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Jeanne d`Arc - eine Ketzerin?

Title: Jeanne d`Arc - eine Ketzerin?

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 32 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Peter Erdmann (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Jeanne d`Arc gehört zu den wenigen Personen der mittelalterlichen Geschichte, die Historiker, Theologen, Psychologen und Dichter jeder Generation aufs Neue lebhaft beschäftigen. Dabei gehen die Bewertungen ihres Lebens häufig weit auseinander – trotz Verwendung derselben Quellen. Je nach Provenienz des Interpreten existieren unterschiedliche Darstellungen: so wurde Jeanne z.B.im 19. Jahrhundert von emanzipierenden Frauen als weibliche Kriegsheldin charakterisiert, im 20. Jahrhundert von französischen Nationalisten als Befreierin Frankreichs politisch aufgegriffen und im 21. Jahrhundert von japanischen Manga-Zeichnern als globales „magical girl“ mit Vorbildcharakter für pubertierende Teenager reinkarniert. Bei der vorliegenden Hausarbeit geht es also um eine Person, deren Darstellung in der Literatur oftmals divergiert: „Sobald es sich […] um Johanna handelt, entflammen die Leidenschaften, und wer die zahlreichen Bände betrachtet, die ihren Namen tragen, hat das Gefühl, einer Polemik beizuwohnen, die von vorgefassten Ansichten, tendenziösen Auslegungen und willkürlichen Auslassungen genährt wird.“ Neben den mutmaßlichen Hintergründen der Autoren wird jede Jeanne-Arbeit durch die komplizierte Quellenlage erschwert. Die Quellen wurden nämlich bereits zu ihren Lebzeiten von Legenden beeinflusst. Zu den wenigen festen Lebensumständen kann man das Lebensende Jeannes betrachten - schließlich bilden der Verurteilung- und der spätere Rehabilitierungsprozess die Primärquellen für eine Beurteilung von Jeannes Leben. Die Aufgabe der vorliegenden Hausarbeit soll nun darin bestehen, einen Teilaspekt von Jeannes Leben näher zu untersuchen, nämlich einige der Akteure und deren Motivationen zu betrachten, die zu Jeannes Verurteilung führten. Wird sie als politische Kriegsgefangene oder als eine von der Kirche verdächtigte Ketzerin verurteilt? Dabei soll weiterhin gefragt werden, ob man von einem juristisch wie moralisch fairen Prozess sprechen kann. Bei der Bearbeitung der Fragen müssen zwei Umstände stets Berücksichtigung finden, nämlich die problematische Quellenlage und vor allem gewisse Parteilichkeiten in der Sekundärliteratur. Im Bewusstsein dieser Schwierigkeit wertet z.B. Gerd Krumeich als einer der führenden deutschen Jeanne-Forscher, dass viele seiner Kollegen in eigene Deduktionen „verliebt“ seien, so dass schließlich eine Vermutung auf die andere aufbaue: „Das Bedürfnis nach ´Originalität` erzeugt immer wieder Paradoxien, Über- und Fehlinterpretationen.“

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung: Problematisierung

II. Zur Vorgeschichte: Wer war Jeanne?

III. Das Verfahren von Rouen – Ablauf, Akteure und Motivationen

III.1. Der Prozess

III.1.1. Die zeitlichen Phasen des Prozesses (9. Januar – 30. Mai 1431)

III.1.2. Zur Bewertung des Prozessablaufes

III.2. Jeannes Gegner und ihre Motive

III.2.1. Die englische Partei

III.2.2. Die Universität von Paris

III.2.3. Der Oberste Richter Pierre Cauchon

III.3. Die Begründung der Verurteilung

III.3.1. Die Wertung der zwölf Schuldartikel durch die Universität

III.3.2. Männerkleidung und.....

III.3.3. ... Kirchengehorsam

IV. Fazit

V. Literaturangaben

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Akteure und deren Beweggründe, die zum Verurteilungsprozess von Jeanne d'Arc in Rouen führten, und beleuchtet kritisch, ob dieser als rein politisches Instrument zur Diskreditierung Karls VII. oder als ernsthaftes, wenn auch fehlerhaftes kirchliches Häresieverfahren zu bewerten ist.

  • Wissenschaftliche Analyse der Prozessakte und zeitgenössischer Quellen.
  • Untersuchung der politischen Interessen der englischen Partei und der Universität von Paris.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Rolle des Richters Pierre Cauchon.
  • Theologische Einordnung der Vorwürfe gegen Jeanne d'Arc (u.a. Männerkleidung, Kirchengehorsam).
  • Bewertung der Objektivität und Verfahrensfehler des Prozesses von 1431.

Auszug aus dem Buch

III.1.2. Zur Bewertung des Prozessablaufes

Bei der Bewertung des Prozessablaufes muss man auf Grund der tendenziösen Sekundärliteratur vorsichtig differenzieren. Bezeichnenderweise für diese Parteilichkeiten ist selbst der in meiner Einleitung (s. S.1) zitierte Autor Cordier, der den „leidenschaftlichen Ton der gegenwärtigen johannischen Literatur“24 bemängelt, an manchen Stellen voreingenommen. So lässt Codier insgesamt kein gutes Haar an jedwedem Inquisitionsgericht25 und erklärt kategorisch, dass alle Benachteiligungen gegenüber Jeanne für die Inquisition im Allgemeinen typisch seien:

„Die Inquisitionsrichter ruhten nicht eher, bis sie entweder das Geständnis der Angeklagten erhalten oder sie zu einer Haltung […] gezwungen hatten, die an sich ein Verbrechen gegen den Glauben darstellten. Sie waren so eifrig auf Geständnisse bedacht, dass sie nicht nur die Folter anwandten, sondern, wenn diese zu keinem Ergebnis führte, den Beschuldigten so lange gefangen hielten, bis er zum Geständnis seiner ihm zur Last gelegten Schuld bereit war.“26

Dermaßen verallgemeinert stimmt das nicht – denn entgegen Cordiers Meinung entspricht beispielsweise die Bereitstellung eines Verteidigers sehr wohl den üblichen Gepflogenheiten eines Inquisitionsgerichtes.27

Trotz der Behauptung Cordiers kann man somit nicht pauschal behaupten, dass der Inquisitionsprozess den Bräuchen der Zeit gemäß und inquisitionstypisch geführt wurde.28 Eine solch übertriebene Aussage ließe sich meines Erachtens auf die offensichtlich antiklerikale Einstellung des Autors zurückführen.29 In der Tat wurden beim Prozess nämlich haarsträubende, kirchenunübliche Fehler begangen, wie z.B. die grausamen Haftbedingungen ohne Rücksicht auf das Kirchenrecht. Diese wurden bereits von Zeitgenossen moniert.30 Die Angeklagte wurde nämlich nicht, wie zwingend vorgeschrieben, in einem Kirchengefängnis unter weiblicher Bewachung festgehalten.31 Dass der Prozess einzig und allein aus den Verhören der Angeklagten bestand und dass niemand, nicht einmal sie selbst wusste, was man ihr zur Last legte, war selbst für Zeitgenossen ein „ganz und gar ungewöhnliches Phänomen“.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Problematisierung: Die Einleitung beleuchtet die divergierende Rezeptionsgeschichte von Jeanne d'Arc und definiert die Zielsetzung, die Motivationen hinter ihrem Prozess zu untersuchen.

II. Zur Vorgeschichte: Wer war Jeanne?: Dieses Kapitel fasst die Hintergründe des Hundertjährigen Krieges sowie Jeannes Herkunft und ihre empfundenen göttlichen Visionen zusammen.

III. Das Verfahren von Rouen – Ablauf, Akteure und Motivationen: Das Hauptkapitel analysiert den Prozessverlauf, die verschiedenen Akteure (Engländer, Universität Paris, Pierre Cauchon) und die theologisch-juristischen Begründungen für ihre Verurteilung.

IV. Fazit: Das Fazit resümiert, dass der Prozess eine unauflösbare Verschränkung von politischer Absicht und theologischer Überzeugung der damaligen Zeit darstellte.

V. Literaturangaben: Eine detaillierte Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.

Schlüsselwörter

Jeanne d'Arc, Rouen, Prozess, Ketzerin, Inquisition, Pierre Cauchon, Universität von Paris, Hundertjähriger Krieg, Häresie, Karl VII., Mittelalter, Kirchengehorsam, Männerkleidung, Prozessrecht, Glaubensprozess.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Prozess gegen Jeanne d'Arc im Jahr 1431 in Rouen und untersucht die Frage, ob es sich dabei um einen politisch motivierten Schauprozess oder ein kirchenrechtlich begründetes Häresieverfahren handelte.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Fokus stehen die Prozessphasen, die Motivationen der beteiligten Akteure (vor allem der englischen Partei und der Universität von Paris) sowie die theologischen Vorwürfe, die zu ihrem Todesurteil führten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die einseitigen Darstellungen in der Sekundärliteratur zu hinterfragen und die Beweggründe der Richter in ihrem zeitgenössischen Kontext zu verstehen, ohne die Verfahrensfehler zu leugnen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Der Autor verwendet eine tiefgehende Literatur- und Quellenanalyse, bei der er die Darstellungen verschiedener Historiker kritisch gegenüberstellt und anhand der Protokolle bewertet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in den Ablauf des Verfahrens, die Analyse der gegnerischen Motive (Engländer, Universität Paris, Pierre Cauchon) sowie die inhaltliche Begründung der Verurteilung (Schuldartikel, Kleidung, Kirchengehorsam).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Jeanne d'Arc, Inquisition, Ketzerei, Pierre Cauchon, politischer Prozess, Mittelalter und Kirchengehorsam.

Welche Rolle spielt die Universität von Paris in diesem Prozess?

Die Universität sah sich als Hüterin des Glaubens und wollte durch das Vorgehen gegen Jeanne ihre eigene Autorität schützen, da die Jungfrau den theologischen Anspruch des Pariser Lehramts in Frage stellte.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Pierre Cauchon?

Cauchon wird differenziert betrachtet: Einerseits wird er als politisch motivierter und hasserfüllter Richter gesehen, andererseits als Überzeugungstäter, dessen Handeln auf seiner festen Verankerung in der mittelalterlichen kirchlichen Weltsicht beruhte.

Warum war das Tragen von Männerkleidung für das Urteil so entscheidend?

Das Tragen von Männerkleidung wurde als Verstoß gegen das mosaische Gesetz und als Missachtung der kirchlichen Autorität gewertet, was die Richter als praktisches Indiz für ihre ketzerische Haltung nutzten.

War der Prozess aus damaliger Sicht fair?

Die Arbeit zeigt auf, dass der Prozess zwar inquisitionstypische Züge trug, aber durch gravierende Verfahrensfehler, wie unzumutbare Haftbedingungen und die Missachtung kirchlicher Rechte, von Zeitgenossen als ungewöhnlich wahrgenommen wurde.

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Details

Title
Jeanne d`Arc - eine Ketzerin?
College
University of Münster  (Historisches Seminar)
Course
Hauptseminar
Grade
1,0
Author
Peter Erdmann (Author)
Publication Year
2007
Pages
32
Catalog Number
V153416
ISBN (eBook)
9783640655854
ISBN (Book)
9783640655977
Language
German
Tags
Jeanne d`Arc Verurteilungsprozess Inquisition Karl VII Pierre Cauchon
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Peter Erdmann (Author), 2007, Jeanne d`Arc - eine Ketzerin?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153416
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