Die Stimme der Stimmlosen

Leben und Werk Shirin Ebadis


Studienarbeit, 2008
13 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Kindheit

3. Universität und Demonstrationen

4. Karriere

5. Die Islamische Revolution und ihre Folgen

6. Ebadi, die Menschenrechtlerin

7. Auszeichnungen

8. Todesdrohungen und Gefängnisstrafe

9. Harte Zeiten

10. Ebadi kämpft weiter

11. Literaturverzeichnis

Lasst uns geduldig sein. Wir haben keine andere Wahl.

Shirin Ebadi

1. Vorwort

Shirin Ebadi, die iranische Nobelpreisträgerin, kämpft unermüdlich für eine bessere Zukunft der Frauen, Kinder und Andersdenkenden im Iran. Ihr Leben und ihre Überzeugungen haben sie stark gemacht, obwohl sie täglich mit den Drohungen des repressiven Regimes konfrontiert wird. Trotz allem gibt sie nicht auf: Ihr Leben ist ein Balanceakt zwischen Todesdrohungen und internationalen Auszeichnungen.

2. Kindheit

Shirin Ebadi wurde am 21. Juni 1947 in Hamadan, Iran, geboren. Ihre Familie zog bald darauf nach Teheran. Das Mädchen wuchs in einer liebevollen, religiösen Familie aus der Mittelschicht auf. Die Eltern behandelten alle ihrer Kinder mit der gleichen Aufmerksamkeit, die Gleichheit der Geschlechter erfuhr Shirin Ebadi so von klein auf. Aus ihrer Kindheit prägten sie vor allem zwei Erlebnisse. Mit vierzehn Jahren erlebte sie ihr religiöses Erwachen: als sie sich Sorgen um ihre kranke Mutter machte, kletterte sie auf den Dachboden, um Gottes Hilfe zu erbitten:

Plötzlich überkam mich ein unbeschreibliches Gefühl, das sich von meinem Magen bis in die Fingerspitzen ausbreitete. Innerlich aufgewühlt erschien es mir, als würde Gott mir antworten. Meine Traurigkeit fiel ganz von mir ab, und ich wurde von einer seltsamen Euphorie erfasst. Seit jenem Augenblick ist mein Glaube an Gott unerschütterlich.“[1]

Die zweite prägende Erfahrung war Mossadeghs Sturz, dessen Auswirkungen die ganze Familie zu spüren hatte: Shirin Ebadis Vater verlor seinen Posten als stellvertretender Landwirtschaftsminister. Er bestand dennoch darauf, dass alle Kinder – auch die Töchter –hervorragende Universitäten besuchten.

3. Universität und Demonstrationen

Shirin Ebadi verbrachte ihr Jugend in Teheran, wo sie im Jahr 1965 an der Universität ihr Jurastudium begann. Dies war eine Zeit der Veränderungen: die Studenten fanden immer einen Grund, zu protestieren und gegen Ende der Sechzigerjahre wurde die Atmosphäre immer angeheizter, fast jeden Tag fanden Proteste statt. Shirin Ebadi fühlte sich davon angezogen und nahm bald regelmäßig an Demonstrationen teil. Sie studierte ausgezeichnet und war sogar Jahrgangsbeste.

4. Karriere

Mit nur 23 Jahren wurde Shirin Ebadi Richterin und hatte eine vielversprechende Karriere vor sich. Als sie ihre Arbeit begann, herrschte helle Aufregung wegen der Exzesse der Schahregierung; noch vertrauten die Menschen dem Rechtssystem – es galt als neutral und korruptionsfrei. Ihren zukünftigen Ehemann, Javad Tawassolian, lernte Shirin Ebadi 1975 kennen und noch im selben Jahr heirateten sie. Ihre Arbeit als Richterin setzte sie auch nach der Hochzeit fort. Die politische Lage im Iran wurde Ende der Siebziger schwieriger: die Proteste wurden heftiger, die Stimmen, die die Rückkehr des verbannten Ayatollah Khomeini forderten, immer lauter. Ebadi sympathisierte mit den Oppositionellen und da der Glaube im Leben der Mittelschicht immer eine wichtige Rolle spielte (wenn auch eher im privaten Bereich), schien es keine Widersprüche zu geben. Als der Schah am 16. Januar 1979 den Iran mit einem kleinen Päckchen iranischer Erde verließ, war Ebadi aufgewühlt und voller Hoffnungen. Sechzehn Tage später kehrte Ayatollah Khomeini aus dem Exil zurück.

5. Die Islamische Revolution und ihre Folgen

Mit dem Ziel, die iranische Monarchie, den „Pfauenthron“, durch eine Demokratie zu ersetzen, unterstützte Shirin Ebadi – wie so viele Intellektuelle – 1979 die Revolution gegen das Regime von Reza Schah Pahlewi. Wie alle anderen ging sie jeden Abend aufs Dach ihres Hauses und rief „Allahu Akbar!“ (Gott ist der Größte) in den Himmel, wie es der charismatische Ayatollah befohlen hatte.

Nach der Revolution änderte sich Ebadis Leben allerdings radikal. Die Mullahs übernahmen die Macht im Iran, die neuen Machthaber verrieten die Ideale der Revolution, die Gesetze änderten sich: Der Iran wurde ein Gottesstaat. Obwohl Ebadi zunächst glaubte, sie beträfen diese neue Gesetze nicht, da sie die angesehenste Richterin war, die die Revolution öffentlich unterstützte, wurde sie bitter enttäuscht. Ende 1980 wurde sie ihres Amtes enthoben und als Schreibkraft zurückgestuft. Später wurde sie zur „Spezialistin“ im Vormundschaftsbüro für Minderjährige und Geisteskranke. Am 21. April 1980 kam ihre erste Tochter Negar zur Welt. Es folgten schwere Zeiten: Saddam Hussein hatte den Iran angegriffen, das Regime nahm immer brutalere Züge an. Zensur, Festnahmen, Hinrichtungen und Schikanen wurden zu täglichen Begleitern des Lebens, die Selbstmordrate der Frauen stieg erschreckend. Viele beschlossen, den Iran endgültig zu verlassen, worauf Ebadi mit Zorn aber auch Unverständnis reagierte. Sie verurteilte die Migration intellektueller Iraner und erklärte, den Kontakt zu migrierten Freunden abzubrechen. Sie bezeichnete diese Jahre als „ Tiefpunkt, denn sie hatte ihren geliebten Beruf, ihr Land und ihre Freunde verloren.“[2] Mitten im Krieg, 1983, wurde ihre zweite Tochter, Nargess, geboren. Saddam Hussein griff Teheran mit Raketen an, weshalb die Familie beschloss, die Stadt zu verlassen und in den Norden des Irans zu ziehen. Nach Kriegsende kehrte sie wieder zurück. 1987 begann Shirin Ebadi mit dem Bücherschreiben: sie widmete sich Themen wie Urheberrecht, Architektur, Medizin und Arbeitsrecht, schrieb mehrere Bücher über die Rechte der Kinder und von Flüchtlingen und verfasste die Geschichte und Dokumentation der Menschenrechte in Iran.

6. Ebadi, die Menschenrechtlerin

1992 wurde es Frauen im Iran wieder erlaubt, als Anwältin zu arbeiten: Ebadi beantragte und bekam ihre Lizenz. Vorerst beschäftigte sie sich mit Handelsrecht, aber weil sie Korruption und Geschäftemacherei nicht akzeptieren konnte, entschied sie sich dafür, nur noch pro-bono-Fälle anzunehmen. Als Anwältin setzte sie sich vor allem für Frauen ein – in einem Rechtssystem, das Frauen massiv benachteiligte. Sie übernahm insbesondere die Verteidigung von Frauen, die in der Islamischen Republik auch gesetzlich diskriminiert wurden, setzte sich für politisch Andersdenkende ein, die mit der islamischen Justiz in Konflikt geraten waren und übernahm auch einige brisante Fälle, an denen sich niemand sonst die Finger verbrennen wollte. Zu ihren Klienten gehören politisch Verfolgte – größtenteils intellektuelle Iraner – aber auch Opfer von Kindesmissbrauch. Ebadi ist in keinster Weise mit geld- und medienhungrigen Staranwälten vergleichbar: Geld verdiente sie mit den wenigsten Fällen.

Erschreckend ist, dass der Iran heute die höchste Frauenselbstmordrate der Welt hat. Shirin Ebadi kämpft unermüdlich gegen die Umstände, die so viele Frauen verzweifeln lassen. Sie meint, dass der Islam an sich mit der Unterdrückung der Frauen nichts zu tun hat, weil der Islam ein Glaube der Gerechtigkeit und Gleichberechtigung ist. Die Herren der Macht haben es nur über die Jahrhunderte vorgezogen, den Islam für ihre eigenen Interessen zu missbrauchen. Gebraucht wird eine neue Interpretation des Islams – und weil alles davon abhängt, wie man den Islam interpretiert, müssen die Frauen selbst wissen, was im Qur´an steht. Es ist nötig, das Wissen und die Bildung zu verbessern. Wenn die Frauen ihre Menschenrechte und ihre Religion wirklich kennen, ist dies schon ein großer Fortschritt, auf den man bauen kann.

[...]


[1] Shirin Ebadi: Mein Iran. Ein Leben zwischen Revolution und Hoffnung, S. 28.

[2] Shirin Ebadi: Mein Iran. Ein Leben zwischen Revolution und Hoffnung, S. 137.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Stimme der Stimmlosen
Untertitel
Leben und Werk Shirin Ebadis
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Orientalistik)
Veranstaltung
Gender Studies zur islamischen Welt
Note
2
Autor
Jahr
2008
Seiten
13
Katalognummer
V153665
ISBN (eBook)
9783640661299
ISBN (Buch)
9783640661374
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Menschen, Shirin Ebadi, Iran, Frauenrechtlerin, Menschenrechtlerin
Arbeit zitieren
Julia Khonsari (Autor), 2008, Die Stimme der Stimmlosen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153665

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Stimme der Stimmlosen


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden