Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Sexualität im Angestelltenroman

Titel: Sexualität im Angestelltenroman

Seminararbeit , 2008 , 21 Seiten

Autor:in: Daniela Wolters (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

„Hunderttausende von Angestellten bevölkern täglich die Straßen Berlins und
doch ist ihr Leben unbekannter als das der primitiven Völkerstämme, deren
Sitten die Angestellten in den Filmen bewundern.“ 1 Obwohl die Angestellten in
der Öffentlichkeit tätig sind, beschreibt der Soziologe Kracauer hier eine
Anonymität der Angestellten. Ihnen fehlt das Bewusstsein für ihre Situation,
obwohl sie ihr Leben nicht in der Isolation fristen, sondern in der Öffentlichkeit
stehen. Sie verdienen ihr Geld mit einer Tätigkeit, die gebraucht wird und
die sie gut können, denn es braucht in der Regel eine entsprechende Ausbildung.
Sie sind gebildet und wissen daher auch, dass ihr Beruf für sie eigentlich
keine Herausforderung darstellt. Trotzdem passiert die Berufswahl selten aus
einer intrinsischen Motivation heraus, sondern entspringt eher praktischen
Überlegungen. Es gibt eine feste Anstellung für die Tätigkeit, die für den Einzelnen
anscheinend nicht viel Anstrengung bedeutet, also kann man sich damit
zufrieden geben, auch wenn es nicht der Traumberuf sein sollte. Diese Überlegungen
haben natürlich wenig mit Leidenschaftlichkeit zu tun und deshalb
wird in der Regel wenig Interesse am Arbeitsobjekt aufgebaut. Dieses hier fehlende
Interesse kann deshalb in andere Tätigkeiten, wie z.B. Hobbys investiert
werden. Im Falle der hier zu untersuchenden Romane liegt das Interesse der
Protagonisten bei den Frauen.
Die Sexualität und die damit verbundene Liebe der Protagonisten sollen, neben
dem Beruf, den zweiten Schwerpunkt dieser Arbeit bilden. Der Geschlechtsakt
ist beim Menschen nicht nur ein Instinkt, dem er folgt, sondern
hat auch etwas mit Emotionen, Entscheidungen und Anziehung zu tun. Das
menschliche Verhalten wird von der Sexualität in einer bestimmten Art und
Weise beeinflusst, was wiederum von verschiedenen Faktoren abhängt: In
welcher Lebensphase begegnen sich die Partner?, Wie stehen die beiden Partner
zueinander?, Was sind die Erwartungen, die man nach dem Akt an den
Partner stellt?, usw.

==
1 Kracauer, Siegfried: Die Angestellten, 1971, S. 11.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Liebesblödigkeit

2.1 Der Apokalyptiker

2.2 Liebe als „doppelte Verankerung“

3. Plattform

3.1 Angestellter ohne Berufung

3.2 Apokalypse der Liebe

4. Liebe als Ausbruch aus dem beruflichen Mittelmaß

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von beruflichem Alltag und privater Sexualität bei männlichen Protagonisten in den Romanen „Liebesblödigkeit“ von Wilhelm Genazino und „Plattform“ von Michel Houellebecq, mit der zentralen Forschungsfrage, wie die Protagonisten durch ihre außergewöhnlichen Liebesbeziehungen einen Ausgleich für ihre empfundene berufliche Mittelmäßigkeit suchen.

  • Analyse des Angestelltendaseins und der Entfremdung in der Arbeitswelt.
  • Untersuchung der Sexualität als Mittel zur Identitätsstiftung und Lebensbewältigung.
  • Vergleich der Beziehungsmodelle der Protagonisten als „Schutzraum“ vor gesellschaftlichen Anforderungen.
  • Reflektion über die literarische Darstellung von Intimität und deren Grenzen in der Moderne.

Auszug aus dem Buch

2.1 DER APOKALYPTIKER

Der Ich-Erzähler in Genazinos Roman „Liebesblödigkeit“ hat keinen Namen, woran man eine Art Anonymität fest machen kann. Es suggeriert, dass es jedermann sein könnte, dessen Alltag der Leser hier betrachtet. Auch sonst verläuft sein Leben eher mittelmäßig. Er arbeitet zwar als selbstständiger „Zivilisationsapokalyptiker“, doch findet man bei ihm viele Parallelen zum Angestelltendasein. Die erste Parallele scheint das Gehalt zu sein, da auch er mit seiner Tätigkeit keine Reichtümer anhäuft. „Die Apokalypse ernährt ihren Mann, obgleich ich mir große Ansprüche an den Lebensstandard oder teure Hobbys nicht leisten kann.“3 Er hält Seminare vor gut situiertem Publikum, die sich von ihm über die „Deformationen, die unscheinbar in unsere Leben eindringen und uns allmählich die Luft abdrücken“ 4 aufklären lassen, also über „die neueste Version ihres möglichen Untergangs.“5

Er wird von seinen Seminarteilnehmer sehr geschätzt und man tauscht sich gerne mit ihm aus. Trotzdem er innerlich mit seinem Beruf hadert, lässt er sich diese Unzufriedenheit nicht anmerken. „Ich glaube, man hört mir gerne zu, weil ich die Welt nicht völlig aufgebe.“6 Er malt seine Umwelt nicht so schwarz, als das jegliche Hoffnung vergebens ist und gibt den Teilnehmer damit noch ein wenig Zuversicht auf eine bessere Zeit. Seine Seminare laufen demnach mit Erfolg, doch er meint, dass seine Vorträge eigentlich nur leere Phrasen sind.

