Theorieansatz von Alice Salomon

Welche Bedeutung hatte ihre Arbeit für den Professionalisierungsprozess sozialer Berufsausbildung


Hausarbeit, 2010
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. ) Einleitung

2. ) Biographischer Hintergrund

3. ) Theorieansatz nach Alice Salomon
3.1. ) Begriffliche Grundlagen
3.2. ) Die Ursachen von Not
3.3. ) Aufgaben und Ziele sozialer Arbeit

4. ) Soziale Arbeit als Beruf.
4.1. ) Situation am Anfang des 20. Jh
4.2. ) Von der Notwendigkeit einer professionellen Ausbildung
4.3. ) Zielsetzung sozialer Berufsausbildung
4.4. ) Aktueller Bezug

5. ) Fazit

6. ) Literaturverzeichnis

1. ) Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit dem Theorieansatz von Alice Salomon und der Fragestellung, welche Bedeutung ihre Arbeit für die Entwicklung eines professionellen Ausbildungskonzeptes im sozialen Bereich hatte.

Es wird untersucht werden, in wie weit diese Einflüsse bis heute relevant sind und wie die Ausbildungslandschaft in Deutschland dadurch geprägt worden ist.

Ziel der Arbeit in Bezug auf die Fragestellung ist es zu zeigen, welche zeitlichen Entwick­lungslinien und Gesellschaftsprobleme ihr Denken und Handeln geprägt haben, warum Salomon die Notwendigkeit sah ein Ausbildungssystem für soziale Berufe zu entwickeln und worin ihre Motivation lag sich diesbezüglich zu engagieren.

Dazu sollen zunächst biographische Details Salomons beleuchtet werden, um sie in dem entsprechenden zeitlichen Kontext, der sie und ihre Arbeit entscheidend geprägt hat, ein­ordnen zu können. Im Anschluss werden Grundlagen ihrer Theorie und entsprechende Punkte daraus, die für die Bearbeitung und das Verständnis der späteren Fragestellung not­wendig sind, erörtert werden.

Die Auseinandersetzung mit der Fragestellung wird den Hauptteil der Arbeit ausmachen. Zunächst soll auch hier die berufliche Situation der im sozialen Bereich tätigen Personen am Anfang des 20. Jh. betrachtet werden. Dies ist wichtig, um grundlegende gesellschaftli­che Problematiken nachvollziehen zu können, die bezüglich der Arbeits- und Ausbildungs­situation im sozialen Bereich dieser Zeit bestanden haben und Salomon auf die Notwendig­keit eines neuen Ausbildungskonzeptes aufmerksam gemacht, sie letztendlich in ihrer Mo­tivation entscheidend beeinflusst haben.

Zudem wird Bezug genommen zu den von ihr formulierten Zielsetzungen sozialer Berufs­ausbildung und in wie weit die Einflüsse ihres Wirkens heute noch aktuell sind.

2. ) Biographischer Hintergrund

Alice Salomon wurde 1872 als das vierte von sechs Kindern geboren. Ihr Vater war ein im Lederhandel tätiger jüdischer Geschäftsmann, ihre Mutter stammte aus einer schlesischen Bankiersfamilie.1 Salomon wuchs in Berlin auf, wurde auf der „Zimmermannsche Höhere­Töchterschule“ in unmittelbarer Nachbarschaft eingeschult und besuchte diese bis zu ihrem 15. Lebensjahr.2 Etwa zu diesem Zeitpunkt manifestierte sich in Salomon das Bedürfnis einen Beruf zu ergreifen, der geprägt ist von einer helfenden Tätigkeit.3 Das letzte Schul­jahr wiederholte Salomon freiwillig, weil ihr bewusst war, dass mit dem Ende der Schul­zeit gleichzeitig auch die Zeit des Lernens beendet war.4

Nach dem Abschluss der Schule bereitete sich Salomon auf die Aufnahmeprüfung für das Lehrerinnenseminar vor. Ihre Mutter verweigerte jedoch ihre Zustimmung5, so dass Salo­mon nur eine Kunstschule für Nadelarbeit besuchen konnte. Salomon verbrachte in dieser Zeit täglich mehrere Stunden damit, vor einem Stickrahmen sitzend Stickarbeiten auszuü­ben.6 Sie betrachtete diese Zeit als ein „Fluch“7 und stickte „alle Träume für ein besseres Leben in das Leinen hinein“.8

