Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Politics - Political Systems - Germany

Wissen ist Macht

Das Bildungssystem als Machthebel

Title: Wissen ist Macht

Essay , 2010 , 22 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Mirco Böhm (Author)

Politics - Political Systems - Germany
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Liebknecht sah das Wissen als stärkstes politisches Instrument, und das Werkzeug zur Wis-sensvermittlung, die Schule, als „mächtigstes Mittel der Befreiung“, aber auch als „mächtigs-tes Mittel der Knechtung — je nach der Natur und dem Zweck des Staats. Im freien Staat ein Mittel der Befreiung, ist die Schule im unfreien Staat ein Mittel der Knechtung. Der moderne Klassenstaat bedingt (…) seinem Wesen nach die Unfreiheit.“ Er benötigt „gehorsame Unterthanen und Sklavenseelen.“ Intelligente Sklaven seien hierbei lediglich brauchbarer, „so wird die Schule zur Dressuranstalt statt zur Bildungsanstalt. Statt Menschen zu erziehen, erzieht sie Rekruten, die auf´s Kommando in die Kaserne, diese Menschen-Maschinenfabrik, eilen; Steuerzahler, die sich nicht mucksen, (…) Lohnsklaven des Kapitals (…)“ . Der Um-kehrschluss hieraus wäre, dass dies in einer klassenlosen Gesellschaft nicht der Fall wäre. Ist dem wirklich so? Da eine klassenlose Gesellschaft bisher nicht existierte, empfiehlt es sich, als Beobachtungsobjekt einen Staat zu wählen, der zumindest seiner eigenen Auffassung nach auf dem Weg zur klassenlosen Gesellschaft die erste Stufe mit „nicht mehr anta-gonistischen, sondern nunmehr verbündeten Klassen und Schichten“ erreicht hat und in dem die „Ausbeutung des Menschen durch den Menschen [für immer] beseitigt ist“ : die DDR. Dem Zustand des noch nicht erreichten Finalziels Respekt zollend, ließe sich also folgende Fragestellung formulieren: Ist es der DDR als Gesellschaft mit dem Ziel der Klassenlosigkeit gelungen, die Schule als Mittel der Befreiung zu verwirklichen, oder gab es eher verstärkt Tendenzen zur Dressuranstalt, Rekrutenbildung und Erziehung braver Steuerzahler? Dazu soll im Folgenden zunächst ein objektiver Überblick über das DDR-Schulsystem gegeben werden, um anschließend aus der Sicht von Zeitzeugen zu erfragen, wie das System per-sönlich erlebt wurde. So soll versucht werden, die sich zwangsläufig aus Ideologie und Reali-tät ergebende Diskrepanz näher zu beleuchten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Ein Wort – zwei Hintergründe: Bacon und Liebknecht

2. Erziehungs- und politische Ziele der sozialistischen Schule und deren strukturelle Umsetzung

2.1. Erziehungs- und Bildungsziele und deren Konsequenzen

2.2. Politische Ziele

3. Konkrete Maßnahmen zur Umsetzung der Ziele

3.1. Verflechtung mit der Gesellschaft

3.2. Einbindung in Massenorganisationen

3.3. Das Anreiz- und Sanktionssystem

4. Bezug zur erlebten Wirklichkeit

4.1. Wie ein DDR-Lehrer das Bildungssystem einschätzt

4.2. Die Sicht des Schülers

5. Abschließende Betrachtung

6. Anhang 1: Interview mit Annelies B.

7. Anhang 2: Interview mit Dagmar P.

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Bildungssystem der DDR auf die Diskrepanz zwischen ideologischem Anspruch als „Schule der Befreiung“ und der Realität, die Tendenzen zur Indoktrination und systemkonformen Erziehung aufwies. Dabei wird hinterfragt, ob das System als Instrument der Emanzipation oder als Machthebel zur Formung staatstreuer Bürger fungierte.

  • Historische und ideologische Grundlagen von Bildung und Macht (Bacon/Liebknecht)
  • Strukturelle Ziele und politische Instrumentalisierung des DDR-Schulwesens
  • Maßnahmen zur gesellschaftlichen Verflechtung und Disziplinierung
  • Empirische Untersuchung anhand von Zeitzeugengesprächen mit einer ehemaligen Lehrerin und einer ehemaligen Schülerin
  • Kritische Reflexion von individueller Freiheit und institutionellem Zwang

Auszug aus dem Buch

1. Ein Wort – zwei Hintergründe: Bacon und Liebknecht

Die Redewendung „Wissen ist Macht“ geht ursprünglich auf Francis Bacon zurück. In seinem Hauptwerk „Novum Organum“ präzisiert er: “Wissen und Macht des Menschen fallen zusammen, weil Unkenntnis der Ursache die Wirkung verfehlen lässt”. Hier wird erstmals das empirische Beobachten anstatt der begrifflichen Herleitung (wie z.B. bei Aristoteles) als Grundlage des Verstehens gesehen, welches wiederum bedeutend für eine zielgerichtete Machtausübung ist.