Dem Protagonisten fehlt der Antrieb und der Ehrgeiz sich beruflich zu verändern oder zu verbessern. Er muss sich regelrecht aufraffen, um seine Vorträge vorzubereiten: „Mehr aus Versehen schaue ich auf meinen Schreibtisch. Seit Tagen schon schiebe ich eine Menge Arbeit vor mir her.“ 7

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Anonymität und Entfremdung von Angestellten ein und umreißt die Untersuchung der Sexualität als kompensatorischen Schwerpunkt der Arbeit.

2. Die Liebesblödigkeit: In diesem Kapitel wird der Protagonist bei Genazino als „Zivilisationsapokalyptiker“ charakterisiert und seine komplizierte Dreiecksbeziehung als bewusste „Doppelverankerung“ analysiert.

3. Plattform: Dieses Kapitel untersucht die Entfremdung von Michel in seinem Büroalltag und seine Suche nach (sexueller) Erfüllung in einer leidenschaftlichen Beziehung mit Valérie.

4. Liebe als Ausbruch aus dem beruflichen Mittelmaß: Hier werden die Gemeinsamkeiten beider Protagonisten zusammengeführt, die ihre berufliche Mittelmäßigkeit durch exzentrische private Liebesbeziehungen kompensieren.

5. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass beide Romanfiguren ihre Arbeitskraft lediglich zur Sicherung eines Lebensstandards einsetzen, ohne eine echte Berufung zu empfinden, und ihr Glück alternativ in der Sphäre der Liebe suchen.

Schlüsselwörter

Sexualität, Angestelltenroman, Wilhelm Genazino, Michel Houellebecq, Entfremdung, Liebesblödigkeit, Plattform, Arbeit, Berufsleben, Liebesbeziehung, Identität, Zivilisationsapokalyptiker, Alltag, Soziologie, Literaturanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie moderne Romanfiguren des Angestellten-Milieus versuchen, ihre innere Leere und berufliche Mittelmäßigkeit durch intensive, teils exzentrische Liebes- und Sexualerfahrungen zu überwinden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Entfremdung in der Arbeitswelt, die Bedeutung von Sexualität als Identitätsanker sowie der Stellenwert von Liebe als Schutzraum vor einer als sinnleer empfundenen gesellschaftlichen Realität.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Berufsleben der Protagonisten den Einfluss auf ihre außergewöhnlichen privaten Liebesbeziehungen nimmt und warum diese als notwendiger Ausgleich fungieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die die ausgewählten Romane unter soziologischen Gesichtspunkten, insbesondere im Hinblick auf das Angestelltendasein, vergleichend betrachtet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Protagonisten bei Genazino und Houellebecq, wobei detailliert auf deren Arbeitswelt, ihre Liebeskonstellationen und den Umgang mit dem Älterwerden bzw. Versagensängsten eingegangen wird.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den Kernbegriffen zählen Sexualität, Angestelltenroman, Entfremdung, Identität, Liebesblödigkeit sowie die spezifischen Romanfiguren beider Autoren.

Wie unterscheidet sich die Darstellung des Geschlechtsverkehrs bei den beiden Autoren?

Während Genazino den Sex oft mechanisch und im Kontext von Alterungsprozessen betrachtet, nutzt Houellebecq eine explizitere, teils pornografisch anmutende Sprache, um die körperliche Entfremdung der westlichen Welt zu kontrastieren.

Welche Rolle spielt der Begriff „Liebesblödigkeit“?

Der Begriff dient dem Protagonisten bei Genazino als Rechtfertigung für sein Liebesleben und soll ihn ironisch von der gesellschaftlichen Verantwortung beziehungsweise „Schuld“ freisprechen.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Sexualität im Angestelltenroman
Hochschule
Technische Universität Berlin
Veranstaltung
Liebe, Eros und Sexualtität in der Gegenwartsliteratur
Autor
Daniela Wolters (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V153131
ISBN (eBook)
9783640653119
ISBN (Buch)
9783640653393
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Plattform Liebesblödigkeit Houellebecq Genazino
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Daniela Wolters (Autor:in), 2008, Sexualität im Angestelltenroman, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153131
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  21  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum