Lesart zu Hans Falladas "Wolf unter Wölfen"(1937)


Rezension / Literaturbericht, 2008

9 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Der Roman Wolf unter Wölfen von Hans Fallada erschien 1937 in Deutschland als die Nationalsozialisten regierten. Hans Fallada bezieht in diesem Roman keine offensichtliche kritische Stellung gegen die faschistische Politik der Nationalsozialisten, was die Veröffentlichung seines Romans zu der Zeit in Deutschland verhindert hätte.

Aus meiner heutigen Position heraus erscheint mir eine Positionierung gegen den Faschismus als sehr wichtig und ich möchte deshalb die politischen Verhältnisse unter denen der Roman entstand nicht außer Acht lassen. Es ist allerdings schwer diesen Roman als einen politischen Roman zu lesen, da sich Hans Fallada in seinem Roman Wolf unter Wölfen nicht direkt zu den politischen Verhältnissen während der Entstehungszeit des Romans äußert.

Auffällig an diesem Roman erscheint mir die Vielzahl der verschiedenen Charaktere. Schon der Titel „Wolf unter Wölfen“ deutet darauf hin, dass es um das Zusammenleben der Menschen miteinander geht und das Überleben in der Gemeinschaft. Der Titel bezieht sich auf die Theorie des engl. Philosophen und Staatstheoretiker Thomas Hobbes und sein naturrechtliches Gesellschaftskonzept. Die Aussage „homo homini lupus“ (dt.: „der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“) dient ihm als Beschreibung für den Naturzustand des Menschen. ‘Wolf‘ bezeichnet in Hobbes methodischem Individualismus das von Natur aus egoistische und individualistische Naturwesen. Die Folgen, die sich aus diesem Zustand ergeben, sei der „Kampf aller gegen alle“ (lat. Bellum omnium contra omnes). Die Theorie auf die der Titel bezug nimmt besagt, dass der Mensch nur an das eigene Überleben denkt und impliziert das Fehlen von Mitmenschlichkeit im Wesen des Menschen. (Als Quelle diente mit ein Aufsatz von Andrea Rudolph mit dem Titel „Das Bild als Strukturgröße in Hans Falladas Roman ‚Wolf unter Wölfen‘ (1937)“)

Die Zeit in der der Roman spielt sind die Jahre 1923 und 1924 in Deutschland während der Inflation. Fallada beschreibt diese Zeit als eine Zeit, in der die Menschen sich für ihr Geld nichts mehr zu essen kaufen konnten und sich durch den Verlust des Geldwertes in ihrer Existenz bedroht sahen. „Es ist hungrige Zeit, Wolfszeit“ (S.160) heißt es an einer Stelle im Roman, eine Zeit in der jeder nur an das eigene Überleben dachte. Aus dieser gesellschaftlichen Situation heraus gibt es verschiedene Äußerungen, die sich auf den Titel des Buches beziehen.

Sophie Kowalewski überkommt ihren inneren Konflikt beim Klauen, mit den Worten: „Wer nicht nimmt dem wird genommen, wer nicht beißt der wird gebissen!“ (S.408)

Auch die Hauptperson Wolfgang Pagel eröffnet seiner Mutter: „[...] das hungrige Wolfrudel fletscht gegeneinander die Zähne – wer stark ist, lebe! Aber wer schwach ist, der sterbe!“ (S.160/161) Wolfgang Pagel spricht diese Worte, als er sich aus der Bevormundung der Mutter befreit und damit auch jegliche finanzielle Unterstützung verliert. Bis dahin befand sich Wolfgang Pagel in einer Lage, in der er sich um seine finanzielle Existenzgrundlage keine Sorgen machen. Eine Rolle bei der Lossagung von seiner Mutter spielt seine Freundin Petra. Petra Ledig hat sich in die totale Abhängigkeit von Wolfgang begeben. Im Gegenteil zu der Mutter die ihren Sohn finanziell unterstützt, ist es in der Beziehung zwischen Wolfgang und Petra, Wolfgang, der Geld beschaffen geht. Er versorgt Sie, dafür kritisiert sie nie sein Verhalten, dies steht entgegen der Bevormundung die Wolfgang seitens seiner Mutter erfährt. Als Wolfgang Pagel sich aus der Beziehung zu seiner Mutter löst, tut er dies auch mit dem Bewusstsein der Verantwortung, die er gegenüber Petra hat. Als er sich allerdings von seiner Freundin verraten fühlt, ändert sich seine Einstellung. Niemand ist mehr für ihn da, werder seine Mutter noch seine Freundin. Es ist ein Gemütszustand, der dem von Hobbes beschriebenen Naturwesen des Menschen am nächsten kommt. So schlägt Pagel noch am gleichen Tag die Hilfe zweier alter Bekannter vom Militär aus, mit den Worten: „Heute kämpft jeder für sich allein – und gegen alle.“ (S.299)

Wolfgang Pagel ist meiner Meinung nach die Hauptperson des Buches weil er im ganzen Buch und besonders zu dessen Ende hin ein bedeutender Handlungsträger ist. Ein weiteres Indiz dafür, dass dieser Charakter im Roman eine wichtige Rolle spielt ist auch, dass sich sein Spitzname „Wolf“ im Titel des Romans wiederfindet. Ich möchte zeigen, dass man mit Hinblick auf Wolfgang Pagel den Roman als einen Entwicklungsroman lesen kann.

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Lesart zu Hans Falladas "Wolf unter Wölfen"(1937)
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Das Werk Hans Falladas in den 1930ern
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
9
Katalognummer
V153484
ISBN (eBook)
9783640659074
ISBN (Buch)
9783640659142
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lesart, Hans, Falladas, Wolf, Wölfen
Arbeit zitieren
Susanne Ditz (Autor:in), 2008, Lesart zu Hans Falladas "Wolf unter Wölfen"(1937), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153484

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