Nachfolgend soll nun ein Überblick zu verschiedenen Aspekten der heute noch
vorhandenen diatopischen Varietäten im französischen Sprachsystem
gegeben werden. Im ersten Teil der Arbeit erfolgt deshalb zunächst eine
schematisierte Darstellung der aktuell in Frankreich, also der so genannten
„France métropolitaine“ 6, existierenden Sprachvarietäten anhand eines Ebenenmodells. Die einzelnen Ebenen werden dann genauer betrachtet,
wobei im Bereich des Normfranzösischen die geschichtliche Entwicklung des
franzischen Dialekts zum allgemein anerkannten Standardfranzösisch im
Vordergrund steht. Auf der Ebene der Regiolekte sollen vor allem die
Charakteristika der regionalen Varianten français régionaux, dialectes/parlers
locaux und langues éthniques herausgestellt werden, um sie klar voneinander
abgrenzen zu können.
Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich sodann mit den Abweichungen des
français régional vom Standardfranzösischen im Bereich der Phonologie,
Morphosyntax und Lexik, die anhand von Beispielen erläutert werden.
Was die Literatur angeht, so stützt sich die vorliegende Arbeit zu einem
bedeutenden Teil auf Bodo Müller7, da sich bei ihm bis heute eine der
umfassendsten Betrachtungen zur diatopischen Varietätenlinguistik findet. Zu
den historischen Betrachtungen der Entwicklung des Normfranzösischen
geben sowohl Achim Stein8 als auch Jean Sibille9 einen guten Überblick. Bei
der Zusammenstellung der phonologischen, morphosyntaktischen und
lexikalischen Eigenheiten waren neben Müller auch die Werke von Adrian
Battye/ Marie-Anne Hintze10 und Henriette Walter11 sehr hilfreich. Dabei muss
jedoch angemerkt werden, dass es gerade im Bereich der phonologischen und
morphosyntaktischen Besonderheiten schwierig ist, mit Sicherheit zu sagen,
ob die von den Autoren angeführten Merkmale heute noch flächendeckend
anzutreffen sind, da diese meistens bereits vor 1975 zusammengetragen
wurden.
6 Die Betrachtung der Sprachsituation in den französischen Überseegebieten (D.O.M. und
T.O.M.) wird somit explizit ausgeschlossen.
7 Bodo Müller, Das Französische der Gegenwart, Heidelberg 1975
8 Achim Stein, Einführung in die französische Sprachwissenschaft, Stuttgart 1998
9 Jean Sibille, Les langues régionales, Paris 2000
10 Adrian Battye, Marie-Anne Hintze, The French Language today, London 1992
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffliche Abgrenzungen
2.1 Das Standardfranzösische und dessen historische Entwicklung
2.2 Die français régionaux
2.3 Dialekte und parlers locaux
2.4 Minderheitensprachen
2.5 Der Begriff patois
3. Das français régional und seine Abweichungen vom Standardfranzösisch
3.1 Phonologische Unterschiede
3.2 Morphosyntaktische Unterschiede
3.3 Lexikalische Unterschiede
4. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und Themenfelder
Die Arbeit untersucht die sprachliche Diversität in Frankreich und analysiert, wie trotz der normativen Dominanz des Standardfranzösischen regionale Varietäten – insbesondere die sogenannten français régionaux – als Ausdruck einer diatopischen Differenzierung fortbestehen und das französische Sprachsystem beeinflussen.
- Historische Entwicklung des Standardfranzösischen und dessen zentrale Rolle.
- Differenzierung zwischen Standardfranzösisch, Regionalfranzösisch, Dialekten und Minderheitensprachen.
- Analyse phonologischer, morphosyntaktischer und lexikalischer Abweichungen in den regionalen Varietäten.
- Einfluss von Substraten auf die Ausprägung regionaler Sprachformen.
- Die Bedeutung von Sprachpolitik und historischem Prestige für die heutige Sprachsituation.
Auszug aus dem Buch
3.1 Phonologische Unterschiede
Für einen ortsfremden Französischsprecher sind die phonologischen Eigenheiten eines français régional am auffälligsten, d.h. dass Abweichungen zur standardisierten Aussprache der Norm, ein anderer Tonfall oder eine nicht vertraute Sprachmelodie für ihn sehr leicht zu erkennen sind. Der ortsansässige Sprecher hingegen hat sich die regionale Lautbildung so fest angeeignet, dass er sie für „normal“, also dem Standard entsprechend, hält. Aus diesem Grund kann er, selbst wenn er sich bewusst um ein der Norm entsprechendes Französisch bemühen würde, seine regionale Färbung nur schwer ablegen.
In der Folge einige der phonologischen Besonderheiten, die in den verschiedenen français régionaux beobachtet werden:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert den vermeintlichen sprachlichen Monolith Frankreichs im Kontrast zur tatsächlichen diglossischen Realität und steckt den methodischen Rahmen der Untersuchung ab.
2. Begriffliche Abgrenzungen: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen gelegt, indem Standardfranzösisch, regionale Varietäten, Dialekte und Minderheitensprachen klar voneinander abgegrenzt und in ein Ebenenmodell eingeordnet werden.
2.1 Das Standardfranzösische und dessen historische Entwicklung: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Aufstieg des französischen Dialekts der Île-de-France zur überregionalen Norm und die damit einhergehenden politischen Vereinheitlichungsmaßnahmen nach.
2.2 Die français régionaux: Hier wird der Begriff des Regionalfranzösischen als Verkehrssprache definiert, die als Zwischenstufe zwischen Standardnorm und Dialekt/Minderheitensprache fungiert.
2.3 Dialekte und parlers locaux: Das Kapitel behandelt die geografisch eng begrenzten Ausprägungen von Dialekten und parlers locaux unterhalb der Ebene der français régionaux.
2.4 Minderheitensprachen: Eine kurze Übersicht über die auf französischem Staatsgebiet existierenden romanischen, germanischen und keltischen Minderheitensprachen.
2.5 Der Begriff patois: Dieses Kapitel erläutert die abwertende Konnotation und die etymologische Herkunft des Begriffs patois im Kontext der französischen Sprachgeschichte.
3. Das français régional und seine Abweichungen vom Standardfranzösisch: Dieses Kapitel bildet den analytischen Hauptteil, in dem Substrateinflüsse anhand konkreter Beispiele aus Phonologie, Morphosyntax und Lexik untersucht werden.
3.1 Phonologische Unterschiede: Analyse der lautlichen Variationen in verschiedenen Regionen wie dem Norden, Osten und dem Midi.
3.2 Morphosyntaktische Unterschiede: Untersuchung grammatikalischer Besonderheiten am Beispiel des français de Marseille unter Einfluss okzitanischer Strukturen.
3.3 Lexikalische Unterschiede: Darstellung lexikalischer Archaismen und regionaler Besonderheiten, die das Vokabular der français régionaux prägen.
4. Zusammenfassung und Ausblick: Resümee über den Prozess der sprachlichen Diversifizierung und Einschätzung der zukünftigen Entwicklung des Französischen angesichts der Nivellierungstendenzen.
Schlüsselwörter
Französisch, Standardfranzösisch, français régionaux, Dialekt, Minderheitensprache, Phonologie, Morphosyntax, Lexik, Sprachvarietät, Diatopik, Substratwirkung, Sprachpolitik, Frankophonie, Regionalismen, Linguistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Untersuchung regionaler Sprachvarietäten in Frankreich und analysiert deren Abweichungen vom Standardfranzösischen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören die historische Entwicklung der französischen Standardsprache, die Klassifizierung verschiedener Sprachniveaus (Standard, Regiolekte, Dialekte, Minderheitensprachen) sowie die Analyse spezifischer sprachlicher Differenzen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass trotz der offiziellen sprachlichen Einheit in Frankreich eine ausgeprägte diatopische Varietätenlandschaft existiert, und zu erläutern, wie diese historisch und strukturell entstanden ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine theoretische Auseinandersetzung mit der diatopischen Varietätenlinguistik und nutzt ein Ebenenmodell, um die Schichtung der französischen Sprachvarietäten schematisch darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf konkrete Abweichungen des Regionalfranzösischen vom Standard in den Bereichen Phonologie, Morphosyntax und Lexik, wobei regionale Beispiele wie das français de Marseille oder Lyon angeführt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere français régionaux, Diglossie, Substratwirkung, Standardfranzösisch und die verschiedenen linguistischen Ebenen der Dialektologie.
Welche Rolle spielt das Okzitanische für das regionale Französisch?
Das Okzitanische dient als ein bedeutendes Substrat, das insbesondere im Midi die Phonologie, Morphosyntax und das Vokabular des dortigen Regionalfranzösischen nachhaltig beeinflusst hat.
Warum ist der Begriff "patois" problematisch?
Der Begriff hat eine abwertende Geschichte und wird oft genutzt, um regionale oder lokale Sprachvarietäten von einer vermeintlich "besseren" Sprechweise abzuqualifizieren.
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- Vanessa Ohst (Author), 2003, Die Francais Regionaux, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15320