europäische Integration
Überlegungen zu einer Veränderung der strukturellen Verfasstheit Europas in der Nachkriegszeit wurden nicht nur in der amerikanischen Administration und im Kongress angestellt, sondern auch von einer öffentlichen Debatte verschiedener gesellschaftlicher Akteure begleitet. Die Vorstellungen von einem vereinten Europa wurden von Journalisten (z.B. Walter Lippmann), Wissenschaftlern, Gewerkschaften und Verbänden getragen und von einer großen Öffentlichkeit gestützt. Als die beste Lösung zur Durchsetzung von Sicherheit und Freiheit in Europa (und damit verbunden des ‚deutschen Problems’) wurde eine europäische Union angesehen. Führende amerikanische Außenpolitiker, insbesondere die republikanischen Senatoren J. William Fulbright und Arthur Vandenburg sowie Gouverneur Thomas E. Dewey (N.Y.), teilten diese Auffassung. Dies kommt vor allem in einer Resolution des Senats vom 21. März 1947 zum Ausdruck, mit der die Schaffung der Vereinigten Staaten von Europa im Rahmen der Vereinten Nationen gefordert und die vom Repräsentantenhaus unterstützt wurde.
Die Truman-Administration und insbesondere das State Department verhielten sich nach Beendigung des Krieges hinsichtlich einer genauen Formulierung ihrer Europapolitik zunächst jedoch defensiv und abwägend. Aus mehreren Gründen: Zum einen wollte man die direkte Zusammenarbeit im besetzten Deutschland mit der Sowjetunion nicht durch zu schnelle Festlegungen gefährden. Außerdem war es notwendig, die Interessen der verschiedenen europäischen Staaten angemessen zu berücksichtigen. Zum anderen konnte wegen unterschiedlicher Auffassungen zwischen den verschiedenen Behörden innerhalb der Administration keine klare Position formuliert werden, zumal im State Department selbst die zukünftige Politikausrichtung für Europa umstritten war. Michelle Cini spricht in diesem Zusammenhang von einem Gegensatz zwischen free traders, die eine Zollunion aber ohne bevorzugende Vereinbarungen zwischen den westeuropäischen Staaten unterstützten, und planners, die für eine supranationale Lösung eintraten. Von diesen Beobachtungen ausgehend hat Hans-Jürgen Schröder die These abgeleitet, dass die USA kein echtes Integrationskonzept für Europa besessen hätten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Amerikanische Deutschlandpolitik und europäische Integration: Dieses Kapitel analysiert die US-amerikanische Außenpolitik nach 1945, wobei der Fokus auf der wirtschaftlichen Neuordnung Europas und der Rolle Westdeutschlands liegt. Es beleuchtet den Marshallplan als zentrales Instrument der Stabilisierung sowie die zögerliche Haltung der frühen Truman-Administration.
2. Die unterschiedlichen Strategien der französischen und britischen Europapolitik: Dieser Teil kontrastiert die sicherheitspolitisch motivierte Integrationsstrategie Frankreichs mit der eher intergouvernemental geprägten und durch globale Verflechtungen bestimmten Haltung Großbritanniens. Zudem wird die zunehmende Bedeutung der europäischen Wirtschaftsgemeinschaft für die französische Außenpolitik bis 1957 aufgezeigt.
Schlüsselwörter
USA, Westeuropa, Nachkriegszeit, Deutschlandpolitik, europäische Integration, Marshallplan, ERP, Frankreich, Großbritannien, Schuman-Plan, Montanunion, Supranationalität, Sicherheitspolitik, wirtschaftlicher Wiederaufbau, Kalter Krieg
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung der Europapolitik der USA zwischen 1945 und 1957 und analysiert, wie diese mit den unterschiedlichen strategischen Interessen Frankreichs und Großbritanniens interagierte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der deutschen Frage, der europäischen wirtschaftlichen Integration, dem Marshallplan sowie der unterschiedlichen Auffassung von staatlicher Souveränität und supranationalen Institutionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Europapolitik der USA in der Nachkriegszeit darzustellen und die divergierenden Konzepte der europäischen Verbündeten zu kontrastieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine zeithistorische Analyse, die auf der Auswertung von Primärquellen, Regierungsdokumenten und bestehender politikwissenschaftlicher Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die amerikanische Deutschland- und Europapolitik sowie die detaillierte Darstellung der französischen und britischen Positionen und deren Einfluss auf die Entstehung europäischer Organisationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wesentlichen Begriffe sind unter anderem Marshallplan, europäische Integration, Deutschlandpolitik, Supranationalität und die transatlantischen Beziehungen.
Warum lehnte Großbritannien die Montanunion ab?
Großbritannien wollte das Prinzip der Supranationalität nicht akzeptieren und priorisierte seine strategischen Beziehungen im Rahmen des Commonwealth sowie die Bindung an die USA.
Welche Rolle spielte der Marshallplan für die Ost-West-Teilung?
Der Marshallplan manifestierte die Teilung, da die Sowjetunion auf eine Teilnahme verzichtete und die USA ihren Fokus zunehmend auf den wirtschaftlichen Wiederaufbau Westeuropas legten.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Rosche (Autor:in), 2004, Die USA und Westeuropa in der Zeit von 1945-1957, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153091