Liebknecht sah das Wissen als stärkstes politisches Instrument, und das Werkzeug zur Wissensvermittlung, die Schule, als „mächtigstes Mittel der Befreiung“, aber auch als „mächtigstes Mittel der Knechtung — je nach der Natur und dem Zweck des Staats. Im freien Staat ein Mittel der Befreiung, ist die Schule im unfreien Staat ein Mittel der Knechtung. Der moderne Klassenstaat bedingt (…) seinem Wesen nach die Unfreiheit.” Er benötigt „gehorsame Unterthanen und Sklavenseelen.” Intelligente Sklaven seien hierbei lediglich brauchbarer, „so wird die Schule zur Dressuranstalt statt zur Bildungsanstalt. Statt Menschen zu erziehen, erzieht sie Rekruten, die auf´s Kommando in die Kaserne, diese Menschen-Maschinenfabrik, eilen; Steuerzahler, die sich nicht mucksen, (…) Lohnsklaven des Kapitals (…)”.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Ein Wort – zwei Hintergründe: Bacon und Liebknecht: Dieses Kapitel stellt die theoretischen und philosophischen Grundlagen des Begriffs „Wissen ist Macht“ gegenüber und leitet aus den Ansätzen von Bacon und Liebknecht die Forschungsfrage für die Analyse des DDR-Schulsystems ab.

2. Erziehungs- und politische Ziele der sozialistischen Schule und deren strukturelle Umsetzung: Hier werden die offiziellen Bildungsziele der DDR, wie die Formung des „neuen Menschen“ und die polytechnische Erziehung, sowie die daraus resultierende starke Reglementierung durch Lehrpläne beleuchtet.

3. Konkrete Maßnahmen zur Umsetzung der Ziele: Dieses Kapitel beschreibt die praktische Implementierung der politischen Vorgaben durch die Einbindung von Betrieben, Massenorganisationen wie die FDJ und ein ausgeprägtes Sanktions- und Belohnungssystem.

4. Bezug zur erlebten Wirklichkeit: Anhand von zwei Zeitzeugeninterviews wird die subjektive Wahrnehmung der Schulzeit im DDR-System aus der Perspektive einer ehemaligen Lehrerin und einer ehemaligen Schülerin kontrastierend dargestellt.

5. Abschließende Betrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet das DDR-Schulsystem kritisch im Hinblick auf den ideologischen Anspruch und die gesellschaftliche Realität.

Schlüsselwörter

Wissen ist Macht, DDR-Bildungssystem, Sozialismus, Schule der Befreiung, Polytechnische Bildung, Indoktrination, Zeitzeugen, FDJ, Pionierorganisation, Erziehungsziele, Klassenlose Gesellschaft, Staatstreue, Reglementierung, Pädagogik vom Lehrplan aus, Zeitzeugeninterview

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Funktion des Bildungssystems in der DDR, insbesondere das Spannungsfeld zwischen dem offiziellen Anspruch als emanzipatorische „Schule der Befreiung“ und der tatsächlichen Praxis der Indoktrination und staatlichen Lenkung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf den politischen Erziehungszielen, der polytechnischen Ausbildung, der Rolle von Jugendorganisationen, der Verflechtung der Schule mit der Wirtschaft sowie der Wahrnehmung dieser Strukturen durch ehemalige Akteure.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die zentrale Frage lautet, ob es der DDR gelungen ist, die Schule als Instrument zur Befreiung zu verwirklichen, oder ob das System primär dazu diente, gehorsame Staatsbürger und Rekruten auszubilden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit kombiniert eine theoretische Analyse der bildungspolitischen Leitlinien der DDR mit einer empirischen Auswertung von zwei Zeitzeugengesprächen, um ein Bild aus der Innenperspektive zu zeichnen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung struktureller Vorgaben (Lehrpläne, Fächer), konkreter Umsetzungsmittel (Patenbrigaden, Organisationen) und den subjektiven Erlebnisberichten von Zeitzeugen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie DDR-Bildungssystem, Sozialismus, Polytechnik, Indoktrination, Zeitzeugen, Pädagogik vom Lehrplan aus und Klassenlose Gesellschaft charakterisiert.

Welche Rolle spielten die Patenbrigaden im Schulalltag?

Die Patenbrigaden sollten eine Verbindung zwischen Schule und Arbeitswelt herstellen. In der Praxis wurde dies von den Zeitzeugen teils als sinnvolle materielle Unterstützung, teils als belastende Formalität empfunden.

Wie bewerten die befragten Zeitzeugen den "einheitlichen Lehrplan"?

Überraschenderweise bewerten beide Zeitzeuginnen den zentralen Lehrplan rückblickend positiv, da er für eine einheitliche Qualität sorgte, auch wenn er individuelle Freiheiten und die Berücksichtigung spezieller pädagogischer Bedürfnisse einschränkte.

Empfanden die Zeitzeugen ihre Schulzeit als Diktatur?

Die Zeitzeuginnen geben an, die Diktatur nicht aktiv als solche wahrgenommen zu haben, da sie keine Vergleichsmöglichkeiten zum Leben in anderen Systemen hatten und sich innerhalb ihres „Schulkosmos“ oft sicher fühlten, trotz der politischen Ideologisierung.

Excerpt out of 22 pages  - scroll top

Details

Title
Wissen ist Macht
Subtitle
Das Bildungssystem als Machthebel
College
University of Leipzig  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Seminar: Das Wissen des Staates
Grade
1,7
Author
Mirco Böhm (Author)
Publication Year
2010
Pages
22
Catalog Number
V153379
ISBN (eBook)
9783640655748
ISBN (Book)
9783640656189
Language
German
Tags
Bildungssystem Schule DDR Bacon Wissen Macht Sozialismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mirco Böhm (Author), 2010, Wissen ist Macht , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153379
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  22  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint