Medien im Deutschunterricht

Daily Soaps


Seminararbeit, 2009

23 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einfluss neuer Medien auf Jugendliche

3. Medien im Deutschunterricht

4. Populäres Fernsehen - Schwerpunkt: Die Daily Soap
4.1 Chance oder Seifenblase für den Deutschunterricht?
4.2 Unterrichtsbeispiele
4.3 Einbettung in den Rahmenlehrplan

5. Fazit

Bibliographie

1. Einleitung

Sie begleiten schätzungsweise dreizehn Millionen Deutsche1 jeden Tag und las­sen für ca. 30 Minuten in einen Alltag eintauchen, der durch ein Drehbuch vorbestimmt ist. Sie lenken von eigenen Problemen in Beruf, Partnerschaft und Familie ab und lassen hauptsächlich 14-29 jährige2 mit ihren Darstellern mitfühlen. Die Daily Soaps haben sich erfolgreich im deutschen Fernsehpro­gramm etabliert und sind für viele Zuschauer nicht mehr wegzudenken. Sie bestimmen das Vorabendprogramm und auch das Familienleben in vielen deutschen Haushalten, denn die Soaps avancieren sehr schnell zu einem wich­tigen Bestandteil im täglichen Leben. Die Darsteller werden dann wie eigene Familienmitglieder in die Tagesplanung einbezogen, um die weitere Entwick­lung in Sachen Liebe, Betrug, Verrat und verbotene Leidenschaften nicht zu verpassen. In den Daily Soaps wird eine Lebenswirklichkeit inszeniert, die den Zuschauer fasziniert und die in der Lage ist ihn jeden Tag von neuem zu fes­seln. Der Soapfreund begleitet seine Darsteller in allen Lebenslagen und fühlt bei jedem Schicksalsschlag oder neuen Liebe mit. Die eigene Wirklichkeit tritt in den Hintergrund, wenn täglich zur gleichen Sendezeit gestritten, geliebt, be­trogen und verlassen wird.

Die Entwicklung dieser Art der Unterhaltung lässt sich kontinuierlich verfol­gen und ist zudem mehr als erstaunlich. Diesen Erfolg, den die Serien erfah­ren, verdanken sie auch zum großen Teil den Jugendlichen, die ihren Fernseh­lieblingen die Treue halten. Genau diese Zielgruppe soll in dieser Arbeit im Mittelpunkt stehen und die Frage, ob die Daily Soaps aus dem privaten Be­reich auch Einzug in den Deutschunterricht finden sollte? Müssen die gestell­ten Szenen mit ungewissem Ausgang didaktisch aufbereitet werden, um sie mit SchülerInnen zu diskutieren oder sollte das Phänomen Soap Opera als Trash- TV im Privaten eines jeden Einzelnen verborgen bleiben? Welchen Einfluss nimmt die Daily Soap auf die Schülerinnen und inwieweit müssen wir als Leh­rerInnen diese Entwicklung verstehen oder gar darauf eingehen?

Selbst wenn man der Meinung ist, dass die Soaps zu trivial sind und in keiner Weise einen Lerneffekt in sich tragen, so kommt man doch an diesem Phäno­men nicht mehr vorbei. Deshalb soll diese Arbeit sich mit dem populären Fernsehen beschäftigen, in der die Daily Soaps den Schwerpunkt bilden. Die vorangegangenen Fragen sollen die Grundlage bilden, um am Ende durch die Auseinandersetzung mit dem Thema eine Tendenz für den Deutschunterricht zu erkennen. Es soll kurz auf die neuen Medien und deren Einfluss auf Ju­gendliche eingegangen werden, um einen allumfassenden Einblick in das Thema zu erlangen und auch darzustellen, wie schnell sich diese Medien ent­wickeln. Dies setzt wiederum eine stetige Beschäftigung mit dem Thema vo­raus, um mit der Entwicklung Schritt zu halten und sie auch nutzen kann. Dann soll es in den nächsten Kapiteln ausschließlich um die Daily Soaps und deren Verwendung im Deutschunterricht gehen, also um einen konkreten Un­terrichtsentwurf.

