In unserer heutigen kinderarmen und -feindlichen Gesellschaft haben es Familien schwer: ein immer größer werdender innerer und äußerer Druck lastet auf ihnen, die Gesellschaft wird zunehmend psychologisiert, die Fülle an Wahlmöglichkeiten führt zu mehr Unsicherheit und durch berufliche Belastungen bleibt kaum noch Zeit für familiäre Belange (Textor, 2007). Dies sind nur einige Lebensbedingungen, die auf Familien lasten und genau hier setzt die Eltern-/Familienbildung an, die schon präventiv arbeitet.
Allgemein soll Familienbildung den Familien helfen, die Herausforderungen der heutigen Gesellschaft bzw. des Alltags zu bewältigen, wobei sich Familienbildung im engeren Sinne auf die Familie als Ganzes richtet und Elternbildung eine Form der Familienbildung ist, die die Familie als Erziehungsinstanz stärken soll (Textor, 2007).
Ziel dieser Hausarbeit ist es, für einen angehenden Bildungswissenschaftler im Bereich der Eltern- /Familienbildung mit Hilfe des Four-Component Instructional Design Model (4CID-Modell) von van Merriënboer einen Blueprint für einen Lehrplan zu entwickeln.
Im theoretische Teil dieser Hausarbeit werden lerntheoretische Überlegungen und Aspekte des situierten Lernens in Bezug auf das 4CID-Modell dargestellt, didaktische Szenarien, die sich zur Integration des 4CID-Modells eigenen, angegeben und Medien, die sich zur Unterstützung des Blueprints eigenen, mit Anwendungsbeispielen erläutert. Die Hausarbeit endet mit einer Zusammenfassung und einem eigenem Fazit.
Für eine bessere Lesbarkeit wird in dieser Hausarbeit die männliche Form verwendet, angesprochen sind damit aber immer beide Geschlechter.
In der Literatur werden Elternbildung und Familienbildung oft synonym verwendet werden, was in dieser Hausarbeit einfachhalber ebenso geschieht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das 4CID-Modell für E-Learning am Beispiel eines Bildungswissenschaftlers im Bereich der Familienbildung
2.1 Kompetenzanalyse und Fertigkeitenhierarchie
2.2 Sequentialisierung der Aufgabenklassen
2.3 Entwurf von Lernaufgaben
2.4 Unterstützende Informationen
2.5 Just-in-time-Informationen
3. Das 4CID-Modell in der Theorie
3.1 Lerntheoretische Überlegungen und Aspekte des situierten Lernens
3.2 Didaktische Szenarien
3.3 Medien, die sich zur Unterstützung des Blueprints eignen
4. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, einen Blueprint für einen Lehrplan zu entwickeln, der einen angehenden Bildungswissenschaftler im Bereich der Eltern- und Familienbildung bei der Gestaltung kompetenzorientierter Lernangebote unterstützt. Dabei wird das 4CID-Modell von van Merrienboer als methodischer Rahmen genutzt, um komplexe berufliche Anforderungen in didaktisch sinnvoll strukturierte Lernschritte zu überführen.
- Grundlagen und Anwendung des 4CID-Modells für E-Learning
- Methoden der Kompetenzanalyse und Fertigkeitenhierarchie
- Didaktische Gestaltung von Lernaufgaben und unterstützenden Informationen
- Lerntheoretische Einordnung des Modells (Behaviorismus, Kognitivismus, Konstruktivismus)
- Integration didaktischer Szenarien und Medienwahl im E-Learning-Kontext
Auszug aus dem Buch
2.1 Kompetenzanalyse und Fertigkeitenhierarchie
Im ersten Schritt werden die Fertigkeiten, die für den Beruf des Bildungswissenschaftlers in der Familienbildung notwendig sind, analysiert. Diese Fertigkeiten bilden zusammen die Kompetenz. Dafür wird „.. .die ganzheitliche komplexe Fertigkeit in konstituierende Teile zerlegt, wobei die Zusammenhänge zwischen den Teilen in einer Fertigkeitenhierarchie abgebildet werden." (Bastiaens et al., 2008, S. 94). In Abbildung 2 wird dies für unseren Bildungswissenschaftler in der Familienbildung exemplarisch dargestellt. Da hier nicht alle Kompetenzen des gesamten Berufsbildes aufgrund des komplexen Arbeitsfeldes dargestellt werden können, werden hier beispielhaft für die Kompetenz „Eltern bei der Erziehungsarbeit durch ein präventives Programm unterstützen" die ganzheitlichen komplexen Fertigkeiten zerlegt.
Präsentiert werden dabei zum einen die vertikalen bzw. konditionalen Relationen und zum anderen die horizontalen bzw. temporären Relationen. Die horizontalen Relationen lesen sich in der Abbildung 2 von links nach rechts und befinden sich auf der obersten Ebene (fett gedruckt). Sie beziehen sich auf den Moment, also darauf ob die Fertigkeiten sequentiell oder gleichzeitig ablaufen (Bastiaens et al., 2008). In Abbildung 2 laufen die Fertigkeiten sequentiell ab. Bevor man also ein Programm evaluieren kann, muss man es zunächst durchführen. Bevor man ein Programm durchführen kann, muss man erst die Durchführung planen und bevor man die Programmdurchführung planen kann, muss man ein Programm bestimmen.
Die vertikalen Relationen dagegen lesen sich in der Abbildung 2 von unten nach oben. Das sind die konstituierenden Fertigkeiten einer ganzheitlichen komplexen Fertigkeit und sie bauen systematisch aufeinander auf. „This relationship signifies that constituent skills lower in the hierarchy enable or are prerequisite to the learning and Performance of skills higher in the hierarchy..." (van Merrienboer, Clark & de Croock, 2002, S. 41). Bevor man zum Beispiel die ganzheitliche komplexe Fertigkeit „Programm bestimmen" ausfuhren kann, muss man die konstituierende Fertigkeit „prüfen, welches Programm sich für die Eltern-/Familienarbeit eignet" beherrschen. Um diese Fertigkeit wiederum ausführen zu können, muss man zuvor ein„Eltern-/Kindprofil erstellen" können, und so weiter.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen von Familien in der heutigen Gesellschaft und definiert das Ziel der Arbeit, einen Blueprint für Bildungswissenschaftler im Bereich der Familienbildung zu erstellen.
2. Das 4CID-Modell für E-Learning am Beispiel eines Bildungswissenschaftlers im Bereich der Familienbildung: Dieses Kapitel erläutert die praktische Anwendung des 4CID-Modells, insbesondere die Kompetenzanalyse, die Aufgabenklassen-Sequentialisierung und die Gestaltung von Lernaufgaben und Informationen.
3. Das 4CID-Modell in der Theorie: Der theoretische Teil ordnet das 4CID-Modell in den behavioristischen, kognitivistischen und konstruktivistischen Kontext ein und diskutiert didaktische Szenarien sowie geeignete Medien für den Blueprint.
4. Zusammenfassung und Fazit: Das abschließende Kapitel resümiert den Nutzen des 4CID-Modells für das komplexe Lernen und reflektiert den hohen Zeitaufwand bei der Erstellung gegenüber dem Mehrwert für den Lernerfolg.
Schlüsselwörter
4CID-Modell, Familienbildung, Bildungswissenschaft, Instructional Design, Kompetenzanalyse, Fertigkeitenhierarchie, E-Learning, Komplexe Lernaufgaben, Scaffolding, Didaktische Szenarien, Medieneinsatz, Situiertes Lernen, Konstruktivismus, Lernleistung, Curriculum-Design
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit beschäftigt sich mit der Anwendung des 4CID-Modells (Four-Component Instructional Design) zur Erstellung eines Lehrplans für Bildungswissenschaftler im Feld der Eltern- und Familienbildung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die systematische Kompetenzentwicklung, die Gestaltung authentischer Lernumgebungen und die Verknüpfung von lerntheoretischen Grundlagen mit konkreten didaktischen Szenarien im E-Learning.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Entwicklung eines Blueprints für einen Lehrplan, der komplexe berufliche Fähigkeiten im Bereich der Familienbildung in strukturierte und didaktisch aufbereitete Lernaufgaben zerlegt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird das 4CID-Modell nach van Merrienboer verwendet, um durch Kompetenzanalyse und gezielte methodische Zerlegung ein Instruktionsdesign für komplexe berufliche Anforderungen zu entwerfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die praktische Anwendung des Modells am Fallbeispiel eines Familienbildners und die theoretische Fundierung des Modells durch verschiedene Lerntheorien und didaktische Strategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie 4CID-Modell, Familienbildung, Instructional Design, Kompetenzanalyse und situiertes Lernen charakterisiert.
Wie unterscheidet das 4CID-Modell zwischen unterstützenden Informationen und Just-in-time-Informationen?
Unterstützende Informationen dienen dem Erwerb von Wissen für nicht-wiederkehrende Aufgaben und bauen eine Brücke zwischen Vorwissen und neuen Inhalten, während Just-in-time-Informationen spezifische Anleitungen für Routineaspekte („wie man etwas macht") genau im Moment des Bedarfs liefern.
Warum spielt das "Scaffolding" eine zentrale Rolle im Entwurf der Lernaufgaben?
Scaffolding verhindert eine kognitive Überlastung der Lernenden, indem anfangs Unterstützung durch Anleitungen gegeben wird, die mit zunehmender Expertise sukzessiv abgebaut wird, bis der Lernende die Aufgaben selbstständig bewältigen kann.
Welche Bedeutung haben "authentische Lernaufgaben" in diesem Kontext?
Authentische Lernaufgaben sollen die Integration von Wissen, Fertigkeiten und Einstellungen fördern, indem sie sich eng an realen beruflichen Problemen orientieren, was die Transferleistung und die Motivation verbessert.
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- Cathrin Trems (Author), 2009, Bildungswissenschaftler/-in im Bereich der Eltern-/Familienbildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153214