Diese Seminararbeit beschreibt die theoretischen Grundlagen der Bilanzierung von Finanzinstrumenten des Handelsbestands nach den internationalen Rechnungslegungsstandards des IASB und nach dem deutschen Handelsgesetz. Des Weiteren sollen die wesentlichen Unterschiede der beiden, sich durch das BilMoG angenäherten, Rechnungslegungswelten skizziert werden und zum Abschluss des theoretischen Teils soll die geäußerte Kritik an der „erfolgswirksamen Bewertung zum beizulegenden Zeitwert“ im Zusammenhang mit der Finanzmarktkrise kurz dargestellt werden. Den abschließenden Teil dieser Arbeit bildet die empirische Analyse der Unternehmen des DAX bezüglich ihres Handelsbestands von Wertpapieren (held-for-trading).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bilanzierung und Bewertung von Finanzinstrumenten nach internationalen Standards
2.1 Einführung in die Rechnungslegung des IASB
2.1.1 Historische Entwicklung
2.1.2 Aufbau, Zielsetzung und Adressaten
2.2 Überblick über die relevanten Standards zur Bilanzierung von Finanzinstrumenten
2.3 Finanzinstrumente nach IAS 32
2.3.1 Definition von Finanzinstrumenten
2.3.2 Originäre und derivative Finanzinstrumente
2.4 Ansatz und Bewertung von Finanzinstrumenten nach IAS 39
2.4.1 Überblick über die Bewertungskategorien
2.4.2 Handelsbestand nach IFRS
2.4.3 Prinzip des Fair-Value-Ansatzes
2.4.4 Erst- und Folgebewertung des Handelsbestands
2.4.5 Reklassifizierung von Finanzinstrumenten des Handelsbestands
3. Bilanzierung und Bewertung nach HGB
3.1 Grundsachverhalte des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG)
3.2 Auswirkungen auf die Bilanzierung von zu Handelszwecken erworbenen Finanzinstrumenten
3.2.1 Anwendungsbereich
3.2.2 Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts
3.2.3 Bestimmung eines angemessenen Risikoabschlags
3.2.4 Festlegung einer faktischen Ausschüttungssperre
3.2.5 Umwidmung
3.2.6 Flankierende Regelungen
4. Abschließende Kritik und theoretischer Vergleich
4.1 Theoretischer Vergleich von IFRS und HGB
4.2 Kritische Würdigung der Fair Value-Bewertung im deutschen Handelsrecht
4.3 Kritik an der Zeitbewertung des IASB im Zusammenhang mit der aktuellen Finanzmarktkrise
5. Empirische Analyse von Finanzinstrumenten des Handelsbestands
5.1 Ziel und Untersuchungsgegenstand
5.2 Datengrundlage und methodisches Vorgehen
5.3 Ergebnisse
5.3.1 Auswertung der Buchwerte des Handelsbestands
5.3.2 Relationale Kennzahlen
5.3.3 Auswertung des Erfolgsbeitrags des Handelsbestands zum Gesamtergebnis
5.3.4 Fair-Value-Hierarchie des Handelsbestands
5.4 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht theoretische Grundlagen und praktische Anwendung der Bilanzierung von Finanzinstrumenten im Handelsbestand unter IFRS und HGB, mit besonderem Fokus auf die Auswirkungen der Finanzmarktkrise und eine empirische Analyse der DAX-Unternehmen.
- Vergleich der Bilanzierungsregeln für den Handelsbestand nach IFRS und HGB
- Analyse der Auswirkungen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG)
- Untersuchung der prozyklischen Effekte der Fair-Value-Bewertung in der Finanzkrise
- Empirische Auswertung der Handelsbestände von DAX-Unternehmen im Geschäftsjahr 2009
- Analyse der Fair-Value-Hierarchie und Kennzahlen zur Zusammensetzung des Handelsbestands
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Unter Ausnutzung geringer Leitzinsen vergaben amerikanische Banken im großen Stil Immobiliendarlehen an bonitätsschwache Kreditnehmer und gaben diese, in Wertpapiere verbrieften Kredite, an Investoren weiter, welche keine eigene Risikoprüfung der verbrieften Forderungen an die Schuldner durchführten, sondern sich ausschließlich auf das Rating der Wertpapiere verließen. In Folge der Leitzinserhöhungen stiegen die finanziellen Belastungen für die Kreditnehmer, welche letztendlich ihre Hypotheken nicht bedienen konnten und damit den Zusammenbruch des Marktes für diese Art von verbrieften Krediten auslösten.
