30 St Mary Axe London – “Swiss Re Tower”

Ein Symbol der megalomanen Selbstdarstellung oder ein Meilenstein der Architektur?


Hausarbeit, 2008
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Neue Formen

2. Entwicklung des Projekts

3. Baubeschreibung

4. Stil - Epoche

5. Norman Fosters Beitrag

6. Gebäudevergleich

7. Fazit

8. Glossar

9. Abbildungsverzeichnis

10. Literaturverzeichnis

1. Neue Formen

Für Prince Charles ist jedes Hochhaus in London ein Dorn im Auge. Der Finanzdistrikt besteht seiner Meinung nach aus einem „rempelnden Gedränge von Wolkenkratzern, die untereinander um Aufmerksamkeit kämpfen.“ (1)

Andere sehen in der Entwicklung der heutigen Architektur Gefahren der Selbstrepräsentation der Bauherren und Architekten und den Verlust des gesellschaftlichen Bezuges. SPIEGEL redet von „Architektonischen Höhenflügen“ und schreibt, dass die Gebäude entworfen werden um Aufsehen zu erregen um sich besser zu vermarkten, was man an der Entwicklung in Dubai und in Asien erkennen kann. Die Formen werden immer radikaler und skurriler. (2)

Der Swiss Re Tower war noch vor seiner Fertigstellung Gegenstand vieler Diskussionen. (3) Seine revolutionäre Form, die wie kein anderes Hochhaus die Skyline Londons prägte, war höchst bestritten. Ob die Welt dafür schon bereit war oder nicht sei dahingestellt, die Frage ist, ob das Gebäude die Selbstverwirklichung einiger weniger oder ein Werk vom Menschen, für den Menschen ist und die gesellschaftlichen, sozialen und ästhetischen Aspekte gleichwertig behandelt oder nicht.

2. Entwicklung des Projekts

Das Projekt 30 St Mary Axe hatte in den 90iger Jahren seine Anfänge und viele Etappen waren zu bewältigen, bevor es 2004 fertig gestellt wurde.

Eins der größten Rückversicherungsunternehmen weltweit, die Swiss Reinsurance Company, das 1863 gegründet wurde und mittlerweile 8000 Menschen weltweit beschäftigt, hatte das Bestreben seine fünf Zentren in London zusammenzuführen, um Interaktion und Ideenaustausch in der Firma zu ermöglichen. Nach langem Suchen, hatte man sich schließlich für einen Platz entschieden, auf dem sich vorher der Baltic Exchange befand. 1903 von den Architekten T.H. Smith und William Wimble fertig gestellt, diente das viktorianische Gebäude als Handelsplatz für Seehändler. Das aus teuerem Material gebaute Handelszentrum, das 1992 bei einem Bombenanschlag der IRA unreparabel zerstört wurde (Abb.1), sollte lange Zeit nicht zum Abriss freigegeben werden. Die Stadt kämpfte für den historischen Bau, jedoch blieben die Investoren für das kostspielige Projekt aus. Obwohl das Architektenbüro GMW (Gollins, Melvins, Ward) 1995 die Baugenehmigung für ihren Entwurf erlangte, der die Fassade des Baltic Exchange integrieren würde, hat sich kein Interessent gefunden, der das unvorteilhaft projektierte Gebäude okkupieren würde. Nachdem die Swiss Re Company Ende 1997 Interesse an dem Grundstück zeigte, hat man sich schließlich gegen den GMW- Entwurf und für den renommierten Architekten Norman Foster entschieden. (4)

Die Entwicklung der Form des Gebäudes wurde unter enger Zusammenarbeit mit der Stadtplanung und dem English Heritage vorgenommen. Aus dem ursprünglich 1996 von Foster entworfenen 400 Meter hohem London Millennium Tower (Abb.2) entstand nach einer dreijährigen Entwicklungsphase, bei der die Höhe teilweise bis auf 100 Meter hinunterging, das heutige 180 Meter hohe Modell. (5)

3. Baubeschreibung

Das 30 St Mary Axe Gebäude befindet sich unweit vom Zentrum im östlichen Teil von London im Finanzdistrikt, wo sich weitere Bürogebäude befinden. Der Osten der Stadt eignet sich gut für Hochbauten, da er außerhalb des denkmalgeschützten Gebietes liegt. (Abb.3) Der 180 Meter hohe Tower steht zwar auf einem dicht bebauten Platz, ist aber trotzdem allumsichtig und freistehend. Von weitem ist das Gebäude nie als Ganzes zu sehen, da es immer teilweise durch Nachbarbauten verdeckt wird. Wie in den meisten Metropolen, herrscht auch in London ein städtebaulicher Stilmix aus verschiedenen Epochen, was sich auch an den umgebenden Bauten des Towers widerspiegelt. Dazu zählen der aus den 60iger Jahren stammende Commercial Union Tower, der futuristisch wirkende Richard Rogers Lloyd’s of London von 1986 und das Holland House von 1916, das den stärksten Kontrast zum im Jahre 2004 fertig gestellten gläsernen Versicherungsgebäude bildet. (Abb. 4-6)

