Die Tugend der Freundschaft, im besonderen die der vollkommenen, auf Grundlage Aristoteles' Nikomachischer Ethik


Seminararbeit, 2008

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt:

I. Einleitung

II. Die Tugend der Freundschaft, im Besonderen: die der vollkommenen
2.1. : Umrisshafte Klärung einiger zentraler Begriffe, Hilfen zum Grundverständnis
2.2. : Der Umfang und die Bedeutung der Tugend der Freundschaft
2.3. : Aristoteles Aufteilung der Freundschaft nach den 'Dingen' die ihr als Grundmotivation zu Eigen sind
2.4. : Die vollkommene Freundschaft

III. Konflikte

IV. Fazit

V. Literatur

I. Einleitung.

Die Nikomachische Ethik des Aristoteles ist einer der Grundtexte der abendländischen Philosophie und setzt sich umfassend mit den ethischen und handlungstheoretischen Problemen praktischer Philosophie auseinander. Sie stellt ein heute noch wichtiges Werk dar, insbesondere, da es mehr enthält als Moraltheorie. Das Buch versucht eine gesamte Theorie des guten Lebens und richtigen Handelns aufzustellen, weswegen der “Tugend der Freundschaft” eigens zwei der 10 Bücher gewidmet sind. Mit diesen wird sich diese Hausarbeit auseinander setzen, im Besonderen jedoch mit der darin vorgestellten “vollkommenen Freundschaft”. Da die Freundschaft im VIII. und IX. Buch ihre Abhandlung findet, wird zunächst eine Klärung der zum Verständnis des Themas notwendigen Begrifflichkeiten, die in den Büchern zuvor eingeführt werden, von 'Nöten' sein. Danach wird umrisshaft geklärt, wie Aristeles Konzeption der Tugend der Freundschaft allgemein gestaltet ist, um dann auf die vollkommenen Freundschaft im genaueren einzugehen. Dabei wird der Konflikt auftreten, dass Aristoteles die vollkommene Freundschaft als schlechthin beständig und gerecht ansieht. Dies wird dann angezweifelt werden und die daraus resultierenden Probleme werden vorgestellt und erörtert. Die Bücher XIII und IX enthalten weitaus mehr als hier vorgestellt werden wird, es umfasst einen deutlich weiteren Begriff der Freundschaft wie man ihn heute kennt oder benutzt. Familiäre Beziehungen, gesellschaftliche (Zweck-) Bündnisse u.ä. werden ebenso thematisiert wie eben auch die Beziehung zwischen gleichen und ungleichen Menschen. Das politische und familiäre Spektrum des aristotelischen Freundschaftsbegriffes wird hier im Zuge des Schwerpunktes der Arbeit ausgeklammert bleiben, auch um in dem dann abgehandelten Bereich mehr Klarheit aufweisen zu können.

II. Die Tugend der Freundschaft, im Besonderen: Die der Vollkommenen.

2.1. : Umrisshafte Klärung einiger zentraler Begriffe, Hilfen zum Grundverständnis.

Der “Objektivitätsanspruch” Aristoteles innerhalb der praktischen Philosophie muss, um evtl. Fehler im Verständnis des Textes zu vermeiden, kurz erläutert werden. Im genannten Bereich herrscht nämlich eben nicht der Anspruch 'die Wahrheit gepachtet' zu haben, Aristoteles betont geradezu den ambivalenten Charakter praktischer Philosophie und gestaltet die Nikomachische Ethik dementsprechend.1

“Was die Darlegung betrifft, so muss man zufrieden sein, wenn sie denjenigen Grad an Bestimmtheit erreicht, den der gegebene Stoff zulässt.” 2 Daraus folgt zweierlei: Weder kann man eine 'konkrete' Aussage, im Sinne einer 'Handlungsbeschreibung' oder ähnlichem, erwarten, noch kann man die von ihm vertretene Position über die verwendeten Beispiele tatsächlich angreifen oder widerlegen. Letzeres vor allem aus dem Grund, dass sie in einem anderen zeitlichen und weltbildhaftem Zusammenhang stehen. Dies also ist erster und wichtigster Schritt zum Verständnis Aristoteles' praktischer Philosophie. Erster inhaltlicher Aspekt ist der, dass Aristoteles vom Menschen als ein 'soziales und vernunftbegabtes Wesen' ausgeht, für dessen Lebensglück es sehr gewichtig ist sich in seinem sozialen Umfeld wohlzufühlen.3 Zentraler, wenn nicht zentralster, Begriff der Nikomachischen Ethik ist der der “eudaimonia”, der zumeist mit “Glückseligkeit” oder auch “gelingendem Leben” übersetzt wird.4 Sie ist für Aristoteles gleichzeitig 'Ur- und Erstmotivation, Ursache und Grund menschlichen Handelns' und das prinzipiell und sinnvollerweise immer zu Erstrebende “Gut”.5 Man begeht oder unterlässt eine Handlung, sucht man nach dem Grund für das Handeln oder Nicht-Handeln, so wird sich bei einer gründlichen Suche immer herausstellen, dass es zur Erlangung, Förderung oder Erhaltung der “eudaimonia” getan oder gelassen wurde. 6 So ist die eudaimonia denn auch für jedes freundschaftliche Handeln, Empfinden und Denken die treibende Kraft. Da nun geklärt sein sollte, warum der Mensch der Freundschaft oder der Geselligkeit benötigt und durch welches Streben die Ausführung dieser charakterisiert ist, muss nun der die Freundschaft näher bestimmende Begriff der Tugend erläutert werden. Der Begriff der “Tugend” ist nicht als moralisch verengter Begriff zu verstehen, sondern als sehr weit gefasster: die Fähigkeit ein 'Tätig-Sein' bzw. eine Tätigkeit seinem bzw. ihrem Zwecke nach gut zu tun.7 'Gut' ist im Sinne des Treffens der “vernünftigen oder rechten Mitte” 8 zu verstehen. Wenn man die Fähigkeit des 'Nagel-Schmiedens' gut beherrscht, also bei der Tätigkeit 'ihrem Zweck entsprechende Nägel' geschmiedet werden, so ist man ein tugendhafter Nagelschmied. Diese erworbene 'Tugendhaftigkeit' bezieht sich jedoch nur auf die Tätigkeit als Nagelschmied, nicht auf den 'Menschen' der der Tätigkeit nachgeht im Allgemeinen. Diese Fähigkeiten, Tugenden erwirbt man durch Übung und Aneignung.9 Fähigkeiten oder Lebensweisen die nicht innerhalb der Möglichkeiten der menschlichen Natur liegen oder diesen gar widersprechen, können im aristotelischen Tugendsystem keine Tugenden sein oder werden, da man sich nicht an sie gewöhnen kann und sie der eudaimonia entgegenwirken würden, was für Aristoteles ein Widerspruch darstellen würde.10 Genauso verhält es sich für Aristoteles mit der Freundschaft: Sie ist eine Fähigkeit die potential innerhalb des sozialen Wesens Mensch liegt und durch Erfahrung, Aneignung und Übung zur aktualen Fähigkeit und damit auch Tugend werden kann.11

2.2. : Der Umfang und die Bedeutung der Tugend der Freundschaft.

Die Tugend der Freundschaft hat, für Aristoteles, in Bezug zur Notwendigkeit zum Erreichen und Vollziehen eines Lebens in “Eudaimonia”, universellen Charakter, ein Leben in Eudaimonia wäre ohne dieselbe nicht möglich.12 Ob Arm, Reich, Jung oder Alt, so Aristoteles Beispiele 13, man benötigt der Freundschaft, bzw. bezieht aus ihr Lust oder Vorteile und im Falle der vollkommenen Freundschaft sogar noch weitaus mehr bzw. beides.14 Auch wenn sich der Sinn der Freundschaft für Menschen in Notsituationen (arm, krank usw.) oder in einem Leben in 'Unglück' relativ schnell erschließt, so stellt sich die Frage, wozu der sich Glücklich Schätzende der Freunde oder im Allgemeinen einer 'Gesellschaft' benötigt.15 Eine der möglichen Antworten Aristoteles, für die Erörterung dieser Arbeit wohl die interessanteste, hierauf wäre, dass ein tugendhafter Mensch zum Erfahren vollkommener Eudaimonia zumindest irgendeiner Gesellschaft benötige. Begründet durch das Bedürfnis Gutes tun zu wollen, d.i. sie an seinem Glück teilhaben zu lassen.16 Für den Tugendhaften eine Bedürfnisbefriedigung, die wiederum der Eudaimonia dienlich wäre, in vollkommener Weise nur dann, wenn dem Freund Gutes entgegengebracht wird.17 Menschen bzw. Freunde von nicht tugendhaftem oder nicht vollkommen tugendhaftem Charakter bedürfen der Gesellschaft18, um sich an dem was ihnen Lust oder Nutzen verschafft, das von der sie umgebenden Gesellschaft ihnen entgegengebracht wird, zu erfreuen. Beispiele hierfür wären Ehre, Anerkennung, sexuelle Lustbefriedigungen oder einfach nur die Affektion durch andere.19

2.3. : Aristoteles Aufteilung der Freundschaft nach den 'Dingen' die ihr als Grundmotivation zu Eigen sind.

Aristoteles kennzeichnet die Freundschaft durch ihre Grundmotivation, die Liebe, und unterscheidet die Freundschaft dann entsprechend den unterschiedlichen Dingen oder Wesensarten, die man als liebenswert erachten kann, in drei Arten der Freundschaft.20 Diese sind: Die Art der Freundschaft, deren Grundmotivation das Empfangen eines Nutzens ist, diejenige, deren Grundmotivation das Empfinden einer Lust ist, und zu guter Letzt, diejenige, deren Grundmotivation die Tugendhaftigkeit ist.21

[...]


1 Vgl. XIII/4: 1156b, Z.25-30.

2 Vgl. XIII/4: 1156b, Z. 10-20.

3 Vgl. IX/5: 1167a, Z. 2ff.

4 Vgl. XIII/2: 1156a, Z. 5.

5 Vgl. IX/5: 1166b, Z. 30f.

6 Vgl: XIII/6: 1157b, Z. 10f.

7 Vgl. Ebd.

8 Vgl. Buch IX/4: 1166a, 5ff.

9 Vgl. Buch I/13: 1103a. Und Buch II/1:1103 b.

10 Vgl. Buch II/1: 1103b, Z. 20. Anm.: Zur Begrifflichkeit der Tugend lese man das 2. Buch der Nikomachischen Ethik.

11 Vgl. Buch VIII./1: 1155a.

12 Vgl. ebd.

13 Vgl. Buch VIII/1: 1155a.

14 Vgl. Buch VIII/4: 1156b, Zeile 15.

15 Vgl. S. 181 ,Z. 10f.

16 Vgl. Buch VIII/1: 1155a, Z. 8f . Und Buch XIII/11: 1171b, Z. 15.

17 Ebd.

18 Anm.: Gesellschaft im Sinne von die einen umgebenden Menschen, also nicht unbedingt Freunden im vollkommenen Sinne.

19 Anm.: da das menschliche Wesen als soziales verstanden wird, ist die Affektion angenehm, insofern sie positiv ist.

20 Vgl. Buch VIII/2 und 3: 1155b und 1156a.

21 Vgl. Buch VIII, Kapitel 2 und 3: 1155b und 1156a.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Tugend der Freundschaft, im besonderen die der vollkommenen, auf Grundlage Aristoteles' Nikomachischer Ethik
Hochschule
Universität Stuttgart  (Philosophie)
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V153637
ISBN (eBook)
9783656011347
ISBN (Buch)
9783656011088
Dateigröße
671 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aristoteles, Tugendlehre, Antike Philosophie, Freundschaft
Arbeit zitieren
Wolf Single (Autor), 2008, Die Tugend der Freundschaft, im besonderen die der vollkommenen, auf Grundlage Aristoteles' Nikomachischer Ethik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153637

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