Die Hochstapelei ist ein immer wiederkehrendes Phänomen in der Geschichte der
Menschheit. Doch welche psychologischen Voraussetzungen machen diesen Betrug
möglich? Das vorliegende Essay soll spekulativ, anhand des psychologischen Modells des
Selbst, der Wahrnehmungsschemata und unter Zuhilfenahme von zwei charakteristischen
Fällen von Hochstapelei, psychologische Mechanismen aufdecken die erfolgreiche
Hochstapelei möglich machen.
Inhaltsverzeichnis
1 Zusammenfassung
2 Einleitung
3 Kurzbiographien
3.1 Gert Postel
3.2 Torsten Schmitt
4 Wie Hochstapler von Wahrnehmungsschemata profitieren
4.1 Grundsätze zur Kognition von äußeren Objekten
4.2 Die Simulation von Rollen im Kontext von unbewussten Wahrnehmungsschemata
4.3 Die Adaption einer inneren Repräsentanz als pseudo-Anteile des eigenen Selbst
5 Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Dieses Essay untersucht die psychologischen Mechanismen, die es Hochstaplern ermöglichen, durch gezielte Täuschung erfolgreich in gesellschaftlichen Positionen zu agieren, wobei der Fokus auf dem Zusammenspiel von Selbstkonzepten und kognitiven Wahrnehmungsschemata der Mitmenschen liegt.
- Psychologische Struktur des Selbst bei Hochstaplern
- Funktionsweise kognitiver Wahrnehmungsschemata im sozialen Kontext
- Analyse der Fälle Gert Postel und Torsten Schmitt
- Simulation von Rollen und Identitätsadaption
- Psychologische Voraussetzungen für den Erfolg von Betrugsmodellen
Auszug aus dem Buch
4.1 Grundsätze zur Kognition von äußeren Objekten
Möchte man das Wesen der Hochstapelei erfassen, müssen grundlegende psychologische Voraussetzungen für deren Erfolg, also die Anerkennung der Hochstapler in ihrer gespielten Rolle, beleuchtet werden. Wir alle bilden kognitive Wahrnehmungsschemata über Objekte in unserer Umwelt. Diese inneren Repräsentanzen sind Grundannahmen über die Beschaffenheit dieser Objekte, mit der Funktion, die Komplexität unserer Umwelt zu reduzieren und die Effizienz unserer Wahrnehmung zu optimieren.
So schreiben wir unbewusst Menschen in unserer Umgebung Eigenschaften zu obwohl wir sie explizit nicht genau kennen. Diese Zuschreibung von Eigenschaften geschieht aufgrund von Informationen, die wir über das gegenständliche Objekt – auch Personen – im Kontext der aktuellen Situation aufnehmen. Anhand dieser aktuellen Informationen ordnen wir dieses Objekt in ein Schema ein, was sich aus Erfahrungen und Annahmen über Eigenschaften dieser „Objektgattung“ in der Vergangenheit konstituiert hat. Die verinnerlichten einzelnen Eigenschaften dieses Schemas werden dem betreffenden Objekt nun zugeschrieben und haben kognitiv so lange Geltung, bis sie von aktuellen Informationen ergänzt, negiert oder überlagert werden. Trivial könnte man sagen, das einem, aufgrund der aktuellen Informationen als Stuhl eingeordnetem, Objekt so lange die verinnerlichten Eigenschaften eines Stuhles zugeschrieben werden, bis wir feststellen, dass der Stuhl nur eine Attrappe aus Kunststoff (Schema: Attrappe von Stuhl aus Kunststoff) ist und keineswegs die ihm zugedachte Eigenschaft als mögliche Sitzgelegenheit bietet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Zusammenfassung: Das Kapitel erläutert die Zielsetzung der Arbeit, psychologische Mechanismen erfolgreicher Hochstapelei anhand von zwei Fallbeispielen zu untersuchen.
2 Einleitung: Hier wird das psychologische Konstrukt des Selbst eingeführt und der Kontext zwischen gestörten Selbstkonzepten und pathologischem Hochstapler-Verhalten skizziert.
3 Kurzbiographien: Dieses Kapitel stellt die Lebensläufe und Vorgehensweisen von Gert Postel und Torsten Schmitt vor.
4 Wie Hochstapler von Wahrnehmungsschemata profitieren: Der Hauptteil analysiert, wie durch unbewusste Erwartungen der Umwelt und bewusste Rollenadaption die Verankerung in gesellschaftlichen Positionen gelingt.
5 Schlussfolgerungen: Das Fazit stellt fest, dass ein Schutz vor Hochstaplern kaum möglich ist, da unsere Psyche auf die Effizienz von Wahrnehmungsschemata angewiesen ist.
Schlüsselwörter
Hochstapelei, Selbstkonzept, Wahrnehmungsschemata, Identität, Simulation, Gert Postel, Torsten Schmitt, Psychologie, Täuschung, Sozialverhalten, Rollenerwartung, Kognition, Persönlichkeitsstruktur, Manipulation, Pseudo-Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der psychologischen Analyse von Hochstaplern und fragt danach, welche Mechanismen es ihnen erlauben, andere Menschen erfolgreich über ihre Identität und Fachkompetenz zu täuschen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind das psychologische Konstrukt des Selbst, die Funktionsweise von Wahrnehmungsschemata und die methodische Simulation von gesellschaftlichen Rollen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es, spekulativ aufzudecken, wie Hochstapler durch die Ausnutzung von kognitiven Schemata ihrer Mitmenschen in anspruchsvollen beruflichen Positionen erfolgreich agieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen theoretischen Ansatz, der psychologische Modelle des Selbst und der Kognition mit den realen, biographischen Fallbeispielen von Gert Postel und Torsten Schmitt verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Menschen unbewusst Objekten und Personen Eigenschaften zuschreiben und wie Hochstapler diese Eigenschaftszuschreibung durch geschicktes Auftreten und Rollensimulation für sich nutzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Hochstapelei, Wahrnehmungsschemata, Selbstkonzept, Rollensimulation und Identitätsadaption.
Warum konnte Gert Postel so lange unentdeckt bleiben?
Postel nutzte geschickt die Erwartungshaltungen seiner Kollegen und vermied gezielt Situationen, in denen seine reale Kompetenz hätte geprüft werden können, indem er sich habituell korrekt in seiner Rolle bewegte.
Wie unterscheidet sich die Vorgehensweise von Torsten Schmitt?
Während Postel die Manipulation bewusst als Instrument einsetzt, scheint Schmitt sein Selbstkonzept unter Verdrängung der eigenen Anteile in die jeweils gespielte Rolle des "Anderen" umzuschalten.
- Quote paper
- Andre Blum (Author), 2010, Das psychologische Konstrukt des Selbst bei Hochstaplern und wie diese von kognitiven Wahrnehmungsschemata profitieren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153161