Von den Stadtbewohnern als erotische Gurke bezeichnet (6), ist das Hochhaus mittlerweile ein fester Bestandteil der Skyline und ein oft abgebildetes Wiedererkennungsmerkmal der Weltmetropole. (Abb.7) Das wahrscheinlich markanteste Charakteristikum des Gebäudes ist seine kurvige Form. Die Glassäule wird entasisartig zur Mitte des Gebäudes dicker und verjüngt sich nach oben zur Spitze. Die netzartige Stahl-Glasfassade, die aus 7429 teils dreieckigen, teils rauteförmigen Glaselementen besteht, erinnert an ein Drahtgeflecht, das die elyptische Säule umspannt. (Abb.8,9) Durch getönte Glaselemente an der Fassade, entstehen spiralförmige, sich um das Gebäude windende Linien, die das längsachsensymmetrische, nach außen gewölbte Gebäude durch ihre Asymmetrie auflockern. (Abb.10)

Das Gebäudekonstrukt besteht außen aus gegeneinander gekippten Stahlrohren und horizontalen Stahlbalken und einem zylindrischen Schacht im Zentrum des Baus. Verbindende Stahlelemente zwischen den Rohren haben die Funktion, diese zusammenzuhalten und ermöglichen die Variation der Radien der Etagen, wodurch die kurvige Form ermöglicht wird. Die horizontalen Balken fangen den Außendruck ab und halten den Bau zusammen. Vier diagonal montierte Rohren ergeben jeweils eine Raute, die über vier Etagen geht. (Abb.11)

Die Ummantelung der Stahlrohre, aus den das Hauskonstrukt besteht, hat ein rauteförmiges Hohlprofil. Die Aluminiumverkleidung lässt durch die Farbwahl ein scheinbares rauteförmiges Gitter entstehen. Alle horizontalen Balken des Außenskeletts sind blauschwarz, während alle diagonalen in weiß gehalten sind, wodurch die Diagonalen hervorgehoben werden und der Eindruck eines übergespannten Netzes entsteht. (Abb.12)

Das von weitem durch die gewählten Materialien, Stahl und Glas, leicht und elegant wirkende Bauwerk überrascht bei näherem Betrachten. Die Gewaltigkeit der Stahlelemente findet bei dem Portal ihre Wirkung. Die acht unverglasten zweigeschossigen A-förmigen Konstruktteile, die den Eingang repräsentieren, lassen zusammen eine stumpfe Pyramide entstehen auf der eine verglaste Spitze basiert. Die nackten weißen zu ca. 30° gekippten Pfeiler wirken im Verhältnis zu den kleineren rauteförmigen Glaselementen der Fassade riesig und erfüllen damit ihre repräsentative Funktion. (Abb.13)

Die Raute und das diagonale Gittersystem werden sowohl in der Stahlkonstruktion, als auch in der Glasverkleidung zum Leitmotiv. Dabei ergibt sich aus der konvexen, organisch wirkenden Form des Turms und dem Rautemotiv ein interessantes Zusammenspiel, das die Dramatik des Baus steigert. Die unkonventionelle diagonale Fassadengliederung, die keine vertikalen und kaum horizontale Elemente aufweist und die doppelhäutige Glasverkleidung erschweren die Vermutung über das Innere. Wand und Fenster überschneiden sich in ihren Funktionen und verschmelzen zu einem Ganzen – der Glasfassade. Die einzigen Elemente, die die innere Aufteilung an der Außenfassade andeuten, sind die verdunkelten Streifen hinter denen sich Lichtschächte befinden.

[...]


(1) POWELL, Kenneth: 30 St Mary Axe. A Tower for London, London, New York 2006, S. 44-45

(2) HORNIG, Frank/ KNÖFEL, Ulrike/ ZAND, Bernhard: Städtebau. Kampf um die Skyline, in: Spiegel 23 (2008), S. 162-165

(3) POWELL, Kenneth: 30 St Mary Axe. A Tower for London, London, New York 2006, S. 44 ff., 195 ff.

(4) Vgl. POWELL, (2006) S.14-21

(5) Vgl. POWELL, (2006) S. 42-47

(6 Vgl. POWELL, (2006) S. 11

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
30 St Mary Axe London – “Swiss Re Tower”
Untertitel
Ein Symbol der megalomanen Selbstdarstellung oder ein Meilenstein der Architektur?
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Einführung in die Architektur
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V153268
ISBN (eBook)
9783640663552
ISBN (Buch)
9783640663873
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mary, London, Tower”, Symbol, Selbstdarstellung, Meilenstein, Architektur, Norman Foster
Arbeit zitieren
Elizaveta Petcheniouk (Autor), 2008, 30 St Mary Axe London – “Swiss Re Tower”, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153268

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