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Die Familienkonflikte im Gleichnis vom Verlorenen Sohn - Gespiegelt in der Kurzprosa bei Franz Kafka

Analysen und Reflexionen

Title: Die Familienkonflikte im Gleichnis vom Verlorenen Sohn - Gespiegelt in der Kurzprosa bei Franz Kafka

Examination Thesis , 2010 , 66 Pages , Grade: 2,7

Autor:in: Linda Freier (Author)

Theology - Miscellaneous
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Summary Excerpt Details

Der Einsatz von Literatur im Religionsunterricht ist wohl wichtiger denn je. Literatur greift die Grunderfahrungen der Bibel auf und kann den Schülerinnen und Schülern so motivierend an existenzielle Fragen und religiöse Themen heranführen.
Franz Kafka gilt als einer der größten Schriftsteller der Moderne. Dank Max Brod sind diese einzigartigen Erzählungen erhalten geblieben und wurden nicht, auf Kafkas Wunsch hin, vernichtet. Seine Texte handeln von Entfremdung, Familienkonflikten und Einsamkeit. Themen, die jeden betreffen und die niemanden unberührt lassen.
Auch das Gleichnis vom verlorenen Sohn kann man wohl als das Gleichnis schlechthin bezeichnen. In der Suchmaschine Google erlangt man 25.200 Treffer, mehr als doppelt so viele wie bei den anderen Gleichnissen. Auch in der Schule wird das Gleichnis gern genutzt, von der Grundschule bis zur Oberstufe, da in ihm verschiedene Themen, z.B. das Vater-Sohn-Verhältnis oder Wege der Konfliktlösung, zur Bearbeitung enthalten sind. Weiterhin ist die Bildsprache der Gleichnisse sehr eindrücklich und somit für Schüler gut verständlich.
Gezeigt werden soll, inwiefern man die Familienkonflikte des Gleichnisses in der Kurzprosa Kafkas wieder entdeckt, zunächst in der Parabel „Heimkehr“. Später wird der Fokus auf den älteren Sohn gelegt und erarbeitet, inwieweit in Kafkas Kurzprosa auch sein Konflikt behandelt wird.
Die vorliegende Arbeit besteht deswegen aus zwei großen Teilen. Der erste Teil besteht im neben einem Plädoyer für Literatur im RU und der Legitimation des Themas für den RU aus den Analysen der Bibelstelle und des Kafka- Textes. Im zweiten Teil erfolgt dann eine didaktische Weiterführung anhand ausgewählter Texte von Franz Kafka, "Die Verwandlung", "Brief an den Vater", "Das Urteil", "Vor dem Gesetz". Diese werden zunächst analysiert und im nächsten Schritt wird herausgestellt, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es zum älteren Sohn des Gleichnisses gibt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Literatur im Religionsunterricht – Ein Plädoyer

3. Das Gleichnis und die Parabel im RU

4. Exegese des Gleichnisses vom verlorenen Sohn

4.1 Einordnung in den Kontext

4.2 Historisch-kritische Exegese

4.3 Tiefenpsychologische Exegese

4.3.1 Deutung auf der Objektstufe

4.3.2 Deutung auf der Subjektstufe

5. Die Parabel „Heimkehr“

5.1 Kafkas Biographie

5.2 Analyse der Parabel

5.3 Nun ich lebe in meiner Familie […] fremder als ein Fremder – Kafkas Familienbeziehung und Vater-Sohn-Konflikt in „Heimkehr“

6. „Niemand wartet auf den Fremden“ – Vergleich der Parabel „Heimkehr“ mit dem Gleichnis vom verlorenen Sohn

7. Didaktische Weiterführung

7.1 Der Brief an den Vater

7.2 Die Verwandlung

7.3 Das Urteil

7.4 Vor dem Gesetz

8. Schluss

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die Rezeption des biblischen Gleichnisses vom verlorenen Sohn in der Kurzprosa von Franz Kafka, insbesondere in der Parabel „Heimkehr“, um den Vater-Sohn-Konflikt sowie die Identitätsfindung im literarischen und religiösen Kontext zu beleuchten und didaktische Möglichkeiten für den Religionsunterricht aufzuzeigen.

