Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal

Tauwetter in der DDR?

Führte Stalins Tod zu mehr Freiheiten für die Intelligenz, ähnlich wie in der Sowjetunion?

Title: Tauwetter in der DDR?

Term Paper (Advanced seminar) , 2009 , 24 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Hendryk Zihang (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

„Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen!“, ob diese bekannte Parole der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) der DDR auch auf die Zeit der Tauwetterperiode in der Sowjetunion zutrifft, soll in dieser Arbeit herausgefunden werden. „Zu keiner Zeit vorher oder nachher hat die SED die kulturpolitische Ori-entierung auf die Sowjetunion so intensiv betrieben wie in den frühen fünfziger Jahren.“ Gab es in der DDR eine Tauwetterperiode ähnlich der in der Sowjetunion in den frühen fünfziger Jahren? Vor allem im Bereich der Kunst und Kultur taten sich für die Intelligenz der Sowjetunion nach Stalins Tod ungeahnte Freiheiten auf. Gab es eine solche Phase künstlerischer Freiheit in der DDR in den Jahren nach Stalins Tod ebenfalls?
Für die Sowjetunion ist der Zeitraum, der als Tauwetterperiode bezeichnet wird, relativ genau einzugrenzen. Mit Joseph W. Stalins Tod am 5. März 1953, spätestens mit Chruschtschows Geheimrede zum XX. Parteitag der KPdSU (Kommunistische Partei der Sowjetunion) vom 14. bis 26. Februar 1956, begann für die russische Gesellschaft und vor allem für die russische Intelligenz eine Periode der Erleichterungen, Freiheiten und Entstalinisierung. Diese positive Entwicklung erhielt im Oktober desselben Jahres einen ersten Dämpfer mit der militärischen Niederschlagung des Volksaufstandes in Ungarn. Spätestens die Ablösung Nikita Chruschtschows durch Leonid Breschnew im Oktober 1964 beendete diese Tauwetterperiode.
In der DDR stellt sich die Situation ein wenig anders dar. Zum einen lässt sich keine so eindeutige zeitliche Eingrenzung vornehmen, zum anderen sind keine so klar erkennbaren Freiheitsgewinne auszumachen wie in der Sowjetunion. Der Tod Stalins stellte in der DDR ebenfalls eine Zäsur dar, allerdings mit weniger starken Auswirkungen als in der UdSSR (Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken). Auch wenn es sich bei der DDR um einen zu der Zeit noch sehr von der Sowjetunion abhängigen Staat handelte, so spiegelte sich die sowjetische politische Entwicklung doch nicht vollkommen wider. Eine Auseinandersetzung und Aufarbeitung der Stalindiktatur fand kaum statt, im Gegenteil. „Am kaltschnäuzigsten verhielt sich Walter Ulbricht. [Er] ... schien sich nicht vorstellen zu können, was in den Menschen vorging.... Er erwies sich insofern als Schüler Stalins, als er meinte, man müsse den ganzen Komplex gar nicht zur Sprache bringen.“ Zu dieser Zeit bildeten die Hauptthemen der Diskussion wirtschaftliche und ideologisch Probleme.

Excerpt


Gliederung

1. Einleitung

1.1. Problemstellung

1.2. Forschungsstand

1.3. Aufbau

2. Historisch-geschichtlicher Rahmen

2.1. Tauwetter in Sowjetunion

2.2. Tauwetter in der DDR

3. Die Liberalisierung und ihr schnelles Ende

3.1. Der Liberalisierungsprozess

3.2. Ende der Freiheit

4. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, ob es in der DDR nach dem Tod Stalins eine vergleichbare „Tauwetterperiode“ mit einer Liberalisierung der Kunst und Kultur gab, wie sie in der Sowjetunion stattfand. Dabei wird analysiert, inwieweit der SED-Staat den intellektuellen Kräften Freiheiten einräumte oder diese weiterhin einer strengen Kontrolle und Instrumentalisierung unterwarf.

  • Analyse der kulturpolitischen Rahmenbedingungen der DDR und Sowjetunion nach 1953
  • Untersuchung des Verhältnisses zwischen der SED und der intellektuellen Schicht
  • Bewertung von Freiheitsspielräumen im Kontext des Aufstandes vom 17. Juni 1953
  • Vergleich der staatlichen Kontrollinstrumente (Kulturpolitik, Verbände, Bitterfelder Weg)

Auszug aus dem Buch

3.1. Der Liberalisierungsprozess

Die in den fünfziger Jahren besonders starke Orientierung der SED an der sowjetischen Kulturpolitik sorgte für verstärkten Unmut unter der Intelligenz. Dies ging soweit, dass statt der DDR-Verhältnisse die Lehren aus sowjetischen Problemen eins zu eins auf die DDR übertragen wurden. Dass dies auch den Bereich der Kultur und der institutionellen Struktur und Kontrolle betraf, ist dabei nicht verwunderlich. Schon vor dem 17. Juni 1953 hatte sich die Stimmung im Lager der Intellektuellen verschlechtert. „Unter der künstlerischen Intelligenz fehlte es im Vorfeld nicht an Bemühungen, Partei und Regierung auf die unerträglich gewordene Lage aufmerksam zu machen.“ Die Mitglieder der Deutschen Akademie der Künste „fühlten sich künstlerisch eingeengt und beklagten lebhaft die unzureichende Sachkenntnis der Mitarbeiter der Staatlichen Kommission für Kunstangelegenheiten.“ Bemängelt wurde des Weiteren die „mangelhafte Versorgung mit Fachliteratur, Arbeitsgeräten und Arbeitsräumen“, die Schwierigkeiten an Kunstkongressen in der BRD teilzunehmen und teilweise sektiererisches Verhalten von Funktionären gegenüber der Intelligenz.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problemstellung ein, skizziert den Forschungsstand und erläutert den methodischen Aufbau der Untersuchung zur Tauwetterperiode in der DDR.

2. Historisch-geschichtlicher Rahmen: Es werden die politischen Bedingungen in der Sowjetunion und der DDR nach dem Tod Stalins analysiert, um die Voraussetzungen für eine mögliche Liberalisierung der Kunst zu bestimmen.

3. Die Liberalisierung und ihr schnelles Ende: Dieses Hauptkapitel untersucht die konkreten Versuche der intellektuellen Oppositionsbewegungen, Freiheiten auszuhandeln, und zeigt auf, wie diese Prozesse durch staatliche Gegenmaßnahmen und politische Zäsuren wieder unterbunden wurden.

4. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass es in der DDR kein „Tauwetter“ im sowjetischen Sinne gab, da eine befohlene Öffnung fehlte und Freiheiten nur punktuell erkämpft und schnell wieder beschnitten wurden.

Schlüsselwörter

DDR, Sowjetunion, Tauwetter, Kulturpolitik, SED, Stalin, Chruschtschow, Intelligenz, Liberalisierung, Entstalinisierung, Bitterfelder Weg, Kunstfreiheit, Sozialistischer Realismus, 17. Juni 1953, Ideologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, ob die politischen Veränderungen in der Sowjetunion nach Stalins Tod, bekannt als Tauwetterperiode, zu einer vergleichbaren kulturpolitischen Öffnung und Liberalisierung für Künstler in der DDR führten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der DDR-Kulturpolitik, der Rolle der Intelligenz, den staatlichen Kontrollorganen der SED sowie der Gegenüberstellung der politischen Entwicklungen in der DDR und der UdSSR.

Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?

Die zentrale Forschungsfrage lautet: Führte der Tod Stalins zu mehr Freiheiten für die Intelligenz in der DDR, ähnlich wie in der Sowjetunion, und existierte dort eine entsprechende Tauwetterphase?

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine historische Analyse sowie eine Literatur- und Dokumentenanalyse. Dabei werden offizielle politische Dokumente, Protokolle und zeitgenössische Quellen ausgewertet, um die Kulturpolitik der SED zu bewerten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird der historische Rahmen abgesteckt, der Liberalisierungsprozess der Intellektuellen zwischen 1953 und 1956 analysiert und die anschließende Verschärfung der Kontrolle durch die SED, etwa durch den „Bitterfelder Weg“, beleuchtet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind DDR-Kulturpolitik, Tauwetter, Entstalinisierung, ideologische Instrumentalisierung der Kunst, Widerstand der Intelligenz und das Verhältnis zur SED-Führung.

Warum wird der „Bitterfelder Weg“ im Dokument thematisiert?

Der „Bitterfelder Weg“ wird als Endpunkt der Liberalisierungsbemühungen angeführt, da er den Schriftstellern die künstlerische Freiheit entzog und sie dazu verpflichtete, das Leben der Arbeiter und Bauern propagandistisch aufzubereiten.

Wie unterscheidet sich die Situation der Künstler in der DDR von der in der Sowjetunion?

Der Autor zeigt auf, dass in der DDR im Gegensatz zur Sowjetunion keine „befohlene“ Öffnung von oben stattfand. Gewonnene Freiheiten wurden dort mühsam abgetrotzt und bei kritischen Zäsuren wie dem Ungarnaufstand 1956 sofort wieder zurückgenommen.

Excerpt out of 24 pages  - scroll top

Details

Title
Tauwetter in der DDR?
Subtitle
Führte Stalins Tod zu mehr Freiheiten für die Intelligenz, ähnlich wie in der Sowjetunion?
College
Technical University of Chemnitz
Course
Hauptseminar „Politische Ideengeschichte Russlands im 20. Jahrhundert“
Grade
1,7
Author
Hendryk Zihang (Author)
Publication Year
2009
Pages
24
Catalog Number
V153303
ISBN (eBook)
9783640655625
ISBN (Book)
9783640655939
Language
German
Tags
DDR Literatur Tauwetter Stalin Ulbricht Bitterfeld
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Hendryk Zihang (Author), 2009, Tauwetter in der DDR?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153303
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  24  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint