Vereine als Interessenorganisationen unterhalten zur Wahrnehmung ihrer satzungsgemäßen Aufgaben häufig Arbeitsorganisationen. Nicht selten finden sich hier Situationen, in denen sich die Mitglieder der Interessenorganisation den Mitarbeitern der vereinseigenen Arbeitsorganisation in spannungsträchtigen Situationen gegenüber stehen.
Die vorliegende Arbeit unternimmt den Versuch, mögliche Spannunsfelder einerseits aus einer akteurtheoretischen Perspektive zu betrachten und andererseits soziale Strukturdynamiken als Instrument für eine Erklärung möglicher Konflikte zu nutzen.
Die Arbeit vermittelt nicht nur theoretisches Wissen, sondern bietet auch Lesern ohne ein ausdrückliches soziologisches Interesse einen aufklärenden Einblick in die strukturellen Dynamiken innerhalb des "Mischtypes" Verein mit vereinseigener Abeitsorganisation. Lesenswert für Mitglieder, Vorstände und Beschäftigte in Vereinen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Akteurmodelle & Modelle soziale Strukturdynamiken
2.1 Soziologische Akteurmodelle
2.1.1 Der normorientierte Homo Sociologicus
2.1.2 Der nutzenorientierte Homo Oeconomicus
2.1.3 „Emotional Man“ und Identitätsbehaupter
2.2 Modelle sozialer Strukturdynamiken
2.2.1 Akteure in Konstellationen wechselseitiger Beobachtung
2.2.2 Akteure in Konstellationen wechselseitiger Beeinflussung
2.2.3 Akteure in Konstellationen wechselseitiger Verhandlung
2.2.4 Die Zusammenfügung der Konstellationsarten
3 Verein: Interessenorganisation mit Arbeitsorganisation
3.1 Strukturdynamiken innerhalb der Interessenorganisation
3.2 Strukturdynamiken innerhalb der Arbeitsorganisation
3.3 Strukturdynamiken in Interessenorganisationen mit Arbeitsorganisation
4 Zusammenfassende Betrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht soziologisch, wie Vereine als Interessenorganisationen, die gleichzeitig Arbeitsorganisationen unterhalten, soziale Strukturen, Dynamiken und Spannungsfelder zwischen ihren Mitgliedern und Mitarbeitern generieren.
- Soziologische Akteurmodelle zur Erklärung von Handlungswahlen
- Modelle sozialer Strukturdynamiken zur Analyse von Handlungswirkungen
- Interdependenzen und Spannungsfelder innerhalb von Interessenorganisationen
- Strukturelle Besonderheiten und Kontrolldefizite in Arbeitsorganisationen
- Herausforderungen der kognitiven Abgrenzung in Mischorganisationen
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Der normorientierte Homo Sociologicus
Das Modell des Homo Sociologicus ist im Wesentlichen durch einen normativen Ansatz gekennzeichnet. Dieses normative Paradigma lässt sich bereits auf Durckheim zurückführen, welcher soziale Erscheinungen als Dinge der Außenwelt betrachtete, die durch einen Willensausschluss der Handelnden nicht veränderlich sind. Nach Durckheims Auffassung bestehen soziale Erscheinungen als „Gußformen“, in welche die Akteure ihre Handlungen gießen müssen (vgl. 1855: 125f.). Durch die Außenwelt werden an die Akteure Erwartungen herangetragen, welche diese innerhalb eines bestimmten Spektrums normativer Vorgaben zu erfüllen haben. Der Akteur kann im Modell des Homo Sociologicus keine Entscheidungen, die am eigenen Wollen ausgerichtet sind, treffen.
Im Anschluss an Durckheim führte u.a. Parsons (1937) mit seinem Konzept des „unit act“ das normative Paradigma im Rahmen der strukturfunktionalistischen Theorie fort. Nach Parsons bestehen die Bedingungen der Möglichkeit des sozialen Handelns darin, dass – neben einem Akteur und dessen Intention einer Zielverfolgung – eine Situation besteht, welche diesem einerseits Einschränkungen auferlegt, andererseits aber auch bestimmte Ressourcen zur Verfügung stellt. Ferner ist der „unit act“ dadurch gekennzeichnet, dass der Akteur versucht, sein Handeln den Mustern anzupassen, die von ihm und den anderen Mitgliedern der selben Bezugsgruppe als wünschenswert erachtet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Problemstellung von Vereinen als kombinierte Interessen- und Arbeitsorganisationen und der soziologischen Vorgehensweise.
2 Akteurmodelle & Modelle soziale Strukturdynamiken: Theoretische Einführung soziologischer Akteurmodelle (Homo Sociologicus, Oeconomicus, emotional man, Identitätsbehaupter) und Dynamiken sozialer Strukturen.
3 Verein: Interessenorganisation mit Arbeitsorganisation: Empirische Analyse der Strukturen und Dynamiken in Interessen- und Arbeitsorganisationen sowie deren spezifische Konfliktpotenziale im Mischtyp.
4 Zusammenfassende Betrachtung: Synthese der Ergebnisse zur akteurtheoretischen Betrachtung von Handlungsantrieben und Strukturbildung in Vereinen.
Schlüsselwörter
Verein, Interessenorganisation, Arbeitsorganisation, Soziologie, Akteurmodelle, Homo Sociologicus, Homo Oeconomicus, Identitätsbehaupter, Strukturdynamiken, Intentionsinterferenzen, Handlungswahl, Handlungswirkung, Konstellationsanalyse, Leistungsverweigerung, soziale Rolle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet aus soziologischer Sicht, wie Vereine funktionieren, die gleichzeitig eine Interessenorganisation für ihre Mitglieder und eine Arbeitsorganisation für Mitarbeiter darstellen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen soziologische Akteurmodelle, die Erklärung von sozialem Handeln, Dynamiken der Strukturbildung sowie die Spannungsfelder zwischen ehrenamtlichen Mitgliedern und angestellten Mitarbeitern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Komplexität und die innewohnenden Dynamiken in Organisationen zu beschreiben, in denen Interessenbündelung und professionelle Leistungsproduktion aufeinandertreffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine akteurtheoretische Perspektive, um individuelle Handlungsantriebe und daraus resultierende soziale Strukturen (auf Mikro- und Makroebene) deskriptiv zu erfassen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert verschiedene soziologische Modelle (z.B. Homo Sociologicus, Homo Oeconomicus), Konstellationen wechselseitiger Beobachtung, Beeinflussung und Verhandlung sowie die spezifischen strukturellen Defizite von Arbeitsorganisationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Interessenorganisation, Arbeitsorganisation, soziologische Akteurmodelle, Handlungsantriebe, Strukturdynamiken und Konstellationsanalyse charakterisiert.
Wie unterscheidet sich der "Homo Sociologicus" vom "Homo Oeconomicus"?
Während der Homo Sociologicus sein Handeln an normativen Vorgaben und Rollenerwartungen ausrichtet, orientiert sich der Homo Oeconomicus an seinem individuellen Nutzen und strategischem Kalkül.
Was wird unter einer "Transintentionalität" verstanden?
Transintentionalität beschreibt Effekte oder Ergebnisse eines handelnden Zusammenwirkens von Akteuren, die von den Beteiligten so nicht beabsichtigt oder geplant waren.
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- Marcel Gräf (Author), 2009, Der Verein als Interessenorganisation und Arbeitgeber, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153288