Im Verlauf der Krise kam die internationale Rechnungslegung des IASB (International Accounting Standards Board) zunehmend in Kritik, bemängelt wurde insbesondere die erfolgswirksame Bewertung von bestimmten Finanzinstrumenten zum beizulegenden Zeitwert (fair value). Die Bewertung zum fair value führte dazu, dass Finanzinstrumente, die bis vor kurzem noch aktiv gehandelt wurden, mit dem Erliegen des zugehörigen Marktes und dem damit verbundenen Wegfall von potentiellen Käufern praktisch auf einen Wert von null abgeschrieben werden mussten. Die Kritiker folgerten, dass die erfolgswirksame Verbuchung dieser Abschreibungen dazu führte, dass Unternehmen und insbesondere Banken durch die Minderung ihres Eigenkapitals und der daraus resultierenden negativen Bilanzsumme in die Überschuldung getrieben wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Entstehung der Finanzmarktkrise und die damit verbundene Kritik an der Fair-Value-Bewertung des IASB sowie die Anpassung des deutschen HGB durch das BilMoG.
2. Bilanzierung und Bewertung von Finanzinstrumenten nach internationalen Standards: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der IASB-Rechnungslegung und detailliert die Ansatz- und Bewertungsvorschriften für Finanzinstrumente nach IAS 32 und IAS 39.
3. Bilanzierung und Bewertung nach HGB: Es wird die durch das BilMoG modernisierte HGB-Bilanzierung für Finanzinstrumente dargelegt, insbesondere die neuen Spezialvorschriften für Kreditinstitute inklusive Risikoabschlag und Ausschüttungssperre.
4. Abschließende Kritik und theoretischer Vergleich: Hier erfolgt ein Vergleich der IFRS- und HGB-Ansätze sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der Fair-Value-Bewertung in Bezug auf das deutsche Handelsrecht und die globale Finanzkrise.
5. Empirische Analyse von Finanzinstrumenten des Handelsbestands: Das Kapitel liefert eine empirische Untersuchung der Konzernabschlüsse der DAX-Unternehmen 2009 hinsichtlich der Zusammensetzung ihrer Handelsbestände und der Anwendung der Fair-Value-Hierarchie.
Schlüsselwörter
Handelsbestand, Finanzinstrumente, IFRS, HGB, Fair Value, BilMoG, Finanzmarktkrise, DAX, Bankbilanz, Bewertungskategorien, Risikoabschlag, Fair-Value-Hierarchie, Derivate, Rechnungslegung, Eigenhandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Bilanzierung von Finanzinstrumenten im Handelsbestand, vergleicht die internationalen IFRS-Standards mit dem deutschen HGB nach der BilMoG-Reform und führt eine empirische Analyse der DAX-Unternehmen durch.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zu den zentralen Themen gehören die Fair-Value-Bewertung, die Anforderungen an den Handelsbestand, die Auswirkungen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes und die Rolle der Rechnungslegung während der Finanzmarktkrise.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die theoretischen Unterschiede zwischen IFRS und HGB bei der Handelsbestandsbewertung aufzuzeigen und empirisch zu prüfen, wie DAX-Unternehmen diese Vorschriften sowie die neu geschaffenen Reklassifizierungsmöglichkeiten umsetzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Analyse der maßgeblichen Rechnungslegungsstandards mit einer empirischen Auswertung der veröffentlichten Konzernabschlüsse der DAX30-Unternehmen für das Geschäftsjahr 2009.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der internationalen Standards (IAS 32/39), die Anpassungen im deutschen Handelsrecht durch das BilMoG sowie die empirische Analyse der Buchwerte, Kennzahlen und Fair-Value-Hierarchien der untersuchten Unternehmen.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Typische Schlüsselbegriffe sind Handelsbestand, Fair Value, BilMoG, IAS 39, Kreditinstitute, Finanzkrise, Derivate und DAX-Unternehmen.
Warum wurde das BilMoG als Vergleichsmaßstab gewählt?
Das BilMoG ist zentral, da es eine signifikante Annäherung des deutschen HGB an internationale Rechnungslegungsstandards vollzog, insbesondere im Hinblick auf die Behandlung von Finanzinstrumenten bei Kreditinstituten.
Welche Rolle spielt die Fair-Value-Hierarchie in der Analyse?
Die Fair-Value-Hierarchie dient im empirischen Teil dazu, die Transparenz und die Qualität der Bewertungsmethoden für Finanzinstrumente in den DAX-Unternehmen nach dem neuen IFRS-Standard IFRS 7 zu bewerten.
Welche Besonderheit weisen Energiekonzerne in der Analyse auf?
Die empirische Analyse zeigt, dass Energiekonzerne wie E.ON und RWE im Vergleich zu anderen Nicht-Banken überproportional hohe Handelsbestände halten und somit eine Sonderrolle in der Untersuchung einnehmen.
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- Thomas Lissner (Author), Benjamin Spohn (Author), 2010, Entwicklung des Handelsbestands von Wertpapieren nach IFRS, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153232