"Round Midnight" gilt als einer der besten Jazz-Filme. Er lebt von der treffenden Portraitierung eines genialen, aber oft verzweifelten Jazzmusikers, einem stimmigen Bild der Pariser Jazz-Szene in den 1950er und 60er Jahren und vor allem durch die Musik, die sich wie ein alles verbindender roter Faden durch den Film zieht.
In der vorliegenden Arbeit analysiere ich die ersten 50 Minuten des französisch-amerikanischen Spielfilms von Regisseur Bertrand Tavernier aus dem Jahr 1986.
Meine Schwerpunkte liegen zum einen auf dem Einsatz von Musik im Film und zum anderen auf der Untersuchung von Parallelen zwischen Film und Bud Powells Biografie „Dance of the Infidels“, verfasst von Francis Paudras, einem französischen Musikliebhaber. Inhaltlich halte ich mich an die Chronologie des Filmes. Die Szenen werden nacheinander behandelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Gegenstand und Aufgabe der Arbeit
2. Handlung und Hintergründe des Films
3. Die Szenen
1. Szene: Dale in New York (0:06:11)
2. Szene: Dale in Paris (0:08:41)
3. Szene: Dales erster Auftritt im Blue Note (0:11:40)
4. Szene: Zweiter Auftritt im Blue Note (0:24:14)
5. Szene: Die nächsten Tage (0:33:43)
6. Szene: Dale verschwindet (0:48:22)
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die ersten 50 Minuten des Films „Round Midnight“ von Bertrand Tavernier mit einem besonderen Fokus auf die dramaturgische Funktion der Musik sowie die filmische Verarbeitung der Biografie des Jazz-Pianisten Bud Powell. Ziel der Untersuchung ist es, die Verbindung zwischen musikalischer Untermalung und der erzählerischen Chronologie aufzuzeigen.
- Der Einfluss und Einsatz von Musik als verbindendes Element im Film.
- Biografische Parallelen zwischen der Filmfigur Dale Turner und realen Jazzmusikern wie Bud Powell und Lester Young.
- Die Dynamik zwischen Abhängigkeit und künstlerischem Genie bei Jazzmusikern.
- Die Analyse spezifischer Schlüsselszenen zur Veranschaulichung der filmischen Erzählweise.
Auszug aus dem Buch
Szene 2: Dale in Paris (0:08:41)
Off-Musik und –Stimme bleiben während der kurzen Blende über Schwarz und dem Hinweis „Paris 1959“ bestehen. Nachdem die Kamera nach einer kurzen Außenaufnahme des Hotels Louisiane langsam in einer Nahaufnahme über Gegenstände in der Küche von Ace (Bobby Hutcherson), einem Freund von Dale, fährt, hört man auch weiter Herbie Hancocks „Still Time“, nun aber nicht mehr aus dem Off, sondern gedämpft aus einem Radio oder Plattenspieler.
Die Szene zeigt eindrücklich Taverniers gekonnten Einsatz von Filmmusik. Er gebraucht sie häufig, um Szenen miteinander verschmelzen zu lassen. Der Übergang zwischen Off- und On-Musik ist fließend, manchmal kaum wahrnehmbar. Häufig beginnt ein Lied im Off und wechselt kurze Zeit später ins On und umgekehrt.
Während Buttercup, Dales Managerin und vermeintliche Lebensgefährtin sich naserümpfend an der Schüssel mit dem gerade von Ace gekochten Gericht vorbeimarschiert, bleibt Dale stehen und wechselt ein paar Worte mit ihm. Dabei nennt er ihn „Lady Ace“, was einem Tick von Bud Powell entspricht, der Personen oder Gegenstände gerne mit einem vorangestellten „Lady“ anredete.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Gegenstand und Aufgabe der Arbeit: Vorstellung des Untersuchungsgegenstands und Erläuterung der Schwerpunkte bezüglich des Musikeinsatzes und der biografischen Analogien.
2. Handlung und Hintergründe des Films: Einbettung des Films in den Kontext der Jazzgeschichte und Kurzbiografie der zugrundeliegenden Vorbilder wie Bud Powell.
3. Die Szenen: Detaillierte chronologische Analyse von sechs Schlüsselszenen, die den Lebensalltag und den Verfall des Protagonisten beleuchten.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der gelungenen filmischen Integration von Musik und der Bedeutung des Werks als Denkmal für Jazzmusiker.
Schlüsselwörter
Round Midnight, Bertrand Tavernier, Jazz, Bud Powell, Dale Turner, Filmmusik, Saxophon, Dexter Gordon, Francis Paudras, Bebop, Filmbiografie, Paris, 1950er, Musikerleben, Musikgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Analyse grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die ersten 50 Minuten des Jazz-Spielfilms „Round Midnight“ aus dem Jahr 1986 unter Berücksichtigung der filmischen Musikdramaturgie.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Integration von Musik als erzählerisches Mittel sowie auf die Darstellung von Sucht, Einsamkeit und dem Schicksal großer Jazzmusiker.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Es wird untersucht, wie Regisseur Bertrand Tavernier biografische Elemente aus dem Leben von Bud Powell und Lester Young in den Film integriert und wie Musik zur Strukturierung der Erzählung beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit folgt einer chronologischen Filmanalyse, bei der Szenen direkt auf ihre formale Gestaltung und ihre inhaltliche Verbindung zur realen Biografie von Musikern geprüft werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sechs markante Filmszenen detailliert analysiert, wobei auf Kameraeinstellungen, die Rolle der Musik und den Bezug zur Biografie von Bud Powell eingegangen wird.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die wichtigsten Begriffe sind Jazz, Round Midnight, Musikdramaturgie, Bud Powell, Dexter Gordon und Filmbiografie.
Warum wird im Film ein Saxophonist anstatt eines Pianisten gezeigt?
Obwohl sich der Film stark auf das Schicksal des Pianisten Bud Powell bezieht, wählte der Regisseur mit Dexter Gordon einen Saxophonisten als Hauptdarsteller, um auch Aspekte von Lester Young in die Figur einfließen zu lassen.
Welche Rolle spielt Buttercup innerhalb der Handlung?
Buttercup agiert als Managerin und Lebensgefährtin von Dale Turner; ihre Rolle ist ambivalent, da sie Dale zwar abschottet, ihn aber auch vor dem Absturz zu bewahren versucht.
Warum ist der Einsatz von On- und Off-Musik für den Film bedeutsam?
Tavernier nutzt den fließenden Wechsel, um Szenen räumlich und zeitlich miteinander zu verbinden, was dem Film eine atmosphärische Kontinuität verleiht.
- Quote paper
- Abel Hoffmann (Author), 2010, Musik im Film. Eine Analyse zu „Round Midnight“ von Bertrand Tavernier sowie ein Vergleich mit der Biografie „Dance of the Infidels“ von Francis Paudras, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153192