2. Einfluss neuer Medien auf Jugendliche

Medien sind aus unserem Leben kaum noch wegzudenken und dienen unter anderem unserer alltäglichen Unterhaltung. Während die Entwicklung neuer Medien und Formate eher zäh und in Jahrzehntschritten voran ging, ist man heutzutage schnell nicht mehr up-to-date was das Internet, die Programm­landschaft, Playstation und Co. betrifft. Diese Medien halten Einzug in alle Le­bensbereiche und bestimmen zum großen Teil ihr Alltagsgeschehen. Haupt­sächlich werden diese elektronischen Medien jedoch in der Freizeit genutzt, wovon SchülerInnen unter der Woche pro Tag rund vier bis acht Stunden ha­ben, ca. elf Stunden stehen ihnen zur freien Beschäftigung am Wochenende zur Verfügung. Aus der 14. Shell Jugendstudie aus dem Jahre 2002 zu den „Häufigsten Freizeitbeschäftigungen von zwölf- bis 25jährigen“3 geht hervor, dass bei der Gestaltung ihrer Freizeit das Treffen mit Bekannten an erster Stel­le steht, gefolgt vom Fernsehen. Auf Platz drei steht der Sport und der vierte Platz wird von dem Internetsurfen besetzt. Es ist also deutlich erkennbar wel­chen hohen Stellenwert die elektronischen Medien einnehmen. Jugendliche besitzen zunehmend immer mehr elektronische Medien, die sie meist ohne Einschränkungen nutzen können. Bereits im Jahr 2002 hatten 66% aller zwölf- bis 19jährigen einen eigenen Fernseher und die Möglichkeit das Inter­net zu nutzen4. Natürlich sind auch noch andere Medien wichtig für die Ju­gendlichen, doch möchte ich mich in dieser Arbeit auf Internet und Fernsehen beschränken.

Sieht man sich beispielsweise das Internet an, das vor ca. 40 Jahren nur Netz­werke miteinander verbunden hat, gibt es dem heutigen Nutzer die Möglich­keiten zu telefonieren, fernzusehen, rund um die Uhr einzukaufen und vieles mehr. Doch diese Entwicklung geschah nicht nach und nach in den letzten 40 Jahren, sondern realisierte sich explosionsartig in den letzten zehn Jahren. In viele Bereiche drang das Internet ein und veränderte so nachhaltig die Gesell­schaft. Man verabredet sich nicht mehr per Telefon, sondern chattet bei „MSN“, „Skype“, „ICQ“ oder vielen anderen Portalen. Hier findet man auch den Partner fürs Leben, den richtigen Job, oder Hilfe für Hausarbeiten und Referate für die Schule und das Studium. Auch beim Einkauf muss man nicht mehr die lokalen Ladenöffnungszeiten beachten, denn geshoppt werden kann rund um die Uhr und auf der ganzen Welt, da man ja auch seine Liquidität per Onlinebanking mit einem Mausklick abrufen kann. Aus den Augen verliert man sich nicht mehr, denn bei Portalen wie „StudiVZ“, „Facebook“, „Jappy“ oder „Xing“ geht eigentlich niemand seiner Freunde verloren. Dort stellt man sich und seine Karriere dar oder man wird sogar gleich berühmt, durch das Einstellen seines Könnens als Video bei „My Video“ oder „Youtube“.

Das Internet kennt keine Grenzen mehr, doch mit den ganzen Vorteilen häu­fen sich auch die Gefahren, die es nun gilt richtig zu erkennen und einzuschät­zen. Es entstehen ganz neue Krankheitsbilder, Privatsphärenverletzungen und kriminelle Energien. Die Kaufsucht wird noch schwieriger zu kontrollieren, Kinder verlieren sich stundenlang in Internetspielen, Mobbingopfer sitzen hier wehrlos auf dem Präsentierteller und Onlinekonten sind nur ein Passwort ent­fernt. Deshalb kann die Entwicklung des Internets nicht einfach verteufelt o­der gar ignoriert werden. Die Gesellschaft muss sich dementsprechend auch weiter entwickeln. Gerade Jugendliche dürfen nicht mit Sanktionen belegt werden, sondern müssen einen adäquaten Umgang mit dem Medium lernen und auf die Gefahren, die sich dort für sie ergeben, aufmerksam gemacht wer­den. Da diese Entwicklungen jedoch unaufhaltsam sind, sollte man sie eher sinnvoll nutzen, als sich dagegen zu verschließen. Dies gilt für Eltern und Pä­dagogen gleichermaßen.

Jedes Medium verlangt eine angemessene Rezeption, die den Unterschied zwi­schen bloßem Berieseln und sinnvollem Nutzen macht. Das Fernsehen bietet keine große Vielfalt an Möglichkeiten wie das Internet, doch wird es deshalb nicht weniger von Jugendlichen genutzt. Viele Jugendliche mit eigenem Fern­seher nutzen diesen auch regelmäßig, wie das Diagramm zur „Verteilung der Fernsehnutzungsdauer in Stunden unter den befragten Jugendlichen“5. Es wurden in einer Stichprobe 423 Jugendliche im Alter von elf bis 18 Jahren im Jahr 2002 befragt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1, Quelle: Simon, S.99.

