Untersuchung der 'Utopia' des Thomas Morus und 'Der Sonnenstaat' von Tomasso Campanella auf Gemeinsamkeiten


Seminararbeit, 2010

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau der Arbeit

2. Biographie und Werkgeschichte
2.1 Thomas Morus - Utopia
2.2 Tomasso Campanella – Der Sonnenstaat

3. Untersuchung der Werke auf Gemeinsamkeiten.
3.1 Geographisch - wirtschaftlicher Aufbau.
3.2 Politisch - gesellschaftlicher Aufbau.

4. Vergleichende Schlussbetrachtung

5. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Als Thomas More 1516 seine Utopia unter dem Pseudonym Thomas Morus veröffentlichte ahnte er noch nichts von dem, was er mit seinem Werk begründete. Gut vier Jahrhunderte später plädiert Richard Saage für den klassischen Utopiebegriff. Nach Saage sind Utopien, begründet auf Morus‘ Werk, Staatsromane welche fiktionale Gesellschaften zu Wunsch- oder Furchtbildern verdichten mit dem Ziel, auf Fehlentwicklungen der eigenen Gesellschaft hinzuweisen.

Der griechische Begriff „ou“ bedeutet „nicht-“. Morus setzte ihn zusammen mit „Topos“ – „Ort“ als Titel seines Buches Utopia – Nichtort ein.[1] In direkter Folge steht Tomasso Campanellas Sonnenstaat (La Città del Sole) von 1602.
Beide werden als die ersten großen Utopien der Neuzeit angesehen.

Basierend auf W.P. Wolgins[2] These „So seltsam es jedoch erscheinen mag: wir finden im ‚Sonnenstaat‘ keine irgendwie bemerkenswerten Spuren, die auf die Lektüre der Werke von Thomas Morus hinweisen.“[3], kam im Rahmen eines Seminars eine heftige Diskussion über die Gemeinsamkeiten beider Werke auf, in welcher sich die Teilnehmer nicht einig wurden. Die Mehrzahl sah wenig Vergleichbares zwischen Morus und Campanella.

1.1 Problemstellung

Die Wolgin’sche These als Grundlage nehmend, werden die beiden ersten großen Utopien der Neuzeit auf ihre Gemeinsamkeiten hin untersucht. Ziel ist es sein, die Aussage Wolgins zu überprüfen und ihr gegebenenfalls zu widersprechen bzw. sie zu korrigieren. Dabei ist die textimmanente Arbeit an den Werken im Wesentlichen der Arbeit mit Sekundärliteratur vorzuziehen, da die Subjektivität der Autoren der zusätzlichen Literatur das Ergebnis verfälschen kann. Dementsprechend werden hauptsächlich die Texte Morus‘ und Campanellas in ihrer deutschen Übersetzung genutzt.

1.2 Aufbau der Arbeit

Die beiden Werke und ihre Autoren kurz vorzustellen ist Inhalt des ersten Teils. Darauf folgt die detaillierte Gegenüberstellung beider Texte anhand der Unterteilung in ihren geographisch-wirtschaftlichen sowie politisch-gesellschaftlichen Aufbau. Den Abschluss bildet die Beantwortung der Fragestellung.

2. Biographie und Werkgeschichte

2.1 Thomas Morus - Utopia

England im Jahr 1478. Thomas More wird als Sohn eines Richters in London geboren. Bereits früh förderte ihn der Erzbischof von Canterbury mit einem Stipendium in Oxford. Dort studierte er Latein und Griechisch, besuchte die Rechtsschule Lincolns Inn und bestand mit 21 Jahren sein juristisches Examen.
Durch sein Wissen und Geschick in Verhandlungen eröffnete sich ihm eine beamtliche Laufbahn im Staatsdienst. Bereits 1504 wurde er Parlamentsmitglied. Sein christlicher Glaube, dem er mit seinem Leben als ungebundener Bruder in einem Kartäuserkloster Ausdruck verlieh, war Grundlage der von ihm vertretenen Rechtsauffassung und -lehre.

Bis 1510 war er als erfolgreicher Undersherriff (Schlichter) in London tätig. Zugleich lehrte er in Lincoln‘s Inn. Auf Befehl Heinrich VIII., welche ihm vertraute, war er in zahlreichen diplomatischen Missionen unterwegs. In dieser Zeit verfasste Morus seine Utopia. Mit 39 Jahren trat er in den offiziellen Dienst seiner Majestät und wurde bald darauf Mitglied im geheimen Rat. Der Ritterschlag 1521 und seine Position als Lordkanzler waren die Höhepunkte seiner Karriere. Die Ablehnung des Suprematseides sein Tod. Diesen Eid auf die neue anglikanische Kirche unter Heinrich VIII. verweigerte er 1534. Zum Tode verurteilt, wurde er 1535 hingerichtet.

Seine humanistische Grundauffassung machte Ihn zu einem sehr fortschrittlichen Bürger. So lies er seinen Kindern, Mädchen wie Jungen, dieselbe Bildung zukommen und ernährte während der Hungerperioden viele Menschen von eigenen Geldmitteln.