Diese Zeit des Wartens endete erst mit einer Einladung zur Gründungsversammlung der „Mädchen- und Frauengruppe für soziale Hilfsarbeit“ (im folgenden „Gruppen“ genannt) im Jahre 1893. Diese Gruppen bestanden aus sozialpolitisch engagierten Bürgern. Sie woll­ten freiwillige Dienste in wohltätigen Einrichtungen organisieren.9 Auf diesen Versamm­lungen traf Salomon mit Vertretern der Frauenbewegung (u.a. Jeanette Schwerin) sowie mit Sozialreformern (z.B. G. Schmoller und M. Sehring) zusammen.10 Im Rahmen der Arbeit der Gruppen sammelte Salomon erste Erfahrungen im sozialpäd­agogischen Berufsbereich. Sie arbeitete ehrenamtlich in einem Mädchenhort und besuchte Familien, die einen Unterstützungsantrag bei einer privaten Wohlfahrtszentrale gestellt hat­ten.11 Parallel dazu nahm sie an Vorlesungen in Soziologie und Staatsbürgerkunde teil, wel­che ebenfalls Bestandteil der Arbeit der Gruppen waren.12

Besonderen Eindruck übte Jeanette Schwerin auf sie aus. Es folgte eine Zeit der intensiven Zusammenarbeit. Salomon wurde Schwerins Sekretärin und vertrat sie auf Veranstaltun­gen, wenn Schwerin aufgrund von Krankheit verhindert war.13 Nach ihrem Tod 1899 über­nahm Salomon nicht nur ihre Aufgaben in den Gruppen und sondern auch die, in der natio­nalen und internationalen Frauenbewegung.14 Zudem übernahm sie die Leitung der Jahres­kurse, die 1899 zum ersten mal abgehalten wurden. Während dieser Zeit beschloss Salo­mon auch wieder Zeit in ihre eigene Bildung zu investieren und und studierte ab 1902 Na­tionalökonomie und Sozialwissenschaft.15 Im Jahr 1906 promovierte sie als eine der ersten Frauen Deutschlands.16 Dieser Titel sollte ihr bei ihrer weiteren beruflichen Tätigkeit hilf­reich sein, denn “die Zeit, als Amateure die Bewegung führen konnten, waren vorbei.“17

Für die Frauenbewegung und die Schulreform sollte sich das Jahr 1908 als ein Schlüssel­jahr herausstellen, fanden doch in diesem Jahr die Aufhebung des preußischen Vereinsge­setzes sowie die preußische Mädchenschulreform statt.18

Durch diese Reform konnten Frauen offiziell zum Studium zugelassen werden. Im Zuge dieser Entwicklungen eröffnete Salomon im selben Jahr die soziale Frauenschule und wur­de deren erste Leiterin.19

Nach dem Ersten Weltkrieg stieg der Bedarf an Frauenschulen und gut ausgebildeten Wohlfahrtspflegerinnen sprunghaft an. Für die Gewährleistung allgemeiner Ausbildungs­standards bei den neu gegründeten Schulen wurde 1920 die Nationale Konferenz der sozia­len Frauenschulen ins Leben gerufen, deren erste Vorsitzende Salomon wurde. 1925 grün­dete Salomon die Deutsche Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit, welche Weiterbildungsmöglichkeiten für Führungskräfte in der sozialpädagogischen Praxis an- bot.20 Im Zuge der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Salomon 1933 sämtli­cher öffentlicher Ämter enthoben.21 Obwohl sie Deutschland nicht verlassen wollte22 wurde sie nach einigen kurzen Auslandsaufenthalten 1937 von den Nazis vor die Wahl gestellt, auszureisen oder in ein Konzentrationslager überstellt zu werden.23 Salomon emigrierte über England in die USA und lebte fortan in New York. Nach Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft 1939 wurde sie 1944 US-amerikanische Staatsbürgerin.24 Aufgrund ih­res fortgeschrittenen Alters konnte sie in den USA ihre publizierenden und dozierenden Tä­tigkeiten nicht mehr ausüben. Salomon starb 1948 in New York.25

3. ) Theorieansatz nach Alice Salomon

Ihren eigenen Theorieansatz hat Salomon in verschiedenen Schriften und Veröffentlichun­gen dargelegt. Maßgeblich beeinflusst wurde sie in ihrem Denken von Tolstoj und seinem Werk: „Was sollen wir nun aber tun?“. Diese Buch wurde zu Salomons Leitfaden26 und hat ihr „mehr vermittelt, als eine Vielzahl sozialpsychologischer Kurse einem Sozialarbeiter vermitteln können.“27 Ähnlich prägend waren aber auch die Werke des englischen Dichters Thomas Carlyle.28 Zu den wesentlichen Themen der sozialen Arbeit zählten für Salomon и. a. die Frage nach den Ursachen sozialer Not sowie nach den Zielen sozialer Arbeit.29 Auf beide Bereiche wird im Folgenden eingegangen werden.

3.1.) Begriffliche Grundlagen

Salomons Verständnis von den Aufgaben sozialer Arbeit unterlag immer wieder den Einflüssen gesellschaftlicher Entwicklungen. In Folge dessen änderte sich in entsprechen­den Abständen auch das von ihr verwendete Vokabular zur Beschreibung sozialer Berufstä­tigkeiten. Die häufigste Verwendung fand hierbei der Begriff „soziale Arbeit“, welchen Sa­lomon bereits Anfang des 20 Jh. verwendete. Parallel dazu nutzte sie aber auch den Aus­druck „soziale Hilfstätigkeit“, welcher die Bereiche Armenpflege, Krankenpflege, Jugend­fürsorge, Gefangenenfürsorge, Volksbildung und Arbeiterinnenschutzbestrebungen umfasste.30 Salomon wollte mit dieser Begriffsverwendung eine klare Abgrenzung zu Ter­mini wie „Armenpflege“, „Caritas“ oder „Wohltätigkeit“ ausdrücken, um damit einen neu­en qualitativen Anspruch ihrer Arbeit unterstreichen.31

Da ihrer Ansicht nach die Ursachen von Armut in der Regel nicht individueller sondern kollektiver Natur waren, mussten auch die Hilfsleistungen an diesen Sachverhalt angepasst werden. Ursprüngliche individuelle Lösungsansätze und -versuche waren ihrer Ansicht nach überholt und konnten lediglich Symptome beheben, jedoch keinen dauerhaften, be­friedigenden Lösungsansatz bieten. Salomon war es wichtig benachteiligte Bevölkerungs­gruppen ein grundsätzliches Recht der Teilhabe am Gesellschaftsleben zuzugestehen und diese durch politische Aktivierung zur Verbesserung ihrer Situation anzuregen. Zudem soll­te die Realisierung konkreter Hilfemaßnahmen im Alltag unter Beteiligung entsprechender Organisationen zur Anwendung kommen32.

Soziale Arbeit bedeutete für Salomon nicht nur die Ursachen von Notlagen zu erfragen und bei entsprechenden Fällen Hilfsmaßnahmen sozialpolitischer Art einzuleiten, es bedeutete auch, die zwischen den Klassen bestehenden Unterschiede und Ungerechtigkeiten zu behe­ben33 und den Aufbau eines persönlichen Miteinanders zwischen den besitzenden und den nicht besitzenden Klassen zu fördern.34

In ihren theoretischen Ausarbeitungen bezog sich Salomon auch auf andere Bereiche sozia­ler Arbeit und wie beispielsweise der Wohlfahrtspflege.

Unter Wohlfahrtspflege verstand Salomon eine „planmäßige Förderung der Wohlfahrt von Bevölkerungsgruppen in Bezug auf solche Bedürfnisse, die sie nicht selbst auf dem Weg der Wirtschaft befriedigen können und für die auch nicht deren Familien oder der Staat durch allgemeine öffentliche Leistungen sorgt.“35

Dieser Personengruppen waren in ihren Zusammensetzung allerdings kein festes Gebilde, sondern passten sich in der Art ihrer Bedürfnisse auch stets dem Wandel der gesellschaftli­chen und politischen Einflüsse an. Somit waren auch die Aufgaben der Wohlfahrtspflege nicht immer die selben, sondern abhängig von den zeitlichen Gegebenheiten und den Be­darfsgruppen.36 Neben Unterstützungsmaßnahmen in finanzieller bzw. wirtschaftlicher Hinsicht waren zudem gesundheitliche, kulturelle und bildungstechnische Förderungsmaß­nahmen vorgesehen, sowie eine optimale Entwicklung der Persönlichkeit. Dies sollte durch wechselseitige Anpassung von Mensch und Umwelt erreicht werden.37

