Globalisierung – ein Begriff, der im internationalen Wettbewerb zumeist mit positiven Empfindungen besetzt ist, da er Fortschrittlichkeit, Schnelligkeit, Marktoffenheit, Chancenvielfalt und vieles mehr zu versprechen gibt. Es mag sich daher der/die eine oder andere die Frage stellen, ob frauenspezifische Folgen der Globalisierung bereits erkannt wurden bzw. diese Auswirkungen auf die Gruppe der Frauen überhaupt thematisiert werden können. Global betrachtet stellen Frauen an sich keine homogene Gruppe dar; Trennungslinien zwischen „Nord“ und „Süd“, „schwarz“ und „weiß“, „reich“ und „arm“, zwischen „hohem Bildungsniveau“ und „niedrigem Bildungsniveau“ sind zu beobachten.
Da das weiblichen Geschlecht - im Gegensatz zum männlichen - nach wie vor für andere öffentliche und private Aufgaben vorgesehen ist, in manchen Ländern auch die Rollenverteilung seit Jahren, ja Jahrzehnten unverändert geblieben ist, sollen die Effekte der Globalisierung auf Frauen erörtert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff Globalisierung
3. Der Begriff Arbeit
3.1 Transformation der Arbeit
3.2 Der „Wert“ von Frauenarbeit in der Weltwirtschaft
4. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede am Arbeitsmarkt
4.1 „Feminisierung“ der Arbeit
4.2 Hausfrauisierung
5. Frauen als Globalisierungsgewinnerinnen oder -verliererinnen?
5.1 Frauen als Haushaltshilfen
5.2 Der Lohn für Frauen
5.3 Lebensperspektiven für Frauen
6. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit analysiert die Auswirkungen der Globalisierung auf die Arbeitssituation von Frauen in Industrie- und Schwellenländern. Dabei wird untersucht, inwiefern Globalisierungsprozesse Geschlechterasymmetrien verstärken, zur Prekarisierung weiblicher Erwerbsarbeit beitragen und welche Rolle die unbezahlte Reproduktionsarbeit für das kapitalistische System spielt.
- Wandel von Arbeitsstrukturen im Kontext der Globalisierung
- Diskriminierung und Prekarisierung von Frauen auf dem globalen Arbeitsmarkt
- Bedeutung von Reproduktionsarbeit und Hausfrauisierung
- Geschlechtsspezifische Lohnunterschiede und Aufstiegschancen
- Sozioökonomische Folgen für Frauen in den Peripheriestaaten
Auszug aus dem Buch
3.2 Der „Wert“ von Frauenarbeit in der Weltwirtschaft
Obwohl die Erwerbstätigkeit der Frauen in den letzten beiden Jahrzehnten angestiegen ist und sich die Frauenquoten in den OECD-Ländern denen der Männer annäherten, was auf die Emanzipation des weiblichen Geschlechts, auf die zunehmend bessere berufliche Ausbildungsmöglichkeit und die seit den 90er Jahren sinkenden Männereinkommen zurückzuführen ist (vgl. SAUER, 2006), sind trotzdem Geschlechterdifferenzen auf dem Arbeitsmarkt in regionaler Hinsicht zu erkennen. Auffallend ist nach wie vor der Unterschied zwischen dem Norden und dem Süden Europas, aber noch krasser wird der Vergleich zwischen der nord-westlichen und der südlichen Hemisphäre der Welt. Die ökonomische Bedeutung der Frauen, die zu einem überwiegenden Maße zur Prosperität der Wirtschaft beigetragen haben, ist auch den Südländern bewusst. Doch diese „unsichtbare“, unbezahlte, unbezahlbare Subsistenzarbeit der Frauen in familiären, agrarischen und informellen Bereichen bleibt in den statistischen Aufzeichnungen unerfasst, obwohl sie zur Stabilisierung ökonomischer Sektoren beiträgt (vgl. KREISKY, 2001).
Frauen gelten als wichtige Akteurinnen, die sich als ‚caretaker’ in den Familien engagieren, Verantwortung für gemeinnützige Aktivitäten übernehmen, sowie in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst arbeiten (vgl. YOUNG, 2006).
Faktum ist, dass die (Haus)Frau arbeitet ohne zu arbeiten, sie produziert nichts, sondern reproduziert bloß. Sie erhält auch kein Einkommen, weder Stunden- noch Monatslohn, möglicherweise Haushaltsgeld, das ihr aus Notwendigkeit und ‚Gutmütigkeit’ vom Ehemann zur Ernährung der Familie gegeben wird. Somit sind ein Fixlohn, eine geregelte Zeiteinteilung, Versicherungsansprüche, freie Wochenenden und die Kapitalakkumulation (hat kein privates Vermögen, um ‚Geld arbeiten zu lassen’) kein Thema für die Hausfrau und daher auch nicht für den Staat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die ambivalenten Folgen der Globalisierung für Frauen und stellt die zentrale Frage nach der geschlechtsspezifischen Verteilung von Arbeitslasten im globalen Kontext.
2. Der Begriff Globalisierung: Dieses Kapitel definiert Globalisierung als weltweite Vernetzung von Märkten und hinterfragt kritisch, ob diese zur Armutsbekämpfung oder eher zur Umstrukturierung von Arbeitsverhältnissen beiträgt.
3. Der Begriff Arbeit: Hier wird Arbeit als dynamischer Begriff eingeführt, der zwischen Erwerb und Sinnfindung schwankt und einem stetigen gesellschaftlichen Wandel unterliegt.
3.1 Transformation der Arbeit: Dieser Abschnitt thematisiert den Rückgang des Normalarbeitsverhältnisses und die zunehmende Prekarisierung von Frauen in informellen Sektoren.
3.2 Der „Wert“ von Frauenarbeit in der Weltwirtschaft: Es wird die Diskrepanz zwischen der ökonomischen Bedeutung unbezahlter Sorgearbeit und deren Ignoranz in ökonomischen Statistiken aufgezeigt.
4. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede am Arbeitsmarkt: Das Kapitel analysiert, warum Frauen trotz gestiegener Qualifikation auf dem Arbeitsmarkt weiterhin benachteiligt sind und in prekäre Beschäftigungsverhältnisse gedrängt werden.
4.1 „Feminisierung“ der Arbeit: Dieser Teil befasst sich mit der Auslagerung von Produktionsprozessen und der damit einhergehenden Zunahme von prekären Arbeitsbedingungen für Frauen.
4.2 Hausfrauisierung: Hier wird die Rolle der Hausfrau als notwendige Basis für das kapitalistische Wirtschaftssystem kritisch betrachtet.
5. Frauen als Globalisierungsgewinnerinnen oder -verliererinnen?: Das Kapitel diskutiert die Auswirkungen von Strukturanpassungsprogrammen und die Polarisierung zwischen Wohlstand und Armut aus einer Geschlechterperspektive.
5.1 Frauen als Haushaltshilfen: Dieser Abschnitt untersucht den Anstieg von Migrantinnen in privaten Haushalten und die damit verbundene informelle Schattenwirtschaft.
5.2 Der Lohn für Frauen: Es wird dargelegt, dass Frauen weltweit signifikant weniger verdienen als Männer und einen Großteil der unbezahlten Arbeit leisten.
5.3 Lebensperspektiven für Frauen: Abschließend werden die eingeschränkten Perspektiven junger Frauen, etwa durch den Druck in prekäre Märkte oder den Agrarsektor, aufgezeigt.
6. Schlussbemerkungen: Die Arbeit schließt mit einem Plädoyer für eine Umverteilung der gesellschaftlichen Verantwortung und Arbeit sowie eine Aufwertung der reproduktiven Tätigkeiten.
Schlüsselwörter
Globalisierung, Frauenarbeit, Prekarisierung, Hausfrauisierung, Geschlechterasymmetrie, Arbeitsmarkt, Reproduktionsarbeit, Informalität, Lohnsklaverei, Migration, Strukturanpassungsprogramme, Existenzsicherung, Carearbeit, Kapitalakkumulation, Emanzipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die geschlechtsspezifischen Auswirkungen der Globalisierung auf den Arbeitsmarkt und zeigt auf, wie Frauen in diesen globalen Prozessen oft benachteiligt oder prekär beschäftigt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Transformation der Arbeitswelt, die „Feminisierung“ prekärer Arbeit, die Rolle der unbezahlten Reproduktionsarbeit sowie die sozioökonomische Lage von Frauen in Industrie- und Schwellenländern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Situation von Frauen im Kontext der Globalisierung aufzuzeigen und zu verdeutlichen, dass dieser Prozess nicht automatisch zu Gleichberechtigung führt, sondern bestehende Herrschaftsverhältnisse oft festigt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse feministischer Diskurse sowie der Auswertung sozioökonomischer Literatur und aktueller Studien zu Arbeitsmarkt- und Globalisierungsprozessen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Begriffe wie Arbeit und Globalisierung definiert, die Transformation der Erwerbsarbeit, das Konzept der Hausfrauisierung und die spezifischen Auswirkungen der Globalisierung auf Frauen in verschiedenen Weltregionen analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Charakteristische Begriffe sind Globalisierung, Prekarisierung, Hausfrauisierung, Geschlechterasymmetrie, Reproduktionsarbeit und Lohnsklaverei.
Warum wird Hausfrauenarbeit im aktuellen Wirtschaftssystem ignoriert?
Die Arbeit argumentiert, dass Hausfrauenarbeit als „unsichtbar“ gehalten wird, um den Reproduktionsaufwand für Arbeitskräfte nicht entlohnen zu müssen, was wiederum den Profit im kapitalistischen System sichert.
Welche Rolle spielt die Migration für die Situation von Frauen?
Migration wird als Fluchtweg aus Armut beschrieben, wobei viele Frauen im Zielland in informellen, prekären oder ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen, etwa als Haushaltshilfen, landen.
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- Mag. Dr. phil. Susanne Altmann (Author), 2008, Zur Situation von Frauen auf dem Arbeitsmarkt im Kontext der Globalisierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153301