Sein Werk porträtiert, im ersten Teil in Form eines Briefes an Petrus Ägidius, eine Abschrift jenes Trialogs zwischen Ägidius, Morus selbst und Raphael Hythlodeus, in welchem letzterer in einer Erzählung die Erfahrungen seiner Reisen auf die Gesellschaft in England anwendet. Durch Ihn äußert Morus seine Zeitkritik. Im folgenden Teil gibt Morus den „Bericht des Hythlodeus über die beste Staatsverfassung“[4] wieder, worin er in Monologform mit großem Detailreichtum seine utopischen Vorstellungen beschreibt.

2.2 Tomasso Campanella – Der Sonnenstaat

Giovanni Domenico Campanella, geboren im September 1568 in Stilo, wächst in der Provinz Kalabrien/Süditalien auf. Als spanisches Königreich Neapel unterdrückt der verwaltende Beamtenapparat die einfache Bevölkerung mit hohen Abgaben. In dieser von Unruhen durchzogenen Zeit wächst Campanella heran. Mit 15 tritt er in seine Klosterlehrzeit ein und erhält dort seinen bekannteren Vornamen Tomasso. Besonders zeichnen ihn sein enormer Lese- und Wissenhunger aus. Die Schrift De rerum natura iuxta propria principia libri IX von Bernardino Telesios, prägt Campanella maßgeblich. Seine, von aristotelischer Lehre unabhängige, Naturphilosophie auf Basis einer eigenen, sehr wissenschaftlich-geprägten, sensualistischen Erkenntnistheorie wurde zur Grundlage von Campanellas Überzeugung. Sie verteidigte er in seinem ersten Werk Philosophia sensibus demonstrata “ (1591).[5]

Sein Leben im Kloster verlief unterdessen mit nur mäßigem Erfolg. Mit seinem „unpassendem“ Interesse an Telesios Werk wurde der Kontakt mit dem unter Ketzereiverdacht stehenden Telesio verboten. In dieser Zeit kam er zum ersten male hermetische[6] und kabbalistische[7] Schriften in Kontakt.[8] Seine folgende, unstete Wanderschaft durch Norditalien führte ihn u.a. nach Florenz, Padua und Venedig. Er traf dabei einige der bekanntesten Menschen seiner Zeit, so z.B. auch Galilei, für welchen er später immer wieder eintrat.

[...]


[1] Vgl. Reichardt, Rolf u.a.: Handbuch politisch-sozialer Grundbegriffe in Frankreich 1680-1820, Ausgabe 11, München 1991, S. 11.

[2] Pseudonym, eigentlich Georgi Valentinovich Plekhanov (1857 – 1916), Marxistischer Theoretiker und Revolutionär, siehe: http://www.historylearningsite.co.uk/George-Plekhanov.htm.

[3] Campanella, Tomasso: Der Sonnenstaat. Idee eines philosophischen Gemeinwesens, Berlin 1955, S. 9.

[4] S. Heinisch, Klaus J. (Hrsg.), Thomas Morus Tommaso Campanella u. a.:
Der utopische Staat. Morus • Utopia Campanella • Sonnenstaat Bacon • Neu-Atlantis, 29. Auflage, Reinbek 2008, S. 48.

[5] Vgl. Schupp, Franz: Die Geschichte der Philosophie im Überblick, Zwickau 2003, S. 40, abzurufen unter: http://bit.ly/aYd2rO.

[6] Hermetik ist eine in der Antike begründete Geheim- und Offenbarungslehre. Sie beeinflusste das wissenschaftliche Weltbild Europas bis ins 17.Jh. Vielmals auch weitergefasst beinhaltet sie okkult-esoterische Lehren sowie Alchemie.

[7] Kabbala ist die mystische Tradition des Judentums. Vgl. dazu: Das Wesen der Wissenschaft Kabbala in: Ashlag, Yehuda (Baal Sulam): Matan Tora (Die Gabe der Tora), abzurufen unter: http://de.kab.info/germankab/yehuda-ashlag-artikel-138/einzelne-artikel-artikel-156/330?task=view.

[8] Vgl. Schröder, Julia: Zu: Tomasso Campanellas „Der Sonnenstaat, 2001, S. 4, abzurufen unter: http://bit.ly/aJZrxU.

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Details

Titel
Untersuchung der 'Utopia' des Thomas Morus und 'Der Sonnenstaat' von Tomasso Campanella auf Gemeinsamkeiten
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Institut für Politikwissenschaften)
Veranstaltung
Politische Utopien
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V153559
ISBN (eBook)
9783640657636
ISBN (Buch)
9783640658183
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Utopia, Thomas Morus, Thomas More, Sonnenstaat, Sonnenstadt, La Citta del Sole, Vergleich
Arbeit zitieren
Volker Trotte (Autor), 2010, Untersuchung der 'Utopia' des Thomas Morus und 'Der Sonnenstaat' von Tomasso Campanella auf Gemeinsamkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153559

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