Unabhängig von der Qualität der Fernsehsendungen, wird hier die Quantität dargestellt, die zeigt, dass ein Durchschnitt von bis zu drei Stunden am Tag er­reicht wird. Das Fernsehen nimmt also einen Großteil der Freizeit der Jugend­lichen in Anspruch und sollte gerade deshalb mehr Beachtung in Hinsicht auf Medientraining finden. Genutzt wird das Fernsehen, um Langeweile zu ver­treiben und um Spaß und Unterhaltung geliefert zu bekommen.

3. Medien im Deutschunterricht

Die neuen Medien werden meist entweder mit Euphorie betrachtet und einge­setzt oder aber es findet eine totale Verweigerung unter den LehrerInnen statt. Beides ist nicht sinnvoll, da nur der gezielte Einsatz der Medien im Unterricht auch Lernziele verfolgen kann, doch Verlegenheitseinsätze der Medien verpuf­fen und haben gar keinen Effekt auf das Lehren und Lernen. Der Fernseher ist kein wirklich neues Medium mehr, jedoch sehen viele LehrerInnen das Fern­sehen als neu, unkontrolliert und schlecht an und verzichten im Unterricht komplett auf den Einsatz dieses Mediums. Doch verweigern sollten sich Leh­rerInnen keinesfalls, da man einen Großteil der heutigen Mediennutzung au­ßer Acht lassen würde. Natürlich muss die technische Ausstattung in der Schu­le gegeben sein und ein passendes pädagogisches Konzept zum jeweiligen Me­dium entwickelt werden, damit das Medium das bisherige Lernen erweitern und ergänzen kann3.

Besonders die jüngeren Generationen reagieren schnell auf neue Medien und eignen sich ebenso schnell deren Benutzung an. So scheint die Anwendung von Computern, Handys und neuen Spielkonsolen innerhalb kürzester Zeit in den Alltag aufgenommen zu werden. Doch bedeutet die reine Anwendung auch, dass der richtige Umgang mit dem Medium gewährleistet ist? Diese Frage soll­te vor allem auch LehrerInnen beschäftigen, die eben diesen Generationen et­was vermitteln wollen und sich der Entwicklung unserer Mediengesellschaft ebenfalls nicht entziehen können bzw. sollten. Letztlich entscheidet „der kom­petente Nutzer“4 und nicht die einzelnen Medien wie sie verwendet oder auf­genommen werden. Die Kenntnisse zu den einzelnen Medien sollten unter an­derem auch in der Schule vermittelt werden und so die Medienkompetenz der SchülerInnen erweitern und fördern. Doch welche Medien lassen sich beson­ders gut in den Deutschunterricht integrieren und welche stellen eher Stolper­steine dar? Diese Frage sollte sich jede Lehrkraft bei der Vorbereitung einer Unterrichtseinheit stellen und dabei berücksichtigen, dass es grundsätzlich auf den zielgerichteten Einsatz der verschiedenen Medien ankommt. Bei einigen Medien ergibt sich ein leichterer Zugang als bei anderen, doch darf das be­stimmte Lernziel dabei nicht aus den Augen verloren werden, da sonst auch der Einsatz des Mediums mit verpufft.

Auch wenn man als Lehrkraft gerne mit den neuen Medien arbeitet, sollten diese aber nicht den gesamten Deutschunterricht bestimmen, sondern als Er­gänzung gesehen werden. Ein Buch beispielsweise wird keines der neuen Me­dien in seinen Eigenschaften und Merkmalen ersetzen können und sollen. Es muss immer noch ein bunter Mix und ein Nebeneinander aus der Vielfalt an Medien bestehen, die uns umgibt, denn nur so können die Schülerinnen ihre allumfassenden Medienerfahrungen sammeln. Auf dem Lehrerinnen Fortbil­dungsserver der Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen in Baden-Württemberg spielt die Entwicklung der neuen Medien und ihr Einfluss auf den Deutschunterricht eine große Rolle. Hier wird der Einsatz der neuen Medien im Deutschunterricht vorausgesetzt und über eine ange­messene Mediendidaktik gesprochen, ohne die ein Gewinn für den Unterricht nicht möglich ist. Es werden drei Module genannt, deren Inhalte für den Ge­brauch der Medien geeignet ist:

