Das politische System Frankreichs der V.Republik lässt in Steffanis Systemtypen des Präsidentialismus' und des Parlamentarismus' nicht sinnvoll einordnen. Hierfür hat Duverger den Modell-Typ des Semi-Präsidentialismus' entworfen. In diesem Essay soll untersucht werden, inwiefern sich das Modell Duverger's tatsächlich auf die V. französische Republik anwenden lässt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Systemvergleich nach Steffani
3. Das Modell des Semi-Präsidentialismus nach Duverger
4. Analyse der Anwendung auf die V. Republik Frankreichs
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch, ob sich die V. Republik Frankreichs als Systemtyp in das Modell des Semi-Präsidentialismus nach Maurice Duverger oder in die Kategorien von Winfried Steffani einordnen lässt, wobei insbesondere die Rolle der "Cohabitation" und die Diskrepanz zwischen Verfassungsnorm und politischer Realität analysiert werden.
- Vergleichende Analyse parlamentarischer und präsidentieller Regierungssysteme nach Steffani
- Kritische Überprüfung der Kriterien des Semi-Präsidentialismus nach Duverger
- Untersuchung der französischen Verfassungsrealität und der "domaine réservée"
- Die Auswirkungen der "Cohabitation" auf die Machtbefugnisse des Präsidenten
- Bewertung des französischen Regierungssystems als phasenabhängiges Mischsystem
Auszug aus dem Buch
Semi-Präsidentialismus
In diesem Essay möchte ich das Modell des Semi-Präsidentialismus von Maurice Duverger daraufhin untersuchen, ob es sich als Systemtyp der Komparistik auf die V. Republik Frankreichs anwenden lässt. Weist die V. Republik systeminherente und verfassungsrechtliche Merkmale auf, anhand derer sie sich als semi-präsidial einordnen lässt?
Meine These lautet, dass sich das Modell des Semi-Präsidentialismus, so wie Duverger es entworfen hat, sich nicht als Systemtyp auf die V. Republik Frankreichs anwenden lässt. Vielmehr kann es bestimmte Phasen des französischen Regierungssystems beschreiben. Ich werde als erstes die Systemtypen des Parlamentarismus und des Präsidentialismus nach Steffani charakterisieren und mit der V. Republik vergleichen. Anschließend stelle ich Duvergers Modell vor und prüfe es auf seine Übereinstimmung mit dem französischen Staat.
Demokratische Staaten unterscheiden sich im Aufbau ihrer Systeme und Organe. Sie lassen sich nach Steffani in präsidentielle und parlamentarische Systeme unterteilen. Hauptsächlich unterscheiden sich diese Typen darin, dass es in einem parlamentarischen Regierungssystem möglich ist, dass die Regierung aus politischen Gründen vom Parlament abberufen werden kann. Im präsidentiellen System ist dies nicht möglich. Die Dauer einer Regierung ist in diesem System verfassungsrechtlich vorgeschrieben. Regierung und Parlament sind von einander relativ unabhängig, es herrscht zudem Imkompatibilitätsgebot. Regiert hier eine geschlossene Exekutive, so findet sich im parlamentarischen System eine doppelte Exekutive; Staatsoberhaupt und Regierungschef sind nicht in einer Personalunion verwirklicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung formuliert die Forschungsfrage und die zentrale These, dass das Modell des Semi-Präsidentialismus nicht als allgemeiner Systemtyp für Frankreich taugt, sondern lediglich Phasen beschreiben kann.
2. Systemvergleich nach Steffani: Dieses Kapitel charakterisiert die Unterschiede zwischen parlamentarischen und präsidentiellen Systemen und stellt fest, dass die V. Republik nicht eindeutig in Steffanis Kategorien passt.
3. Das Modell des Semi-Präsidentialismus nach Duverger: Hier werden die Haupt- und Nebenmerkmale des Modells von Duverger erläutert, um eine wissenschaftliche Basis für die anschließende Kategorisierung zu schaffen.
4. Analyse der Anwendung auf die V. Republik Frankreichs: Das Kapitel prüft die Kriterien des Modells anhand der französischen Realität, insbesondere unter Berücksichtigung von Phänomenen wie der Cohabitation und der domaine réservée.
5. Fazit: Das Fazit resümiert, dass das französische Regierungssystem aufgrund seiner parteipolitisch bedingten Fluktuationen keinem starren Systemtyp entspricht, sondern zwischen parlamentarischen und präsidialen Phasen wechselt.
Schlüsselwörter
Semi-Präsidentialismus, V. Republik Frankreich, Maurice Duverger, Winfried Steffani, Parlamentarismus, Präsidentialismus, Cohabitation, Regierungsformen, Verfassungsrealität, domaine réservée, politische Systeme, Exekutive, Gewaltenteilung, Systemtyp, Staatspräsident.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Einordnung des französischen Regierungssystems der V. Republik in die politikwissenschaftlichen Systemklassifikationen von Steffani und Duverger.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Konzepte des Parlamentarismus, des Präsidentialismus sowie des Semi-Präsidentialismus im Kontext der französischen Verfassungspraxis.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Tauglichkeit bestehender Systemmodelle zur Beschreibung des französischen Staates kritisch zu hinterfragen und deren Grenzen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische vergleichende Analyse, bei der theoretische Definitionsmerkmale mit der empirischen Verfassungsrealität verglichen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Darstellung der Systemtypen, die Anwendung dieser Kriterien auf Frankreich sowie die kritische Reflexion über Faktoren wie die Cohabitation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Semi-Präsidentialismus, Cohabitation, domaine réservée, Exekutive und Verfassungsrealität.
Warum lässt sich Frankreich nicht einfach als "semi-präsidial" bezeichnen?
Da die tatsächliche Machtverteilung stark von der jeweiligen Parlamentsmehrheit und der politischen Übereinstimmung mit dem Präsidenten abhängt, schwankt das System zwischen präsidialen und parlamentarischen Charakteristika.
Welche Rolle spielt die Cohabitation für das Argument des Autors?
Die Cohabitation dient als zentrales Beispiel dafür, dass die faktische Machtkompetenz des Präsidenten nicht allein durch den Verfassungstext definiert ist, sondern durch das politische Kräfteverhältnis eingeschränkt werden kann.
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- Jochen Rehmert (Author), 2009, Semi-Präsidentialismus in Frankreich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153143