Informelle Siedlungen in der Kapstaedter Region

Nachhaltige Aufwertungs- und Umstrukturierungsmaßnahmen informeller Siedlungen in der Kapstädter Region am Fallbeispiel KTC in Guguletu unter Anwendung der Space Syntax Methode


Masterarbeit, 2009
182 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. EINLEITUNG

B. AUFBAU DER ARBEIT

C. METHODIK

D. REPORT
1. DIE PROBLEMATIK INFORMELLER SIEDLUNGEN IN DER KAPSTÄDTER REGION
1.1 Einführung in die Thematik informeller Siedlungen
1.2 Informelle Siedlungen in der Kapstädter Region, Südafrika
1.3 Problemdarstellung am Fallbeispiel KTC, Guguletu
2. DIE SPACE SYNTAX METHODE ALS NEUES PLANUNGSINSTRUMENT
2.1 Allgemeine Herangehensweisen und Planungsstrategien im Umgang mit informellen Siedlungen
2.2 Space Syntax Methode
3. DIE KONZEPTENTWICKLUNG FÜR DAS FALLBEISPIEL KTC, GUGULETU
3.1 Konzeptioneller Gedanke
3.2 Planungsstrategie
3.3 Städtebauliches Entwicklungskonzept
3.3.1 Handlungsmaßnahmen
3.3.1.1 Routenhierarchie - räumliche Anbindung
3.3.1.1.1 Überlappung von regionaler und lokaler Anbindung Guguletu und Umgebung
3.3.1.1.2 Räumliche Anbindungs- und Erreichbarkeitspotentiale
3.3.1.1.3 Entwicklungsbänder
3.3.1.2 Blockdesign-Blockaufteilung
3.3.1.2.1 Blockstruktur
3.3.1.2.2 Blockgrößen
3.3.1.3 Infrastruktur/ Landnutzung
3.3.1.4 Masterplan
3.3.2 Umsetzungsmaßnahmen
3.3.2.1 Phasenstrategien
3.3.2.1.1 Routenbasierende Phasenstrategie nach Prioritäten und Auswirkung
3.3.2.1.2 Auf Superblöcken basierende Phasenstrategie nach Abschnitten
3.3.2.2 Kriterien für Umsiedlungsmaßnahmen
3.4 Darstellung möglicher Entwicklungstendenzen von KTC und Guguletu (Szenario)
3.4.1 Kurzfristige Entwicklungstendenzen (5-10 Jahre)
3.4.2 Mittelfristige Entwicklungstendenzen (20-25 Jahre)
3.4.3 Langfristige Entwicklungstendenzen (35 Jahre) 72
4. FAZIT - ALLGEMEINE ÜBERTRAGBARKEIT DES STÄDTEBAULICHEN ENTWICKLUNGSKONZEPTES AUF INFORMELLE SIEDLUNGEN
DER KAPSTÄDTER REGION
4.1 Allgemeine Problemstellung der Übertragbarkeit von städtebaulichen Entwicklungskonzepten
4.2 Vergleich informeller Siedlung in der Kapstädter Region
4.3 Besonderheit der städtebaulichen Entwicklungskonzeption des Fallbeispieles KTC/ Guguletu
4.4 Zusammenfassung

E. ANHANG
I. EINFÜHRUNG IN THEMATIK INFORMELLER SIEDLUNGEN
1.1 Begriffserläuterung
1.2 Charakteristika
1.3 Entstehungsursachen
1.4 Problemfelder
1.5 Betrachtung und Analyse allgemeiner Vorgehensweisen und Planungsstrategien für die nachhaltige Entwicklung informeller Siedlungen
1.5.1 Zwangsräumung
1.5.2 Geplante Räumung mit Verlegung
1.5.3 Geplante Räumung und Vorort-Aufwertung
1.5.4 Slum-upgrading
1.5.4.1 Typen von Slum-upgrading Programmen
1.5.4.2 Geoinformationssysteme in Slum-upgrading Programmen
1.6 Zusammenfassung
II. INFORMELLE SIEDLUNGEN IN DER KAPSTÄDTER REGION
2.1 Rahmendaten und Allgemeiner Abriss der Kapstädter Region
2.2 Die Kapstädter Region in der Apartheid
2.2.1 Räumliche Entwicklung
2.2.1.1 Die Gründung Kapstadts durch die Niederländer (1652-1806)
2.2.1.2 Moderne Stadtentwicklung und Industrialisierung durch die Briten (1806-1910)
2.2.1.3 Erste räumliche Segregationstendenzen durch die Niederländer (1910-1948)
2.2.1.4 Apartheid - gesetzliche Manifestierung der Rassentrennung
2.2.2 Politische Entwicklung
2.2.3 Sozioökonomische Entwicklung
2.3 Die Kapstädter Region in der Postapartheid
2.3.1 Problemstellung der Townships und informellen Siedlungen in den Cape Flats, Kapstädter Region
2.3.2 Planungssystem
2.5.2.1 Planungsrichtlinien und formelle Planung
2.3.2.1.1 Reconstruction Development Framework (RDF)
2.3.2.1.2 Metropolitan Spatial Development Framework (MSDF)
2.3.2.1.3 Stadtentwicklungsprojekte - das Beispiel Joe Slovo
2.3.2.2 Informelle Planung
2.3.2.3 Aktuelle Stadtentwicklungstendenzen
2.4 Zusammenfassung
III. BESTANDSAUFNAHME VON KTC, GUGULETU
3.1 Rahmendaten und sozioökonomische Aspekte
3.2 Entstehungsgeschichte
3.3 Routenhierarchieräumliche Anbindung
3.3.1 Straßenausrichtung
3.3.2 Regionale Anbindung
3.3.3 Intermediäre Anbindung
3.3.4 Lokale Anbindung
3.3.5 Überlagerung von regionaler und lokaler Anbindung Guguletu und Umgebung
3.4 Morphologie
3.4.1 Plotstruktur
3.4.2 Gebäudestruktur
3.5 Infrastruktur/ Landnutzung
3.6 Raumbeobachtung (Bevölkerungsbewegung)
3.7 Zusammenfassung
IV. SPACE SYNTAX, EINE AUF GIS BASIERENDE METHODE
4.1 Space Syntax Theorie und Analysemethoden
4.1.1 Graphentheorie
4.1.2 Linien Logik - Axialpläne
4.1.3 Morphologie
4.1.4 Infrastruktur / Landnutzung
4.1.5 Bewegungsdynamik
4.2 Einführung in die Thematik von Geoinformationssystemen (GIS)
4.2.1 GIS - Geoinformationssysteme
4.2.2 Komponenten von Geoinformationssystemen
4.2.3 Anwendungsgebiete von GIS im Allgemeinen
4.2.4 Ausprägung von GIS (Teilbereiche)
4.2.5 Anwendung von GIS in informellen Siedlungen
4.3 Zusammenfassung
E. EXKURS SÜDAFRIKA
E.1 Rahmendaten und Allgemeiner Abriss
E.2 Historische Entwicklung (europäische Besiedlung und Stadtentwicklung)
E.2.1 Von der ersten europäischen Besiedlung bis zum Nationalstaat (1652-1948)
E.2.1.1 Erste europäische Besiedlung - Gründung von Kapstadt
E.2.1.2 Britische Kolonie und Burenrepubliken (vorindustrielle Entwicklung)
E.2.1.3 Das Ende der Burenrepubliken (frühe Industrialisierung)
E.2.1.4 Die Südafrikanische Union (Hochindustrialisierung)
E.2.1.5 Nationalstaat - Die Bedrohung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit
E.2.2 Apartheidsära (1948-1994)
E.2.2.1 Ebenen der Apartheid- Politik
E.2.2.1.1 Erste Ebene: gesellschaftliche Segregation - das Klassensystem
E.2.2.1.2 Zweite Ebene: räumliche Segregation - das Model der Apartheidsstadt
E.2.2.1.3 Dritte Ebene: territoriale Segregation - Homelands
E.2.2.2 soziale, ökonomische und räumliche Auswirkungen der Apartheid
E.2.2.3 Erste Entwicklungstendenzen gegen die Apartheid
E.2.3 Postapartheid (1994-heute)
E.2.3.1 Gründung der Wahrheitsfindungskommission
E.2.3.2 Sozioökonomische und räumliche Folgen der Apartheid
E.2.3.3 Südafrika - heute
E.3 Bevölkerungsentwicklung
E.3.1 Entwicklung der ethnischen Vielfalt
E.3.2 Demographische Entwicklung
E.3.3 Bildung
E.3.4 Arbeitsmarktentwicklung
E.4 Wirtschaft- und Haushaltssituation
E.5 Politik
E.6 Zusammenfassung

F. LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS

G. ABBILDUNGSVERZEICHNIS

A. EINLEITUNG

Südafrikanische Städte weisen aufgrund ihrer spezifischen Entwicklungsgeschichte einen weltweit einzigartigen Charakter auf. Durch die Heterogenität der Bevölkerung in Bezug auf dessen Kulturen und Rassenzugehörigkeiten sowie durch die gesetzliche Verankerung der Rassentrennung in der Apartheidspolitik entwickelten sich die Städte Südafrikas konträr zu anderen Stadttypen. Die mit der Apartheidsideologie einhergehende räumlich getrennte ethnische Entwicklung erforderte einen radikalen Umbau sämtlicher Städte. Die mit diesem Umbau bewusst und gezielt erzeugte räumliche Fragmentierung und soziale Segregation führte sowohl ökonomisch, ökologisch als auch sozial zu höchst uneffizienten Stadtstrukturen. Südafrika hat sich seit dem Ende der Apartheid in vielerlei Hinsicht stark entwickelt. So zählt das Land heute zu den wichtigsten Wirtschaftsmotoren des afrikanischen Kontinents und ist außerdem ein nennenswertes Beispiel für eine funktionierende Demokratie. Allerdings leben heute mehr Menschen in diesem Land unter unakzeptablen Bedingungen als zu Zeiten der Apartheid - Tendenz steigend. Die Auswirkungen dessen spiegeln sich vor allem in den drei größten Agglomerationsräumen Südafrikas wieder: Kapstadt, Johannesburg und Durban. In diesen breiten sich riesige Armutsgebiete aus, die wie im Falle der Townships in Kapstadt mit einem Durchmesser von ca. 30km mehr als 15 mal größer sind als die Innenstadt selbst und die höchste Anzahl der unterhalb der Armutsgrenze lebenden Menschen aufweisen.

Kapstadt kommt aufgrund günstiger klimatischer und geographischer Gegebenheiten eine Sonderrolle mit enormer Verstädterungsproblematik zu. In keiner anderen Stadt ist das Bevölkerungswachstums so hoch und zieht infolgedessen so gewaltige soziale und urbane Probleme mit sich. Hier treffen auf engstem Raum große Gegensätzlichkeiten zwischen arm und reich aufeinander. Die Lebensbedingungen für den Großteil der Bevölkerung in der Kapstädter Region ohne angemessenen Wohnraum sind nahezu unzumutbar. Aber auch die nicht vollzogene Aufarbeitung der Apartheidsära prägt das Stadt- und Gesellschaftsbild und erzeugt Spannungen und Konflikte. Brennpunkt dieser sind die in der Apartheid an die Peripherie Kapstadts ausgelagerten Siedlungen, die so genannten Townships. Sie bilden den Hauptfokus herrschender urbaner und suburbaner Probleme. Die ständig wachsende Einwohnerzahl und die damit verbundene informelle sowie oftmals unstrukturierte, illegale Bautätigkeit in Form von Shacks1, stellt eines der größten Probleme in der Stadtentwicklung dar. Seit der Aufhebung der Apartheidspolitik im Jahre 1994 wurden in einigen Townships Stadtentwicklungsprogramme und -konzepte zur städtebaulichen Aufwertung und sozialen Stabilisierung vollzogen. Diese von der Administration Kapstadts verfolgten Maßnahmen zeigten jedoch langfristig gesehen nicht die beabsichtigte Wirkung.

Der Fokus dieser Arbeit liegt im Speziellen auf dem Fallbeispiel der informellen Siedlung KTC im Township Guguletu. Dieses gehört zu den südlichen Vororten Kapstadts und ist 15km von der Innenstadt entfernt. Infolge des Group Areas Acts von 1950 war es schwarzen Südafrikanern nicht gestattet in den Städten zu wohnen. Bis zur Errichtung von Guguletu war das 12km südöstlich von Kapstadt gelegene Langa zum damaligen Zeitpunkt Kapstadts einziges Township. Aufgrund der drückenden Überbevölkerung in Langa wurde dann in den 1950er und 1960er Jahren das Township Guguletu nahe Kapstadt erbaut. Viele schwarze Bewohner Kapstadts, insbesondere aus dem damaligen District Six2, wurden in dieses Township umgesiedelt.

Die Bevölkerung von Guguletu gehört zum Großteil dem Volk der Xhosa an, welche aus dem weiter entfernten östlichen Südafrika stammen und in Hoffnung auf Arbeit in das westliche Südafrika kamen. Die Townshipbewohner holten ebenfalls ihre Familien aus den entfernten ländlicheren Gegenden Südafrikas in ihre neue Heimat dem Western Cape. Infolgedessen entstanden die an den Townships angrenzenden informellen Siedlungen, bestehend aus einfach und spartanisch errichteten Hütten mit unakzeptablen Lebensbedingungen auf engstem Raum. Die Bevölkerung von Guguletu wuchs bis heute auf rund 330.000 Einwohner (EW) auf einer Fläche von 6,1km2 an.

Die Arbeit verfolgt nachhaltige Aufwertungs- und Umstrukturierungsmaßnahmen informeller Siedlungen in der Kapstädter Region basierend auf der Erarbeitung möglicher Planungsstrategien und eines städtebaulichen Entwicklungskonzeptes am Fallbeispiel KTC in Guguletu. Es stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, mit Hilfe welcher städtebaulicher Konzepte und Strategien neue effiziente Siedlungsstrukturen geschaffen werden können, die im nachhinein auch aufgegriffen und weiter entwickelt werden können, ohne jedoch die schon bestehende Armut und soziale Problematik zu verstärken.

Ein gezielter positiver Entwicklungs- und Verbesserungsanstoß in der räumlichen Struktur in Form eines städtebaulichen Entwicklungskonzeptes basierend auf Anbindungspotentialen sowie damit einhergehenden Aufwertungs- und Umstrukturierungsmaßnahmen, würde sich unmittelbar auf die angrenzenden Siedlungen auswirken und hätte nachhaltige Auswirkungen in Bezug auf das regionale Netzwerk der Kapstädter Region. Das räumliche Anbindungspotential ist ein entscheidender Faktor für eine nachhaltig erfolgreiche Aufwertung informeller Siedlungen.

Die räumliche Verteilung kommerzieller Landnutzungen in Guguletu und auch anderer informeller Siedlungen und deren Aktivitäten haben einen großen Einfluss auf deren sozioökonomischen Umstände in der Region und bringen als Bilanz langfristig betrachtet effiziente Lösungen in der Wohnraumversorgung und deren selbständigen Entwicklung.

B. AUFBAU DER ARBEIT

Um sich Planungsstrategien und nachhaltigen städtebaulichen Konzepten informeller Siedlungen in einem fremden Land wie Südafrika zu nähern, ist nach einer allgemeinen theoretischen Einführung in die Thematik informeller Siedlungen und dessen Problemfelder, eine ausführliche Bestandsaufnahme des spezifischen Ortes und seiner Geschichte über die Entstehung von wesentlicher Bedeutung. Daher wird als Basis für die Arbeit die räumliche und gesellschaftliche Entwicklung des Landes im größeren Maßstab näher erläutert, denn die gesellschaftlichen und politischen Umstände in Südafrika haben das Land räumlich stark geprägt und werden immer Bestandteil des Landes sein.

Mit dem Wissen über die Entstehung der Townships in Südafrika wird sich die Arbeit dann einem kleinerem Maßstab nähern und sich den Townships in Kapstadt widmen. Anhand der informellen Siedlung in Guguletu werden unterAnwendung der auf Geoinformationssystemen basierenden Space Syntax Methode3, Auswirkungen der räumlichen Konfiguration der gebauten Umwelt auf das Verhalten der Nutzer und sozioökonomischen Faktoren hin untersucht.

Aufgrund dieser Methode können die räumliche Erreichbarkeit in ihrer Ausformulierung von Zentralität oder Isolation quantifiziert werden. Infolge kann die menschliche Wahrnehmung auf die gebaute Umwelt besser verstanden und die Planungen bewusster gesteuert werden. Es werden verschiedene Analysen von Space Syntax zum Einsatz gebracht, welche Zugänglichkeit, Zentralität und Routenhierarchie eines Netzwerkes darstellen. Die städtebauliche Struktur, Nutzungsbestände und Gebäudekonditionen werden ebenso mit dieser Methode erfasst und visualisiert.

Vor Ort wurden deshalb Bestände wie Wegesysteme, Gebäudestrukturen, Infrastrukturund die Gebäudequalitäten aufgenommen und kartiert. Sie bilden die Grundlage, um das Gebiet genauestens zu erfassen und zu analysieren. Es werden Wegebeziehungen und die Nutzung dieser erfasst und dargestellt, die wiederum eine wichtige Ausgangslage für strategische und konzeptionelle Vorschläge darstellen. Die Grundlagen, Bestandsanalyse sowie weitere wissensreiche Grundlagen, die für diese Arbeit und für das städtebauliche Konzept von wesentlicher Bedeutung sind, werden im Anhang gezeigt während der Report den Hauptteil der Arbeit umfasst und maßgeblich das Konzept zur Aufwertung der informellen Siedlung KTC darstellt.

Der konzeptionelle Teil der Arbeit basiert auf drei wesentlichen Teilschritten, welche aufeinander aufbauen und anhand eines strategischen Leitfadens dargestellt werden. Der erste Schritt besteht darin Strategien zu erfragen, welche als Anwendung informeller Siedlungen angewendet werden und wurden. Nach Betrachtung mit derzeitigen Vorgehensweisen informeller Siedlungen auf der ganzen Welt wurden bisherige Strategien verglichen und ausgewertet. Mit einer Entscheidung der zu verfolgenden Strategie wird anschließend auf dessen Grundlage ein nachhaltiges städtebauliches Konzept in Form verschiedener Handlungsmaßnahmen für das spezielle Plangebiet erarbeitet.

Das Konzept wird sich dabei im Speziellen auf das Plangebiet KTC in Guguletu beziehen. Hier werden die gewonnenen Erkenntnisse der vorangegangenen Bestandsaufnahme und Analyse einfließen und in ein entsprechend lösungsorientiertes Konzept eingearbeitet. Die für informelle Siedlungen und speziell für die informelle Siedlung KTC in Guguletu charakteristisch organische Struktur und dessen Potentiale werden aufgegriffen und dessen Wege- und Straßensystem auf sensible Art und Weise neu strukturiert. Anbindungsschwächen werden aus der Analyse heraus erkannt, aus denen neue effizientere Anbindungsmöglichkeiten konzipiert werden können. Die durch das Konzept verfolgten Veränderungen können mit den gleichen Maßnahmen und Methoden, die schon in der Analyse verwendet wurden, gegenübergestellt und somit überprüft werden, um zukünftige Auswirkungen des Konzepts zu visualisieren.

Zudem wird aus der Analyse heraus ein Nutzungskonzept entwickelt, welches sich ebenso auf das nähere Umfeld der informellen Siedlung beziehen wird. Die Infrastruktur und das soziale Umfeld sind ein wichtiger Bestandteil für eine nachhaltig funktionierende Siedlung, dessen Ziel es ist, sich auch im Nachhinein selbstständig weiter entwickeln zu können. Diese erarbeiteten Maßnahmen sollen einen Entwicklungsanstoß geben, die auch auf weitere Gebiete übergreifen und anknüpfen können.

Die Umsetzung eines städtebaulichen Konzeptes in einem so großen Gebiet nimmt einen langen Zeitraum in Anspruch. Es werden daher für das Konzept im abschließenden Schritt Umsetzungsmaßnahmen entwickelt, die alle beteiligten Akteure bei dem Prozess in Betracht ziehen sollten um eine möglichst effiziente Umsetzung zu ermöglichen. Ziel dessen ist es, mit entsprechend aufgestellten Handlungsmaßnahmen die soziale Problematik und die herrschende Armut nicht weiter zu verstärken. Ein radikaler Eingriff würde ein gegenteiliges und nicht erwünschtes Ergebnis erzielen. Daher ist eine sensible Herangehensweise zur Aufwertung des Gebietes von Nöten. Wichtig erscheint, dass die Entwicklungsstrategien sich den tatsächlichen Entwicklungstendenzen bedienen.

Im Fazit soll die zu Beginn aufgestellte Fragestellung geklärt werden, wie neue Konzepte und Strategien für die Aufwertung der informellen Siedlung KTC in Guguletu entwickelt werden und wie sie im Speziellen aussehen können. Eine weitere eigenständige Entwicklung der informellen Siedlung in Guguletu soll sich im weiteren Verlauf entfalten können. Des Weiteren wird die Frage geklärt, ob dieses Speziell für KTC angefertigte städtebauliche Konzept ebenso auf andere informelle Siedlungen in der Kapstädter Region anzuwenden ist und es die gleichen Effekte mit sich ziehen würde.

Soziale Gegebenheiten und deren Auswirkungen werden ein immer begleitender Bestandteil der Arbeit sein, die im Gesamtprozess der Arbeit mit einfließen werden.

C. METHODIK

Die Bestände informeller Siedlungen sind im Allgemeinen schwer zu erfassen, denn durch ihr schnelles Wachstum und stetiger Veränderungsprozesse bedarf es einer schnellen Aufnahme dessen. Die exakt räumliche Verortung und Strukturaufnahme von ungeplanten Siedlungen ist lange Gegenstand der Forschungen und Diskussionsgrundlage in der Stadtentwicklung. Prinzipiell handelt es sich dabei um ein Problem, welches abhängig ist vom Maßstab und der räumlichen Auflösung. So ist der Einsatz von Geoinformationssystemen (GIS) zur Bestandsaufnahme und Analyse sowie der darauf basierenden konzeptionellen Aufwertung informeller Siedlungen eine immer häufiger angewendete Methode. Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit wird demzufolge die Auseinandersetzung und Anwendung der Space Syntax Methode als eine auf GIS basierenden Methode sein. Hoch auflösende Fernerkundungsbilddaten aus Luftbildern oder Satellitendaten werden häufig propagiert und hat sich in den letzten Jahren methodisch stark weiterentwickelt. Die Space Syntax Methode baut auf diesen grundlegenden wissenschaftlichen Gegebenheit auf und verwendet sie zur Visualisierung und Darstellung raumbezogener Daten.

Der Anwendungsrahmen dieser Methoden ist allerdings für dieseArbeit sehrbegrenzt, so dass dieArbeit aufherkömmliche Satellitenbilder zurückgreift, welche mit anderen Methoden wie geeigneten Geoinformationsprogrammen wie MapInfo, ArcGIS und Depthmap kombiniert werden. Die Space Syntax Methode bildet geeignete Tools, die mit diesen Programmen kombiniert werden, um somit spezielle Daten auszuwerten.

Hauptbestandteil der Herangehensweise in der Arbeit ist die Auseinandersetzung von räumlichen Anbindungspotentialen. Sie entscheiden über Permeabilität oder Isolation des städtebaulichen Raumes und somit auch über die Bewegungsdynamik dessen.

D. REPORT

1. DIE PROBLEMATIK INFORMELLER SIEDLUNGEN IN DER KAPSTÄDTER REGION

Über 6,5 Mrd. Menschen4 leben aktuellen Statistiken zugrunde auf der Welt, dessen Population in den kommenden Jahrzehnten auf 8 Mrd. prognostiziert wird.5 Das größte Wachstum wird dabei in den Großstädten der Entwicklungsländer erwartet, welches mit einem zunehmenden Verstädterungsprozess einhergeht.

Diese Entwicklungstendenz bringtzunehmend räumlich stark konzentrierte Formen des menschlichen Zusammenlebens hervor und stellt die Städte der Entwicklungsländer vor stetig größer werdende Herausforderungen. Einkommensunterschiede, Lebensumstände, Anbindungen und Erreichbarkeit zu Serviceeinrichtungen werden unter diesen Gesichtspunkten als Hauptkonflikte gesehen, die bereits bestehen und auch in Zukunft zu erwarten sind.

So prägen bereits heute starke Gegensätze das Stadt- und Gesellschaftsbild vieler Großstädte in den Entwicklungsländern. Die mit dem Verstädterungsprozess einhergehenden Probleme, wie fehlender Wohnraum, Umweltzerstörung, Arbeitslosigkeit und starke soziale Unterschiede zwischen arm und reich sowie der daraus häufig resultierenden räumlichen Segregation, stellen zunehmend große Problemfelder und somit einer nachhaltigen Stadtentwicklung dar.

Insbesondere das kontinuierlich rasante Bevölkerungswachstum und die stetig wachsende Armut können viele Großstädte heute längst nicht mehr auffangen. So ist eine Folge des Defizits in der Wohnraumversorgung die zunehmende Injizierung informeller Siedlungen - besser bekannt als Slums oder Shanty Towns.

1.1 Einführung in die Thematik informeller Siedlungen

Die Menschen in den Entwicklungsländern durchlaufen derzeit in einem rasanten Tempo einen Generationswechsel von der ursprünglich sehr ländlichen zu einer zunehmend städtischen Gesellschaft. So werden bereits Mitte des 21. Jahrhunderts ungefähr 90% aller Stadtbewohner nur in den Entwicklungsländern leben.6 Die Ursachen des zunehmenden Verstädterungsprozess sind dabei insbesondere auf das rasante Bevölkerungswachstum zurückzuführen, welches durch starke Migrationsprozesse, wie z. B. der Landflucht, infolge zunehmender Industrialisierung und der daraus resultierenden Attraktivitätssteigerung der Städte noch weiter verstärkt wird. Das starke Wachstum der in der Regel überwiegend sozial benachteiligten Bevölkerungsschichten und die unkontrollierte Zunahme städtischer Flächen bringen informelle Siedlungen mit größtenteils unakzeptablen Lebensbedingungen hervor.

Das Phänomen der informellen Siedlungsentwicklung, welches bereits heute Großteile der städtischen Siedlungsfläche einnimmt, ist bisher noch relativ unerforscht und lässt diese in vielerlei Hinsicht konträr erscheinen. So wird einerseits in vielen wissenschaftlichen Dokumentationen von so genannten Elendsvierteln sowie von verstädterter Armut gesprochen und andererseits liest man von Selbstregulierungsansätzen sowie Eigendynamik der ärmeren Bevölkerung infolge des Überlebenskampfes. Die Ursachen der unterschiedlichen Betrachtungsweise von informellen Siedlungen liegen in dem sehr komplexen Erscheinungsbild als auch in ihrer ethnischen und sozialen Bedeutung als Auffangbecken der sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen.

Vor allem die sozioökonomische Ungleichheiten und die daraus resultierend stetig wachsende Armut werden zu einem zentralen Problemfeld der Stadtentwicklung.7 Insbesondere die Notwendigkeit von städtischen Dienstleistungen und eine ausreichenden Infrastrukturversorgung nimmt drastisch zu, denn die bestehenden öffentlichen Versorgungseinrichtungen sind schon längst überlastet um eine effektvolle, ökonomisch als auch sozial gerechte Entwicklung zu ermöglichen. Die mit der wachsenden Armut einhergehende informelle Siedlungsentwicklung dehnt sich immer weiter aus und ist in ihrer Entstehungsdynamik räumlich als auch strukturell schwer bzw. kaum zu erfassen. Allerdings wäre dies für die Bereitstellung einer nachhaltigen Grundinfrastruktur von immenser Bedeutung. Infolgedessen werden die Großstädte zunehmend zum Drehpunkt enormer sozialer, infrastruktureller und ökologischer Probleme.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Informelle Siedlung Mumbai

Die informellen Siedlungen sind dadurch gekennzeichnet, dass ihre Entwicklung und Beschaffenheit nicht den eigentlichen Anforderungen einer nachhaltigen Entwicklung entspricht. So leben bereits heute circa 50% der Stadtbevölkerung8 in informellen Siedlungen ohne ausreichende Wasserversorgung und Kanalisation. Aktuellen Forschungen der UN-HABITAT zufolge leben bereits heute auf der Welt ca. 924 Mio. Menschen9 unter solchen unakzeptablen Bedingungen.10 Dies sind nahezu 15% der Weltbevölkerung - Tendenz steigend. Der afrikanische Kontinent trägt dabei den größten Anteil der Weltarmut, dessen Länder zum Großteil zu den so genannten „Entwicklungsländern“ gehören. Auch Südafrika ist dieser Gruppe zuzuordnen, da fast die Hälfte der Bevölkerung von einem Einkommen unterhalb der nationalen Armutsgrenze und menschenunwürdigen Bedingungen leben muss.

1.2 Informelle Siedlungen in der Kapstädter Region, Südafrika

Die Kapstädter Region in Südafrika ist durch eine enorme Verstädterungsproblematik gekennzeichnet, welche gewaltige soziale und urbane Probleme mit sich bringt. Die zunehmende Disparität zwischen arm und reich sowie die daraus resultierenden unakzeptablen Lebensbedingungen für den Großteil der Bevölkerung im Kapstädter Raum ohne angemessenen Wohnraum sind ein wesentlicher Bestandteil des heutigen Stadt- und Gesellschaftsbildes und erzeugt Spannungen und Konflikte.

Brennpunkt dieser sind die in der Apartheid an die Peripherie Kapstadts, den Cape Flats, ausgelagerten Siedlungen, die so genannten Townships. Diese bilden den Hauptfokus herrschender urbaner und suburbaner Probleme. Die Townships haben in den letzten Jahrzehnten immense Ausmaße in der Bevölkerungszahl und -dichte angenommen. So stellt das Wohnraumdefizit heute ein weitaus größeres Problem dar als noch vor einem Jahrzehnt. Infolgedessen haben sich in und um dieTownships zahlreiche informelle Siedlungen entwickelt, deren ungeplantes und unkontrolliertes Wachstum zu enormen städtebaulichen Defiziten in der Grundinfrastrukturversorgung (z.B. fehlende Wasser- und Abwasserversorgung) führt. Dies hat wiederum unakzeptable Lebensbedingungen und eine zunehmende Verslumung der umliegenden geplanten Wohngebiete zur Folge.

Die aus der räumlichen Fragmentierung und sozialen Segregation resultierenden urbanen sowie sozialen Probleme derTownships und informellen Siedlungen der Cape Flats basieren im Wesentlichen auf der Funktionstrennung von Leben und Wohnen, einer unzureichend ausgebauten Verkehrsinfrastruktur (Erreichbarkeit) und einem begrenzten Zugang zu öffentlichen Transportmitteln, einer mangelhaften Wohn- und Grundinfrastrukturversorgung, einem begrenzten Zugang zu öffentlichen Einrichtungen sowie einer durch die informellen Siedlungsentwicklung verstärkten Gebietsisolation. Diese Gegebenheiten fördern die sozio-ökonomischen Ungleichgewichte und zeigen sich dabei in den schwierigen Lebensumständen der vorwiegend schwarzen und farbigen Bevölkerung der Townships und informellen Siedlungen. Die stetig zunehmende Arbeitslosigkeit und wachsende Armut wird durch die rapide Verstädterungsproblematik der Kapstädter Region infolge starker Migrationsprozesse nochmals drastisch verschärft und stellt diese vor stetig größer werdende Herausforderungen, die vornehmlich in einer umfassenden Grundinfrastruktur- und Wohnraumversorgung liegen.

Die mit der Entstehungsgeschichte der Townships zusammenhängende informelle Siedlungsentwicklung stellt heute eines der größten Probleme einer effektiven und nachhaltigen Stadtentwicklung dar. Diese sind aufgrund ihrer Entstehungsursachen und hohen Verflechtung mit den umliegenden Townships nicht als separate, für sich stehende Problemfelder zu betrachten. Sie sind eine mit den Townships gewachsene ungeplante Siedlungsstruktur. So weisen die Townships enorme soziale und urbane Problemfelder auf, wie der hohe Grad an Armut, Arbeitslosigkeit und Kriminalität, welche sich allerdings in den informellen Siedlungen wesentlich stärker konzentrieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Informelle Siedlungen in den Cape Flats Kapstadts

1.3 Problemdarstellung am Fallbeispiel KTC, Guguletu

Die informelle Siedlung in Guguletu, auf die der Hauptfokus dieser Arbeit liegen soll, ist ein Gebiet von einer Länge von 2,5km im Norden des Townships Guguletu, angrenzend an das Flughafengelände von Kapstadt, direkt neben dem Highway N2. KTC ist genau wie die anderen informellen Siedlungen durch enorme soziale sowie urbane Problemfelder gekennzeichnet. Die Shacks, welche sich über das Gebiet erstrecken, sind provisorisch und weisen eine hohe Bebauungsdichte auf, in der auf engstem Raum ganze Familien wohnen. Ein entwickeltes Straßennetz und Infrastruktur fehlen gänzlich aufgrund der sporadisch organischen Siedlungsstruktur, so dass sich das Gebiet von anderen Siedlungen abgrenzt und fast vollständig isoliert. Anbindungsmöglichkeiten zu den umliegenden Siedlungen und die Erreichbarkeit von Serviceeinrichtungen stellen folglich ein großes Problem dar. Diese Isolierung ist zudem zu einem Schmelztiegel der Kriminalität geworden, was unter anderem aus der bestehenden Arbeitslosigkeit sowie Armut resultiert und ein allgemein großes Problem in den Townships dieser Region ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3: Informelle Siedlung KTC

Die Probleme, wie sie in der Arbeit nun aufgegriffen werden, beziehen sich dabei nicht nur speziell auf die informelle Siedlung KTC, sondern ebenfalls auf deren nähere Umgebung, dem Township Guguletu. Eine zusammenhängende Problembetrachtung ist für eine nachhaltige Entwicklung des Plangebietes von großer Relevanz, da diese in Korrelation zueinander stehen. Eine effektive Aufwertung der informellen Siedlung KTC kann nur dann erreicht werden, wenn auch die Probleme des Umfeldes erkannt und ebenfalls in die städtebauliche Entwicklungskonzeption mit einfließen. Es stellt das Fundament einer optimalen sozio- ökonomischen und räumlichen Stadtentwicklungsplanung dar und ist gleichzeitig die Voraussetzung für ein effektives sowie nachhaltiges, städtebauliches Entwicklungskonzept.

Die wesentlichen Problemfelder die sich aus der räumlichen Bestandanalyse ergeben haben, sind: eine unzureichend ausgebaute Verkehrsinfrastruktur, die Gebietsisolation, fehlende Zentralisations- und Orientierungspunkte, Überbevölkerung, eine begrenzte soziale und technische Infrastruktur, einer mangelhafte Wohninfrastruktur, begrenzte finanzielle Ressourcen und die daraus resultierenden unakzeptablen Arbeits- und Lebensbedingungen. Aus diesen Problemfeldern ergeben sich weitere erhebliche Problematiken, die das Township Guguletu und insbesondere die informelle Siedlung KTC zunehmend zum Brennpunkt urbaner Probleme werden lässt, die im Folgenden nun näher beschrieben werden sollen.

Ein wesentliches Problemfeld stellt die unzureichend ausgebaute Verkehrsinfrastruktur dar. Aufgrund des vorherrschenden Defizits an Verknüpfungen zwischen den lokalen und regionalen Anbindungskapazitäten und einer effektiven Verkettung dieser, kommt es zu einer deutlichen Einschränkung der Bewegungsdynamik sowie einer Reduzierung der elementaren Erreichbarkeit innerhalb der informellen Siedlung KTC. Insbesondere von der unzureichend ausgebauten Verkehrsinfrastruktur betroffen, ist dabei die fußläufige Bevölkerung, die den Großteil dort lebenden Menschen ausmacht. Während in der informellen Siedlung KTC keine ausgebauten Straßen und Wege existieren, fehlen auch in dem Township Guguletu fast überall Bürgersteige, sodass die Bewohner gezwungen sind überwiegend auf der Straße zu laufen. Folglich ist Guguletu, hauptsächlich nördlich wo die informelle Siedlung KTC an den Highways N2 angrenzt, durch eine hohe Unfallstatistik geprägt.

Ein weiteres Problemfeld stellt die Gebietsisolation der informellen Siedlung KTC dar. Durch die angrenzende Lage am Highway N2 im Norden, der Bahnlinie im Westen und der M3 Klipfontein Road sowie dem Friedhof im Süden ist das Plangebiet sowohl sozioökonomisch als auch räumlich stark von seiner näheren Umgebung isoliert. Dieser Zustand wird zudem durch das Problemfeld der unzureichend ausgebauten Verkehrsinfrastruktur und somit infolge des Defizits an Verknüpfungen der lokalen und regionalen Anbindungskapazitäten zusätzlich gestärkt. In diesem Zusammenhang zeigt sich, dass die Problemfelder nicht grundlegend für sich alleine stehen, sondern auch ineinander greifen können. Die isolierte Lage der informellen Siedlung KTC führt außerdem dazu, dass diese eine erhebliche Barriere für das Township Guguletu darstellt und es ebenfalls im Norden von der Umgebung und somit regional vom Rest der Stadt abgrenzt.

Fehlende Zentralisations- und Orientierungspunkte sowohl in Guguletu als auch im Speziellen in KTC stellen ein weiteres Problemfeld dar. Folglich existieren keine klaren räumlichen Fixpunkte, die Aufschluss über die Lage und den Teilbereich der Siedlung sowie des Townships geben. Die fehlenden Erkennungsmerkmale führen zu einer Unübersichtlichkeit des Gebietes, sodass gerade Zentralisationspunkte eine große Bedeutung haben. Diese, wie z.B. in Form von Civic-Centern, stehen häufig durch Hauptverkehrsstraßen miteinander in Verbindung und schaffen so ein gut funktionierendes sozioökonomisches und räumliches Netzwerk. Dem existierenden Civic-Center in Guguletu fehlt genau diese regionale Verbindung zu den Civic-Centern der umliegenden Regionen.

Folglich trägt auch dieser Zustand zur Isolierung des Gebietes bei. Das Defizit an Zentralisations- und Orientierungspunkten zeigt sich auch in dem Fehlen von öffentlichen Plätzen und Freiräumen, die somit nicht zur Stärkung eines Gemeinschaftsgefühls der Bevölkerung von Guguletus sowie der informellen Siedlung KTC beitragen. Ein weiteres wesentliches Problemfeld KTCs aber auch von Guguletu stellt die massive Übervölkerung dar. Das Township Guguletu, welches eigentlich ursprünglich nur für einige Tausend Bewohner geplant war, muss heute circa 300.000 Menschen auffangen. Diese enorme Bevölkerungszunahme förderte dabei insbesondere die informelle Siedlungsentwicklung KTCs und hat schon seit Jahren absolut fatale Grenzwerte überschritten. Obwohl gesetzliche Regelungen eingefürht wurden, die die Zuwanderung einschränken sollen, kommt es zur vermehrten Ansiedlung von illegalen Einwanderern.

Das rapide Bevölkerungswachstum führt dabei zur zunehmenden Arbeitslosigkeit. Die dadurch steigende Kriminalitätsrate ist dabei Ausdruck einer Überlebensökonomie. Diese Entwicklungstendenzen führen vermehrt zu soziale Unruhen und Konflikten, die wie des Öfteren schon aus den Medien zu entnehmen war, auch ein blutiges Ende finden.

Diebegrenzte soziale Infrastrukturist ein weiteres erhebliches Problemfeld. So existieren in Bezug auf die extrem hohe Bevölkerungsdichte weder genügend medizinische, soziale, kulturelle, religiöse und Bildungseinrichtungen. Der hohe Kinder- und Teenageranteil findet nicht ausreichend Zugang zu entsprechenden Bildungseinrichtungen und müssen infolgedessen sehr weite Fußwege täglich absolvieren. Die Überfüllung der Schulen hat ein erhebliches Ausbildungsdefizit zur Folge. Ebenfalls existieren nur sehr wenige soziale Einrichtungen wie Kinderspielplätze.

So konnte vermehrt beobachtet werden, dass Kinder an stark befahrenden Straßen spielen bzw. sich dort vermehrt aufhalten. Folglich fehlen soziale Einrichtungen, die den Kindern einen sicheren Ort zum Spielen und den Jugendlichen sichere gemeinschaftliche Treffpunkte ermöglichen. Auch die Versorgung mit religiösen Einrichtungen könnte flächendeckend wesentlich mehr ausgebaut werden. Gerade die religiösen Einrichtungen haben in Ländern wie Südafrika einen sehr hohen sozialen Stellenwert. Sie dienen als Treffpunkt und fördern das Gemeinschaftsleben. Ein weiteres erhebliches Defizit ist die mangelnde medizinische Versorgung, die aufgrund unzureichender medizinischer Einrichtungen hervorgerufen wird. Vor allem die Bewohner der Informelle Siedlung KTC, welche aufgrund der begrenzten technischen Infrastruktur wie Wasser und sanitäre Einrichtung vermehrt an diversen Krankheiten leiden, können so nicht umfassend medizinisch versorgt werden. So liegt die durchschnittliche Lebenserwartung der Bewohner der informellen Siedlung KTC deutlich unter der des Landes und etwas unter der von Guguletu.

Folglich stellt die begrenzte technische Infrastruktur ein weiteres wesentliches Problemfeld dar. Dieses bezieht sich allerdings vornehmlich auf die informelle Siedlung KTC, da Guguletu als geplante Siedlung größtenteils über ausreichend Zugang zu Wasser, Elektrizität und sanitären Einrichtungen verfügt. Ein Großteil der in KTC lebenden armen Bevölkerung kann sich aufgrund fehlender finanzieller Mittel keine technische Infrastruktur leisten. Infolgedessen kommt es zu erheblichen Nutzungskonflikten und sozialen Spannungen, da diese auf illegale Weise versuchen ihre Existenz zu sichern. So ist zum Beispiel ein häufiges Delikt, welches allerdings nicht als solches gesetzlich gehandelt wird, der Diebstahl von Elektrizität bei den Nachbarn.

Ein weiteres Problemfeld, insbesondere von der informellen Siedlung KTC aber auch in einigen Teilbereichen des Townships Guguletu, stellt die mangelhafte Wohninfrastruktur dar. Diese ist gekennzeichnet durch eine sehr hohe Bebauungsdichte, aus denen schlechte Zugangsmöglichkeiten resultieren. Infolgedessen fehlen auch überwiegend die für die Sicherheit (Brandschutz) notwendigen Sicherheitsabstände.

Diese fehlenden Sicherheitsvorkehrungen führen dazu, dass zum Beispiel im Falle eines Brandes das Feuer sofort auf die umliegenden Hütten übergreift und so binnen weniger Stunden eine ganze Siedlung niederbrennen kann, so wie es im Oktober 2008 in einem Teilbereich KTCs bereits passierte. Die mangelnde Wohninfrastruktur ist zudem durch eine schlechte Bauqualität gekennzeichnet. So bestehen die Shacks größtenteils aus minderwertigen Materialien, die zusätzlich aufgrund fehlender Fachkenntnisse im Bau, keine lange Lebensdauer aufweisen. Die Verwendung von unterschiedlichen und in der Regel sehr schlechten Baumaterialien führen zu einer zunehmenden Verwahrlosung des Gebietes. Während das Township Guguletu in einigen Teilbereichen ebenfalls über eine mangelhafte Wohninfrastruktur verfügt, ist diese dennoch nicht mit der von der informellen Siedlung KTC zu vergleichen. So bestehen diese Häuser in der Regel aus Stein, sind aber dem westlichen europäischen genormten Standard nicht angepasst. Die völlig ungeplante, willkürliche Anordnung der einzelnen Shacks und die dichte Bebauung dieser in KTC führen zur Entstehung verwinkelter unübersichtlicher Wohngassen und von zahlreichen Angsträumen.

Die fehlenden finanziellen Ressourcen sind ein weiteres erhebliches Problemfeld und zeigen sich sowohl in dem Township Guguletu als auch in der informellen Siedlung. So ist in der Regel den Behörden die aktuelle Problemlage durchaus bekannt, aber aufgrund dieser finanziellen Engpässe des Landes keine tief greifenden, effektiven sowie lokalen problemorientierten Planungsmaßnahmen möglich.

Die Gesamtheit und die Wechselwirkungen der zuvor genannten Problemfelder führen letztendlich zu unakzeptablen Arbeits- und Lebensbedingungen, die das Dasein eines Großteils der Bevölkerung und insbesondere der der informellen Siedlung KTC prägen und diese aufgrund fehlender problemorientierter Planungsansätze weiter wachsen lassen.

Die Problemfelder, welche infolge der räumlichen Bestandsanalyse des Townships Guguletu sowie der informellen Siedlung KTC ermittelt werden konnten, sind vollkommen dieselben, sind aber in dem Plangebiet wesentlich konzentrierter. Folglich reicht eine nur auf KTC lokal zugeschnittene städtebauliche Entwicklungskonzeption nicht aus, sondern muss übergreifende Planungsansätze enthalten. Es existieren erhebliche Probleme, die aufgrund derzeitiger fehlender Finanzmittel unausweichlich erscheinen. Allerdings konnten auch Potentiale11 festgestellt werden, welche die Basis zukünftiger Entwicklungsplanungen bzw. Maßnahmen darstellen und Ausgangspunkt weiterer effektiver Folgeentwicklungen sein können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.4: Problemfelder von Guguletu und der informellen Siedlung KTC

2. DIE SPACE SYNTAX METHODE ALS NEUES PLANUNGSINSTRUMENT

Die Space Syntax Methode ist eine auf GIS basierende Methode zur Analyse raumbezogener Daten. Sie beschäftigt sich mit den Auswirkungen der räumlichen Konfiguration gebauter Umwelt auf das Verhalten der Nutzer und ist demnach keine GIS Methode im klassischen Sinne, sonders stellt eine erweiterte Anwendung von Geoinformationssystemen dar. Winston Churchill prägte im letzten Jahrhundert den signifikanten Satz: „We shape our buildings, and afterwards our buildings shape us“ - “Wir formen unsere Gebäude und danach formen die Gebäude uns” und verweist so auf die soziale Komponente von Architektur und damit der bebauten Umwelt.

Somit stellt sich die Space Syntax Methode der Herausforderung, wie Architektur im Raumbezug eine soziale Wirkung bzw. Auswirkungen auf den Menschen haben kann. Diese Methode vermittelt auf praktische Weise, wie Raum uns ein neues Verständnis für Form und Funktionalität in den Städten vermitteln kann.

Die Space Syntax Methode als Planungsinstrument wird heute in vielen Bereichen der Stadtentwicklung sowie Planung angewendet und findet dabei immer häufiger Einsatz für die Aufwertung und Entwicklung informeller Siedlungen, da sie die tatsächlichen Gegebenheiten darstellt, analysiert und darauf aufbauend geeignete Entwicklungsszenarien erstellt. So können beispielsweise im Vorfeld mögliche Entwicklungstendenzen aufgezeigt und infolgedessen Fehlplanungen größtenteils vermieden oder korrigiert werden.

2.1 Allgemeine Herangehensweisen und Planungs­strategien im Umgang mit informellen Siedlungen

In der Vergangenheit und der Geschichte informeller Siedlungen haben sich typische Methoden zur Herangehensweise von Slumgebieten manifestiert. Diese sind sowohl von einem sehr unterschiedlichen Charakter als auch dem Grad ihres Erfolges geprägt.

Diese unterschiedlichen Planungsstrategien im Umgang mit informellen Siedlungen sind im Wesentlichen durch vier verschiedene Herangehensweisen gekennzeichnet. Zu diesen gehört die Zwangsräumung als radikalste und sehr menschenverachtende Maßnahme. Sie erfolgte bereits in vielen Ländern auf der gesamten Welt und zeigte sich häufig in Form von komplettem Niederwalzen ganzer Siedlungen. Eine weitere Herangehensweise stellt die geplante Räumung dar, bei der die Bewohner in weit entfernte Gebiete verlagert wurden und folglich ihren gewohnten, gefestigten sozialen sowie ökonomischen Lebensraum verloren.

Des Weiteren wird in den verschiedenen Ländern auch heute noch eine Planungsstrategie angewendet, bei der eine tatsächliche Aufwertung der Slumgebiete erfolgen soll, in der aber das Problem der Bevölkerungsverlagerung ein erhebliches Problem darstellt. Infolgedessen wurden viele Bewohner durch zahlreiche Versprechungen in andere Siedlungsgebiete temporär verlagert, in der eine weit schlimmere Verarmung und soziale Problematik vorlag. Obwohl das ehemalige Slumgebiet indessen tatsächlich für die dort ansässigen Bewohner umstrukturiert und aufgewertet wird, so dass diese nach der Fertigstellung wieder in ihre Siedlung zurückkehren können, ist es in den meisten Fällen für diese aufgrund von Folgekosten finanziell nicht mehr tragbar oder sie verloren aufgrund der temporären Verlagerung und den daraus resultierenden schwierigen Umständen ihre Arbeitsstelle. Auch konnte den Bewohnern anschließend häufig keine wirtschaftliche Grundlage mehr zugesichert werden.

Eine relativ neue und bisher sehr erfolgreiche Herangehensweise stellt das Slum-upgrading dar, welche auf nachhaltige Aufwertungs- sowie Entwicklungsmaßnahmen vor Ort basiert. Der Grad des Erfolges wird dabei insbesondere von der späteren wirtschaftlichen Stabilisierung und sozialen Integration beeinflusst.

2.2 Space Syntax Methode

Die Anwendung von GIS, insbesondere in der Form der Space Syntax Methode, wird zunehmend für die nachhaltige Entwicklung und Aufwertung von informellen Siedlungen angewendet.

Die Gründe dessen liegen in der zuvor oftmals technisch sehr komplizierten sowie zeitaufwendigen Darstellung tatsächlicher Gegebenheiten dieser Siedlungen, welche durch eine hohe Fluktuation in jeglicher Hinsicht bzw. einer schnellen räumlichen Veränderung gekennzeichnet sind. Dies erschwerte die notwendige schnelle Erarbeitung effizienter Lösungen. Die Grundlagen, die mittels GIS erfasst werden, sind oftmals einfache rasterorientierte Satellitenaufnahmen, dessen räumliche Struktur schon mit einfachsten GIS Programmen erfasst werden können, da die Anwendung von GIS oftmals einen enormen Kostenfaktor darstellt.

Sind alle Daten aber mittels GIS erst einmal erfasst, können auch schnell verändernde räumliche Prozesse besser und effektiver kontrolliert und gesteuert werden, dessen technische Anwendung sich auf einem so hohem Kostenniveau befindet, dass gerade die Entwicklungsländer, welche diese Methode für die Entwicklung informeller Siedlungen einsetzen könnten, letztendlich nicht die finanziellen Ressourcen dafür haben.

Dieser Steuerungsmechanismus erreichte allerdings in den letzten Jahren einen sehr hohen Bekanntheitsgrad und wird mehr und mehr in den Bereichen der Umstrukturierungs- und Aufwertungsprozesse informeller Siedlungen angewandt. Die Space Syntax Methode hat sich in dem Feld der Analyse und der darauf aufbauenden Konzeptentwicklung in Form von Aufwertungs- und Umstrukturierungsmaßnahmen für informelle Siedlungen in vielfacher Hinsicht bereits bewährt.

So ist es z.B. ein viel versprechendes Instrumentarium für die Entwicklung und Aufwertung informeller Siedlungen in Jeddeah, Saudi Arabien, geworden und wird in ihrer Funktionalität bzw. Anwendungsmöglichkeit stets weiterentwickelt. So kann die Space Syntax Methode heute projektabhängig sehr spezifisch und zielgerichtet angewendet werden. Sie bietet umfassende Analysemöglichkeiten, um städtebauliche Räume in der Vorbereitungsphase sowie Überprüfungsphase der Konzeptentwicklung zu erfassen und bewerten.

Zudem ermöglicht die Space Syntax Methode einen gezielten und umfangreichen Überblick über die vorherrschenden Problemfelder informeller Siedlungen und ist in Bezug auf diese Anwendungsmöglichkeit mit keiner anderen Methode zu vergleichen. Folglich sind die Lösungsansätze für informelle Siedlungen, welche mit dieser Methode entwickelt werden, in der Regel mit einer langwierigen Umsetzungsstrategie geprägt.

Der dringend notwendige Einbezug von sozioökonomischen Aspekten in die Analyse und zukünftige Entwicklung dieser Siedlungsformen, kann durch die Anwendung von GIS und der Space Syntax Methode erreicht werden und stellt deshalb eine ausgereifte und sehr effektive Herangehensweise dar.

Aufgrund der zunehmenden Problematik informeller Siedlungen, welche ein zentrales Problemfeld der Stadtentwicklung darstellt und die Großstädte der Entwicklungsländer vor stetig größer werdende Herausforderungen stellt, bedarf aus deren Bedeutung heraus als sozialen Auffangbecken sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen einer äußerst sensiblen und behutsamen Herangehensweise, die mit GIS und der Space Syntax Methode realistisch umgesetzt werden kann.

3. DIE KONZEPTENTWICKLUNG FÜR DAS FALLBEISPIEL KTC, GUGULETU

Auf Grundlage der Bestandsanalyse und dem geschichtlichen Wissen über die Entstehung informeller Siedlungen in der Kapstädter Region sowie im Speziellen der informellen Siedlung KTC in Guguletu wird sich das Konzept insbesondere auf die räumliche Anbindung aber auch auf die Morphologie, Landnutzung und Infrastruktur sowie eventuellen Maßnahmen stützen, die entwickelt werden können, um eine nachhaltige Aufwertung und Umstrukturierung in Form eines Slum-upgradings zu erwirken.

Hauptgegenstand derAufwertung ist die informelle Siedlung KTC, dessen Bestand ausschließlich Shacks darstellen. Um eine nachhaltige und vor allem integrierte Planung und Entwicklung dieser informellen Siedlung gewährleisten zu können, greift die städtebauliche Entwicklungskonzeption ebenso in Form von weiteren Aufwertungsmaßnahmen in die nähere Umgebung, dem Township Guguletu, ein, welches sich derzeit ebenfalls überwiegend in einem mangelhaften Zustand befindet.

Die Intention des städtebaulichen Entwicklungskonzeptes soll eine voll integrierte, räumlich stark angebundene und vor allem mit sozioökonomischen Potentialen ausgestattete Siedlung sein, dessen Bewohner sich zunehmend auch mit dieser identifizieren können. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Einbezug von Selbstregulierungsansätzen bzw. einer gewissen Eigendynamik seitens der dort lebenden Bevölkerung, welche die Identifikation und Willen an einer positiven Gebietsentwicklung steigern soll. Folglich soll sich eine selbstständige Entwicklung aufbauen, welche eine sozioökonomische Stabilität der Siedlung KTC sowie anschließend des Townships Guguletu mit sich bringt und bei einer weiteren übergreifenden Aufwertung auch eine zunehmende Entwicklung umliegender Townships zur Folge haben kann.

3.1 Konzeptioneller Gedanke

Der konzeptionelle Gedanke zur zukünftigen Entwicklung der informellen Siedlung KTC liegt in der Neustrukturierung und Komplettaufwertung. Auch die Umgebung und somit das Township Guguletu soll dabei in die weitere Entwicklungsplanung mit einbezogen werden, damit ein räumlicher sowie funktioneller Bezug gewährleistet werden kann. Die Bestandsanalyse stellt dabei eine wichtige Grundlage dar, da sie ineinander greifende Problemfelder von KTC und Guguletu sowie mögliche Potentiale aufzeigt, welches in die städtebauliche Entwicklungskonzeption integriert werden können.

Ein wichtiger konzeptioneller Gedanke stellt somit die bessere Anbindung des Civic Centers von Guguletu sowohl innerhalb des Townships als auch im näheren städtischen Kontext (Umfeld) dar. So soll das Civic Center nicht nur innerhalb des Gebietes besser angeschlossen, sondern zukünftig auch weiter ausgebaut werden. Dies stellt eine wichtige existenzielle Grundlage für die dort lebende Bevölkerung dar und schafft ebenso Ansätze einer räumlichen Anbindung mit den angrenzenden Siedlungen der benachbarten Townships. Folglich werden einige, als strategisch wichtig empfundene, Straßen im Gebiet ausgewählt, um eine funktionsübergreifende räumliche Ausdehnung des Civic Centers von Guguletu zu ermöglichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Schwerpunkt der städtebaulichen Entwicklungs­konzeption liegt somit auf der räumlichen Anbindung, da diese eine Voraussetzung für eine nachhaltig funktionierende sozioökonomische Gebietsentwicklung ist. So wird die informelle Siedlung KTC sowohl innerhalb des Plangebietes als auch zur Umgebung im lokalen, intermediären und regionalen Maßstab angebunden, um es in das städtebauliche Netzwerk zu integrieren und somit ein besseres Durchgangspotential zu erreichen. So werden bestehende Straßen und Wegesysteme aufgegriffen, miteinander verknüpft und teilweise erweitert.

Innerhalb der informellen Siedlung KTC weisen die vereinzelten bedeutenden Wegesegmente auf lokaler Ebene ein hohes Verknüpfungspotential auf. (Abb.5) Diese Anbindungspotentiale und deren Ausbau in der räumlichen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.6: Anbindungspotential der Siedlung in der näheren Umgebung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.7: Anbindungspotential der Siedlung zur Umgebung und der Region

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.8: Konzeptdiagramm

Der Eingriff in die informelle Siedlung KTC und dessen Umgebung in Form von nachhaltigen Aufwertungs­und Umstrukturierungsmaßnahmen bietet nicht nur eine Möglichkeit in der Ergänzung und Verteilung der dringend benötigten Infrastrukturversorgung, sodass soziale Infrastrukturen, wie beispielweise medizinische und religiöse Einrichtungen, ergänzt und dem tatsächlichen Bedarf der dort lebenden Bevölkerung angepasst werden können. So wird KTC ebenfalls lokal baulich erneuert sowie aufgewertet und aufgrund der zunehmenden Interaktion mit deren näheren Umgebung nachhaltig auf sozioökonomischer Ebene verbessert. Die unterschiedlichen Qualitäten des Gebäudebestandes werden nach und nach einer besseren angeglichen. Eine übergreifende städtebauliche Entwicklung und somit auch von Guguletu ist insofern von großer Relevanz, um dem Gebiet aus der derzeitigen Isolation zu verhelfen und eine effektive sowie nachhaltige Entwicklung zu fördern, die besonders auf die sozioökonomischen Gegebenheiten bedeutenden Einfluss hat.

Die Erarbeitung einer nachhaltigen städtebaulichen Entwicklungskonzeption für das Fallbeispiel der informellen Siedlung KTC in Guguletu basiert auf einem strategischen Leitfaden. Dieser beinhaltet drei wesentliche Teilschritte, welche letzten Endes aufeinander aufbauen. So besteht der erste Schritt darin eine mögliche Planungsstrategie zu erarbeiten, auf dessen Grundlage ein nachhaltiges städtebauliches Entwicklungskonzept erarbeitet werden kann. Der zweite Schritt stellt die Ausarbeitung dieses Konzeptes anhand nachhaltiger Aufwertungs- und Umstrukturierungsmaßnahmen (Handlungsmaßnahmen) für das Fallbeispiel KTC in Guguletu dar. Der dritte und letzte Schritt des strategischen Leitfadens zeigt sich in der Erarbeitung möglicher Umsetzungsmaßnahmen, welche die Möglichkeiten in der Umsetzung der städtebaulichen Entwicklungskonzeption aufzeigen sollen.

3.2 Planungsstrategie

Bezugnehmend auf die zuvor kurz dargestellten allgemeinen Herangehensweisen12 im Umgang mit informellen Siedlungen wird die Planungsstrategie für die nachhaltige städtebauliche Entwicklungskonzeption des Fallbeispiels Guguletu auf eine Art des Slum Upgrading zurückgreifen unter Anwendung der neuartigen aber bereits bewährten Space Syntax Methode. Das, auf dieser Strategie basierende, Entwicklungskonzept bezieht sich dabei nicht nur auf das eigentliche Plangebiet KTC, sondern fungiert gebietsübergreifend, sodass eine effektive und nachhaltige sozioökonomische sowie räumliche Entwicklung gewährleistet werden kann.

Die Besonderheit in derAnwendung dieserPlanungsstrategie liegt in der Vorgehensweise. So werden die Potentiale der aktuellen Entwicklungstendenzen bereits bestehender Strukturen durch die zuvor mit Hilfe der Space Syntax Methode durchgeführten Gebietsanalyse aufgegriffen und darauf aufbauend weiterentwickelt. Auf Grundlage dieser Planungsstrategie wurden Entwicklungsbänder konzipiert, welche die finanzielle Umsetzbarkeit des städtebaulichen Konzeptes, durch deren Zuteilung an verschiedene Entwickler, sichern soll. Die anschließende Aufteilung der städtebaulichen Entwicklungskonzeption in verschiedene Umsetzungsphasen stellt darüber hinaus einen besonders schonenden Eingriff in die bestehende Siedlungsstruktur dar. Insbesondere die Anwendungskonstellation mit der Space Syntax Methode ermöglicht ein zielorientiertes Handeln, von dem insbesondere die Bevölkerung von KTC letztendlich profitieren soll. Ebenso lassen sich in der Planungsphase bereits zukünftige räumliche Entwicklungstendenzen insbesondere in Bezug zur räumlichen Erreichbarkeit darstellen. So können im Vorfeld bereits Missstände und eventuelle Fehlplanungen vermieden oder minimiert werden.

Diese Planungsstrategie stellt eine wesentliche Grundlage für eine effektive und nachhaltige Gebietsaufwertung dar. Aufgrund der sehr spezifischen Entwicklungsgeschichte und den aus der Apartheid resultierenden sozioökonomischen Ungleichgewichten ist die aktive Planung mit derBevölkerung von größter Bedeutsamkeit, um die bereits bestehende Armut sowie die informelle Siedlungsentwicklung nicht weiter zu verstärken. So sollen die urbanen sowie sozialen Problemfelder deutlich gemindert, die aktuellen Lebensumstände der dort ansässigen Bevölkerung aufgewertet und die informelle Siedlung KTC nachhaltig in einen sozioökonomisch sowie räumlich integrierten sowie funktionierenden städtischen Kontext gestellt werden. Diese Planungsstrategie baut dabei insbesondere auf die Regulierung und Selbstentwicklungsdynamik der dort ansässigen Bevölkerung auf und soll lediglich eine unterstützende aber grundlegende Hilfestellung für die weitere Gebietsentwicklung leisten.

3.3 Städtebauliches Entwicklungskonzept

Für eine nachhaltige städtebauliche Aufwertung und Entwicklung der informellen Siedlung KTC sowie Guguletu ging eine ausführliche Bestandsaufnahme voraus, welche auf alle Bestände in räumlicher, sozialer und auch ökonomischer Ebene eingeht.13 Das städtebauliche Konzept beginnt mit einer räumlich konzeptionellen Aufwertung in Form von verschiedenen Handlungsmaßnahmen, dessen Schwerpunkt in der räumlichen Erreichbarkeit des Gebietes und einzelner, für die Siedlung, wichtiger zentraler Punkte liegt. Die Bedeutung der räumlichen Anbindung ist in der Bestandsanalyse dargestellt und Ausgangspunkt aller weiteren Themen innerhalb des städtebaulichen Entwicklungskonzeptes. Die anschließenden Umsetzungs­maßnahmen stellen ein Funktionieren und die Nachhaltigkeit des städtebaulichen Entwicklungskonzeptes sicher.

3.3.1 Handlungsmaßnahmen

Die Handlungsmaßnahmen beinhalten verschiedene Aspekte des konzeptionellen Vorgehens für eine nachhaltige Aufwertung und Entwicklung der informellen Siedlung KTC sowie des Townships Guguletu. Dazu gehören Maßnahmen in Bezug zur räumlichen Anbindung, Blockaufteilung sowie in bezug zur Infrastruktur und Landnutzung. Alle Maßnahmen ergeben in ihrer Komplexität und in ihrem Zusammenspiel eine individuelle Konzeptentwicklung, welche eine nachhaltige räumliche sowie sozioökonomische Entwicklung in Form von Aufwertungs- und Umstrukturierungsmaßnahmen gewährleisten kann.

3.3.1.1 Routenhierarchie-räumliche Anbindung

Die Struktur des Wegenetzwerkes stellt eine wesentliche Grundlage für einen städtebaulichen Aufwertungsprozess dar und trägt als Konsequenz eine hohe Verantwortung für den Erfolg weiterer Maßnahmen sowie deren selbstständigen Entwicklung im Nachhinein.

Erste Maßnahme für die Aufwertung und Entwicklung der informellen Siedlung KTC ist die Neustrukturierung sowie Einbindung des Plangebietes in das bereits existierende Wegesystem in Form potentieller Erweiterungen. Strategisch bedeutsame Straßen, welche über eine hohe Bewegungsdynamik verfügen, werden aufgegriffen und mit anderen wichtigen Straßen verknüpft. Diese Maßnahme ist von großer Relevanz für die Integration des Plangebietes in dessen näheren Umgebung sowie für die Anbindung im regionalen Kontext. Die Umgebung Guguletu wird

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.9: konzeptionelle Routenhierarchie nach Straßenbreite

mit einigen Brückenschlägen Richtung Norden und Westen ergänzt und infolgedessen mit den umliegenden Nachbarsiedlungen anderer Townships besser verbunden. Dies hat eine höhere Erreichbarkeit der Siedlung zur Folge und verbessert das Durchgangspotential. Das Plangebiet KTC hat somit nicht mehr den Charakter eine Randsiedlung mit isolierender Wirkung, sondern ist eine voll integrierte Siedlung innerhalb der näheren Umgebung.

Das neue und aufgewertete Wegesystem wird nach Erreichbarkeits- und Anbindungskriterien in eine Routenhierarchie eingeordnet. Die Hierarchisierung der Straßen gliedert sich in dabei in drei Ränge auf. Aus der räumlich konzeptionellen Aufwertung der informellen Siedlung KTC und Guguletu ergeben sich geplante Straßenbreiten von 18-20m (Straßen 1. Ranges), 14-16m (Straßen 2. Ranges) und 9-12m (Straßen 3. Ranges).

So stellen 20m und 18m breite Straßen erstrangige Straßen dar, für die ein hohes Durchgangspotential erwartet wird. Diese führen hauptsächlich an dem Civic Center Guguletus vorbei und verbinden das südlich gelegene Philippi und die im Norden angrenzenden Gebiete Montevideo, Charlsville und Durheim. Das Plangebiet wird dadurch „erstrangig“ erschlossen und erfährt eine gute Aufteilung des gesamten Plots, welches allein durch diese Maßnahme ihre Wirkung als isolierenden Charakter verliert. Diese Straßen stellen somit dasAnbindungspotential zu angrenzenden Siedlungen dar und bieten sowohl genügend Platz für motorisierten Verkehr sowie gut ausgebauten Fußgängermöglichkeiten als auch genügend Potential für eine Integrierung von Einzelhandelsgewerbe (Foodshops).

Die 16m und 14m breite Straßen stellen Straßen zweiter

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.10: konzeptionelle Routenhierarchie nach Straßenrang

Rangordnung dar, die in Guguletu im Allgemeinen mit dessen Charakter als dieser Rang betrachtet wird, allerdings im Plangebiet selbst eine erstrangige Position darstellt, da sie eine dominierende Rolle darstellt indem sie das gesamte Gebiet erschließt. Das Plangebiet KTC wird dabei von einer 16m breiten Straße erschlossen, die sich quer durch das Gebiet von West nach Südost zieht. Im Westen schließt diese direkt an das ehemalige Township Manenberg an und verbindet somit nicht nur Guguletu mit Manenberg, sondern integriert gleichermaßen das Plangebiet in die vorhandene Stadtstruktur. Diese neu angelegte Straße resultiert aus den in der Bestandanalyse erfassten Anbindungspotentialen aus der lokalen und regionalen Anbindung. Diese schließt im Südosten an die schon bestehende Hauptstraße an und geht weiter in den Süden, wo sie an die südliche Straße anknüpft, welche sich vom Civic Center durch das Gebiet zieht.

Die 12m und 9m breite Straßen sind Straßen dritter Rangordnung, die reine Erschließungszwecke erfüllen und zur Blockaufteilung verhelfen. Die 9m breite Straße, welche im Norden an dem Highway entlang des Gebietes führt, ist eine Sicherstellung des Fußgängerverkehrs, da auch nach der Gebietsaufwertung dort eine hohe Bewegungsdynamik erwartet wird und sie eine reine Sicherheitsmaßnahme darstellt. Den, von der Stadt aufgestellten, derzeit existierenden Zaun entlang der Siedlung wird im Zuge der Handlungsmaßnahmen rückgebaut.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.11: Guguletu und Umgebung: existierende Überlappung der Top 15% der Radien 800m und 5000m der räumlichen Erreichbarkeitsanalyse (in einem Betrachtungsradius von 2000m um des Untersuchungsgebietes

Die zusammenhängende Betrachtung dieser strategisch wichtigen Straßen zeigt einen neues effektives Wegesystem, welches die umliegenden Gebiete, das Civic Center sowie das Plangebiet in einen funktionierenden räumlichen Kontext stellt. Dieses ist für die Bewegungsdynamik sowie Muster und der zukünftigen Entstehung weiterer kommerzieller Nutzungen innerhalb der Siedlung sowie in der näheren Umgebung von entscheidender Bedeutung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.12: Guguletu und Umgebung: konzeptionelle Überlappung der Top 15% der Radien 800m und 5000m der räumlichen Erreichbarkeitsanalyse (in einem Betrachtungsradius von 2000m um des Untersuchungsgebietes

3.3.1.1.1 Überlappung von regionaler und lokaler Anbindung Guguletu und Umgebung

Bei einer Überlagerung der räumlichen Erreichbarkeit der Top 15% des lokalen sowie regionalen Maßstabes ist eine deutliche Entwicklungsmöglichkeit in der lokalen Anbindung ersichtlich. So ergibt ein strukturiertes Straßensystem im lokalen und regionalen Maßstab im Plangebiet eine funktional gute Anbindungskapazität und erzeugt auf beiden Ebenen ein relativ gut ausgewogenes Wegenetzwerk. Dies gilt auch für die nähere Umgebung dem Township Guguletu.

Die ursprünglich verteilten separaten Wegenetzwerke, die sich aus den 15% der lokalen Anbindung ergaben, beginnen sich zu schließen und bilden optimale Übergänge zueinander. Das Plangebiet selbst greift im regionalen Maßstab weiter in das Township Guguletu ein. Hiermit wird die Bedeutung des Einbezuges der umliegenden Nachbarschaft in die Entwicklungsplanung und somit in die Aufwertungs- und Umstrukturierungsmaßnahmen deutlich und bringt erste Tendenzen einer nachhaltigen Gebietsentwicklung zum Ausdruck. Die Straße entlang der Bahnlinie im Westen Guguletus wird als eine der 15% wichtigsten Straßen im regionalen Maßstab ausgewiesen und soll durch eine Verlängerung das Plangebiet KTC vom Westen her optimal anbinden.

Gleiches gilt für die Verlängerung der östlich des Civic Centers von Guguletu entlang laufenden und nach Norden in das Plangebiet eingreifenden Straße. Diese führt weiter nach Norden über den Highway hinweg und bietet somit Potential zur weiteren Entwicklung des derzeitigen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.12: Guguletu und Umgebung: konzeptionelle Überlappung der Top 15% der Radien 800m und 5000m der räumlichen Erreichbarkeitsanalyse (in einem Betrachtungsradius von 2000m um des Untersuchungsgebietes)

Industriegebietes zur Transformierung in ein Wohngebiet, welches gleichzeitig eine weitere Verbindung der einzelnen Siedlungen schafft.

Bei der Berechnung und Betrachtung der räumlichen Anbindung der Top 15% im lokalen und regionalem Maßstab auf das Plangebiet KTC bezogen, hebt sich insbesondere die neu angelegte, sich durch das gesamte Plangebiet ziehende, Straße in ihrer hohen Anbindung bzw. Erreichbarkeit hervor. Zudem hat sich eine gleichmäßige Verteilung der höchsten 15% in den bereits genannten Maßstäben eingestellt und konzentriert sich nun nicht mehr im Wesentlichen auf den südlichen Bereich der informellen Siedlung KTC.

Eine gewisse Kontinuität in der Überlappung des lokalen und regionalen Maßstabes wird insbesondere im nördlichen Gebiet deutlich, welches im Übergang in den südlichen Bereich kurz abbricht. Allerdings bleibt die regionale Anbindung relativ konstant und schließt südlich wieder an. Bei der Berechnung der Top 20% der regionalen und lokalen räumlichen Erreichbarkeit würde sich auch diese Lücke schließen und eine kontinuierlich durchgehende Linie in beiden Maßstäben ergeben. Dies könnte allerdings so interpretiert werden, dass die Hauptstraße im Plangebiet KTC in den weiteren Entwicklungsstufen mehr begradigt werden müsste.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.13: KTC: existierende Überlappung der Top 15% der Radien 800m und 5000m der räumlichen Erreichbarkeitsanalyse

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.14: KTC: konzeptionelle Überlappung der Top 15% der Radien 800m und 5000m der räumlichen Erreichbarkeitsanalyse

3.3.1.1.2 räumliche Anbindungs- und Erreichbarkeits­potentiale

Bei der Betrachtung und dem anschließenden Vergleich der existierenden und konzeptionellen räumlichen Anbindung im regionalen Maßstab stellt sich eine enorme Veränderung nach der städtebaulichen Aufwertung sowie Umstrukturierung der informellen Siedlung ein. Diese Veränderungen gehen einher mit einer verbesserten Anbindung sowie weiteren Verknüpfung einiger strategisch wichtiger Straßen in Guguletu, welche die regionale Anbindungskapazität von Guguletu stärken. Die ursprüngliche enorme Anzahl kleinerer Straßen im Straßensystem ohne weitere Anbindung (Abb.15 in blau codiert), stellte sich im Nachhinein bei der räumlichen konzeptionellen Gebietsentwicklung der informellen Siedlung als ein gut angebundenes und besser strukturierte Wegenetzwerk heraus. So stellt jede Straße in diesem Netzwerk einen Bezug zu einer anderen Straße her und ist zum wesentlichen Bestandteil des gesamten Wegesystems geworden. Folglich sind keine vereinzelten Straßen und Wege mehr vorzufinden, da diese sich gut in das neue Gefüge einordnen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.15: existierende Routenhierarchie14 ; regional betrachtetes Durchgangspotential15 von allen Wegesegmenten im System16

Straße dar, welche mitten durch die komplette Siedlung verläuft und somit KTC vollständig erschließt bzw. verbindet. Diese Straße kreuzen andere erstrangige Straßen, welche mittels Brückenschlägen über den Highway hinweg an das nördliche Gebiet angeschlossen werden. Die Verlängerung der Straße entlang der Bahnlinie von Süden nach Norden erfährt ebenso ein enorm hohes Anbindungspotential nach der konzeptionellen räumlichen Umwandlung.

Aber auch die Straße NY1, welche das Civic Center anbindet, hat eine stärkere Anbindung als vor der Konzeptumsetzung und spiegelt den zuvor beschriebenen konzeptionellen Gedanken wieder, der eine Verknüpfung der einzelnen Civic Center aus der näheren Umgebung mit gut angebundenen und kommerziell genutzten Straßen vorsieht. So lässt sich bereits eine Zentrumsentwicklung in Mitten der Korridore von Highways erkennen, die ein überregionales Netzwerk entstehen lassen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.16: konzeptionelle Routenhierarchie; regional betrachtetes Durchgangspotential von allen Wegesegmenten im System

[...]


1 illegal errichtete Wellblechhütten ohne jegliche Infrastruktur und Erschließung

2 District Six: Name des 1867 geschaffenen sechsten Bezirks in Kapstadt. Dieser Bezirk diente vor allem freigelassenen klaven, Händlern, Künstlern, Arbeitern und Immigranten als Wohnort, denn District Six lag einerseits nahe der Stadt und andererseits auch nahe dem Hafen

3 Diese Methodologie wurde von Prof. Bill Hillier, University College of London, Bartlett School of Architecture, entwickelt. Heute wird dieser Ansatz in internationalen Projekten von Space Syntax Ltd. für die strategische Planung gebauter Umwelt eingesetzt.

4 U.S. Census Bureau, Population Division

5 United Nations Population Devision 2001

6 Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

7 Kraas, Frauke: Megastädte: Manila – Disparitäten und Marginalsiedlungen

8 Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Hrsg.): Eine Zukunft für Städte schaffen

9 UN-HABITAT: The Challenge of Slums

10 UN-HABITAT: United Nations Human Settlements Programme

11 Siehe Anhang Bestandanalyse

12 Siehe Anhang Problemfelder Informeller Siedlungen

13 Siehe Anhang Bestandsaufnahme

14 beschreibt, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Straßensegment Teil eines Weges im gesamten System ist (R = n: wenn alle möglichen Wege im System in Betracht gezogen werden)

15 winkelgewichtete Analyse

16 Choice nbeschreibt, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Straßensegment mit einem Radius von 2000m Teil eines Weges im System ist (R = 2000m: wenn alle möglichen Wege in einem Radius von 2000m in Betracht gezogen werden)

Ende der Leseprobe aus 182 Seiten

Details

Titel
Informelle Siedlungen in der Kapstaedter Region
Untertitel
Nachhaltige Aufwertungs- und Umstrukturierungsmaßnahmen informeller Siedlungen in der Kapstädter Region am Fallbeispiel KTC in Guguletu unter Anwendung der Space Syntax Methode
Hochschule
HafenCity Universität Hamburg  (Städtebau und Quartiersentwicklung)
Note
1,3
Autoren
Jahr
2009
Seiten
182
Katalognummer
V153572
ISBN (eBook)
9783640658961
Dateigröße
45345 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Informelle, Siedlungen, Kapstaedter, Region, Nachhaltige, Aufwertungs-, Umstrukturierungsmaßnahmen, Kapstädter, Fallbeispiel, Guguletu, Anwendung, Space, Syntax, Methode
Arbeit zitieren
B.Sc. M.Sc. (TU) Sina Steinführer (Autor)Dipl.-Ing. Cornelia Möller (Autor), 2009, Informelle Siedlungen in der Kapstaedter Region, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153572

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