Die Bewertung für Zwecke des Impairmenttests nach IAS 36 (2010)


Seminararbeit, 2010

22 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Grundlegende Methodik des IAS 36
2.1 Der Recoverable Amount als entscheidende Wertkategorie
2.2 Voraussetzungen für die Anwendung der DCF-Methodik zur Ermittlung des Recoverable Amount

3 Unternehmensbewertung und Rechnungslegung
3.1 Methoden der Unternehmensbewertung
3.2 Zielkonflikte bei der Anwendung der Bewertungsmethoden für Zwecke der externen Rechnungslegung

4 Würdigung der Anwendung von DCF-Methoden für Zwecke des Impairmenttests
4.1 Bewertungsparameter zur Ermittlung des Value in Use
4.2 Abgrenzung des Bewertungsobjektes beim Impairmenttest
4.3 Zur standardkonformen Ermittlung von Cashflows
4.4 Parameter des Diskontierungssatzes beim Impairmenttest
4.4.1 Der WACC als Kapitalkostensatz
4.4.2 Der Wachstumsfaktor gemäß IAS 36
4.4.3 Regelungen in IAS 36 zum Umgang mit Steuern
4.5 Zur umgesetzten Objektivierung der DCF-Methodik in IAS 36

5 Thesenförmige Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Eigenständigkeitserklärung

Abbildungsverzeichnis

Abb.1: Formel zur Bestimmung des Value in Use (vereinfacht aus IAS 36.33-38)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Problemstellung

Das bei der Einführung der IFRS verfolgte Ziel war die Entwicklung eines Rech­nungslegungssystems, das „einheitliche, qualitativ hochwertige, verständliche und durchsetzbare“[1] Standards zur Rechnungslegung kapitalmarktorientierter Unter­nehmen beinhaltet. Hauptfunktion eines IFRS-Abschlusses soll die Bereitstellung von entscheidungsrelevanten Informationen (Framework.12) sein - im Gegensatz beispielsweise zum HGB, bei dem der Gläubigerschutz und die Zahlungsbemes­sungsfunktion deutlicher im Vordergrund stehen.[2] Damit der IFRS-Bilanzleser möglichst einen Überblick über die tatsächliche wirtschaftliche Situation des Un­ternehmens (Fair Presentation) erhält, sollen möglichst durch den Markt objekti­vierte und somit zukünftige Nutzenpotenziale einbeziehende Preise als Ansatz von Vermögenswerten dienen (Fair-Value-Appro ach).[3] Um möglichst objektive Werte für den Ansatz von Vermögenswerten und Schulden im IFRS-Abschluss sicherzustellen, sieht der Standardsetter das Anwenden von etablierten Methoden - insbesondere die DCF-Methodik - aus dem Bereich der Bewertungstheorie, vor. Umgesetzt wird dies unter anderem im IAS 36, der auch deshalb in der Praxis sowohl für die bilanzierenden Unternehmen, als auch für die Wirtschaftsprüfer im Fokus von Diskussionen steht.[4] Ziel der vorliegenden Arbeit soll sein, das durch das Thema definierte Spannungsfeld zwischen den Generalnormen der Rech­nungslegung und der Bewertungstheorie im Kontext der Regelungen des IAS 36 benennen und bewerten zu können. Der Standard muss zum einen zunächst daran gemessen werden, ob er die grundsätzlichen Ideen und Prinzipien der IFRS- Rechnungslegung umsetzen kann. Andererseits wird aber zugleich zu prüfen sein, ob die im IAS 36 angewandte DCF-Methodik aus bewertungstheoretischer Sicht korrekt umgesetzt worden ist und inwiefern diese in diesem Umfeld überhaupt zu validen Ergebnissen führen kann. Eine kritische Würdigung der Vorschriften zum Impairmenttest kann deshalb nicht einseitig erfolgen, sondern muss beiden Blick­winkeln gerecht werden. Als weitere zu beachtende Komponente kommt die Kos­teneffizienz hinzu, was sich einerseits aus der Konkurrenzsituation am für das bilanzierende Unternehmen relevanten Markt und zum anderen direkt aus dem IFRS-Wesentlichkeitsgedanken (Framework.8) ergibt.

2 Grundlegende Methodik des IAS 36

2.1 Der Recoverable Amount als entscheidende Wertkategorie

Im IAS 36 wird die nicht planmäßige Folgebewertung von Vermögensgegenstän­den geregelt. Anzuwenden ist der Standard gemäß 36.2 für alle Vermögenswerte, für die kein eigener, spezifischer Standard besteht.[5] IAS 36 ist somit unter ande­rem auch für alle Vermögenswerte des Sachanlagevermögens (IAS 16) und für immaterielle Vermögenswerte (IAS 48) anzuwenden. IAS 36.9 verpflichtet die Bilanzierenden zu jedem Bilanzstichtag zu prüfen, ob in- oder externe Informati­onsquellen (IAS 36.12) Anhaltspunkte für möglicherweise wertgeminderte Ver­mögenswerte zu entnehmen sind, was infolgedessen die Durchführung eines (ereignisbezogenen) Impairmenttest verlangen würde. Für verschiedene immate­rielle Vermögenswerte unbestimmter Nutzungsdauer - einschließlich des Good­wills[6] - wird jährlich ein ereignisunabhängiger, also obligatorischer Impairment­test gefordert.[7] Beides mal sind die Regelungen zum Impairmenttest der vorgege­bene Rahmen dieser Prüfung der Werthaltigkeit von Vermögenswerten. Dem Standard folgend soll dies auf Basis von einzelnen Vermögenswerten erfolgen (IAS 36.22). Falls dies nicht möglich ist, können als Bezugsgröße unter später zu erläuternden bestimmten Bedingungen auch Vermögenswertgruppen, sogenannte Cash Generating Units, dienen (IAS 36.66). Mit dem Impairmenttest soll sicher­gestellt werden, dass der Buchwert (Carrying Amount) nicht über dem mit dem entsprechenden Vermögenswert erzielbaren Betrag (Recoverable Amount) liegt. Verhindert werden soll demnach, dass Vermögenswerte überbewertet bilanziert sind, um so dem IFRS-Leitgedanken der Fair Presentation gerecht werden zu können. Zudem kann der IAS 36 als Teil eines Imparitätsgedankens bezeichnet werden,[8] da die infolge eines Impairmenttest ermittelte positive Differenz zwi­schen Carrying und Recoverable Amount erfolgswirksam vollständig ab-[9], eine negative Differenz hingegen nur bis zu den fortgeführten Anschaffungs- und Herstellungskosten zuzuschreiben ist (IAS 36.117). IAS 36.6 definiert den Reco­verable Amount als den höheren Betrag aus dem erzielbaren Netto veräußerungs­erlös (Fair Value Less Cost to Sell) und dem Nutzungswert (Value In Use). Die Ermittlung des erzielbaren Betrages spiegelt demnach die zwei Alternativen, die das Management eines Unternehmens bezüglich eines Vermögenswertes hat, wie­der: Die fortgeführte Nutzung im Unternehmen, oder der Verkauf des Vermö­genswertes an ein anderes Unternehmen, wobei die Wertermittlung hierbei nach IFRS unabhängig von der realen Intention des Managements durchzuführen ist.[10]

2.2 Voraussetzungen für die Anwendung der DCF-Methodik zur Ermittlung des Recoverable Amount

Der Fair Value Less Cost to Sell repräsentiert einen Nettoverkaufserlös, also den Preis abzüglich der direkten Verkaufskosten, den ein sachverständiger und ver­tragswilliger (IAS 36.20)[11] Verhandlungspartner bei einem fiktiven Kauf, bereit wäre zu zahlen. Zur Bestimmung des Fair Value Less Cost to Sell gibt IAS 36 eine klare Hierarchie vor,[12] infolgedessen zuerst unmittelbar durch Verträge fest­gesetzte (IAS 36.25) oder am Markt beobachtbare (IAS 36.26) Preise für das Be­wertungsobjekt heranzuziehen sind. Beide Preise sind, falls verfügbar, geschätz­ten Werten eindeutig vorzuziehen. Bewertungstheoretische Ansätze sind somit nur dann als „beste verfügbare Informationen“ (IAS 36.27) anzuwenden, wenn von Marktseite her keine Preisbildung möglich erscheint und selbst dann ist zu allererst zu prüfen, ob angepasste historische Marktpreise bessere Ergebnisse lie­fern könnten. Da der Fair Value Less Cost to Sell nur in den seltensten Fällen di­rekt von Marktseite her bestimmt werden kann und historische Marktpreise für die Bewertung meist untauglich sind, wird die Ermittlung oft auf Basis von Bewer­tungsverfahren erfolgen müssen.

Die Ermittlung des Value in Use nach den Vorgaben von IAS 36 hingegen basiert direkt auf der DCF-Methodik, da die zu erwartenden Cashzuflüsse bei fortgeführ­ter interner Nutzung gemäß ihrem zeitlichen Anfall in der Zukunft anzusetzen sind. Dies soll gemäß IAS 36.31 zweistufig in einem Zwei-Phasen-Modell erfol­gen, wobei sowohl zukünftig anfallende Cashflows während der Nutzungsdauer des Vermögenswertes als auch der finale Verkaufserlös mit einer DCF-Methode diskontiert werden sollen, wobei berücksichtigt werden sollte, wie lange es tat­sächlich möglich sein wird, in der Zukunft liegende Cashflows präzise planen zu können. Die anzusetzenden Cashflows sind deshalb hierbei auf Basis einer mög­lichst aktuellen, genehmigten Planung des Managements zu ermitteln.[13] Im IAS 36 ist eine asymmetrische Bevorzugung der externen Marktsicht in Form des Fair Value Less Cost to Sell gegenüber dem Value in Use zu erkennen, da die Anwen­dung des Value in Use erst vorgesehen ist, wenn der Fair Value less Cost to Sell nicht sinnvoll zu bestimmen ist und zugleich die Annahme erfüllt ist, dass der Value in Use den Fair Value Less Cost to Sell wohl wesentlich übersteigen wird (IAS 36.20-21). Fraglich ist allerdings, ob die Bestimmung eines Fair Value über­haupt vertretbar sein kann, wenn die marktorientierte Bestimmung gemäß IAS 36.25-27 nicht erfolgen kann und ob in diesem Fall nicht der Value in Use sofort zur Ermittlung des Recoverable Amount maßgeblich werden sollte.[14] Bildet sich ein Marktpreis, kann aber davon ausgegangen werden, dass diesem und somit auch dem Fair Value Less Cost to Sell wenigstens eine implizite Kapitalwertrech­nung zugrunde liegt (IAS 36.BCZ11). Dies kann damit begründet werden, dass jedem Kaufangebot gewöhnlich eine Art Berechnung des Value In Use aus Sicht der Käuferseite vorangeht, aufgrund dessen die Preisbildung am Markt erst mög­lich erscheint. Der potenzielle Käufer wird maximal bereit sein, den Preis zu zah­len, der dem erwarteten Nutzungswert des Vermögenswertes in seinem Unter­nehmen entspricht. Wird dieser Gedanke weiter verfolgt, besteht der einzige Un­terschied zwischen Fair Value Less Cost to Sell und Value in Use im Blickwinkel der Betrachtung. Die Regelungen der IAS 36.25-27 wären demnach neben Objek- tivitäts- auch mit dem Versuch zu Effizienzsteigerungen im Einklang mit dem Wesentlichkeitsgedanken (Framework.8) zu verstehen: Eine kostenverursachende Berechnung eines hypothetischen Marktpreises wird abgelehnt, wenn das Ergeb­nis bereits aus Marktsicht ermittelt worden ist.

Bei Anwendung der im IAS 36 vorgeschriebenen Regelungen zur Ermittlung des Value in Use und unter Annahme fehlender Marktsituationen auch die des Fair Value Less Cost to Sell (IAS 36.134e) sollte, wie zuvor angeführt, eine DCF- Methodik verwendet werden,[15] die in Aufbau und Funktion grundsätzlich denen der klassischen Unternehmensbewertungstheorie entspricht.[16] Im Folgenden sol­len deshalb diese kurz erläutert werden, um einen würdigenden Vergleich auf Ba­sis ausgewählter Wertkategorien zu ermöglichen.

[...]


[1] IASC (2003) §2

[2] Vgl. Streim/Bieker/Esser (2003) S.457-458

[3] Vgl. Heuser/Theile (2007), Rz. 1500

[4] Vgl. DPR (2010) S.1

[5] Anm.: Relevante spezifischere Standards gibt es u.a. für: Vorräte (IAS 2); Vermögenswerte aus langfr. Fertigungsaufträgen (IAS 11); Latenten Steuern (IAS 12); finanzielle VW i.S.v. IAS 39

[6] Anm.: IAS 36.10 nennt hierbei neben nicht zur Nutzung fertiggestellter imm. Vermögenswerte den Goodwill, obwohl dieser bereits die Definition eines imm. VW. unbestimmter Nutzungs­dauer erfüllt. Durch die explizite Nennung soll die durch die hohen Monetärbeträge bedingte be­sondere Regulierungsnotwendigkeit unterstrichen werden. Zum Goodwill-Impairmenttest aus­führlich u.a.: Ballwieser/Beyer/Zelger (2008) - Unternehmenskauf nach IFRS und US-GAAP

[7] Vgl. Petersen / Bansbach / Dornbach (2008) S.89-90

[8] Halter (2008) S.25

[9] Vgl. IDW RS HFA 16, 76

[10] Vgl. Hachmeister (2008) S.232

[11] Anm.: Der Fair Value ist in der IFRS-Rechnungslegung der Preis, den ein fachwissender, gewillter und informierter Verhandlungspartner bereit wäre für einen Vermögenswert zu zahlen (arm's length principle; u.a. IAS 32 / IAS 36.BCZ14)

[12] Vgl. Hachmeister (2008) S.233

[13] Vgl. CastedeUo/Klingbeil/Schröder (2006) S.1032

[14] Vgl. Zülch/Siggelkow (2010) S.32

[15] Anm.: Auch die Anwendung von Multiplikatorverfahren ist zur Ermittlung des Fair Value Less Cost to Sell zulässig, allerdings soll in dieser Arbeit auf eine entsprechende Würdigung im Kontext des Impairmenttest verzichtet werden, da sich diese generell nur schlecht für Bewer­tungszwecke eignen. Dazu: Ballwieser (2007) S.205-206

[16] Vgl. Budde (2005) S.2569

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Bewertung für Zwecke des Impairmenttests nach IAS 36 (2010)
Hochschule
Universität Hohenheim  (Betriebswirtschaftslehre)
Veranstaltung
Externe Unternehmensrechnung und Bewertung
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V153644
ISBN (eBook)
9783640658695
ISBN (Buch)
9783640658787
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
IFRS, Impairment, IAS, Rechnungslegung, Bewertung
Arbeit zitieren
Tobias Zacholowsky (Autor), 2010, Die Bewertung für Zwecke des Impairmenttests nach IAS 36 (2010), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153644

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