Bereits Anfang des 20. Jh. verwendete Salomon auch den Begriff „Sozialpädagogik“. Die­ser Bereich stellte für sie ein Teilgebiet der sozialen Arbeit dar.38

Den Begriff „Sozialpädagogik“ verband Salomon vorrangig mit der Arbeit in Erziehungs­einrichtungen, in denen Kinder bedürftiger und armer Bevölkerungsgruppen betreut wur­den. Der Fokus lag dabei auf einer „kompensierenden und ergänzenden“39 Erziehung, die nach Salomons Ansicht, wenn entsprechend organisiert, einen „fast gleichwertigen Ersatz für eine familiäre Erziehung“40 zu bieten hatte.

Trotz ihrer Annäherung an die Sozialpädagogik galt Salomons Hauptinteresse allerdings immer der sozialen Arbeit. Daher bevorzugte sie in Bezug auf ihre Tätigkeitsumschreibung die Verwendung des Begriffs „soziale Arbeit“; zum einen um sich von der Pädagogik und der Wohlfahrtspflege abzugrenzen und zum anderen, weil sie nur mit diesem Begriff gesi­chert sah, dass das Erkennen eines Zusammenhanges zwischen gesellschaftlich und indivi­duell begründeten Ursachen sozialer Not gegeben war.41 3.2.) Die Ursachen von sozialer Not Grundsätzlich bestehen für Salomon zwei verschieden Hauptfaktoren in denen die Ursa­chen für die Entstehung persönlicher sowie gesellschaftlicher Notlagen zu suchen sind. Diese liegen zum einen im Menschen selbst, zum anderen im Gesellschaftssystem, „im Mi­lieu“42 begründet, lassen sich innerhalb beider Bereiche jedoch nochmals unterteilen und stehen in kausalem Zusammenhang.

[...]


1 Vgl. Salomon 1984, 12

2 Vgl. Salomon 1984, 26

3 Vgl. Salomon 1984, 10

4 Vgl. Kuhlmann 2000, 51

5 Vgl. Müller 1988, 125

6 Vgl. Kuhlmann 2007, 16

7 Kuhlmann 2007, 17

8 Ebd.

9 Vgl. Kuhlmann 2000, 55

10Vgl. Kuhlmann 2008, 5f

11Vgl. Kuhlmann 2008, 6

12Vgl. Kuhlmann 2000, 59

13Vgl. Salomon 1984, 44

14Vgl. Kuhlmann 2008, 6

15Vgl. Kuhlmann 2007, 67

16Vgl. Kuhlmann 2008, 6

17Vgl. Salomon 1984, 67

18Vgl Kuhlmann 2007,79

19Vgl. Engelke 1998,189

20 Vgl. Kuhlmann 2008, 7

21 Vgl. Engelke 1998, 190

22 Vgl. Kuhlmann 2000, 202

23 Vgl. Kuhlmann 2008, 8

24 Vgl. Engelke 1998, 190

25 Vgl Kuhlmann 2008, 8

26 Vgl. Salomon 1984, 44

27 Salomon 1984, 45

28 Vgl. Engelke 1998, 192

29 Vgl. Kuhlmann 2000, 225

30 Vgl. Kuhlmann 2000, 238

31Ebd.

32Ebd.

33Ebd.

34 Vgl. Kuhlmann 2000, 238 f

35 Schiller 1997, 42

36Vgl. Kuhlmann 2008, 60

37 Vgl. Schilling 1997, 42

38 Vgl. Kuhlmann 2008, 68

39Kuhlmann 2000, 242

40 Ebd.

41 Vgl Kuhlmann 2000, 244

42 Engelke 1998, 193

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Theorieansatz von Alice Salomon
Untertitel
Welche Bedeutung hatte ihre Arbeit für den Professionalisierungsprozess sozialer Berufsausbildung
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Veranstaltung
Modul O1 - Geschichte Sozialer Arbeit
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V153277
ISBN (eBook)
9783640662784
ISBN (Buch)
9783640662999
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alice, Salomon, Frauenschule, Berufsbildung, Studium, Theorieansatz
Arbeit zitieren
Mathias Tömöri (Autor), 2010, Theorieansatz von Alice Salomon, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153277

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