Gegenstand der Arbeit ist die Frage nach dem Apostasieurteil im islamischen Recht - seine Hintergründe und die heutige Diskussion darüber. Es soll gefragt werden, mit welchen Argumenten einige der modernen Intellektuellen gegen die Todesstrafe von Apostaten Einwendungen erheben, und wie sich die heutigen Befürworter eines solchen Urteils mit den Neuinterpretationen der Gegner auseinandersetzen. Dafür war es noch wichtig, die Hintergründe des Apostasieurteils im Koran, der prophetischen Tradition und der islamischen Geschichte darzustellen. Für die Seite der Gegner werden die Einstellungen zweier Intellektueller, nämlich des Ägypters al-Awwa und des Syrers Adlabi, behandelt. Für die Seite der Befürworter werden die Auffassungen von al-Mataani aus Ägypten und von al-Ahdal aus Jemen als Beispiel erörtert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Forschungsgegenstand
1.2. Methodik
1.3. Begriff "Ridda" im Sprachgebrauch und im islamischen Recht
2. Hintergründe des ḥadd al-Ridda in der islamischen Geschichte
2.1. al-Ridda-Kriege nach dem Tode des Propheten Muhammad (zusammengefasste historische Darlegung)
2.2. Apostasie im Koran und im Hadith-Korpus
2.3. Apostasieurteil in der früheren Literatur des islamischen Rechts (Überblick bei den vier sunnitischen Rechtsschulen in al-fiqh ʿalā al-maḏāhib al-ʾarbaʿa von al-Ǧazīrī)
3. Die Todesstrafe des Murtadd in der Diskussion zwischen den Befürwortern und den Gegnern in der modernen Zeit
3.1. Gegner der Apostasiestrafe (am Beispiel von al-ʿAwwā und Adlabī)
3.2. Befürworter der klassischen Auffassung (am Beispiel von al-Maṭʿanī und al-Ahdal)
4. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Apostasieurteil im islamischen Recht, beleuchtet dessen historische Hintergründe in Koran und Tradition sowie die aktuelle Debatte zwischen modernen Kritikern und klassischen Befürwortern der Todesstrafe.
- Historische Entwicklung des Begriffs Ridda und der Ridda-Kriege
- Analyse der Apostasie-Thematik in Koran und Hadith-Korpus
- Darstellung der Positionen sunnitischer Rechtsschulen zum Apostasieurteil
- Gegenüberstellung moderner reformerischer Argumente gegen die Todesstrafe
- Untersuchung der klassischen Positionen zur Verteidigung der Todesstrafe
Auszug aus dem Buch
2.2. Apostasie im Koran und im Hadith-Korpus
Ausdrücklich kommen beide Wörter ridda und irtidād im Koran an etwa 26 Stellen mit verschiedenen Bedeutungen und in unterschiedlichen Zusammenhängen vor. Nur zweimal benutzt der Koran das Verb irtadda in seiner späteren juristischen Bedeutung, und zwar als Hinweis auf den vom Islam Abgefallenen.
"Und sie werden nicht aufhören, gegen euch zu kämpfen, bis sie euch von eurer Religion abbringen - wenn sie (es) können. Und diejenigen von euch, die sich (etwa) von ihrer Religion abbringen lassen und (ohne sich wieder bekehrt zu haben) als Ungläubige sterben, deren Werke sind im Diesseits und im Jenseits hinfällig. Sie werden Insassen des Höllenfeuers sein und (ewig) darin weilen." (Paret 1989: Sure 2,217 )
"Ihr Gläubigen! Wenn sich jemand von euch von seiner Religion abbringen läßt (und ungläubig wird, hat das nichts zu sagen). Allah wird (zum Ersatz dafür) Leute (auf eure Seite) bringen, die er liebt, und die ihn lieben, (Leute) die den Gläubigen gegenüber bescheiden sind, jedoch die Ungläubigen ihre Macht fühlen lassen, und die um Allahs willen kämpfen und sich (dabei) vor keinem Tadel fürchten. Das ist die Huld Allahs. Er gibt sie, wem er will. Allah umfaßt (alles) und weiß Bescheid." (Paret 1989:Sure 5,54)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die aktuelle Debatte um Apostasie und Todesstrafe im Islam ein und definiert den Forschungsgegenstand sowie die methodische Vorgehensweise.
2. Hintergründe des ḥadd al-Ridda in der islamischen Geschichte: Dieses Kapitel analysiert die historischen Wurzeln der Apostasiestrafe, angefangen bei den Ridda-Kriegen bis hin zur Behandlung der Apostasie in Koran, Hadith und den klassischen sunnitischen Rechtsschulen.
3. Die Todesstrafe des Murtadd in der Diskussion zwischen den Befürwortern und den Gegnern in der modernen Zeit: Das Hauptkapitel stellt die gegensätzlichen Positionen heutiger Intellektueller und Theologen dar, die einerseits die Todesstrafe ablehnen und andererseits an der klassischen Auffassung festhalten.
4. Schlusswort: Das Schlusswort fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert, wie historische Kontexte die Auslegung und Anwendung der Apostasiestrafe beeinflusst haben.
Schlüsselwörter
Apostasie, Ridda, Todesstrafe, Murtadd, Islamisches Recht, Koran, Hadith, Religionsfreiheit, Glaubensabfall, Sunnitische Rechtsschulen, Reformdiskurs, Scharia, Zwang, Religionswechsel, Toleranz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit behandelt die Hintergründe und die moderne Debatte um die Apostasiestrafe (ḥadd al-Ridda) im islamischen Recht.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit beleuchtet die historische Entwicklung des Apostasiebegriffs, die textliche Grundlage in Koran und Hadith sowie die rechtlichen Argumente der klassischen Rechtsschulen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie moderne Intellektuelle gegen die Todesstrafe argumentieren und wie Befürworter der klassischen Auffassung diesen Neuinterpretationen entgegenwirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
In der Untersuchung wird die analytisch-kritische Methode angewandt, um Beweise und Argumente auf ihre Stichhaltigkeit zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Gegenüberstellung von Gegnern und Befürwortern der Todesstrafe bei Apostasie unter Einbeziehung zeitgenössischer Gelehrter.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Apostasie, Ridda, Murtadd, Todesstrafe und islamisches Recht beschreiben.
Wie bewerten die Gegner der Todesstrafe die Koranverse?
Gegner argumentieren, dass der Koran keine weltliche Strafe für Apostasie festlegt und betonen den koranischen Grundsatz der Glaubensfreiheit.
Warum betrachten Befürworter die Todesstrafe als legitim?
Befürworter argumentieren, dass die Sunna als primäre Quelle die im Koran allgemeinen Urteile präzisiert und die Todesstrafe als weltliche Sanktion festsetzt.
- Quote paper
- Mohammed Abdelrahem (Author), 2008, Hintergründe des hadd al-Ridda (Apostasiestrafe) im islamischen Recht und die heutige Diskussion über das Todesurteil, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153283