  • Analyse des Gleichnisses vom verlorenen Sohn mittels historisch-kritischer und tiefenpsychologischer Exegese.
  • Biographische und motivanalytische Untersuchung der Parabel „Heimkehr“ im Vergleich zum biblischen Vorbild.
  • Untersuchung weiterer Kafka-Werke wie „Der Brief an den Vater“, „Die Verwandlung“, „Das Urteil“ und „Vor dem Gesetz“ im Hinblick auf Vater-Sohn-Konflikte.
  • Legitimierung des Einsatzes von Literatur im Religionsunterricht zur Sprachsensibilisierung und Identitätsbildung der Schüler.

Auszug aus dem Buch

Heimkehr (1920)

Ich bin zurückgekehrt, ich habe den Flur durchschritten und blicke mich um. Es ist meines Vaters alter Hof. Die Pfütze in der Mitte. Altes, unbrauchbares Gerät, ineinander verfahren, verstellt den Weg zur Bodentreppe. Die Katze lauert auf dem Geländer. Ein zerrissenes Tuch, einmal im Spiel um eine Stange gewunden, hebt sich im Wind. Ich bin angekommen. Wer wird mich empfangen? Wer wartet hinter der Tür der Küche? Rauch kommt aus dem Schornstein, der Kaffee zum Abendessen wird gekocht. Ist dir heimlich, fühlst du dich zu Hause? Ich weiß es nicht, ich bin sehr unsicher. Meines Vaters Haus ist es, aber kalt steht Stück neben Stück, als wäre jedes mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt, die ich teils vergessen habe, teils niemals kannte. Was kann ich ihnen nützen, was bin ich ihnen und sei ich auch des Vaters, des alten Landwirts Sohn. Ich wage nicht an der Küchentüre zu klopfen, nur von der Ferne horche ich, nur von der Ferne horche ich stehend, nicht so, dass ich als Horcher überrascht werden könnte. Und weil ich von der Ferne horche, erhorche ich nichts, nur einen leichten Uhrenschlag höre ich oder glaube ihn vielleicht nur zu hören, herüber aus den Kindertagen. Was sonst in der Küche geschieht, ist das Geheimnis der dort Sitzenden, das sie vor mir wahren. Je länger man vor der Tür zögert, desto fremder wird man. Wie wäre es, wenn jetzt jemand die Tür öffnete und mich etwas fragte. Wäre ich dann nicht selbst wie einer, der sein Geheimnis wahren will.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die Relevanz von Literatur im Religionsunterricht und stellt die Forschungsfrage nach der literarischen Spiegelung des Vater-Sohn-Konflikts bei Kafka vor.

2. Literatur im Religionsunterricht – Ein Plädoyer: Dieses Kapitel legitimiert den Einsatz literarischer Texte im Religionsunterricht als Beitrag zur Sprachbildung und Identitätsfindung.

3. Das Gleichnis und die Parabel im RU: Der Abschnitt begründet die Auswahl des Gleichnisses vom verlorenen Sohn für den Unterricht unter Berücksichtigung kompetenzorientierter Lehrpläne.

4. Exegese des Gleichnisses vom verlorenen Sohn: Hier wird das biblische Gleichnis mittels historisch-kritischer und tiefenpsychologischer Methoden analysiert und auf seine Relevanz für den Menschen hin untersucht.

5. Die Parabel „Heimkehr“: Nach einer biographischen Einordnung wird die Parabel analysiert und in den Kontext von Kafkas Familienbeziehung und Vater-Sohn-Konflikt gestellt.

6. „Niemand wartet auf den Fremden“ – Vergleich der Parabel „Heimkehr“ mit dem Gleichnis vom verlorenen Sohn: Dieses Kapitel kontrastiert Kafkas Parabel als „Gegentext“ zum biblischen Gleichnis.

7. Didaktische Weiterführung: Die Kapitel 7.1 bis 7.4 analysieren exemplarische Kafka-Texte („Brief an den Vater“, „Die Verwandlung“, „Das Urteil“, „Vor dem Gesetz“) im Hinblick auf ihr didaktisches Potenzial im Religionsunterricht.

8. Schluss: Der Schlussteil fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die Bedeutung von Literatur zur Förderung der Persönlichkeitsentwicklung im Religionsunterricht.

Schlüsselwörter

Religionsunterricht, Literaturdidaktik, Franz Kafka, Gleichnis vom verlorenen Sohn, Parabel Heimkehr, Vater-Sohn-Konflikt, Tiefenpsychologie, Exegese, Identitätsfindung, Sprachsensibilisierung, Entfremdung, Existenzschuld, Autoritätsangst, Selbstwerdung, Textspiegelung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie das biblische Gleichnis vom verlorenen Sohn in der Literatur von Franz Kafka verarbeitet wird und welche Chancen diese Auseinandersetzung für den Religionsunterricht bietet.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind die Rolle von Literatur im Religionsunterricht, die tiefenpsychologische und historische Deutung biblischer Gleichnisse sowie die autobiographische Prägung des Vater-Sohn-Konflikts in Kafkas Werk.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu zeigen, wie Kafka biblische Motive literarisch verfremdet und als Gegenentwürfe nutzt, um existentielle Probleme wie Entfremdung und Autoritätsangst darzustellen, und wie dies zur Identitätsbildung von Schülern beitragen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt Literaturanalysen, historisch-kritische sowie tiefenpsychologische Exegese (nach Freud und Jung) und bezieht fachdidaktische Konzepte des fächerübergreifenden Unterrichts mit ein.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Exegese des biblischen Gleichnisses, die detaillierte Analyse der Parabel „Heimkehr“ sowie den Vergleich dieser Texte mit weiteren Werken Kafkas wie „Die Verwandlung“ und „Das Urteil“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe umfassen Religionsunterricht, Franz Kafka, Vater-Sohn-Konflikt, Entfremdung, Identitätsfindung und Tiefenpsychologie.

Inwiefern ist das „Heimkehr“-Motiv bei Kafka ein „Gegentext“ zum biblischen Gleichnis?

Während das biblische Gleichnis von der überbordenden Vaterliebe und der Wiederaufnahme des Sohnes geprägt ist, zeigt Kafkas Parabel eine „Heimkehr ohne Einkehr“, in der Kommunikation und Versöhnung ausbleiben.

Warum spielt der „ältere Sohn“ eine so wichtige Rolle in der didaktischen Analyse?

Er fungiert als Projektionsfläche für die Probleme Kafkas (Pflichtbewusstsein, unterdrückte Bedürfnisse, verdeckte Rebellion gegen den Vater) und eignet sich daher hervorragend, um die Konflikthaftigkeit menschlicher Identitätsentwicklung mit Schülern zu diskutieren.

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Details

Title
Die Familienkonflikte im Gleichnis vom Verlorenen Sohn - Gespiegelt in der Kurzprosa bei Franz Kafka
Subtitle
Analysen und Reflexionen
College
University of Paderborn
Grade
2,7
Author
Linda Freier (Author)
Publication Year
2010
Pages
66
Catalog Number
V153584
ISBN (eBook)
9783640658992
ISBN (Book)
9783640658831
Language
German
Tags
Kurzprosa Franz Kafka
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Linda Freier (Author), 2010, Die Familienkonflikte im Gleichnis vom Verlorenen Sohn - Gespiegelt in der Kurzprosa bei Franz Kafka, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153584
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