Francois Fenelons "Les Aventures de Telemaque" - Eine Romananalyse


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Grundlagen
François Fénelon
Louis XIV
Duc de Bourgogne
Les Aventures de Télémaque

Romananalyse
Pädagogische Ziele
Politische Aspekte

Zusammenfassung

Anhang
Stammbaum: Die Bourbonen
Stammbaum: Götterstammbaum
Abbildungen

Bibliographie
Primärliteratur
Sekundärliteratur

Grundlagen

François Fénelon

François de Pons de Salignac de la Mothe Fénelon wurde am 6. August 1651 auf Schloß Fénelon, Sainte-Mondane, Perigord, geboren. Seine Eltern, Pons de Salignac und Louise de la Cropte de Saint Abre, gehörten zum verarmten Hochadel. François hatte zwei Brüder, sowie elf Geschwister aus des Vaters erster Ehe. Obwohl für seinen Lebenslauf bis 1675 wenig gesicherte Kenntnisse vorliegen, scheint gewiß, daß er mit zwölf Jahren sehr gut Griechisch konnte und mit Eleganz Französisch und Latein schrieb. Außerdem studierte er wohl erst in Cahors und später Philosophie und Theologie in Paris. Daraufhin wurde er im Jahre 1675 Priester in Paris. Ihm 1678 vom Erzbischof von Paris anvertraut, übernahm er für zehn Jahre die „Leitung einer Erziehungsanstalt für zum Katholizismus bekehrte[r] Andersgläubige[r]“.[1] Im Rahmen dieser Tätigkeit verfaßte er 1687 De l’éducation des filles, eine Abhandlung, die neue pädagogische Methoden vorschlug. Durch sie, sowie die Unterstützung zweier Herren, des Herzogs von Beauvillier und Jacques-Bénigne Bossuets, „offizielle[r] Kanzelredner und Meister der oraison funèbre[2], wurde der Pädagoge im August 1689 zum Erzieher des Thronerben, des Enkels Ludwigs XIV., des Herzogs von Burgund, ernannt. Er gab sein Bestes und verschaffte sich damit nicht nur die Freundschaft seines Schülers, sondern auch die Anerkennung des Königs. Letztere begann allerdings 1699 zu schwinden, als sein einzig und allein für den Thronerben gedachter Roman Les Aventures de Télémaque im April jenen Jahres an die Öffentlichkeit geriet. Der Grund: Ludwig XIV. stieß sich an dem, was er als Kritik an seiner Politik auffasste. Wem hatte François das zu verdanken? Der Untreue eines Abschreibers!

Noch während er das Präzeptorat innehatte, wurde Fénelon am 7. März 1693 in die Académie française aufgenommen bzw. am 4. Februar 1695 zum Erzbischof von Cambrai berufen, so dass er fortan die Titel Duc de Cambrai und Prince de Saint-Empire trug. Als der Schriftsteller 1697 in dem Traktat Explication des maximes des Saints seine Anschauungen darlegte und sich damit in die Mühlen eines Theologenstreites begab, kam sein glänzender Aufstieg erst zu einem Halt und begann dann den Abstieg, denn nicht nur, daß er die Gunst

des Königs verlor, der diesen Anschauungen opponierte, sondern 1699 wurden auch 23 Thesen dieser letzten Schrift vom Papst verurteilt.[3] Ab dem 1. August 1697 vom Hof verbannt, zog er sich nach Cambrai zurück und widmete sich dort seiner Diözese, die sich durch Erbarmen und Nächstenliebe auszeichnete. François Fénelon verstarb am 7. Januar 1715 in Cambrai.[4]

Von 1713 bis 1714 hatte er noch an einem Brief an die Akademie gearbeitet. Dieser erschien 1716.[5] Darin erklärte er seine Opposition gegenüber dem Akademismus von Versailles und schlug vor, sowohl die Sprache zu bereichern als auch die Rhetorik, die Poetik, die Dramaturgie und die Geschichte dem Formalismus zu entziehen.[6] Doch nicht nur das Jahr 1716 lag nach seinem Tode, sondern selbstverständlich auch das Jahr 1793. In jenem Jahr nämlich brachte Marie-Joseph Chénier François Fénelon mit dem Stück Fénelon ou les religieuses de Cambrai auf die Bühne. Es handelte sich dabei um eine Tragödie, die am 9. Februar 1793 im Théâtre de la République uraufgeführt wurde.

„Im Konflikt zwischen formalen Anforderungen seines Amts u. Geboten der Menschlichkeit, die sich stellen, als Fénelon von erzwungenen Gelübden in einem Nonnenkloster erfährt, entscheidet er sich für den Bruch mit der entleerten Tradition, befreit die Frau und Tochter seines Freundes d'Elmance aus dem Kloster und gibt ein Beispiel aufgeklärter Toleranz.“[7]

François Fénelon hat übrigens auch einmal einen Brief an Ludwig XIV. adressiert, ihn aber dessen heimlicher Gemahlin Madame de Maintenon geschickt. Seiner Ansicht nach, hätte sie Ludwigs Aufmerksamkeit auf den fatalen Zustand des Landes lenken können. Der Brief stellt die Frage nach der Art des Regierens und stellt den idealen Monarchen als denjenigen dar, der großzügig ist und sich um den wirtschaftlichen Wohlstand, den Frieden, aber auch um die Bereinigung von Ungerechtigkeiten sorgt. Beabsichtigt war, dem König gut zuzureden und ihm verständlich zu machen, daß Kriege um die Eroberung von Gebieten außerhalb des Landes nur die Kräfte innerhalb des Landes zerstören.[8]

Louis XIV

Ludwig XIV. wurde 1638 geboren und war von 1643 bis 1715 König von Frankreich. Wie die letzten Daten verraten, war er erst fünf als sein Vater starb. Aus diesem Grund ging seiner Königsherrschaft von 1643 bis 1661 auch die Regentschaft seiner Mutter, Anna von Österreich, voraus. Kardinal Mazarin war damals der leitende Minister, verstarb jedoch 1661. Der neue König hatte eine starke und herrschaftsbewußte Persönlichkeit. Er konzipierte z. Bsp. seine Stellung in Frankreich gänzlich neu.

Ludwig XIV. regierte nach dem Prinzip der königlichen Allmacht, die, unerreichbar, nur Gott untergeordnet war. Damit war es ihm möglich, Gesetze einzuführen, zu verändern oder gar abzuschaffen wie es ihm beliebte. Er scherte auch nur wenige politische Ratgeber um sich: einen Kanzler für das Justizwesen und drei Staatssekretäre, jeweils einen für das Äußere, das Kriegswesen und die Marine.

Zu seiner Zeit war Frankreich nicht nur in der Politik und Verwaltung sehr stark, sondern es versuchte auch, die Literatur, die Architektur, die Musik und die Kunst zu beeinflussen, wobei es dem Monarchen in der Kunst darauf ankam, daß von ihm ein Bild geformt wurde, daß ihn ins Zentrum stellte und aller Augen auf ihn lenkte, denn das war für ihn gleichbedeutend mit Machtsicherung und Machterweiterung. Den Höhepunkt dieses Kunst- und Herrschaftswillens bildet der Bau des Schlosses von Versailles.

Von dieser Selbstdarstellung abgesehen, wurde alles daraufhin untersucht, „ob und wo Rechte der französischen Krone gegenüber anderen europäischen Mächten geltend gemacht werden konnten“[9], so daß es beispielsweise von 1672 bis 1679 zum Krieg gegen Holland bzw. 1702 bis 1714 zum Spanischen Erbfolgekrieg kam. Das erklärt auch, warum es unter ihm eine Militärmonarchie gab. Hatte er 1665 noch ein stehendes Heer von nur 45 000 Mann, so bestand dieses 1672 bereits aus 120 000 und 1703 sogar aus 400 000 Mann. Dementsprechend lagen auch die Investitionen in die Heeresmacht, darunter der Bau von Kasernen, Lazaretten und Übungsplätzen. Welch erstaunliche Leistung seiner Diplomatie bzw. Staatssekretäre trotz aller Kriegspolitik diese immer wieder auf diplomatischem Wege auszugleichen!

Ab August 1715 lag der König auf dem Kranken- bzw. Totenbett. Nach dem Tod seines Enkels, des Herzogs von Burgund, der einen Sohn, ebenfalls Ludwig genannt, hinterließ, wurde dieser sein Thronfolger, und zu ihm soll er in dieser Zeit mit Bitterkeit gesagt haben: „J’ai trop aimé la guerre; ne m'imitez pas en cela, non plus que dans les grandes dépenses. Prenez conseil en toutes choses. Soulagez vos peuples, et faites ce que j'ai eu le malheur de ne pouvoir faire moi-même.“[10] Er starb am 1. September 1715, nach 72 Jahren Regierungszeit.[11]

Würdigt man die Gesamtzeit seiner Selbstregierung, so treten die Verdienste gegenüber den negativen Komponenten in den Vordergrund. Schließlich hat er es geschafft, ein ganzes Land nach seinen Vorstellungen zu formen, und selbst gegenüber der Opposition hat er das Zepter fest in der Hand gehalten. Viele waren zwar unzufrieden, aber dann auch wieder fasziniert von der Monarchie. Fazit des Ganzen: „Ludwig XIV., in verwaltungsgeschichtlicher Hinsicht ein Revolutionär auf dem Thron, als Kriegsherr häufig ein Illusionist, hat eines von Anfang bis Ende glänzend verstanden: monarchische Herrschaft darzustellen und ihr den Eindruck der Legitimität zu verschaffen.“[12] Vergessen sind die Belastungen seines Regiments – Kriege, Schuldenberge, Wirtschafsabschwung, Seuchen- und Hungerkrisen, – im Rampenlicht erscheint der Sonnenkönig Ludwig XIV., der ein ganzes Jahrhundert geprägt hat – Gebietserweiterung, außenpolitischer Prestigegewinn, Sicherheit der Grenzen und kompetente Verwaltung.[13]

Was den hier zu besprechenden Roman betrifft, so wurde, wie bereits erwähnt, Fénelon unter anderem seinetwegen von Ludwig XIV. vom Hof verbannt, kritisierte er doch dessen ausgefallenen Lebensstil. Was als ein Abenteuer- und Reiseroman erscheinen mag, sorgte zu damaliger Zeit für viel Aufsehen. Der Autor erzog den Thronfolger, und dessen Großvater und amtierender König „sah es gar nicht gern, dass seinem Enkel ein Ideal vermittelt wurde, das er selbst als Affront empfinden musste.“[14] Der Roman wurde verboten und Fénelon aus Versailles verjagt, womit für Ludwig XIV. die Debatte beendet war.[15]

Duc de Bourgogne

Seit dem 16. August 1689 war es François Fénelons Aufgabe, den Enkel Ludwigs XIV. auf dem Gebiet der menschlichen und göttlichen Literatur auszubilden. Dieser hatte geistige Gaben und Talente, die sich aber erst mit zunehmendem Jugendalter herausbildeten, da er in seiner Kindheit bis hin zur Anfangsphase seiner Jugend eher ein Draufgänger und Choleriker war, der nicht den geringsten Widerspruch duldete und dem Wein zusprach. Sein geistiger Umfang und seine Lebhaftigkeit waren gewaltig, aber er war auch sensibel und voller Leidenschaft. Keine leichte Aufgabe für seinen Lehrer! Dennoch war der Herzog mit 19 wie verwandelt. Wer ihn traf, vor dem stand plötzlich ein freundlicher, sanfter, menschlicher, mäßiger, geduldiger, bescheidener und bußfertiger Prinz, der sich selbst gegenüber demütig und streng war.

Dieser Ludwig hatte nämlich Scharfblick, besaß ein umfassendes Erinnerungsvermögen, ein gutes Urteilsvermögen und ein entsprechendes Vorstellungsvermögen. Er hatte einen ausgezeichneten Geschmack für die schönen Künste, die Beredsamkeit, die Poesie, die Musik, die Malerei und eine große Fertigkeit alle diese auszuüben. Er lernte Latein, Spanisch und Italienisch. Er folgte den Maximen Platons und war daher der Überzeugung, die Grundlage allen politischen Lebens sei die Rechtspflege.

Die Erziehung, die er unter François Fénelon genoß, war eine mühselige, fleißige, gelehrte, weise und christliche Erziehung, und er war ein glänzender, zur Führung geborener Schüler. Dabei war die geistige Bildung ganz der spirituellen und moralischen untergeordnet. Fénelons Ideal bestand darin, den Schöngeist mit gesundem Menschenverstand und Tugend in Einklang zu bringen, so daß er eine Art Heroisierung der Jugend darbot. Um den Herzog von Burgund menschlich, bescheiden und sanft zu machen, fand er kein besseres Mittel, als seinen Schüler von den Manen Telemachs träumen zu lassen. Dieser wartet daher auch mit zahlreichen Ratschlägen auf, die den Herzog vor Versuchungen bewahren sollen und die Besonnenheit, die Mäßigkeit und die Unabhängigkeit, sprich ein mannhaftes und spartanisches Ideal preisen.[16]

Obwohl im Exil in Cambrai, fand der Kontakt zum Thronfolger keinen Abriß. Im Gegenteil, Fénelon war letzterem weiterhin ein guter Ratgeber und Freund. Er präzisierte sogar seine im Telemach anklingenden Reformen. Schließlich brauchte er nur auf die Thronbesteigung

[...]


[1] Naumann, Manfred (Hg.). Lexikon der französischen Literatur. Leipzig: VEB Bibliographisches Institut, 1987, S. 195.

[2] Engler, Winfried. Geschichte der französischen Literatur im Überblick. Stuttgart: Philipp Reclam jun. GmbH & Co., 2000, S. 134.

[3] vgl.: Manfred Naumann Lexikon der französischen Literatur 1987, S. 195.

[4] vgl.: Fénelon, François. Les Aventures de Télémaque. Paris: Edition de J. L. Goré, Classiques Garnier, 1987, S. 11-13, 33, 36, 40.

[5] vgl.: Collection Seghers. Dictionnaire des Auteurs Français. Paris: Editions Seghers, 1961, S. 143-144.

[6] vgl.: Beaumarchais, Jean-Pierre de, Daniel Couty, Alain Rey (Hg.). Dictionnaire des Littératures de la Langue Française, E-L. Paris: Bordas, 1984, S. 864-865.

[7] Engler, Winfried. Lexikon der französischen Literatur. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag, 31994, S. 386.

[8] vgl.: Alexandre (S 2) (2001). Fiche de synthèse: Fénelon, « lettre à Louis XIV ». http://www.ac-reunion.fr/pedagogie/lyvergerp/FRANCAIS/EAF_2001_Syntheses/Montee_Argent/ PalavAlex_Fenelon.htm (6.1.2002).

[9] Hinrichs, Ernst (Hg.). Kleine Geschichte Frankreichs. Stuttgart: Philipp Reclam jun. GmbH & Co., 1997, S. 201.

[10] Le Jeune, Louis (1999). Histoire du Canada et de l’Acadie et Dictionnaire général du Canada: Louis XIV (1700-1715). http://pages.infinit.net/lej/textes3/c3np1.htm (6.1.2002).

[11] vgl.: Louis Le Jeune Louis XIV 1999.

[12] Ernst Hinrichs Kleine Geschichte Frankreichs 1997, S. 215.

[13] vgl.: ebd., S. 190-191, 193, 199-201, 208-209, 214-217.

[14] Kammerer-Grothhaus, Helke (2000). Die Abenteuer des Telemach – ein Reise- und Erziehungsroman. http://www.museum.purespace.de/0801.HTM (1.1.2002).

[15] vgl.: Helke Kammerer-Grothhaus Die Abenteuer des Telemach 2000.

[16] vgl.: François Fénelon Les Aventures de Télémaque 1987, S. 41, 43-47, 72.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Francois Fenelons "Les Aventures de Telemaque" - Eine Romananalyse
Hochschule
Technische Universität Dresden  (für Romanistik)
Veranstaltung
Seminar: Der Französische Roman des 18. Jhd.
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
22
Katalognummer
V15327
ISBN (eBook)
9783638204682
ISBN (Buch)
9783638691413
Dateigröße
567 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Francois, Fenelons, Aventures, Telemaque, Eine, Romananalyse, Seminar, Französische, Roman
Arbeit zitieren
Silke-Katrin Kunze (Autor), 2002, Francois Fenelons "Les Aventures de Telemaque" - Eine Romananalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15327

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