Kinder treten auf direkte Art und Weise mit ihrem Umfeld in Kontakt, indem sie alles erkunden, erleben und erfahren wollen. Dabei stellen sie sich gerne neuen Herausforderungen und lassen sich auf ungewohnte Situationen ein – auch im Bereich von Sprache und Literatur. So lieben Kinder es bspw., Verse nachzusprechen, zu verändern oder eigene Reime zu erfinden.1 Außerdem lassen sie sich vor allem von jener Literatur begeistern, die einen Handlungs- und Figurenrahmen bietet, der Kinder zur Identifikation anregt. Nicht selten passiert es in diesem Zusammenhang bspw., dass Kinder nach der Rezeption eines Märchens oder einer Erzählung in die Rollen der jeweiligen Figuren schlüpfen, um deren Erlebnisse nachzuspielen. Dies beweist, wie intensiv sie sich mit der Handlung und den Figuren der entsprechenden literarischen Werke beschäftigen. Ein Phänomen, das auch in der Schule genutzt werden kann, um bereits Grundschüler2 für Literatur zu begeistern und somit die Grundlage für eine langfristige Lesemotivation zu schaffen. Die vorliegende Arbeit liefert in diesem Zusammenhang ein schulpraktisches Beispiel, indem sie zunächst darlegt, welche besondere Bedeutung den Märchen der Brüder Grimm vor allem als Einstiegsliteratur im Grundschulunterricht zukommen kann. Anschließend werden Betrachtungen und Überlegungen zum Verfahren des Szenischen Interpretierens als Unterrichtsmethode für den Umgang mit Märchen angestellt. Die Begründung dafür liegt in der Annahme, dass die Märchen der Brüder Grimm vor allem bei jungen Schülern zu hoher Identifikation mit den Märchenfiguren führen können, und das Verfahren des Szenischen Interpretierens zusätzlich dazu beitragen kann, dass die Schüler die Märchen tatsächlich von Innen heraus erleben und erfahren können, was ihrer Form der Kontaktaufnahme mit ihrem Umfeld entspricht.3 Zudem müssen sowohl die Märchen der Brüder Grimm als auch das szenische Spielen als Sozialisationsgut betrachtet werden – die Märchen der Brüder Grimm kennt fast Jeder, sind sie doch die bekanntesten jener literarischen Gattung weltweit. Und das Spielen und Darstellen von Rollen ist eine der ursprünglichsten menschlichen Verhaltensweisen überhaupt, um andere Menschen nachzuahmen oder sich selbst besser zu begreifen.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Die Gattung der Märchen – Entwicklung und Formen
1.1.Die Entwicklung des heute geläufigen Märchenbegriffes
1.2.Die verschiedenen Märchentypen – ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede
2. Definition der Märchen
2.1 Der Strukturaufbau der Märchen
2.2. Die Märchenfiguren
2. 3. Der Darstellungsstil der Märchen
3. Die literarische Gattung der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm
3.1. Entstehung und Entwicklung
3.2. Der kindliche Rezipient der Kinder -und Hausmärchen
3.3. Die Kinder -und Hausmärchen als epische Kinder- und Jugendliteratur
3.4. Die Kinder- und Hausmärchen als phantastische Kinder- und Jugendliteratur
3.5. Die Kinder- und Hausmärchen als Sozialisationsliteratur
4. Didaktik der Märchen
4.1. Entstehung und Entwicklung
4.2. Märchen als Modellfälle
4.3. Umgang mit Märchen im Unterricht
4.4. Für welche Klassenstufen eignen sich Märchen?
5. Märchen in der Primarstufe
5.1. Märchen als literarischer Einstieg
5.2. Kompetenzerwerb durch Märchen
5.3. Kompetenzerwerb durch Märchen im Blickfeld der Bildungsstandards für den Deutschunterricht der Primarstufe und dem ’Umgang mit Literatur’ nach dem hessischen Rahmenplan
6. Szenisches Interpretieren
6.1. Spiel – und theaterpädagogische Ansätze
6.2. Szenisches Interpretieren nach Scheller
6.3. Literarisches Rollenspiel nach Schuster
6.4. Szenisches Interpretieren als Methode im Deutschunterricht der Grundschule
6.5. Organisation und Grenzen des Szenisches Interpretieren im Unterricht
6.6. Kompetenzerwerb durch szenisches Interpretieren
6.7. Kompetenzerwerb durch Szenisches Interpretieren im Blickfeld der Bildungsstandards für den Deutschunterricht der Primarstufe und den Lernzielen des hessischen Rahmenplans für das Unterrichtsfach Deutsch
7. Unterrichtsentwurf zum szenischen Interpretieren von Märchen
7.1. Das szenische Interpretieren von Märchen
7.2. Rotkäppchen nach den Brüdern Grimm
7.2.1 Entstehung und Verbreitung
7. 2.2. Überlegungen zur Interpretation
7.3. Wichtige Inhalte für die Abhandlung im Deutschunterricht der Primarstufe
7.3.1. Rotkäppchens Weg
7.3.2. Rotkäppchen und der Wolf
7.3.3.Die Modellhaftigkeit von Rotkäppchen
7.3.4. Rotkäppchen als literarischer Einstieg
7.3.5. Rotkäppchens Sprache
7.3.6. Rotkäppchen als dramatische Literatur
7.4. Methodische Überlegungen zur Unterrichtseinheit
7.4.1. Die szenische Umsetzung
7.4.2. Gemeinsame Erarbeitung der Märcheninhalte und Märchenfiguren
7.5. Ablauf des Unterrichtsentwurfes
7.5.1. Tabellarischer Ablauf
7.5.2. Detaillierter und begründeter Ablauf
7.5.2.1. Erster Tag
7.5.2.2. Zweiter Tag
7.5.2.3. Dritter Tag
7.5.2.4. Vierter Tag
7.5.2.5. Fünfter Tag
7.5.2.6. Sechster Tag
7.5.2.7. Siebter Tag
7.6. Die Bewertung der Unterrichtseinheit
7.7. Nachbereitung
7.8. Reflexion
7.9. Materialien zur Unterrichtseinheit
8. Erwerb und Erfassbarkeit literarischer Kompetenz durch das Szenische Interpretieren des Märchens Rotkäppchen im Deutschunterricht der Primarstufe
8.1. Lesekompetenz, Lesefertigkeit und literarische Kompetenz als Bildungsziele des Deutschunterrichts der Primarstufe
8.2. Literarische Kompetenz – Begriff und Erwerb im Blickfeld literaturdidaktischer Ansätze und Untersuchungen
8.3. Kindliche Rezeptionsprozesse von Literatur durch Szenische Interpretation
8.4. Inhalte von Kindertexten im Rahmen des Szenischen Interpretierens
8.5. Schlussfolgerungen für das Szenische Interpretieren des Märchens Rotkäppchen
8.6. Probleme der Erfassbarkeit von literarischer Kompetenz und ihre Konsequenzen
8.7. Schlussbetrachtungen
9. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial des szenischen Interpretierens als Unterrichtsmethode für den Umgang mit Märchen in der Grundschule, wobei das Märchen "Rotkäppchen" der Brüder Grimm als schulpraktisches Beispiel dient. Ziel ist es, darzulegen, wie durch dieses Verfahren nicht nur der Zugang zu Literatur gefördert, sondern auch literarische Kompetenz bei Grundschülern aufgebaut und eine langfristige Lesemotivation gestärkt werden kann.
- Bedeutung der Märchen der Brüder Grimm als Einstiegsliteratur.
- Grundlagen des szenischen Interpretierens als didaktische Methode.
- Verbindung von Kompetenzerwerb mit den Bildungsstandards für den Deutschunterricht.
- Entwicklung eines konkreten Unterrichtsentwurfs zum Märchen "Rotkäppchen".
Auszug aus dem Buch
0. Einleitung
Kinder treten auf direkte Art und Weise mit ihrem Umfeld in Kontakt, indem sie alles erkunden, erleben und erfahren wollen. Dabei stellen sie sich gerne neuen Herausforderungen und lassen sich auf ungewohnte Situationen ein – auch im Bereich von Sprache und Literatur. So lieben Kinder es bspw., Verse nachzusprechen, zu verändern oder eigene Reime zu erfinden.
Außerdem lassen sie sich vor allem von jener Literatur begeistern, die einen Handlungs- und Figurenrahmen bietet, der Kinder zur Identifikation anregt. Nicht selten passiert es in diesem Zusammenhang bspw., dass Kinder nach der Rezeption eines Märchens oder einer Erzählung in die Rollen der jeweiligen Figuren schlüpfen, um deren Erlebnisse nachzuspielen. Dies beweist, wie intensiv sie sich mit der Handlung und den Figuren der entsprechenden literarischen Werke beschäftigen. Ein Phänomen, das auch in der Schule genutzt werden kann, um bereits Grundschüler für Literatur zu begeistern und somit die Grundlage für eine langfristige Lesemotivation zu schaffen.
Die vorliegende Arbeit liefert in diesem Zusammenhang ein schulpraktisches Beispiel, indem sie zunächst darlegt, welche besondere Bedeutung den Märchen der Brüder Grimm vor allem als Einstiegsliteratur im Grundschulunterricht zukommen kann. Anschließend werden Betrachtungen und Überlegungen zum Verfahren des Szenischen Interpretierens als Unterrichtsmethode für den Umgang mit Märchen angestellt. Die Begründung dafür liegt in der Annahme, dass die Märchen der Brüder Grimm vor allem bei jungen Schülern zu hoher Identifikation mit den Märchenfiguren führen können, und das Verfahren des Szenischen Interpretierens zusätzlich dazu beitragen kann, dass die Schüler die Märchen tatsächlich von Innen heraus erleben und erfahren können, was ihrer Form der Kontaktaufnahme mit ihrem Umfeld entspricht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Gattung der Märchen – Entwicklung und Formen: Dieses Kapitel erläutert die geschichtliche Entwicklung und Definition des Märchenbegriffs sowie die Einteilung in verschiedene Märchentypen.
2. Definition der Märchen: Hier werden zentrale Merkmale von Märchen wie Eindimensionalität, typische Figuren und der spezifische Darstellungsstil analysiert.
3. Die literarische Gattung der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm: Das Kapitel widmet sich der Entstehung und der Bedeutung der Grimmschen Märchensammlung für Kinder als Rezipienten.
4. Didaktik der Märchen: Es werden didaktische Konzepte und die Rolle von Märchen als "Modellfälle" für den Unterricht diskutiert.
5. Märchen in der Primarstufe: Hier steht der Kompetenzerwerb durch Märchen im Kontext aktueller Bildungsstandards und Rahmenpläne im Fokus.
6. Szenisches Interpretieren: Dieses Kapitel führt in die spiel- und theaterpädagogischen Ansätze ein und verknüpft diese mit dem Deutschunterricht.
7. Unterrichtsentwurf zum szenischen Interpretieren von Märchen: Ein praktischer Unterrichtsentwurf zum Märchen "Rotkäppchen" wird detailliert ausgearbeitet.
8. Erwerb und Erfassbarkeit literarischer Kompetenz durch das Szenische Interpretieren des Märchens Rotkäppchen im Deutschunterricht der Primarstufe: Den Abschluss bildet eine theoretische Reflexion über die Messbarkeit und den Erwerb literarischer Kompetenz.
Schlüsselwörter
Märchen, Brüder Grimm, Szenisches Interpretieren, Rotkäppchen, Primarstufe, Grundschule, Literaturdidaktik, Lesemotivation, Literarische Kompetenz, Rollenspiel, Handlungs- und produktionsorientierter Unterricht, Bildungsstandards, Märchenfiguren, Kompetenzerwerb, Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert den Einsatz der Methode des szenischen Interpretierens im Deutschunterricht der Grundschule, unter besonderer Berücksichtigung der Märchen der Brüder Grimm.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Didaktik der Märchen, der Rolle des szenischen Spiels für den Kompetenzerwerb und der praktischen Umsetzung einer Unterrichtseinheit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schüler durch szenisches Interpretieren einen intensiven, handelnden Zugang zu Literatur finden und dabei ihre literarische Kompetenz erweitern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die fachdidaktische Diskussionen und Literatur analysiert, um einen schulpraktischen Unterrichtsentwurf zu begründen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Märchen und Theaterpädagogik sowie einen konkreten, detaillierten Unterrichtsentwurf zum Märchen "Rotkäppchen".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Märchen, Szenisches Interpretieren, Rotkäppchen, Grundschule und literarische Kompetenz.
Welche Bedeutung hat das "Rotkäppchen"-Märchen in diesem Kontext?
Es dient als konkretes Modellbeispiel, da es aufgrund seiner überschaubaren Struktur und seiner archetypischen Charaktere ideal für den Einstieg in literarisches Lernen geeignet ist.
Wie soll die Unterrichtseinheit bewertet werden?
Die Autorin schlägt ein Lesebegleitheft vor, das den individuellen Lernprozess dokumentiert, und rät zur Zurückhaltung bei der traditionellen Notengebung, um die Freude am Spiel nicht zu mindern.
- Quote paper
- Anika Wawzyniak (Author), 2009, Szenisches Interpretieren von Märchen im Deutschunterricht der Primarstufe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153188