Eduard Bernsteins außenpolitische Überlegungen bis zum Kriegsbeginn 1914


Hausarbeit, 2006

14 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I. EINLEITUNG

II. BIOGRAPHIE

III. REVISIONISMUS

IV. EDUARD BERNSTEINS AUßENPOLITISCHE ÜBERLEGUNGEN BIS ZUM KRIEGSBEGINN 1914
A) KOLONIALPOLITIK
B) BERNSTEINS STELLUNGNAHME ZU POLEN
C) WETTRÜSTEN MIT ENGLAND

V. SCHLUSSBETRACHTUNG

VI. LITERATURVERZEICHNIS

I. Einleitung

Meine Hausarbeit beschäftigt sich mit dem sozialdemokrati­schen Politiker Eduard Bernstein. Er wird auch als der „Vater des Revisionismus“' bezeichnet. Sein Wirken erstreckte sich von 1872, seinem Eintritt in die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP), bis 1921, als Gastredner an der Berliner Universität. Ich werde Bern­steins außenpolitische Überlegungen bis zum Kriegsbeginn 1914 thematisieren.

Beginnen werde ich die Arbeit mit seiner Biographie. In dieser Biographie seien nur die wichtigsten Daten und Ereignisse genannt, die für dieses Thema relevant sind. Der Hauptteil der Arbeit konzen­triert sich auf Bernsteins außenpolitisches Denken bis zum Kriegsbe­ginn 1914. Die Themen umfassen unter anderem die Kolonialpolitik, Bernsteins Stellungsnahme zu Polen und das Wettrüsten mit Eng­land. In der Schlussbetrachtung gehe ich auf den Einfluss Bernsteins in der Politik ein und ob er die gesellschaftliche Entwicklung erkann­te.

Nach der Aufschwungphase der Wirtschaft 1895 wurde nach einer neuen revolutionsstrategischen Interpretation verlangt. Bern­stein hatte den Versuch unternommen, die Theorie der Realität an- zupassen, während die sich formierende Linke nach einem ge­schichtsphilosophischen Ansatz suchte.

II. Biographie

Eduard Bernstein wurde am 6. Januar 1850 in Berlin geboren. Er war ein sozialdemokratischer Theoretiker und Politiker. Aus finan­ziellen Gründen musste er das Gymnasium verlassen, um von 1866 bis 1878 als Bankkaufmann zu arbeiten. 1872 trat er der SDAP bei.1Ausschlaggebend dafür war eine Festrede die August Bebel vor dem Demokratischen Arbeiterverein in Berlin hielt und Bernstein sehr be­eindruckte. 1875 kam es zur Vereinigung mit dem 1863 von Ferdi­nand Lassalle, einem Radikaldemokraten, der sich für die Einführung einer demokratischen Verfassung einsetzte, gegründeten Allgemei­nen Deutschen Arbeiterverein (ADAV) und der SDAP. Bernstein ar­beitete mit der unbestrittenen Leitfigur der deutschen Sozialdemokra­tie August Bebel und Wilhelm Liebknecht das „Gothaer Programm" für den Einigungsparteitag aus. Drei Jahre später wurde er literari­scher Privatsekretär des sozialdemokratischen Mäzen Karl Höchberg. „Höchberg, Sohn eines reichen Bankiers, hatte Erbe und persönliche Fähigkeiten in den Dienst der Arbeiterbewegung ge- stellt."2Durch Höchberg, der die erste wissenschaftliche Zeitschrift des Sozialismus „Die Zukunft" herausgab, bekam Bernstein erstmals die Möglichkeit, Zeitungsartikel zu veröffentlichen.

Nach dem Erlass des Bismarckschen Sozialistengesetzes im Oktober 1878 wurde „Die Zukunft" eingestellt und er zog mit Höchberg nach Zürich. Am 19. Oktober 1878 wurde mit der Stim­menmehrheit der Konservativen und Nationalliberalen das Gesetz „wider die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie"3 im Reichstag verabschiedet. „Bismarcks Intention war es, den zu­ nehmenden Einfluss der Arbeiterbewegung in Politik und Gesell­schaft mit polizeistaatlichen Mitteln auszuschalten und die sozialde­mokratischen Strukturen zu zerschlagen."4 Allerdings verstärkte das Sozialistengesetz eher die Opposition und stärkte ebenso das Klas­senbewusstsein der Arbeiter. In Zürich wurde Bernstein Redakteur des „Sozialdemokrat", welcher in der Schweiz herausgegeben wurde. Der „Sozialdemokrat" galt „als offizielles Organ der Sozialdemokratie deutscher Zunge"5 und war der Reichsregierung ein Dorn im Auge. Im Jahr 1887 wurden Bernstein und drei weitere Sozialdemokraten auf Verlangen Bismarcks aus der Schweiz ausgewiesen. Bernstein verstand diesen Akt der Ausweisung als Nötigung. Daraufhin verlegte er seinen Wohnsitz sowie die Redaktion des „Sozialdemokrat" nach London. Der ohnehin schon enge Kontakt zu Friedrich Engels wurde in London noch enger.6 Nach der Tätigkeit als Redakteur für den „Sozialdemokrat" nutzte Bernstein den Freiraum für ein volkswirt­schaftliches Studium. Für Bernstein bestand nach der Aufhebung des Sozialistengesetzes 1890 nicht die Möglichkeit nach Deutschland zurückzukehren, da gegen ihn ein Haftbefehl bestand. Er lebte als freier Schriftsteller weiterhin in London und war in der Zeit von 1890 bis 1899 Korrespondent des „Vorwärts". 1899 veröffentlichte Bern­stein sein Werk „Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Auf­gaben der Sozialdemokratie", worin er den Revisionismus begründe­te.

Nach Aufhebung des Haftbefehls gegen ihn, kehrte er 1901 nach Berlin zurück. In den folgenden Jahren propagierte er in zahl­reichen Zeitschriftenartikeln, Büchern und Vorträgen seine revisionis­tische Theorie. Bis 1905 gab er eine eigene Zeitschrift, „Dokumente des Sozialismus", heraus. In der Folgezeit wurde Bernstein mehr­mals als Reichstagsabgeordneter für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) in den Reichstag gewählt. In den Jahren 1902 bis 1907 saß er für die SPD als Abgeordneter des Wahlkreises Bres­lau-West im Reichstag. Von 1912 bis 1918 ebenfalls. Während des 1. Weltkrieges stimmte Bernstein gegen die Kriegskredite, wie viele andere auch, und trat 1917 in die USPD ein, wobei er dort nur kurze Zeit vertreten war. Von 1920 bis 1928 vertrat er die SPD des Wahl­kreises Potsdam als Reichstagsabgeordneter. „Nach dem Krieg nahm Bernstein entschieden Stellung gegen nationalistische Ten­denzen innerhalb und außerhalb der eigenen Partei, bekämpfte aber zugleich auch, seiner revisionistischen Überzeugung treu bleibend, die auf die Kollektivierung der Produktionsmittel gerichtete Politik der Linkssozialisten“7.

Auch in seinen letzten Lebensjahren war Bernstein politisch ak­tiv und hielt Gastvorlesungen an der Berliner Universität. Am 18. De­zember 1932 starb Eduard Bernstein in Berlin. In der Bozener Straße 18 in Schöneberg, seinem letzten Wohnort, erinnert eine im Jahr 1981 von Hans Jochen Vogel, ehemals regierender Bürgermeister von Berlin, enthüllte Gedenktafel an Bernstein. Sein Ehrengrab wird auf dem Friedhof Eisackstraße vom Land Berlin gepflegt.

III. Revisionismus

Allgemein bezeichnet der Begriff Revisionismus „das Streben nach Änderung eines bestehenden [völkerrechtlichen] Zustandes oder eines [politischen] Programms.“8 Bei Bernstein versteht man unter dem Begriff des Revisionismus die Bezeichnung für seine The­orie, die den Marxismus einer veränderten gesellschaftlichen Wirk­lichkeit anpassen wollte. Bernstein lieferte damit die theoretische Rechtfertigung für den Reformismus. Er versuchte zu beweisen, dass die Prognosen von Marx in Bezug auf die Verelendung des Proletari­ats und Vernichtung des Mittelstandes, sowie der Niedergang des Kapitalismus, nicht zutreffend waren. Der britische Historiker Roger Fletcher beschreibt Bernstein als den „Vater des Revisionismus“9, da er der erste und wichtigste Theoretiker war, der eine ernst zu­nehmende Herausforderung für Marx war.

Der „Bernsteinsche Revisionismus löste um die Jahrhundert­wende in der deutschen und internationalen Sozialdemokratie lei­denschaftliche Debatten aus, gewann aber trotz verzweifeltem Wi­derstand der orthodoxen Marxisten von Jahr zu Jahr an Boden und hatte kurz vor dem 1. Weltkrieg die deutsche Partei erobert.“10 „Im Mittelpunkt des Revisionismus standen vier Argumente: 1. der Kapi­talismus zeigt entgegen der marxistischen These keine Tendenzen zum Zusammenbruch, 2. selbst wenn es so wäre, wäre es keine günstige Voraussetzung für die sozialistische Transformation, 3. die Arbeiter müssen sich schrittweise demokratische Selbstbestim­mungsrechte erobern, um selbst demokratische Kontrolle ausüben zu können und 4. ist Sozialismus kein fertiger Gesellschaftsplan, sondern müsse sich selbst entwickeln.“11

Bernstein definiert in seinen „Leitsätzen für den theoretischen Teil eines sozialdemokratischen Parteiprogramms“12Revisionismus wie folgt: „Ein Wort, das im Grunde nur für theoretische Fragen Sinn hat, heisst in’s Politische übersetzt: Reformismus, Politik der syste­matischen Reformarbeit im Gegensatz zur Politik, der eine revolutio­näre Katastrophe als gewolltes oder für unvermeidlich erkanntes Stadium der Bewegung vor Augen schwebt“13. Bernstein setzte sich für eine durchweg konsequente Reformpolitik ein.

IV. Eduard Bernsteins außenpolitische Überlegungen bis zum Kriegsbeginn 1914

In London knüpfte Eduard Bernstein ab Mai 1888 Kontakte zu der „Fabian Society“, einer Gesellschaft von englischen Sozialisten. Bernstein war noch während seiner Zeit in der Schweiz von Engels über die Entwicklungen der englischen Arbeiterbewegung ständig informiert worden. Trotzdem bemerkte Bernstein, dass man „viel Zeit und ein gutes Stück Geschichtskenntnis braucht, bis man ein ande­res Volk wirklich versteht."14 In seinem Londoner Exil, wurden die Kontakte zu den Fabiern enger und die Besuche bei den Veranstal­tungen der englischen Sozialisten häufiger. Jedoch gab er zu, dass er eine „längere Zeit ein Vorurteil gegen die Fabier"15 hatte und sich vorerst persönlich zurückhielt. Allerdings war es für die Person Bern­stein auch typisch, dass er nicht nur bei den Sitzungen anwesend war, sondern, dass er auch später das Wort ergriff. Engels bemerkte auch den geistigen Einfluss, den die Fabier auf Bernstein ausübten. Jedoch stritt Bernstein ab, dass er durch das Vorbild des englischen Fabianismus zu seinem Revisionismus bekehrt worden sei, dies sei „völlig irrig"16'.

Die außenpolitischen Bestrebungen des Deutschen Reiches blieben auch Bernstein in London nicht verborgen. Dadurch, dass er im Exil leben musste, bot sich ihm die einmalige Gelegenheit, von außen auf Deutschland zu blicken und die internationale Lage zu erörtern. Da Bernstein ohnehin eine kritische Einstellung zum Kaiser­reich hatte, beobachtete er die Aktivitäten der regierenden Politiker sehr genau. So stellte er schon im Jahr 1889 eine drohende Kriegs­gefahr fest und urteilte über die unangenehme Stellung, die Deutsch­land in Europa besaß. Im „Sozialdemokrat" hieß es dazu: „Wie könn­te Deutschland dastehen in Europa, wenn es seine Einigung auf de­mokratischem Wege errungen ... hätte, und wie steht es da, Dank der Einigung durch Blut und Eisen, Dank der Leitung seiner auswär­tigen Politik durch den Vollblutjunker Bismarck!"17Im Oktober 1892 fasste Bebel den Standpunkt seiner Partei bezüglich der Annexion Elsass-Lothringens in einem Brief an Engels zusammen: „Wir können unsere ablehnende Haltung gegen alle Rüstungsfragen nur aufrecht halten, indem wir daran festhalten:

[...]


1 Fletcher, Revisionism and Empire. Socialist Imperialism in Germany 1897-1914. London 1984, S. 126.

2 Manfred Asendorf / Rolf von Bockel (Hrsg.), Demokratische Wege: deutsche Lebensläufe aus fünf Jahrhunderten. Stuttgart 1997

3 Eduard Bernstein, Der Revisionismus in der Sozialdemocratie. Ein Vortrag gehalten in Amsterdam vor Akademikern und Arbeitern. Amsterdam 1909

4 Eduard Bernstein, Aus den Jahren meines Exils. Berlin 1918

5 Francis Ludwig Carsten, Eduard Bernstein 1850-1932. Eine politische Biographie. Mün­chen 1993

6 Roger Fletcher, Revisionism and Empire.

7 Herbert Frei, Fabianismus und Bernstein'scher Revisionismus 1884-1900. Eine ideologie- komparatistische Studie über wissenschaftstheoretische, philosophische, ökonomische, staatstheoretische und revolutionstheoretische Aspekte der Marx'schen, fabischen und Bernstein'schen Theorie. Bern 1979

8 Dieter Groh / Peter Brandt, „Vaterlandslose Gesellen“. Sozialdemokratie und Nation 1860- 1990.München 1992

9 Teresa Löwe, Der Politiker Eduard Bernstein. Eine Untersuchung zu seinem politischen Wirken in der Frühphase der Weimarer Republik (1918-1924). Bonn 2000

10 Paul Mayer, Neue Deutsche Biographie. Zweiter Band. Berlin 1955

11 Ehrenfried Pößneck, Eduard Bernstein. Eine Dokumentation seiner politischen Anschau­ungen. Politisch-philosophische Studientexte der Leipziger Gesellschaft für Politik und Zeitgeschichte e.V. o.J.

12 Peter Zolling, Deutsche Geschichte von 1871 bis zur Gegenwart. Wie Deutschland wurde, was es ist. Bonn 2005

13 Teresa Löwe, Der Politiker Eduard Bernstein. Eine Untersuchung zu seinem politischen Wirken in der Frühphase der Weimarer Republik (1918-1924). Bonn 2000, S. 5.

14 Manfred Asendorf / Rolf von Bockel (Hrsg.), Demokratische Wege: deutsche Lebensläufe aus fünf Jahrhunderten. Stuttgart 1997, S. 52.

15www.dhm.de/lemo/html/kaiserreich/innenpolitik/sozialistengesetz/index.html 14.08.2006.

16www.dhm.de/lemo/html/kaiserreich/innenpolitik/sozialistengesetz/index.html 14.08.2006.

17Paul Mayer, Neue Deutsche Biographie. Bd. 2. Berlin 1955, S. 133.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Eduard Bernsteins außenpolitische Überlegungen bis zum Kriegsbeginn 1914
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Deutsche Außenpolitik 1871-1914
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
14
Katalognummer
V153243
ISBN (eBook)
9783640653218
ISBN (Buch)
9783640653362
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eduard, Bernstein, Außenpolitik, Erster Weltkrieg, 1871, 1914
Arbeit zitieren
Stephanie Schrön (Autor), 2006, Eduard Bernsteins außenpolitische Überlegungen bis zum Kriegsbeginn 1914, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153243

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