„Modul I: Sprache betrachten - mit Sprache experimentieren

Modul II: Texte erschließen - Texte produzieren

Modul III: Ein Thema erarbeiten und präsentieren“5

In diesen Modulen können die neuen Medien vielfaches Potenzial für den Deutschunterricht bedeuten. Sie können als Werkzeuge beispielsweise die Lehr-Lernprozesse im Unterricht durch ihren innovativen Charakter beflügeln und ergänzen. Sie bieten verschiedene Möglichkeiten Materialien zu nutzen und zu präsentieren, was wiederum zu neuen Lernwegen führt. So bietet bei­spielsweise hier der Computer mit entsprechender Lernsoftware den Schüler­Innen die Möglichkeit ganz individuell zu lernen und ihren Fortschritt zu ver­folgen. Der Computer kann aber durch seine Vielfalt an Einsatzmöglichkeiten auch zum „Ort und Medium neuartiger Arbeitsabläufe“6 werden, denn hier kann auch im Internet recherchiert, sich über Email oder Chat ausgetauscht oder es können selbst erarbeitete Ergebnisse präsentiert oder veröffentlicht werden. Ebenso soll das Fernsehen im Unterricht behandelt werden, zur, wie von Volker Frederking treffend beschrieben „Bewusstwerdung und Reflexion der eigenen medialisierten Lebenswirklichkeit und des eigenen Selbst- und Weltverhältnisses zum Aufbau einer reflektierten, selbstbestimmten und ma­nipulationsresistenten Medienrezeption.“7

4. Populäres Fernsehen - Schwerpunkt: Die Daily Soap

Beim Aufschlagen der Programmzeitschrift fällt sofort das dominierende Gen­re der sich wöchentlich oder täglich wiederholenden Serien ins Auge. Neben diesen Serien gibt es eigentlich nur die Fernseh- oder Spielfilme, die eine flä­chendeckende Serienlandschaft zur Zeit noch verhindern. Dabei sind verschie­dene Serientypen zu unterscheiden, die „Mehrteiler, die Serien mit Endlosge­schichten und die Serien mit einzelnen abgeschlossenen Episoden“8. Es fällt schwer diese Genres noch eindeutig voneinander abzugrenzen, da sie einem dynamischen Prozess unterliegen und so Mischformen zustande kommen. Doch zum besseren Verständnis werde ich hier trotzdem eine Unterscheidung vornehmen.

So gibt es auch in zunehmendem Maße die sogenannte Dokusoap. Hier wird nicht geschauspielert, sondern es stehen reale Schicksale und Lebensweisen im Vordergrund. In den problemorientierten Formaten, die Staffelweise aus­gestrahlt werden, wie z.B. „Raus aus den Schulden“, „Die Supernanny“ oder „Einsatz in 4 Wänden“ werden meist Familien von einem „Experten“ beraten, wie sie Schulden in den Griff bekommen, ihre Kinder besser erziehen oder ihr Eigenheim schöner gestalten können. Der Zuschauer kann an den Problemen anderer teilhaben, ohne die Betroffenen eigentlich zu kennen.

[...]


1 Simon, Jeannine: Wirkungen von Daily Soaps aufjugendliche. München: Verlag Reinhard Fischer 2004

2 ebd.

3 vgl. http://lehrerfortbildung-bw.de/faecher/deutsch/gym/mmdidaktik/multimediadidaktik. htm

4 Ingendahl, Werner: Unterhaltung: „Massenmedium“ oder „Popkultur“? Gehört so etwas in den Deutschun­terricht? in: Literatur im Unterricht 1/2004, S. 61.

5 http://lehrerfortbildung-bw.de/faecher/deutsch/gym/mmdidaktik/multimediadidaktik.htm

6 http://lehrerfortbildung-bw.de/faecher/deutsch/gym/mmdidaktik/multimediadidaktik.htm

7 ebd.

8 Lexikon populärer Unterhaltungsformate im deutschen Fernsehen, in: Einschalten und Verstehen - Was war­um wie gesendet wird, Videos, Dokumentationen und Unterrichtsmaterialien zum populären Fernsehen für den Einsatz in Schule und Jugendarbeit, CD-ROM, Bundeszentrale für politische Bildung, 2006, Seite 10.

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Details

Titel
Medien im Deutschunterricht
Untertitel
Daily Soaps
Hochschule
Technische Universität Berlin
Autor
Jahr
2009
Seiten
23
Katalognummer
V153132
ISBN (eBook)
9783640688456
ISBN (Buch)
9783640688715
Dateigröße
809 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterrichtsbeispiele, Einfluss neuer Medien auf Jugendliche, Populäres Fernsehen, Daily Soap
Arbeit zitieren
Daniela Wolters (Autor), 2009, Medien im Deutschunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153132

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